Glomerulonephritis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 24. Februar 2016
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Der medizinische Fachbegriff Glomerulonephritis umfasst eine Reihe immunvermittelter Erkrankungen, die eine Entzündung des Glomerulus (kleinste Einheit des Funktionsapparates der Niere) verursachen und dabei eine zelluläre Proliferation verursachen, die zu einem vollständigen bindegewebigen Umbau ganzer Nierenbereiche führen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Glomerulonephritis?

Im Fachgebiet der Nierenheilkunde (Nephrologie) gibt es eine Vielzahl, teils sehr spezieller Krankheitsbilder, die eine Glomerulonephrits hervorrufen können. In diesem Fall sollte daher unbedingt ein Experte (Facharzt für Nephrologie) konsultiert werden.

Man unterscheidet primäre Glomerulonephritiden, die sich direkt und nur an der Niere abspielen (akute postinfektiöse GN, IgA-Nephropathie, Alport-Syndrom), von sekundären GN, bei denen die Niere im Rahmen einer Systemerkrankung (Kollagenosen, Vaskulitiden, Endokarditis lenta) nur eines von mehreren betroffenen Organen ist.

Ursachen

Die Ursachen einer Glomerulonephritis sind so vielfältig wie die verschiedenen Krankheitsbilder, die in die Kategorie GN fallen. Zusammenfassend kann man sagen, dass immer genetische und immunologische Vorgänge eine Rolle spielen, oftmals ausgelöst durch einen Infekt im Körper. Was ganz genau bei einer GN passiert, weiß aber die medizinische Forschung selbst noch nicht hundertprozentig.

Vier verschiedene Kategorien wurden gebildet, um ein wenig Übersicht in die Entstehung einer Glomerulonephritis zu bringen:

In die erste Kategorie fallen alle GN, die mit einer Antikörperbildung gegen die glomeruläre Basalmembran einhergehen. Das Goodpasture-Syndrom ist ein Beispiel dafür.

Die zweite Kategorie bilden die Immunkomplex-vermittelten Glomerulonephritiden, bei denen eine Art "Verstopfung" der Kapillarwand am Glomerulum durch Antigen-Antikörper-Komplexe im Mittelpunkt der Problematik steht. Die Nierenbeteiligung beim systemischen Lupus erythematodes ist ein Beispiel, die postinfektiöse GN (Poststreptokokken-GN) ein weiteres.

Bei der dritten Kategorie handelt es sich um ANCA-assoziierte Glomerulonephritiden. ANCA sind Anti-Neutrophilen cytoplasmatische Antikörper, also Autoantikörper, die im Körper zirkulieren und auch die Niere schädigen können.

Viertens kann schließlich auch eine Aktivierung zellvermittelter Immunvorgänge eine glomeruläre Schädigung induzieren. T-Zellen spielen hier eine Hauptrolle, Organabstoßung nach Nierentransplantation ist ein Beispiel für diesen Mechanismus (wenngleich man dies medizinisch nicht als "Glomerulonephritis" einordnen würde, sondern gleich als "Transplantatabstoßung").

Symptome und Verlauf

Symptome einer Glomerulonephritis können ebenfalls sehr unterschiedlich ausfallen. In vielen Fällen sind es Auffälligkeiten in der Urinuntersuchung, die den Mediziner auf eine Entzündung in der Niere hinweisen, während der Patient - wegen einer bekannten chronischen Erkrankung oder aus anderer Ursache in Behandlung - zunächst vollkommen asymptomatisch ist. "Asymptomatische Hämaturie" nennt der Arzt das, wenn Blut im Urin nachweisbar wird, ohne dass der Patient Beschwerden hat. Dieses Blut kann mit bloßem Auge sichtbar sein, liegt meist aber in so geringen Mengen vor, dass es nur in einer Urinsediment-Untersuchung detektiert werden kann.

