Autoimmunerkrankung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. Juni 2017
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Autoimmunerkrankungen sind meistens erste Erkrankungszustände, die das Immunsystem des Betroffenen selbst ausgelöst hat. Dabei werden eigene Körperzellen genetisch bedingt als fremd erkannt und angegriffen; Autoimmunerkrankungen sind dadurch unheilbar.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Autoimmunerkrankungen?

Bei der Autoimmunerkrankung werden körpereigene Zellen und Gewebsstrukturen nicht mehr als zum Körper zugehörig erkannt, sondern als Krankheitskeime. Der Körper bildet Abwehrzellen gegen sich selbst und zerstört dadurch schlimmstenfalls wichtige Gewebsarten.

Leichte Autoimmunerkrankungen lassen sich oft symptomatisch so weit behandeln, dass sie die Lebensqualität des Betroffenen nur noch minimal einschränken. Schwerwiegende Autoimmunerkrankungen können das Leben dagegen schwer beeinträchtigen. Häufige Autoimmunerkrankungen sind Morbus Bechterew, Arteriosklerose, Morbus Crohn (chronische Darmentzündung) oder Arthritis.

Ursachen

Die genauen Ursachen einer Autoimmunerkrankung sind noch nicht abschließend geklärt. In den meisten Fällen liegt ein genetischer Defekt von Geburt an vor; im Raum stehen allerdings Auslöser von außen. Autoimmunerkrankungen könnten sich dann zwar im genetischen Code befinden, doch ob und wann sie jemals ausbrechen, bleibt eine Frage der Umwelteinflüsse. Worin diese bestehen und ob sie sich auf jeden poteziell Autoimmunkranken gleich auswirken, ist ebenfalls noch fraglich.

Eine von vielen möglichen Hypothesen besagt, dass jeder Mensch eine Zelle-Oberfläche ausbildet, die für ihn charakteristisch ist; ähnelt diese Struktur zu sehr der Oberfläche eines Krankheitserregers, kann es zur Autoimmunerkrankung kommen. Auch zu hohe Hygienemaßnahmen könnte eine Rolle spielen. In diesem Fall ist das Immunsystem durch die Hygiene unterfordert und richtet sich dann gegen den eigenen Körper.

Typische Autoimmunerkrankungen

Wann zum Arzt?

Anzeichen und Symptome einer Autoimmunerkrankung sind vielfältig und je nach der vorliegenden Erkrankung sehr individuell. Grundsätzlich sollte immer dann ein Arzt aufgesucht werden, wenn ein Gefühl des allgemeinen Unwohlseins auftritt und über mehrere Tage anhält. Leidet der Betroffene unter Müdigkeit, einer Schwäche, Schlafstörungen oder fällt sein gewohntes Leistungs- sowie Kräfteniveau merklich ab, sollte er sich ärztlichen Untersuchungen stellen.

Bei einer Zunahme vorhandener Beschwerden oder dem Auftreten neuer Symptome ist grundsätzlich ein Arztbesuch ratsam, auch wenn es vermeintlich keinen Zusammenhang zwischen den Beschwerden gibt. Ist der Betroffene besonders anfällig gegenüber Viruserkrankungen oder leidet er unter Konzentrationsproblemen, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Emotionale Probleme, depressive Zustände und Empfindungsstörungen sind medizinisch abzuklären, wenn sie über mehrere Wochen anhalten.

Ein Gefühl von Taubheit oder ein Kribbeln auf der Haut sollte untersucht und behandelt werden, wenn es regelmäßig wiederkehrt oder sich am Körper ausbreitet. Kommt es zu Hautveränderungen, einem Juckreiz oder Seh- sowie Wahrnehmungsstörungen, ist ein Arztbesuch notwendig. Eine Muskelschwäche, Herz-Rhythmus-Störungen und anhaltende Magen-Darm-Beschwerden müssen von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Schmerzen, Knochenbeschwerden, Störungen des Bewegungsablaufes oder Schwellungen sowie Knotenbildungen am Körper sollten von einem Arzt abgeklärt werden, wenn sie ohne einen ersichtlichen Grund auftreten.

Symptome und Verlauf

Die Anzeichen einer Autoimmunerkrankung sind von Krankheitsbild zu Krankheitsbild komplett unterschiedlich. Manchmal stellen sich die ersten körperlichen Veränderungen sehr schnell ein; andere entwickeln sich so schleichend und langsam, dass der Betroffene kaum bemerkt, dass er erkrankt.

