Atemaussetzer

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. März 2017
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Ein Atemaussetzer oder Schlafapnoe ist eine recht häufige Erkrankung Erwachsener, bei der die Atmung im Schlaf für mehrere Sekunden aussetzt. Diese Unterbrechungen des Atmens stellen auf Grund der mangelnden Sauerstoffversorgung eine erhöhte Gefahr für den Patienten dar, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, und sie verschlimmern Arteriosklerose. Deshalb sollten Atemaussetzer unbedingt von einem Facharzt behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Atemaussetzer?

Atemaussetzer gehören zu den schlafbezogenen Atmungsstörungen. Von einem Atemaussetzer oder Schlafapnoe-Syndrom wird gesprochen, wenn die Atmung eines Schlafenden mindestens fünfmal, oft aber mehr als zehnmal pro Stunde aussetzt und dieser Stillstand mindestens zehn Sekunden, häufig aber länger als eine Minute andauert.

Auf Grund der Atemstillstände kommt es zu einer verringerten Sauerstoffversorgung und zu Weckreaktionen, die jedoch meist nicht wirklich zu einem Aufwachen führen, sondern vielmehr zu beschleunigtem Puls, steigender Herzfrequenz, heftigem Luftschnappen und wieder einsetzendem Atem bzw. Schnarchen.

Der wiederholte Ablauf solcher Phasen während des Schlafs, in schweren Fällen mehrmals innerhalb einer Stunde, hat wiederum zur Folge, dass die Betroffenen unter starker Tagesmüdigkeit oder Einschlafzwang leiden können. Die meisten dieser Patienten sind auch starke Schnarcher, bedingt durch die hohe Entspannung der oberen Atemwege. Allerdings heißt das nicht, dass alle Schnarcher unter Atemaussetzern leiden.

Ursachen

Atemaussetzer haben unterschiedliche Ursachen. Ihnen kann eine Atmungsstörung oder eine neurologische Erkrankung zugrunde liegen. Möglicherweise treten sie als Folge einer Erkrankung wie Herzinfarkt oder Lungenentzündung auf.

Handelt es sich bei dem Beschwerdebild des Atemaussetzers um eine obstruktive, also verengende Apnoe, liegt dieser eine besonders hohe Entspannung der Muskeln im Rachenraum während des Schlafs zugrunde, die zu einer Blockierung der Atemwege im Rachenraum führt und während der auch das Schnarchen aussetzt. Dies hat eine erzwungene Zwerchfell- und Brustatmung zur Folge, bis die Weckreaktion erfolgt, die den Schlafenden vor dem Ersticken schützt und zur Wiederaufnahme des Atmens führt.

Eine zentrale Apnoe ist hirnbedingt und auf eine gestörte Atemregulation im Atemzentrum des Gehirns zurückzuführen. Bei diesen Beschwerden kommt es ebenfalls zum Atemstillstand, jedoch ohne muskuläre Erschlaffung des Rachenraumes. Die Atemwege sind hier also nicht blockiert. Allerdings kommt es zum plötzlichen Stillstand aller Atemmuskeln, einschließlich des Zwerchfells, während dem der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt und der Kohlendioxidgehalt sich erhöht. Dies wiederum löst bei dem Schlafenden eine Weckreaktion und kräftiges Atemschöpfen aus. Die zentrale Schlafapnoe tritt besonders nach einem Schlaganfall und bei vielen Patienten mit Herzmuskelschwäche auf.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Bei Atemaussetzern ist möglichst frühzeitig ein Arzt aufzusuchen. Treten sie während des Nachtschlafes ein, kann es über mehrere Minuten zu Aussetzern und damit zu einem Sauerstoffmangel kommen. Die Atemaussetzer führen zu einer starken Belastung des Organismus und gelten als besorgniserregend. Der Betroffene leidet unter einer Schlafapnoe, die behandelt werden muss.

Die Belastung des Körpers durch regelmäßige Atemaussetzer kann zu weiteren schweren und lebensbedrohenden Zuständen führen. Der mangelnde Sauerstoff im Organismus führt zu einer Zunahme der Herztätigkeit. Da diese dauerhaft das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls erhöht, ist ein Arzt zu konsultieren, sobald die Atemaussetzer über mehrere Wochen anhalten.

Treten die Atemaussetzer nach schweren körperlichen Aktivitäten oder durch sportliche Trainingseinheiten ein, besteht in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge. Es handelt sich um einen normalen Zustand, der sich innerhalb weniger Minuten selbständig reguliert. Dennoch sollte bei einer Verschlechterung oder einem länger anhaltenden Zeitraum der Atemaussetzer ein Arzt konsultiert werden.

