Hepatitis D

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. September 2017
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Hepatitis D ist eine Entzündung der Leber und kommt vorwiegend in Süditalien, Rümänien oder der Türkei vor. Diese Infektion wird durch den Hepatitis-D-Virus (HDV) ausschließlich bei Patienten ausgelöst, die bereits mit Hepatitis B (HBV) infiziert sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hepatitis D?

Hepatitis D (Delta), eine Infektion der Leber, wird durch Viren verursacht und ist meldepflichtig. Sie tritt nur in Verbindung mit Hepatitis B auf, weil das Hepatitis-D-Virus "unvollständig" ist. Es besitzt keine eigene Hülle und benötigt als Hüllenspender das Hepatitis-B-Virus. Wenn eine gleichzeitige Infektion mit Hepatitis B und D erfolgt, wird dies Koinfektion genannt.

Von einer Superinfektion wird gesprochen, wenn die Hepatitis-D-Infektion nach einer bereits bestehenden Hepatitis-B-Infektion auftritt. Eine chronisch verlaufende Hepatitis D, die mehrere Wochen andauert, mündet häufig in eine Leberzirrhose oder sogar in Leberkrebs, wobei eine Ausheilung nur selten möglich ist.

Obwohl in Deutschland schätzungsweise "nur" 30.000 Menschen mit Hepatitis D infiziert sind, sterben hierzulande jährlich mehr Menschen an dieser Erkrankung als an HIV-bedingten Krankheiten.

Ursachen

Wie auch Hepatitis B wird Hepatitis D vorwiegend beim Geschlechtsverkehr (durch Sperma oder Blut) und durch mit infiziertem Blut verunreinigte Nadeln, z.B. bei Drogenmissbrauch, Tätowierung oder Akupunktur, übertragen. Patienten können außerdem bei der Übertragung verunreinigter Blutkonserven infiziert werden.

Die Übertragung kann durch Tränenflüssigkeit, Kontakt mit Schleimhäuten, Muttermilch oder kleineren Verletzungen der Haut erfolgen. Auch während einer Geburt kann es zur Infektion des Babies mit Hepatitis D kommen.

Ebenso können als Übertragungsursache des Virus Gegenstände wie Rasierer, Nagel- oder Zahnpflege von möglicherweise mit Hepatitis D infizierten Personen genannt werden.

Wann zum Arzt?

Wer nach dem Kontakt mit fremdem Blut oder Sperma die Symptome einer Hepatitis-D-Infektion verspürt, hat sich womöglich infiziert und sollte dies zeitnah abklären lassen. Typisches Anzeichen einer Infektion ist beispielsweise eine zunehmende Abgeschlagenheit, die meist mit Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Appetitlosigkeit verbunden ist. Im späteren Verlauf kommen außerdem Fieber, Veränderungen in Stuhlfarbe und -konsistenz sowie Symptome der Gelbsucht hinzu.

Wenn diese Symptome auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden. Die Erkrankung kann bislang zwar nur symptomatisch behandelt werden, eine frühzeitige Therapie ist dennoch essentiell, um die Lebensqualität zu erhalten. Die genannten Symptome machen sich meist etwa drei bis sieben Wochen nach der Infektion bemerkbar. Liegt bereits ein konkreter Verdacht vor, etwa durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, sollte in diesem Zeitraum auf Beschwerden geachtet werden. Wenn tatsächlich Krankheitszeichen auftreten, empfiehlt sich ein umgehender Besuch beim Hausarzt. Der Mediziner kann die Symptome gezielt behandeln und durch die Diagnose eine ungewollte Ausbreitung der Hepatitis D verhindern.

Symptome und Verlauf

Typische Anzeichen von Hepatitis D:

Die Inkubationszeit der Hepatitis D, also der Zeitraum ab einer Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, kann 30 bis 180 Tage dauern. Hepatitis D verläuft ähnlich wie Hepatitis B, ist allerdings besonders aggressiv. Zu Beginn der Infektion leidet der Patient unter Symptomen wie Appetitlosigkeit und Schmerzen im rechten Oberbauch. Hinzu kommen Übelkeit, Durchfall und Fieber. Außerdem stellen sich Muskel- und Gelenkschmerzen ein.

Im weiteren Verlauf der Hepatitis D entsteht oft eine Gelbsucht, bei der sich die Haut, Augen und die Schleimhäute des Patienten gelblich verfärben. Deshalb wird hier auch von Gelbsucht (Ikterus) gesprochen. Weitere Symptome einer fortgeschrittenen Hepatitis D sind heller Stuhl und dunkler Urin, was auf eine Leberschädigung hinweist.

