Geräuschüberempfindlichkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Juli 2017
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Wie angenehm die Lautstärke eines Geräuschpegels empfunden wird, variiert stark von Mensch zu Mensch. Weicht die subjektive Lautstärken-Toleranzschwelle jedoch signifikant von der Norm ab, spricht man von einer Geräuschüberempfindlichkeit. Betroffene empfinden bereits leise bis normal laute Umgebungsgeräusche als unangenehm – häufig wird das psychische Unbehagen von körperlichen Stressreaktionen begleitet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Geräuschüberempfindlichkeit?

Die Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) tritt bei etwa 8 Prozent der Bevölkerung auf. Sie geht mit einer Störung der akustischen Reizaufnahme, -weiterleitung oder -verarbeitung einher.

Dies führt dazu, dass bei Betroffenen bereits in Frequenzbereichen unter 100 dB, die normalerweise nicht als unangenehm empfunden werden, heftige Symptome einer Geräuschüberempfindlichkeit auftreten können. Durch Hörtherapien und gegebenenfalls gezielte Behandlungen zugrunde liegender Erkrankungen kann eine Geräuschüberempfindlichkeit gut behandelt werden.

Ursachen

Die Ursachen einer Geräuschüberempfindlichkeit sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. Generell fördern eine laute Wohn- und Arbeitsumgebung, sowie ein hektischer Lebensstil die Entstehung der Störung. Am häufigsten tritt die Geräuschüberempfindlichkeit im Zusammenhang mit Erkrankungen auf, die die normale Reizverarbeitung stören können:

  • Organische Erkrankungen/Verletzungen des Ohres, des Gehörgangs oder des Gehirns
  • Bei Innenohrschwerhörigen: „Recruitment“ (krankheitsbedingt fehlender Lautstärkenausgleich)

Psychische Erkrankungen – insbesondere Angststörungen – stellen die häufigsten Ursachen dar. Sie versetzen den Körper durch erhöhte Ausschüttung von Stressbotenstoffen (Adrenalin, Dopamin) in dauerhafte Alarmbereitschaft. Dieser nervöse Erregungszustand kann bereits bei leichten Reizen, wie normalen Umgebungsgeräuschen, zu starken psychischen und körperlichen Überreaktionen führen.

Nervenschädigungen durch neurologische Erkrankungen können in einigen Fällen ebenfalls zu einer Störung wichtiger Filtermechanismen bei der Reizweiterleitung führen. Schließlich können nach Unfällen (insbesondere mit Schädel-Hirn-Trauma) organische Verletzungen auftreten, die eine Geräuschüberempfindlichkeit verursachen können.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome:

Die Begleitsymptome einer Geräuschüberempfindlichkeit entsprechen zumeist typischen Stresssymptomen, wie innere Unruhe, Nervosität, beschleunigter Puls, Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Unwohlsein bis hin zu depressiven Verstimmungen und häufig tritt Tinnitus als häufiges Begleitsymptom auf.

Der Verlauf der Störung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Psychische Erkrankungen und Störungen der Stressregulation sind bei rechtzeitigem Therapiebeginn in der Regel gut behandelbar. Da Betroffene aus Selbstschutz dazu neigen, laute Umgebungen zu meiden, ist frühzeitige Hilfe auch deshalb wichtig, da die Gefahr sozialer Isolation besteht. Bei organischen Verletzungen und neurologischen Erkrankungen hängt die Prognose vom Schweregrad der Schädigung ab.

Diagnose

Häufig sind der Hausarzt oder der Hals-Nasen-Ohren Arzt die ersten Anlaufstellen bei Beschwerden einer Geräuschüberempfindlichkeit. Durch Hörtests kann sich der Arzt ein Bild über die Lautstärken-Toleranzschwelle des Patienten verschaffen. Sofern eine Untersuchung des Ohres und des Gehörganges keine Hinweise auf organische Ursachen oder Verletzung ergibt, können zunächst anhand einer gründlichen Anamnese Anzeichen weiterer Krankheiten überprüft werden, die als Ursachen in Betracht kommen.

Verdachtsdiagnosen, die Erkrankungen des Nervensystems betreffen, können gegebenenfalls durch MRTs und weitere neurologische Untersuchungsmaßnahmen abgeklärt werden. In einigen Fällen können auch Blutuntersuchungen (z.B. bei Borreliose-Verdacht) aufschlussreich sein. Besondere Aufmerksamkeit kommt jedoch vor allem den Lebensumständen des Patienten zu, da sich in den meisten Fällen eine psychische Ursache hinter der Geräuschüberempfindlichkeit verbirgt.