Atemaussetzer, die durch Erkältungskrankheiten ausgelöst werden, sind oft verbunden mit weiteren Beschwerden, wie einer Schwellung der Schleimhäute in der Nase oder im Rachen. In diesem Fall ist ein Arzt aufzusuchen, um Maßnahmen zu ergreifen, die eine Linderung einleiten. Durch die Heilung der Grunderkrankung verschwinden auch die Atemaussetzer dauerhaft.

Diagnose und Verlauf

Um Auslöser und Art der Atemaussetzer herauszufinden, kann sich ein Patient von Spezialisten eines Schlafzentrums entweder ambulant oder in einem Schlaflabor untersuchen lassen. Bei der ambulanten Untersuchung wird bei dem zu Hause Schlafenden über ein an ihn angeschlossenes Gerät seine Atmung, der Sauerstoffgehalt des Blutes sowie die Atembewegungen gemessen. Diese Werte werden dann im betreuenden Schlafzentrum ausgelesen.

In einem Schlaflabor werden die oben erwähnten sowie etliche zusätzliche Diagnoseverfahren bei dem dort übernachtenden Patienten angewandt. Während ein bis zwei Nächten wird der Schlafende durchgecheckt. Das beginnt bei den Hirnströmen, die gemessen werden, um Tiefe und Kontinuität des Schlafes festzustellen. Mit einem Langzeit-EKG wird untersucht, ob die Herztätigkeit die für Atemaussetzer typischen Schwankungen aufweist.

Ein über der Oberlippe angebrachter Messfühler untersucht die Atmungstätigkeit, und mittels Sensoren an Brust und Bauch werden die Atmungsbewegungen in diesen Körperbereichen überwacht. Mit Hilfe von neben den Augen befestigten Elektroden können die aufschlussreichen Augenbewegungen, z.B. in der REM-Schlafphase (Rapid-Eye-Movement während Traumphasen), überprüft werden. Des Weiteren werden Muskelspannung, Schnarchgeräusche, Sauerstoffgehalt des Blutes, Beinbewegungen und Körperposition untersucht.

Komplikationen

Atemaussetzer, die meistens nachts in Verbindung mit Schnarchen auftreten, sollten bezüglich eventueller Komplikationen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Schließlich wird in dieser Zeit der gesamte Organismus nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt (hypoxischer Zustand). Je weniger Sauerstoff ins Blut gelangt, umso mehr Stresshormone schüttet der Körper aus. Die Blutgerinnung kann sich erhöhen und die Aderwände werden angegriffen, was als Arteriosklerose diagnostiziert wird. Daraus resultiert eine erhöhte Thrombosegefahr. Auch das Risiko für Bluthochdruck (Hypertonie) steigt signifikant. Die Gefahr, dass sich die Zucker- und Fettwerte erhöhen, ist nicht zu unterschätzen,

Weil die Nachtruhe nicht die nötige Entspannung ermöglicht, kommt es bei vielen Betroffenen zu einem Konzentrationsverlust, der sich negativ auf die Psyche auswirken kann, weil das produktive Verhalten auf der Arbeit mit der Zeit Schaden nimmt. Es besteht zudem eine erhöhte Gefahr für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Liegt eine obstruktive Schlafapnoe (OSAS) als Ursache für die Atemaussetzer vor, so kann im Laufe der Zeit bei ausbleibender Behandlung die Durchgängigkeit der Atemwege weiteren Schaden nehmen. Eine zunehmende Nervenschädigung ist zu befürchten, wenn Atemaussetzer basierend auf einer zentralen Schlafapnoe (ZSAS) nicht behandelt werden. Wird diese Symptomatik nicht behandelt, kann es zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen.

Behandlung und Therapie

Unbehandelte Atemaussetzer verringern nicht nur die alltägliche Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung beträchtlich. Sie bewirken eine unzureichende Sauerstoffversorgung und erhöhen damit die Gefahren eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls.

Leichtere Atemaussetzer können häufig mit Hilfe einer Prothese behoben werden. Diese wird speziell für den Patienten angefertigt, verschiebt den Unterkiefer minimal nach vorn und wird vor dem Schlaf in den Mundraum eingesetzt. Im Idealfall werden dadurch die oberen Atemwege nicht mehr verschlossen und somit kann eine verbesserte Atmung bewirkt werden.

Die Behandlung von stärker ausgeprägter obstruktiver Apnoe besteht vor allem in einer Atemtherapie, wobei die Atemwegs-Überdruck-Behandlung die wirksamste ist. Hier wird während des Schlafes mit einem Atemgerät im Rachenraum oder durch eine Nasenmaske ein Überdruck hergestellt, der wiederum dafür sorgt, dass die Atemwege offen gehalten werden. Das Gerät muss in einem Schlaflabor individuell auf den Patienten eingestellt werden.