Bei einer gleichzeitig erfolgenden Infizierung mit Hepatitis D und Hepatitis B hindern sich die Viren gegenseitig daran, sich zu vermehren. Obwohl es meist zu einem schweren Verlauf kommt, liegt bei einer Koinfektion die Gefahr eines chronischen Verlaufs der Hepatitis D relativ niedrig, nämlich bei maximal 10 Prozent.

Eine Infektion mit Hepatitis D bei bereits vorhandener Hepatitis B jedoch ist wesentlich gefährlicher als eine alleinige Hepatitis B und auch schwerwiegender als eine Koinfektion. Denn bei der Superinfektion entwickelt sich in bis zu 9 Prozent eine chronische Leberentzündung. Und wenn eine chronische Leberinfektion erst einmal entstanden ist, wird durch diese eine chronische Hepatitis B verstärkt. Hierdurch steigt wiederum die Gefahr einer Leberzirrhose um ein Vielfaches.

Diagnose

Hepatitis D ist nicht einfach zu diagnostizieren. Bei Verdacht auf Hepatitis D wird als Erstes überprüft, ob das HBs-Antigen (HBsAg) der Hepatitis B vorhanden ist. Dies ist die Hülle des Hepatitis-B-Virus, die das Delta-Virus der Hepatitis D benötigt, um sich vermehren zu können.

Sollte HBsAg nachgewiesen werden, sind weitere Tests nötig, um zu überprüfen, ob es sich um eine ausgeheilte oder noch bestehende Hepatitis D handelt (PCR-Test auf HDV-RNA).

Komplikationen

In den meisten Fällen kann die Hepatitis D wieder geheilt werden. Komplikationen treten dabei in der Regel erst dann auf, wenn die Krankheit nicht oder erst spät behandelt wird. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einer starken Gelbsucht und an einer allgemeinen Schwäche. Auch eine starke Müdigkeit und Abgeschlagenheit tritt nicht selten ein und kann die Lebensqualität des Patienten erheblich verringern. Die Betroffenen leiden auch an einem Appetitverlust und an Schmerzen im Bereich des Bauches und des Magens. Nicht selten kommt es auch zu Fieber und zu Schmerzen in den Extremitäten.

Der Urin färbt sich dabei nicht selten dunkel, was zu einer Panikattacke führen. Ebenso kann die Hepatitis D ohne Behandlung zu Leberkrebs führen, welcher für den Betroffenen tödlich sein kann. Zum Tode kommt es auch dann, wenn es neben der Hepatitis D auch zu einer Hepatitis B kommt. Bei der Hepatitis D können in der Regel nur die Beschwerden eingeschränkt werden. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen. Allerdings kann eine vollständige Heilung nicht garantiert werden. Möglicherweise wird auch die Lebenserwartung des Betroffenen durch die Hepatitis D verringert.

Behandlung und Therapie

Eine Hepatitis D erfordert eine kompliziertere Behandlung als Hepatitis B. Letztere wird seit geraumer Zeit mit dem Wirkstoff Peginterferon alfa-2a behandelt.

Auch bei Hepatitis D ist es möglich, eine Therapie mit Peginterferon alfa-2a anzuwenden, wodurch die Viren sowohl der Hepatitis D als auch B stark reduziert werden, allerdings ohne die Infektion wirklich auszuheilen. Nach Abschluss der Therapie kommt es häufig zu einer erneuten Vermehrung des Delta-Virus der Hepatitis D.

Erfolgversprechender wird seit Kurzem eine Kombinationstherapie zweier Wirkstoffe angewandt, bestehend aus aus Peg-Interferon alfa und dem Wirkstoff Adefovir dipivoxil. Diese Therapie wird nun als Standardtherapie zur Behandlung von Hepatitis D betrachtet, da sie sicher und wirksam ist. Hierbei scheint es etwa in einem Viertel der mit Hepatitis D Infizierten zu einer Ausheilung der Virusinfektion zu kommen.

Das Medikament Adefovir dipivoxil verringert dabei die Anzahl der Hepatitis-B-Viren und unterstützt dadurch die Heilung der Hepatitis B, die ja gleichzeitig mit einer Hepatitis D vorhanden ist. Als geheilt gelten jene Patienten, bei denen auch Monate nach Beendigung der Therapie das Hepatitis B-Oberflächenantigen HBsAg nicht mehr im Blut nachweisbar ist.



Vorbeugung

Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung, die auch vor Hepatitis D schützt. Weitere Vorsichtsmaßnahmen betreffen den Geschlechtsverkehr, bei dem unbedingt bei fremden oder verschiedenen Partnern Kondome verwendet werden sollten.

Gebrauchte Spritzen sollten keinesfalls wiederverwendet werden, ebenso wenig wie Gegenstände zur Nagel- oder Zahnpflege oder Rasierer von möglicherweise mit Hepatitis D infizierten Personen.

Bücher über Hepatitis

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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