Urinuntersuchung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. Oktober 2017
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Als Urinuntersuchung wird die eingehende Analyse einer Harnprobe bezeichnet. Sie gehört zu den ältesten menschlichen Diagnoseverfahren. In der Medizin trägt die Urinuntersuchung auch die Bezeichnungen Harnuntersuchung, Urintest oder Urinanalyse. Gemeint ist damit eine diagnostische Methode, in deren Rahmen die Untersuchung einer Urinprobe stattfindet. Zusammen mit der Blutuntersuchung zählt die Urinanalyse zu den medizinischen Routineuntersuchungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Urinuntersuchung?

Die Untersuchung von Urin fand schon in der Antike statt und wurde „Harnschau“ genannt. Dabei betrachtete der Mediziner den Harn und nahm eine Geruchsprüfung vor, um bestimmte Krankheiten zu ermitteln. So ließ sich zum Beispiel die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) durch den typischen süßen Uringeschmack erkennen.

In der heutigen Zeit greift die Medizin in der Regel auf spezielle Urinteststreifen zurück. Diese sind preisgünstig und lassen sich rasch und simpel analysieren. Dabei wird in erster Linie nach Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Glukose, Nitrit und Eiweiß gesucht.

Durch die mikroskopischen Bestandteile, die chemische Zusammensetzung, Geruch und Farbe des Urins erhält der Arzt Aufschluss über den Gesundheitszustand des Patienten. Mitunter kann allerdings der Genuss von verschiedenen Gewürzen oder Speisen sich auf den Uringeruch auswirken. Dazu gehören vor allem Knoblauch und Spargel. Ist bei der Urinuntersuchung ein intensiver Obstgeruch wahrzunehmen, gilt dies als Hinweis auf eine erhöhte Acetonausscheidung, die bei Diabetes auftritt.

Die Urinuntersuchung gehört zu den häufigsten Diagnosemethoden in der Medizin. Mittels Urin-Teststreifen können verschiedene Faktoren und Werte schnell und effektiv analysiert werden.

Anwendungsgebiete

U.a. folgende Krankheiten und Symptome können eine Urinanalyse notwendig machen:

Eine Urinuntersuchung findet statt, wenn der Arzt genaue Erkenntnisse über die Zusammensetzung des Harns benötigt. So liefern zum Beispiel Stoffe im Urin, die im Harn von gesunden Menschen nicht enthalten sind, Hinweise auf eine bestimmte Grunderkrankung.

Die Urinanalyse zählt zu den häufigsten Laboruntersuchungen der Medizin. Sie hat eine Vielzahl an Indikationen. Dazu zählen u. a. Erkrankungen der ableitenden Harnwege wie Harnwegsinfektionen, Harnsteinleiden (Urolithiasis) und Urothelkarzinome, Nierenerkrankungen wie eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) oder eine Glomerulonephritis sowie Infektionen wie eine Pneumokokkeninfektion, eine Legionellenpneumonie und eine Urogenitaltuberkulose. Weitere Anwendungsgebiete sind Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, ein Phäochromozytom oder Porphyrie.

Um Diabetes mellitus zu diagnostizieren, müssen Zucker und Eiweiß im Urin nachgewiesen werden. Aber auch andere Fragestellungen lassen sich mithilfe einer Urinuntersuchung abklären. Dabei handelt es sich um Schwangerschaftstests, eine Urinprobe zum Nachweis von Doping oder von Drogensucht, sowie die Toxikologie zur Identifikation von Giftstoffen. Ebenso ist mit einer Harnuntersuchung der Nachweis von Blut im Urin möglich. Ein solcher Befund hat fast immer Krankheitswert und weist auf Harnwegs- oder Niereninfekte hin.

Welche Methoden und Verfahren gibt es?

In der heutigen Zeit wird in der Schulmedizin auf das bloße Betrachten des Urins meist verzichtet. Grund dafür ist, dass sich der Urin durch die Einnahme von Medikamenten, die Zufuhr von bestimmten Flüssigkeiten, Entzündungen oder innere Erkrankungen deutlich verändert. Ist eine Veränderung für die Diagnose von Bedeutung, wird das Aussehen des Urins jedoch festgehalten.

Grundsätzlich lässt sich eine Urinanalyse von Ärzten jeglicher Fachbereiche vornehmen. Als beste Anlaufstelle gelten Fachmediziner für Urologie und Nephrologie, die über eine spezielle Qualifikation verfügen. Um das spezifische Harngewicht zu überprüfen, taucht der Arzt eine Messspindel in den Urin ein. Auf diese Weise ermittelt er das präzise Gewicht-Volumen-Verhältnis. Dadurch lässt sich die Antwort finden, wie viele gelöste Harnbestandteile in der Urinprobe vorkommen. Da konzentrierter Urin weniger Wasser enthält, verfügt er über ein höheres spezifisches Gewicht.