Zahlreiche Patienten weisen auch eine Proteinurie auf, haben also zu viel Eiweiß im Urin. Dies kann gegebenenfalls durch starkes Schäumen des Urins auffallen.

Wenn die Glomerulonephritis akut verläuft, kann sie jedoch auch massive Beschwerden bereiten. Es kann neben der Hämaturie (Blutspuren im Urin) zu nierenbedingtem Bluthochdruck kommen, Nierenschwellung und -schmerzen sind möglich, im schlimmsten Falle kommt es innerhalb kurzer Zeit zum Versiegen der Urinproduktion und zur Vergiftung des Körpers mit harnpflichtigen Substanzen, die sonst eigentlich laufend über die Niere entgiftet und ausgeschieden werden (akutes Nierenversagen).

Stehen Ödeme im Mittelpunkt des Beschwerdebildes, so könnte auch ein sogenanntes "Nephrotisches Syndrom" vorliegen, was wiederum Hinweis auf bestimmte Glomerulonephritiden sein kann und auch unbedingt in einem Krankenhaus behandelt werden muss.

Diagnose

Zur Diagnostik einer Glomerulonephritis gehört neben der Anamnese (Atemwegsinfekt in der Vorgeschichte? Nierenerkrankungen in der Familie?) und äußeren Untersuchung (Nierenklopfschmerz, Lipödeme) zunächst eine Basisabklärung mittels Urin- und Blutuntersuchung. Dabei ist speziell auf rote Blutkörperchen und Eiweißgehalt im Urin zu achten, gleichzeitig ist die Eiweißkonzentration im Blut für den Vergleich von Bedeutung. Auch die Blutfettwerte werden kontrolliert, da sie beim nephrotischen Syndrom verändert sind. Ebenso sollte der Blutdruck wiederholt gemessen werden.

Zur genauen Abklärung der Ursache ist eine Nierenbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) oft die einzige Möglichkeit. Sie wird aber nur dann durchgeführt, wenn akute Gefahr herrscht und der Verdacht auf eine schwere Nierenerkrankung besteht.

Behandlung

Viele Glomerulonephritiden lassen sich derweil auch zunächst abwartend unter regelmäßiger Kontrolle der Vitalwerte und des Urinbefundes behandeln. Dies wird in der Medizin "symptomatische Therapie" genannt, da lediglich die offensichtlichen Symptome therapiert werden, während man die Ursache selbst nicht behandeln kann.

Dazu gehört eine strikte Kontrolle von Wasser-, Salz-, sowie Eiweiß-Ein-und-Ausfuhr, bei Vorliegen einer Proteinurie oder eines Bluthochdrucks eine medikamentöse Therapie derselben mit ACE-Hemmern und bei veränderten Blutfettwerten eine medikamentöse Therapie selbiger mit Statinen.

In schweren oder unberechenbaren Fällen greift man zu Steroiden wie Kortison, welche die Entzündungsaktivität im gesamten Körper herunter regulieren und so auch die Glomerulonephritis der Niere bremsen können. Auch Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid oder Azathioprion können zum Einsatz kommen.

Zudem hängt die Therapie sehr von der Verdachtsdiagnose ab; vermutet man eine Poststreptokokken-Glomerulonephritis, ist beispielsweise eine Antibiotikatherapie mit Penicillinen angezeigt.

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Vorbeugung

Prophylaktisch kann man eine Glomerulonephritis eigentlich überhaupt nicht verhindern, da Autoimmunerkrankungen eigentlich nie auf Risikofaktoren oder Fehlverhalten des Einzelnen zurückzuführen sind. Vielleicht wird die medizinische Forschung hier in Zukunft nähere Einzelheiten ans Tageslicht führen können. Lediglich die postinfektiösen (Poststreptokokken-)GN lassen sich eventuell verhindern, wenn Streptokokkeninfektionen von Mundhöhle und Rachen (oft Mandelentzündungen) von vornherein konsequent mit Penicillin behandelt werden.

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