Hypertriglyceridämie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 5. April 2016
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Hypertriglyzeridämie ist zunächst einmal ein kaum aussprechbares Wortmonstrum. Dahinter verbirgt sich der medizinische Fachbegriff für zu hohe Blutfettwerte. Diese sind, genau wie ein erhöhtes Cholesterin, ein wesentlicher Risikofaktor für Arteriosklerose und damit für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und peripher-arterielle Verschlusskrankheit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypertriglyzeridämie?

Die Hypertriglyzeridämie ist eine Lipidstoffwechselstörung mit erhöhten Blutfettwerten. Sie ist definiert als Erhöhung der Konzentration an Triglyzeriden (also simplen Fetten) im Blut auf über 200 mg/dl bzw. über 2,3 mmol/l. Die Hypertriglyzeridämie selbst verursacht lange Zeit keine Beschwerden - das macht sie so gefährlich.

Die Hypertriglyzeridämie ist auch vielmehr nur ein Symptom als eine Diagnose: Sie ist einer der ganz großen Risikofaktoren für Arteriosklerose in den Blutgefäßen und begünstigt schwere Erkrankungen wie Herzinfarkt, peripher-arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) und Fettleber.

Ursachen

Die Ursachen der Hypertriglyzeridämie sind vielfältig, lassen sich aber grob in zwei Gruppen unterteilen: Die allermeisten Menschen haben erhöhte Blutfettwerte, weil sie sich fehlernähren und zu wenig bewegen.

Veränderung der Blutgefäße bei Arteriosklerose Oben: Normalbefund eines Blutgefäßes, Mitte: schrittweise Ablagerung von Fett, Thromben, Bindegewebe und Kalk (Plaques) führen zur Verhärtung, Verdickung und Einengung der Gefäßwände Unten: Verschluss eines Blutgefäßes kann zu Infarkt führen.


In Kombination mit Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht spricht man in der Medizin auch vom "metabolischen Syndrom", dem "tödlichen Quartett" der Stoffwechselerkrankungen, die sehr häufig gemeinsam auftreten und sich gegenseitig bedingen.

Des Weiteren kann man aber auch eine Hypertriglyzeridämie aus genetischer Ursache haben oder infolge anderer Erkankungen wie Alkoholkonsum, Schwangerschaft, Nierenfunktionsstörungen oder Medikamenteneinnahme.

Das Wort "Triglyzerid" bedarf noch kurzer Erläuterung: Es handelt sich dabei um das "typische Standard-Fett" (veraltet auch "Neutralfett") und ist ein Begriff aus der Biochemie: Drei ("tri") Fettsäuren werden an den Alkohol Glycerin gebunden - fertig ist das Triglyzerid.

Die verschiedenen Lipidstoffwechselstörungen werden auch "Hyperlipoproteinämien" genannt, weil die Fette im Blut nicht frei herumschwimmen, sondern an Eiweiße (Proteine) gebunden sind.

Manchmal wird die Hypertriglyzeridämie auch mit der Hypercholesterinämie zusammengeworfen und heißt dann "Hyperlipidämie" - was wiederum nichts anderes bedeutet als "erhöhte Blutfettwerte".

Symptome und Verlauf

Ernährungs- und lebenstilbedingte Blutfettwerterhöhungen sind in den westlichen Industrieländern äußerst häufig - Schätzungen zufolge hat jeder Zweite über 40 erhöhte Cholesterinwerte.

Spürbare Beschwerden verursacht eine solche Erhöhung der Blutfette aber zunächst einmal nicht - erst wenn irgendwann Herzinfarkt, Schlaganfall oder Fettleber symptomatisch werden oder im Rahmen eines neu entdeckten Diabetes oder Bluthochdruckes nachgeforscht wird, werden die zugrundeliegenden Stoffwechselentgleisungen entdeckt.

Seltene direkte Symptome sind Xanthome und Xanthelasmen, Fetteinlagerungen in der Haut und in Sehnen. Die Xanthome treten als tastbaren Verdickungen vor allem an den Streckseiten von großen Gelenken wie Knie oder Ellenbogen oder in der Achillessehne sowie in Fingerstrecksehnen auf, Xanthelasmen sind meist beiderseits befindliche gelbliche Einlagerungen auf den oberen Augenlidern.

Auch ein weißer halbmondartiger Ring in der Hornhaut des Auges, der sogenannte Arcus corneau, kann Anzeichen stark erhöhter Lipidwerte sein.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch Messung der Blutfettwerte. Bestimmt werden dabei nicht nur die Triglyzeride, sondern gleich auch das Gesamtcholesterin, das ("böse") LDL- und ("gute") HDL-Cholesterin, das Lipoprotein(a) und einige verschiedene Quotienten, die sich aus diesen Messwerten berechnen. Wichtig ist, dass für eine genaue Triglyzeridbestimmung die Blutentnahme nach zwölfstündiger Nüchternheit erfolgen muss - andernfalls sind die Werte durch den noch stattfindenden Nahrungstransport verfälscht. Die Blutabnahmen werden daher oft in den Morgenstunden gemacht.