Die Beurteilung der Urinprobe erfolgt nach unterschiedlichen Kriterien. So ist u. a. die Menge an Urin, die pro Tag ausgeschieden wird, von Bedeutung. Beispielsweise gilt eine erhöhte Harnausscheidung als Indiz für Diabetes. Dagegen kann eine verminderte Ausscheidung des Urins ein Hinweis auf eine Nierenstörung sein. Ebenfalls von Wichtigkeit ist die Beschaffenheit des Harns, wozu eine frische Urinprobe erforderlich ist.

In der Regel erfolgt eine Urinprobe am Morgen, weil der Harn zu dieser Tageszeit besonders konzentriert ausfällt. Verwendung findet dabei der Mittelstrahlurin. Im Falle von bestimmten Fragestellungen kann auch der Erststrahlurin von Bedeutung sein.

Eine weitere Form der Urinuntersuchung stellt der 24-Stunden-Sammelurin dar. Er dient zur Messung von unterschiedlichen Substanzen im Harn. Isolierte Urinproben eignen sich für eine solche Analyse weniger gut, weil Schwankungen der Urinkonzentration vorliegen. Außerdem hängt sie von der Zufuhr von Flüssigkeit ab. Wird der Urin hingegen 24 Stunden lang gesammelt, lassen sich derlei Schwankungen ausgleichen.

Für weitere Urinuntersuchungen gelangen Teststreifen zur Anwendung, mit denen sich der pH-Wert im Harn bestimmen lässt. Des Weiteren sind Bestandteile wie Zucker, Eiweiß und Blut im Urin mit diesem Verfahren feststellbar. Ansonsten findet die Urinanalyse unter einem Mikroskop statt.

Urinuntersuchung (Urinanalyse) verstehen

Urinuntersuchung (Urinanalyse) - Erklärung
Beschaffenheit/Wert Erläuterung
MengeGeringe Urinmengen können auf eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr oder Nierenprobleme hinweisen.
FärbungRötlicher Urin lässt auf Blutbeimengungen schließen. Dunkler Urin kann auf zu geringe Flüssigkeitszufuhr hindeuten.
GeruchLebensmittel (z.B. Spargel) können den Geruch von Urin verändern. Wurden keine entsprechenden Lebensmittel verzehrt, dann ist stark bzw. übel riechender Urin häufig ein Hinweis auf einen entzündlichen Prozess der Harnwege.
pH-WertDer pH-Wert misst den Säuregehalt des Urins. Bei gesunden Menschen liegt der pH-Wert abhängig von der Ernährung zwischen 5 und 7 (leicht sauer). Werte unter 5 können auf eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder starke Durchfallerkrankungen hindeuten. Alkalische Werte (über 7) können ein Hinweis auf eine bakterielle Harwegsinfektion sein.
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)Eine erhöhte Zahl an weiße Blutkörperchen (Leukozyten) weist auf eine Entzündung der Nieren und/oder der Harnwege hin.
BilirubinBilirubin ist das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. Ein erhöhter Bilirubin-Wert kann auf eine Lebererkrankung hinweisen.
Glukose (Zucker)Erhöhte Zuckerwerte lassen auf die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Auch bei einer Schwangerschaft lassen sich höhere Zuckerwerte im Urin nachweisen.
NitritEinige Bakterienstämme wandeln Nitrat in Nitrit um. Nitrit im Urin ist daher ein sicherer Hinweis auf eine bakterielle Harnwegsinfektion.
EiweißBei gesunden Menschen lassen sich keine bzw. nur geringe Mengen Eiweiß nachweisen. Erhöhte Eiweiß-Werte deuten auf eine Entzündungsreaktion der Nieren hin.
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)Werden rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Urin nachgewiesen kann dies auf eine Entzündung der Nieren, Blase oder Harnwege hindeuten.
KetoneLassen sich Ketone im Urin feststellen ist dies ein Hinweis auf zu hohe Zuckerwerte (Alarmsignal bei Diabetikern).

Was muss der Patient im Vorfeld beachten?

