Herzklappenfehler

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 24. Februar 2015
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Unter einem Herzklappenfehler, medizinisch Klappenvitium oder Klappeninsuffizienz, versteht man die Schädigung bzw. Funktionsstörung einer oder mehrerer Herzklappen. Herzklappenfehler können angeboren sein oder im Lauf des Lebens erworben werden. Sie führen zu einer Schädigung und Schwächung des Herzens, können aber auch einen Schlaganfall oder Herzinfarkt auslösen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Herzklappenfehler?

In der Medizin kennt man zwei Hauptgruppen von Herzklappenfehlern. Dabei bezeichnet "Stenose" (griech. stenós: eng) eine Verengung der Klappen und von einer "Klappeninsuffizienz" ist die Rede, wenn die Herzklappen nicht mehr vollständig schließen.

Im Herzen befinden sich Öffnungen, die während des Pumpvorganges abwechselnd von Klappen verschlossen werden oder geöffnet sind. Grundsätzlich kann jede der vier Herzklappen (Aorten-, Mitralklappe/ Pulmonal- und Trikuspidalklappe) von einer Funktionsstörung (Herzklappenfehler) betroffen sein.

Die Trikuspidalklappe liegt zwischen dem rechten Herzvorhof und der rechten Herzkammer. Die Mitralklappe trennt den linken Vorhof von der linken Kammer.

Die Pulmonalklappe befindet sich zwischen der rechten Herzkammer und der Lungenarterie, die das Blut vom Herzen in den Lungenkreislauf transportiert.

Die Aortenklappe liegt zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader, durch die der Körperkreislauf mit Blut versorgt wird.

Ursachen

Herzklappenfehler können angeboren oder erworben sein. Eine häufiger vorkommende Form des angeborenen Herzklappenfehlers ist der Mitralprolaps. Hierbei wölbt während der Phase, in der der Herzmuskel sich zusammenzieht, das Segel der Mitralklappe zurück in den Vorhof hinein und die Klappe kann nicht mehr richtig schließen. Ein Mitralprolaps entsteht durch eine Bindegewebsschwäche.

Die wichtigsten Ursachen für erworbene Herzklappenfehler sind Entzündungen. Das können rheumatische, virale oder bakterielle Infektionen sein, die die Herzinnenhaut schädigen.

Außerdem ist es möglich, dass die feinen Sehnenfäden, an denen die Enden der Klappen zwischen den Herzvorhöfen und -kammern befestigt sind, abreißen und daraufhin die Klappen nicht mehr vollständig schließen. Es können sich aber auch Kalkablagerungen auf den Herzklappen bilden und so einen Herzklappenfehler verursachen.

Symptome und Verlauf

Mögliche Symptome bei Herzklappenfehler:

  • geringe Belastbarkeit

Einen Herzklappenfehler kann der Betroffene lange Zeit besitzen, ohne etwas davon zu merken. Denn das Herz kann den Funktionsverlust eine Weile auffangen, indem es seinen Muskel verdickt. Die Herzklappenfehler, die am häufigsten auftreten, betreffen die Mitralklappe. Bei der Mitralstenose staut sich im Verlauf der Erkrankung immer mehr Blut in den Lungenkreislauf zurück und eine Herzschwäche entsteht. Der Patient bemerkt das durch Luftnot und eine verminderte Belastbarkeit.

Da auch das Blut, das aus den Körpervenen ins Herz zurückströmt, sich staut, entstehen mit der Zeit Wasseransammlungen in den Beinen. Stark durchblutete Organe wie Leber oder Nieren werden durch den Rückstau bei diesem Herzklappenfehler ebenfalls geschädigt. Außerdem können sich hinter der verengten Klappe Blutkoagel bilden, die sich losreißen und in den Kreislauf geschwemmt werden können. Die Folge kann ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Eine Mitralinsuffizienz verkraftet der Körper meist besser als eine Mitralstenose. Dieser Herzklappenfehler führt möglicherweise zu einer Herzschwäche.

Diagnose

Erste Anzeichen für einen Herzklappenfehler bemerkt ein Kardiologe in der Regel schon beim routinemäßigen Abhören des Brustkorbs mit dem Stethoskop an den vom Normalzustand abweichenden Klappengeräuschen. Eine eindeutige Diagnose wird dann in den meisten Fällen mithilfe einer Echokardiografie, also einer Ultraschalluntersuchung des Herzens gestellt. Dadurch kann der behandelnde Kardiologe die genaue Art des Herzklappenfehlers sowie weitere, für eine nachfolgende Behandlung wichtige Parameter sowie deren Schweregrad ausmachen.

In der modernen Medizin gibt es mittlerweile verschiedene Methoden der Echokardiografie wie die 3D-Echokardiografie oder die transösophageale Echokardiografie, bei der ein biegsamer Schlauch in die Speiseröhre geschoben wird, um näher an das Herz zu kommen. In manchen Fällen kann auch eine sogenannte Stress-Echokardiografie vonnöten sein, bei der die Echokardiografie unter Belastung durchgeführt wird, um das Verhalten der Herzklappe in Belastungssituationen zu dokumentieren.

Zusätzlich zur Echokardiografie werden meistens auch ein Ruhe- sowie ein Langzeit-EKG angeordnet. Mit diesen können dann wichtige Daten über die allgemeine Funktion des Herzens wie beispielsweise über den Herzrhythmus, die Herzfrequenz oder den Blutdruck gesammelt werden. Auch in diesem Fall besteht wieder die Möglichkeit, das EKG auch unter Belastung, z.B. am Fahrradergometer, anzufertigen. Dadurch können dann dieselben Werte auch unter Belastung ausgewertet und ferner festgestellt werden, inwieweit das Herz in seiner Leistung bereits eingeschränkt ist.

Behandlung und Therapie

Je nach genauem Befund können Herzklappenfehler durch Medikamente behandelt werden. Es können harntreibende Mittel verwendet werden, die die Wasseransammlungen im Körper ausschwemmen sollen.

Herzstärkende und blutdrucksenkende Medikamente sollen das Organ bei einem Herzklappenfehler entlasten, Blut verdünnende Mittel die Bildung eines Blutkoagels vermeiden.

Wenn nötig, können Verklebungen oder Ablagerungen operativ gelöst werden. Manchmal ist es bei einem Herzklappenfehler auch nötig, eine neue Herzklappe einzusetzen.

Einem Herzklappenfehler vorzubeugen ist kaum möglich. Da die Erkrankung, sofern sie nicht angeboren ist, aufgrund einer Entzündung entsteht, ist ein gesundes Immunsystem sehr wichtig. Eine vitaminreiche, ausgewogene Ernährung und viel Bewegung an der frischen Luft stärkt die Abwehrkräfte.

Außerdem ist eine ausgeglichene Lebensweise zu empfehlen. Stress schwächt das Immunsystem und belastet das Herz. Daher sollte darauf geachtet werden, Belastungen rechtzeitig zu erkennen und abzubauen. Entspannungsverfahren wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson haben sich hierfür gut bewährt.

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