Um die Ursache einer derart aufgedeckten Hypertriglyzeridämie zu finden, muss weiterhin auf Diabetes mellitus, Leber- und Gallenwegserkrankungen, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Schilddrüsenerkrankungen und Nierenfunktionsstörungen hin untersucht werden. Außerdem sollte der gesamte Bereich des metabolischen Syndroms abgedeckt und auch einmal der Blutdruck gemessen werden. Für Fälle genetisch bedingter Stoffwechselstörungen gibt es Gentests, die dann eventuell die gesamte direkte Verwandtschaft betreffen können.

Behandlung

Für die Therapie erhöhter Blutfettwerte stehen gute und wirksame Medikamente zur Verfügung - sie kaschieren aber das Problem oft eher, als dass sie es an der Wurzel packen und wirklich lösen würden. Eine Umstellung auf einen gesunden Lebensstil ist daher stets Bestandteil der Behandlung und unbedingt höher zu werten als jedwede Medikation.

Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten und des Lebensstils sind die wichtigsten Therapiemaßnahmen, die jeder Betroffene selbst durchführen muss (siehe Vorbeugung). Es gibt spezielle Ernährungstherapieschemata, welche man meist vier bis acht Wochen lang ausprobieren kann, mit anschließender Kontrolle der Blutwerte. Alkoholkarenz spielt dabei genauso sehr eine Rolle wie regelmäßige Bewegung oder sportliche Betätigung, um die Fette besser zu verbrauchen.

Hilft all das nichts, kommen die Medikamente ins Spiel. Da meist kombinierte Erhöhungen der Blutfette vorliegen, greifen Therapie von Hypercholesterinämie und Hypertriglyzeridämie hier wieder ineinander. Das am häufigsten verschriebene Medikament sind die Statine: Sie hemmen ein Cholesterin-Bildungs-Enzym in der Leber und sind Studien zufolge die wirkungsvollsten Mittel gegen die Hypercholesterinämie, helfen aber auch bei einigen Formen der reinen Hypertriglyzeridämie und schützen insgesamt vor Arteriosklerose.

Fibrate sind dazu eine Alternative, können aber als Nebenwirkung genau wie die Statine Myopathien mit Muskelschmerzen und -zerstörung verursachen. Gallensäurebinder (zum Beispiel Colestyramin) hemmen die Wiederaufnahme von Cholesterin und anderen Fetten im Darm und haben dadurch ein günstiges Nebenwirkungsprofil, dass sie selbst gar nicht ins Blut aufgenommen werden. Cholesterinabsorptionshemmer wie Ezetimib werden derzeit nur in Kombination mit Statinen eingesetzt, da für ihre alleinige Verwendung noch klare Studiendaten fehlen. Bei sekundären Formen der Hypertriglyzeridämien müssen die Grundkrankheiten, also beispielsweise ein Diabetes mellitus, vorrangig behandelt werden.

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Vorbeugung

Bei allen Behandlungsmöglichkeiten der modernen Pharmaindustrie steht und fällt der Therapieerfolg mit dem persönlichen Lebenswandel. Nur so sind Folgekrankheiten der Arteriosklerose zu verhindern.

Da viele Hypertriglyzeridämien durch Über- und Fehlernährung sowie Bewegungsmangel verursacht sind, muss man hier unbedingt zuerst ansetzen. Die Auswahl der Mahlzeiten spielt dabei eine zentrale Rolle, mediterrane Kost ist für viele Mediziner das Zauberwort, wenn es um gesunde Ernährung geht.

Auch sind die meisten industriell gefertigten Lebensmittel heutzutage in Bezug auf Inhaltsstoffe gekennzeichnet, sodass man auch bei Margarine beispielsweise auf einen erniedrigtem Cholesteringehalt achten kann. Diese fettreduzierten Produkte werden mittlerweile geradezu aggressiv beworben und sind im Prinzip auch nicht verkehrt; sie allein machen die gesunde Wirkung allerdings noch nicht aus. Vielmehr ist insgesamt auf eine dauerhaft ausgewogene und gesunde Ernährung zu achten. Und auf der anderen Seite hilft körperliche Bewegung dem Organismus dabei, die Nährstoffe sinnvoll zu verwerten und die angeborenen Regulationsvorgänge des Stoffwechsels aufrecht zu halten.

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