Vor einer Urinuntersuchung sollte der Arzt Bescheid über die Krankengeschichte des Patienten wissen. Dazu gehört u. a. die Einnahme von Arzneimitteln. Zur Abgabe einer Urinprobe ist es ratsam, auf Sammelgefäße aus dem Haushalt zu verzichten und stattdessen spezielle Gefäße zu verwenden, die vom Arzt stammen. Bevor die Urinprobe stattfindet, empfiehlt sich die Reinigung des Genitals. Später werden die Resultate der Urinuntersuchung mit dem Arzt besprochen, der die Urinwerte erläutert und eventuelle nötige Therapiemaßnahmen vorschlägt.

Ablauf und Durchführung

Die Abgabe einer Urinprobe im Rahmen einer Urinuntersuchung muss der Patient auf der Toilette selbst vornehmen. Dabei fängt er den Urin in einem speziellen Behältnis auf. Die besten Aufschlüsse für die Analyse liefert der Mittelstrahlurin. Das bedeutet, dass weder der Erststrahlurin noch der restliche Harn in den Behälter gelangen dürfen. Auf diese Weise lässt sich zudem einer Verunreinigung des Urins entgegenwirken. Hält sich der Patient nicht an die Vorgaben, besteht das Risiko, dass es zu falsch positiven Untersuchungsergebnissen kommt. Im Falle von unklaren Befunden lässt sich der Urin auch durch eine suprapubische Blasenpunktion unmittelbar aus der Harnblase gewinnen.

Findet eine 24-Stunden-Urinprobe statt, sammelt der Patient den ganzen Tag über seinen Mittelstrahlurin in dem Behälter. In manchen Fällen ist das Gewinnen einer Urinprobe mit einem Katheter möglich. Nach der Abgabe der Urinprobe beurteilt der Arzt Menge und Färbung des Harns. Weist er eine rötliche Färbung auf, weist dies auf Blutungen hin. Hat sich der Urin dunkel verfärbt, gilt dies als Indiz für eine zu niedrige Flüssigkeitszufuhr. Bei einem üblen Geruch kann eine Entzündung vorliegen.

Soll die Urinuntersuchung schnell vorgenommen werden, ist die Verwendung eines Teststreifens möglich. Eine wichtige Rolle spielt dabei, wie viele Substanzen in welcher Konzentration im Harn enthalten sind. So kommt es zu einer Verfärbung der Indikatorfelder, die auf dem Teststreifen angebracht sind. Bestimmt werden die Urinwerte durch Spezialtabellen, die Aufschluss über die Farben der Indikatorfelder liefern.

Erfolgt die Urinuntersuchung per Mikroskop, gewinnt der Arzt aus der Urinprobe mithilfe einer Zentrifuge ein Urinsediment. Gemeint sind damit die festen Urinbestandteile. Durch das Mikroskop identifiziert und beurteilt der Arzt Leukozyten, Erythrozyten, Bakterien, Parasiten, Kristalle und Salze. Ebenfalls möglich ist das Anlegen einer Urinkultur. Bei diesem Verfahren erfolgt die Abgabe der Urinprobe auf einen Nährboden.

Im Anschluss daran wird die Probe in einem Brutschrank untergebracht. Sind im Harn Pilze oder Bakterien enthalten, können diese auf dem Nährboden sehr gut gedeihen. Außerdem lässt sich beurteilen, ob sie gegen bestimmte Arzneimittel resistent sind.

Mithilfe der Resultate der Urinuntersuchung erstellt der Arzt eine Diagnose, wodurch er eine passende Behandlung einleiten kann. Teststeifen für eine Urinuntersuchung lassen sich auch ohne Rezept in der Apotheke erhalten. Der Anwender erhält dadurch die Möglichkeit, seinen Urin selbst zu untersuchen. Allerdings ist dies kein Ersatz für eine professionelle Urinanalyse.



Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Wird die Urinuntersuchung durchgeführt, weil Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung besteht, tragen die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten für das Verfahren. Sofern Bedarf vorliegt, bieten Arztpraxen die Untersuchung auch als private Leistung an.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Die konventionelle Urinuntersuchung zählt zu den Diagnoseverfahren, bei denen keinerlei Komplikationen zu befürchten sind. Allerdings ist die Gefahr gegeben, dass es aufgrund einer falschen Lagerung der Urinprobe, der Einnahme von größeren Mengen an Vitamin C oder durch Bakterien zu falschen Untersuchungsresultaten kommt. Erfolgt die Urinuntersuchung durch den Einsatz eines Katheters, besteht das Risiko, dass die Harnröhre in Mitleidenschaft gezogen wird oder Infektionen auftreten.

Bücher über Laborwerte

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hof H, Dörries R. Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage(2009)
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007

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