Komplikationen

Eine Geräuschüberempfindlichkeit ist für den Betroffenen in jedem Fall sehr unangenehm und kann zu einer deutlichen Einschränkung und Verringerung der Lebensqualität führen. Nicht selten führt diese Beschwerde auch zu psychischen Beschwerden oder sogar zu Depressionen und wirkt sich dabei sehr negativ auf den Alltag des Betroffenen aus. Die Betroffenen leiden dabei an einem Bluthochdruck und weiterhin auch an Herzrasen. Es kommt zu einer deutlich vergrößerten Reizbarkeit und zu einer Verspannung. Auch eine innere Unruhe und Schweißausbrüche oder Panikattacken können durch die Geräuschüberempfindlichkeit auftreten und den Alltag erschweren.

Vor allem in stressigen Situationen sind die Beschwerden sehr unangenehm. Nicht selten leiden die Patienten auch an einem Tinnitus oder an anderen dauerhaften Gedroschen, die in den Ohren auftreten. Durch die Geräuschüberempfindlichkeit können die Patienten in einigen Fällen auch ihrem Beruf nicht mehr nachkommen. Eine kausale Behandlung der Geräuschüberempfindlichkeit ist in den meisten Fällen nicht möglich. Die Beschwerden können allerdings mit Hörgeräte oder durch verschiedene Therapien gelindert werden. Dabei kommt es nicht zu Kompilationen. Allerdings kann ein positiver Krankheitsverlauf nicht garantiert werden. Die Geräuschüberempfindlichkeit selbst führt nicht zu einer Verringerung der Lebenserwartung des Betroffenen.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Geräuschüberempfindlichkeit richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Erweisen sich psychische Störungen als auslösende Faktoren, wird in der Regel eine Psychotherapie empfohlen, in schwereren Fällen kann eine zusätzliche Behandlung mit Psychopharmaka angezeigt sein. Hierbei können stimmungsstabilisierende, beruhigende und angstlösende Medikamente zum Einsatz kommen.

Auch rezeptfreie pflanzliche Mittel zur Beruhigung des vegetativen Nervensystems können zu einer besseren Stressregulation beitragen. Grundsätzlich empfiehlt es sich bei einer Geräuschempfindlichkeit, die in erster Linie als Stresssymptom gedeutet werden kann, die eigene Lebenssituation zu überdenken und belastende Stressfaktoren möglichst zu beseitigen.

Insbesondere, wenn die Geräuschüberempfindlichkeit zusammen mit einem Tinnitus auftritt, für den keine organische Ursache gefunden werden kann, gestaltet sich eine Behandlung mit dem Ziel der Symptom-Eliminierung oft schwierig. Hier wird stattdessen auf spezielle Hörtherapien gesetzt, die darauf abzielen, den Umgang mit störenden Geräuschen zu verändern.

Insbesondere sollen die Betroffenen lernen, ihren Aufmerksamkeitsfokus von den unangenehmen Störreizen wegzulenken. Hyperakusis-Patienten mit starken Vermeidungstendenzen werden langsam wieder an lautere Geräuschumgebungen herangeführt. Dies kann z.B. durch einen sogenannten „Noiser“ – ein Gerät das Rauschgeräusche erzeugt – erreicht werden. Durch das Tragen dieser Geräte wird das Gehör darauf trainiert, Störgeräusche wieder besser herauszufiltern.

Häufig tritt durch den Gewöhnungseffekt zugleich eine deutliche Besserung der Symptomatik einer Geräuschüberempfindlichkeit ein. Der Teufelskreis der Fokussierung auf die Störreize – und deren somit verstärkte Wahrnehmung – wird durchbrochen.



Vorbeugung

Grundsätzlich kann einer Geräuschüberempfindlichkeit vor allem durch Vermeidung einer Stress-verursachenden Lebensweise vorgebeugt werden. Bei einer generell reizempfindlichen Veranlagung kann sich etwa eine ruhige Wohnlage sehr wohltuend auswirken. Auch sollte die eigene Reiztoleranzschwelle ernstgenommen werden.

Bei unbehaglich lautem Geräuschpegel (z.B. bei Konzerten) sollte gegebenenfalls auf Gehörschutz zurückgegriffen werden. Diese Maßnahme schützt nicht nur vor Geräuschüberempfindlichkeit, sondern ist auch generell sinnvoll, um die störanfälligen Funktionen des Gehörs zu schützen.

Bücher über Ohrenerkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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