Diese Therapie verbessert wesentlich die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Patienten. Sie sorgt für ausgeglichene Atmung und gesunden Schlaf sowie ein Verschwinden des Schnarchens. Die Betroffenen erwachen frisch und ausgeschlafen. Allerdings werden mit dieser Behandlung nur die Symptome der Atemaussetzer behandelt, nicht aber deren Ursachen. Das bedeutet, dass der Patient das Gerät für des Rest seines Lebens während des Schlafes benutzen muss. Bei Feststellung von Engpässen in den oberen Atemwegsbereichen kann ein operativer Eingriff diese entfernen. Ebenso kann eine Schnarchschiene helfen, mit deren Hilfe die Atemwege offen bleiben.

Wenn erwiesen ist, dass die Atemaussetzer vorwiegend oder ausschließlich in Rückenlage auftreten, kann eine seitliche Schlafposition erzwungen werden. Hierfür wurde eine spezielle Schlafweste entwickelt, in deren Rückenteil sich Styroporbälle befinden, so dass ein Schlafen in Rückenlage unmöglich wird.



Aussicht und Prognose

Atemaussetzer führen zu einer Minderung der Lebensqualität. Die Aussetzer unterbrechen die Schlafqualität, die als Basis der Regeneration des gesamten Organismus angesehen werden kann. Die Gedächtnisfunktionen werden unterbrochen und die Erholung ist minimiert. Sobald Atemaussetzer über einen längeren Zeitraum fortdauern, ist mit weiteren Erkrankungen zu rechnen. Die Atemstillstände führen zu einer dauerhaften Belastung des Körpers. Es findet eine regelmäßige Unterversorgung des Gehirns statt. Der Sauerstoff wird ihm nicht in der notwendigen Form zur Verfügung gestellt und muss kompensiert werden. Das führt dazu, dass der Herzschlag erhöht wird. Der Herzmuskel wird durch diesen Prozess einer wechselnden und unregelmäßigen Anstrengung unterzogen. Das kann im weiteren Verlauf zu Herzrhythmusstörungen führen.

Das Risiko eines Herzinfarktes nimmt dadurch deutlich zu. Die Störungen der Durchblutung des Herzmuskels steigen merklich an. Erkrankungen durch einen Defekt des Herzmuskels erhöhen den Blutdruck. Der Druck auf die einzelnen Blutgefäße im Organismus wird dadurch insgesamt erhöht. Damit werden das Herz und auch anderen lebenswichtige Organe einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. Dieser Zustand kann zu Ausfallerscheinungen, Schwindelgefühlen oder Atembeschwerden führen. Kurzatmigkeit stellt sich ein und Patienten zeigen eine erhöhte Nervosität. Darüber hinaus steigt bei einer langanhaltenen Schlafapnoe das Risiko eines Schlaganfalls. Dieser kann neben lebenslangen Lähmungserscheinungen oder verschiedenen Funktionsausfällen auch einen tödlichen Verlauf haben.

Vorbeugung

Um Atemaussetzern vorzubeugen, ist zwischen verhaltensbedingten und krankheitsbedingten Risikofaktoren zu unterscheiden. So sollte beispielsweise der abendliche Alkoholgenuss stark eingeschränkt werden. Es kann auch helfen, an Gewicht zu verlieren, da Fettgewebe Atemaussetzer fördert.

Betroffene sollten versuchen, vorwiegend in Seitenlage zu schlafen. Krankheitsbedingte Faktoren müssen entweder medikamentös oder operativ behandelt werden. Hierzu zählen starker Schnupfen, Bluthochdruck, Verengung des Kehlkopfs oder eine Verkrümmung der Nasenscheidewand. Auf Schlafmittel, die den Muskeltonus herabsetzen (z.B. Diazepam), sollte bei Atemaussetzern verzichtet werden.

Bücher über Atemwegserkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Braun, J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Brigitte kommentierte am 27.01.2016 um 19:38 Uhr

Ich habe folgende Frage, mein Mann Alter 52, Raucher, hatte vor einer Woche vermutlich zum ersten Mal einen epileptischen Anfall. Er ist mit dem Notarzt ins Krankenhaus gekommen, die Ärzte haben mehrere Tests gemacht, aber nichts gefunden (wir befinden uns in Griechenland, nicht in Deutschland). Jetzt haben die Ärzte ihm Keppra500 verschrieben, aber wir haben überlegt erst noch einen Anfall abzuwarten, bevor wir die Tabletten einnehmen. Ist das in Ordnung? Seit längerer Zeit schon habe ich das Gefühl das er Nachts mehrere Atemaussetzer hat, können diese Atemaussetzer in Verbindung mit dem epileptischen Anfall stehen? Wäre schön wenn Sie mir weiterhelfen könnten.