Hypercholesterinämie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. März 2016
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Die medizinische Diagnose Hypercholesterinämie ist nichts anderes als der Fachbegriff für zu hohe Cholesterinwerte. Dass diese schädlich sind, weiß hierzulande mittlerweile jedes Kind - warum eigentlich genau, und wie man dazu kommt, wissen die wenigsten. Im Folgenden daher eine Übersicht zum Thema Cholesterinwerte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypercholesterinämie?

Die Hypercholesterinämie ist eine Stoffwechselerkrankung aus dem Bereich der Lipidstoffwechselstörungen. Sie ist darüber definiert, dass die Cholesterinkonzentration im Blut 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) überschreitet, bzw. 5,2 Millimol pro Liter (mmol/l) nach neuer internationaler Einheit.

Darüber hinaus verursachen erhöhte Cholesterinwerte oft lange Zeit keine Symptome oder Beschwerden - was sie gleichzeitig so gefährlich macht. Die Hypercholesterinämie ist auch selbst eher Symptom als Diagnose: Sie richtet nämlich als Risikofaktor für Arteriosklerose in den Blutgefäßen eine Menge Schaden an und begünstigt schwere Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Fettleber und Entzündungen der Bauchspeicheldrüse.

Ursachen

Das Thema der Lipidstoffwechselstörungen ist ein kompliziertes Fachgebiet aus den Tiefen von Medizin und Biochemie, welches im Folgenden nur kurz angerissen werden kann. Zunächst einmal zu den Begriffen: Das Wort "Hypercholesterinämie" setzt sich zusammen aus der in der Medizin häufigen Vorsilbe "Hyper" für "über" bzw. "zu hoch", der Nachsilbe "ämie" für "im Blut" und dem Wort Cholesterin, welches jeder Mensch mittlerweile schon einmal gehört haben dürfte.

Das Cholesterin ist ein spezielles Lipid, also ein Fett, welches im Körper als Grundgerüst z.B. für die Herstellung von Geschlechtshormonen oder anderen Botenstoffen wie Cortisol oder Aldosteron Verwendung findet. Die Leber kann Cholesterin selber bilden und scheidet es auch ständig über die Galle in den Darm aus, von wo es bei Bedarf auch wieder über die Darmwand rückresorbiert werden kann.

Eine Zufuhr über die Ernährung ist also eigentlich gar nicht nötig, geschieht aber mit unserer westlichen Lebensweise ständig und manchmal in einem so großen Maße, dass der Körper mit der Ausscheidung nicht hinterherkommt - dann kann die Konzentration des Cholesterins im Blut ansteigen.

Ist dies durch die Lebensweise und Fehlernährung bedingt, so spricht man von reaktiv-physiologischer Hypercholesterinämie. Es kann jedoch auch primär durch genetische Bedingungen zu erhöhten Cholesterinwerten kommen oder sie treten sekundär infolge anderer Erkrankungen auf (z.B. Nephrotisches Syndrom, Schilddrüsenunterfunktion, Schwangerschaft, Cortisolmedikation, Gallenstau).

Das Cholesterin schwimmt jedoch nicht einfach so im Blut, sondern wird in kleine Päckchen gepackt. Da es ja fettlöslich ist, würde es sich im wässrigen Blut gar nicht auflösen - um eine Verklumpung zu verhindern, hat sich der Körper hier eine Vielzahl raffinierter Transportsysteme ausgedacht und hüllt die Fetttransporter so ein, dass sie ihre fettlösliche Seite nach innen abschotten und ihre wasserlöslichen Komponenten nach außen strecken.

Markiert mit bestimmten Eiweißen, den sogenannten Apolipoproteinen (apo für "auf", "lipo" für "Fett", "Protein" bedeutet "Eiweiß"), werden die Fetttröpfchen dann von der Leber in die Körperperipherie geschickt und im Optimalfall auch wieder zurück, wenn sie nicht gebraucht werden.

Diese Lipoproteine, also Gebilde aus Fett und Eiweißen, werden medizinisch eingeteilt: Es gibt die Chylomikronen, die alles erst einmal vom Darm abtransportieren, was aufgenommen wurde, dann die VLDL (very low density lipoproteins), welche von der Leber verschifft werden, diese werden dann zu LDL (low density lipoproteins), und erst auf dem Rücktransport spielen dann die HDL (high density lipoproteins) eine Rolle. Die Begriffe LDL und HDL spielen in der Praxis eine große Rolle (siehe unten) - man nennt sie auch das "böse" und das "gute" Cholesterin.

Die Lipidstoffwechselstörungen werden übrigens auch "Hyperlipoproteinämien" genannt, manchmal wird die Hypercholesterinämie auch in einen Topf mit der Hypertriglyzeridämie geworfen und heißt dann einfach "Hyperlipidämie" - erhöhte Blutfettwerte.

Symptome und Verlauf

Überschüssiges Cholesterin kann sich in den Arterienwänden ablagern (Plaque). Die zunehmende Ablagerung von Plaque-Material kann zu einer Verengung bis hin zu einem völligen Verschluss der Blutbahn führen. Arteriosklerose, Schlaganfall oder Herzinfarkt sind häufig die Folge.

Über 50 Prozent der Über-40-Jährigen in den westlichen Industrieländern haben Hochrechnungen zufolge Cholesterinwerte über 200 mg/dl (5,2 mmol/l) und damit eine Hypercholesterinämie - und doch wissen die wenigsten davon.