Anfangs berichten Patienten von diversen Symptomen, die von Ärzten nicht richtig oder erst spät richtig eingeschätzt werden. Oftmals sind es harmlose Symptome wie Ausschlag, Juckreiz, Müdigkeit oder Kribbeln der Hände und Füße.

Die Bulbärneuritis ist beispielsweise eine von vielen Autoimmunerkrankungen. Dabei kommt es zu einer Sehstörung, wobei sich ein grauer Schleier vor die klare Sicht legt, was so langsam geschehen kann, dass der Betroffene die Autoimmunerkrankung nur wahrnimmt, wenn sie bereits dringend behandelt werden muss.

Diagnose

Bei der Diagnose einer Autoimmunerkrankung handelt es sich häufig um eine Differenzialdiagnose, was bedeutet, dass andere körperliche Ursachen oder Infektionskrankheiten zunächst ausgeschlossen wurden. Danach wird das Blut des Patienten auf den Verdacht auf Autoimmunerkrankung hin untersucht und die Anzahl der serologischen Autoantikörper gemessen.

Sie deuten darauf hin, dass der Körper einen Eindringling bekämpft; doch wenn keiner gefunden werden kann und auch die äußerlichen Symptome auf eine vermutete Autoimmunerkrankung passen, dann kann mit der Behandlung begonnen werden.

Komplikationen

Es gibt verschiedene Arten einer Autoimmunerkrankung, die zu den unterschiedlichsten Komplikationen führen kann. Eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse beispielsweise kann sowohl zu einer Unterfunktion (Hashimoto-Thyreoditis) als auch zu einer Überfunktion (Morbus Basedow) führen. Bei einer Hashimoto-Erkrankung kann es zu einer Enzephalopathie führen, die durch Psychosen und Anfällen gekennzeichnet ist. Die Überfunktion kann in eine thyreotoxische Krise enden, der Betroffene weist dabei erhöhte Temperatur, neurologische und gastrointestinale Symptomatik auf. Auch ein Herzrasen tritt dabei häufig auf. Dies kann unbehandelt häufig zum Tode enden.

Autoimmunerkrankungen können auch die Leber betreffen. Dabei kann es zu einem narbigen Umbau der Leber führen, was schließlich in eine Zirrhose endet. Der Betroffene weist dabei Bildungsstörungen der Proteine vor. Folgen sind hierbei Ödeme und Störungen in der Gerinnung. Des Weiteren sind auch Krampfadern im Bereich der Speiseröhre und Hämorrhoiden häufige Folgen einer Leberzirrhose. Auch die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Leberkrebses ist drastisch erhöht. Bei der autoimmunen Erkrankung Multiple Sklerose werden die Muskeln des Betroffenen zunehmend schwächer bis dieser schließlich invalide und damit pflegebedürftig wird. Häufig werden hierbei eine Stuhl- und Harninkontinenz beobachtet. MS-Patienten erleiden zudem gehäuft Infektionen der Atemwege wie eine Pneumonie oder Bronchitis. Die Nervenerkrankung führt auch gehäuft zu einer Veränderung der Persönlichkeit des Patienten.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung einer Autoimmunerkrankung gestaltet sich dahingehend als schwierig, da sowohl die Symptome als auch die Autoimmunerkrankung selbst bekämpft werden müssen. Heilbar sind Autoimmunerkrankungen bislang nicht, denn sie haben eine genetische Ursache und zur Heilung müsste am falsch kodierten Gen etwas verändert werden - so weit ist selbst die moderne Medizin nicht.

Allerdings lassen sich die Auswirkungen der meisten Autoimmunerkrankungen effektiv behandeln, sodass für den Betroffenen ein verhältnismäßig normaler Lebensstil möglich wird. Darüber hinaus werden Autoimmunerkrankungen mithilfe von Immunsuppressiva behandelt, die die Wirkung des Immunsystems hemmen - dadurch kann es weniger Autoantikörper produzieren und der Patient fühlt sich zumindest besser.

Das steigert allerdings auch das Risiko, an Infektionen zu erkranken, da sich das schwache Immunsystem auch gegen sie nicht mehr effektiv wehren könnte. Da Autoimmunerkrankungen fast immer in Schüben auftreten und dann besonders schlimm sind, werden die belastenden Immunsuppressiva nur dann verabreicht, wenn wieder ein Schub erkennbar wird, sich also die Symptome verschlimmern und mehr Autoantikörper als sonst im Blut nachgewiesen werden können. Je nach Gesundheitszustand des Patienten und Autoimmunerkrankung kann ein Krankenhausaufenthalt für die Dauer der Gabe der Immunsuppressiva notwendig werden, um Infektionen in dieser Zeit zu verhindern.



Vorbeugung

Autoimmunerkrankungen kann man nicht vorbeugen. Sie entstehen vermutlich durch die genetische Disposition und einem Trigger von außen; eine Mischung, die als "bad luck and bad genes" bezeichnet wird. Bis diese Auslöser bekannt sind und eine genetische Disposition zur Autoimmunerkrankung erkannt werden kann, kann ihr Ausbruch auch nicht verhindert werden.

Manche Autoimmunerkrankung liegen in der Familie und auch andere Familienmitglieder litten bereits daran. In solchen Fällen können Angehörige nachvollziehen, ob sie ebenfalls betroffen sein könnten. Dann wäre es natürlich schon hilfreich, bekannte Trigger zu meiden.

Bei den meisten Autoimmunerkrankungen handelt es sich dabei um Stress, Genuss ungesunder Substanzen wie Alkohol und Tabak oder der Kontakt mit Stoffen, die allgemein als ungesund gelten.

Bis jedoch eine genetische Disposition zur Autoimmunerkrankung nachgewiesen werden kann, empfiehlt sich jedem Menschen ein möglichst gesunder Lebensstil, da dieser langfristig zu gesteigertem Wohlbefinden beiträgt und auch das Risiko einer Autoimmunerkrankung im Fall der Fälle senkt.

Bücher über Autoimmunerkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

S.K. kommentierte am 06.04.2017 um 12:46 Uhr

Ich leide seit ca. 19 Jahren unter Polymyositis. Derzeit werde ich mit Kortison und Cyclosorin behandelt. Bei diesen Medikamenten ist unbedingt ein Magenschutz einzunehmen. Es ist empfehlenswert auf das Gewicht und gesunde Ernährung zu achten sowie Sport zu betreiben. Fertigprodukte und gesüßte Limonaden sollte man möglichst meiden. Übergewicht ist deshalb zu meiden, da sich die Dosierung der Medikamente nach dem Gewicht richtet. Ich hatte bei einer Größe von 162 cm ein Gewicht von 85 Kilo. Nach einer gezielten Gewichtsabnahme von 26 Kg konnte ich die Medikamente um die Hälfte reduzieren. Ich hatte vorher hohen Blutdruck, Diabetes und Osteoporose. Der Blutdruck hat sich normalisiert. Für den Diabetes brauche ich nur Diät halten und die Osteporose hat sich sehr gebessert. Für die Osteporose bekomme ich halbjährlich eine Injektion mit Prolia. Weiterhin nehme ich Kalzium und Vitamin D zum Aufbau der Knochen. Als Training empfliehlt sich Pilates 2 bis 3 mal eine Stunde pro Woche. Alle 2 bis 3 Jahre sollte eine Knochendichtemessug vorgenommen werden. Durch die Entzündungen kann sich ein Eisenmangel ergeben, der dann durch die Einnahme von Eisenpreperaten behoben werden kann. Bei meiner Erkrankung greift das Immunsystem die Muskeln (Schmerzen ähnlich wie bei Muskelkater nur wesentlich stärker), die Lunge (Gefahr einer Lungenfibrose, daher Lungenfuntionstest und Messung der Blutsauerstoffwerte 1/4 Jährlich bei Lungenfacharzt erforderlich) und die Schilddrüse an. Bei der Schilddrüse habe ich eine Unterfunktion die mit dem Medikament Tyrex behandelt wird. Durch die jahrelange Einnahme von Kortison haben sich bei mir starke Schlafprobleme entwickelt. Hier kommte mir ein Neurologe durch eine Kombination von verschiedenen Antdepressiva helfen. Um Infektionen zu vermeiden trage ich in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Atemschutzmaske. Dies hört sich etwas seltsam an und die Leute schauen mich ganz komisch an, aber daran habe ich mich gewöhnt. Ich brauche seither weniger Antibiotika. Wenn ich nach Hause komme wasche und desinfisziere ich mir die Hände. Stress sollte auch vermieden werden, da sich dadurch die Erkrankung verschlechtern kann. Ich hoffe ich kann mit meinen Betrag anderen Betroffenen etwas helfen.