Symptome macht eine solche Blutfettwerterhöhung nämlich meistens gar nicht (genau wie der oft verwandte Diabetes) - erst wenn irgendwann das Herz einen Infarkt bekommt oder andere Folgeerkrankungen der Atheriosklerose eintreten, werden die seit Jahren bestehenden Stoffwechselverschiebungen aufgedeckt.

Seltene Symptome einer Lipidstoffwechselstörung sind die Xanthome und Xanthelasmen: Es handelt sich dabei um regelrechte Fettablagerungen in der Haut oder in Sehnen.

Im Falle der Xanthome treten diese tastbaren Verdeckungen vor allem an den Streckseiten von Gelenken (Knie, Ellenbogen) oder in Achilles- oder Fingerstrecksehnen auf, Xanthelasmen findet man meist beidseits als gelbliche Einlagerungen auf den Augenlidern, meist zur Nase hin gelegen.

Auch ein weißer Halbmond in der Hornhaut des Auges kann, vor allem bei älteren Menschen, Anzeichen erhöhter Lipidwerte sein: Der sogenannte Arcus corneae.

Diagnose

Die Diagnose von Hypercholesterinämie stützt sich einzig und allein auf die (ggf. wiederholte) Messung der Blutfettwerte. Bestimmt werden dabei umfassend Triglyzeride, Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin, Lipoprotein(a) und diverse Quotienten und Parameter, die sich aus diesen Werten berechnen lassen. Für eine exakte Triglyzeridbestimmung muss die Blutentnahme nach zwölfstündiger Nahrungskarenz (Nüchternheit) erfolgen - die übrigen Werte werden von der letzten Mahlzeit dagegen nur gering beeinflusst. Um eine lebensstilbedingte Hypercholesterinämie von einer sekundären Blutwerterhöhung zu unterscheiden, muss weiterhin auf metabolisches Syndrom, Diabetes mellitus, Leber- und Gallenwegserkrankungen, Pankreatitis, Schilddrüsen- und Nierenfunktionsstörungen hin untersucht werden. In Einzelfällen stehen auch genetische Untersuchungen zur Verfügung, die ggf. die gesamte Familie betreffen können.

Behandlung

Die Therapie erhöhter Cholesterinwerte ist heutzutage wieder etwas mehr umstritten als noch vor Jahren, als jeder Patient mit einem Herzinfarkt und/oder einem Cholesterin über 200 einfach ein Statin angesetzt bekam. Auch heute sind diese Statine noch die besten Medikamente gegen Hypercholesterinämie - man ist jedoch zu der Einsicht gekommen, dass auch sie Nebenwirkungen haben und dass eine Umstellung auf einen gesunden Lebensstil stets höher zu werten ist als jedwede Medikation.

Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten, also weg von fettig, hin zu ballaststoffreich, zur vielgepriesenen mediterranen Kost, und des Lebensstils sind die wichtigsten Therapiepfeiler, die sich jeder Betroffene selbst aufstellen muss (siehe Vorbeugung).

Spezielle Ernährungstherapieschemata stehen zur Verfügung, welchen man einige Wochen unter Kontrolle der Blutwerte eine Chance einräumen sollte. Andernfalls kommen die Medikamente ins Spiel: Statine hemmen ein Cholesterin-Synthese-Enzym in der Leber und regulieren so den Cholesterinstoffwechsel hinab - sie sind die wirkungsvollsten Waffen gegen die Hypercholesterinämie. Fibrate sind eine Alternative, können aber wie auch die Statine Muskelschmerzen und -zerstörung verursachen.

Gallensäurebinder wie Colestyramin unterbinden die Wiederaufnahme ausgeschiedenen Cholesterins im Darm und haben damit ein günstiges Nebenwirkungsprofil, da sie selbst gar nicht ins Blut aufgenommen werden müssen.

Moderne Cholesterinabsorptionshemmer wie Ezetimib werden in Kombination mit Statinen eingesetzt, da für ihre alleinige Verwendung noch sichere Studiendaten fehlen. Nikotinsäure ist dagegen ein schon lange bekannter Wirkstoff gegen alle Blutfetterhöhungen. Bei sekundären Formen müssen die Grundkrankheiten natürlich behandelt werden.

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Vorbeugung

Trotz aller medikamentösen Möglichkeiten steht und fällt der Therapieerfolg und die Verhinderung schwerer Folgeerkrankungen mit dem persönlichen Lebenswandel: Da viele Hypercholesterinämien durch Fehlernährung und Bewegungsmangel verursacht sind, müssen diese unbedingt persönlich bekämpft werden.

Fisch und Hühnchen enthält weniger Fett als Schweine- und Rindfleisch, eine mediterrane Mahlzeit ist viel gesünder als ein Burger und wer sich ab und zu einmal an Salat satt isst, bekommt darin eine Menge Vitamine und Ballaststoffe und ein rasches Sättigungsgefühl noch oben drauf.

Auch sind heutzutage cholesterinhaltige Lebensmittel als solche gekennzeichnet und es gibt zahlreiche Margarine-Varianten mit erniedrigtem Cholesteringehalt - das allein macht die Wirkung jedoch auch nicht aus, Fett ist schließlich trotzdem darin.

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