Coxitis fugax

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Juni 2017
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Die Coxitis fugax ist eine akute Erkrankung der Hüfte bei Kindern im Alter zwischen drei und zehn Jahren. In der Regel ist der Krankheitsverlauf kurz, aber sehr schmerzhaft.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Coxitis fugax?

Die Coxitis fugax, auch häufig als Hüftschnupfen bezeichnet, äußert sich als eine Entzündung des Hüftgelenkes, bei welcher es zu plötzlichen ins Knie ausstrahlenden Schmerzen kommt. Der Patient humpelt, wobei die Hüftrotation, also die Drehung des Beines im Hüftgelenk, eingeschränkt ist.

Betroffen sind hauptsächlich Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren, die kurz vorher eine harmlose virale Infektion überstanden haben. Des Weiteren ist die Coxitis fugax dadurch gekennzeichnet, dass sie nach kurzer Zeit in der Regel von alleine ausheilt.

Ursachen

Die Ursachen einer Coxitis fugax sind weitgehend unbekannt. Typisch für diese Erkrankung ist das Vorausgehen eines leichten grippalen Infektes oder eines Infektes im Verdauungstrakt. In der Folge kann es bei Kindern zu einer vorübergehenden Entzündung des Hüftgelenkes mit Gelenkerguss kommen, die aber keimfrei ist.

Oft ist der vorausgehende Infekt jedoch bereits ausgeheilt, bevor es zu den heftigen Symptomen kommt. Aufgrund der langen Zeit zwischen Infekt und Hüftentzündung kann die auslösende Infektion bei jedem zweiten Kind nicht mehr nachgewiesen werden. Typisch für die Coxitis fugax ist auch ihre Häufung in den Übergangsjahreszeiten.

Wann zum Arzt?

Klagt das Kind über plötzlich auftretende Schmerzen in der Hüfte, die länger anhalten, ist ein Arzt aufzusuchen. Grundlos nach dem Aufstehen oder unvermittelt innerhalb stattfindender Bewegungen kann es zu den Schmerzen kommen, die untersucht und abgeklärt werden müssen. Obwohl die Coxitis fugax eine Erkrankung ist, die innerhalb kurzer Zeit regenerativ ist, sollte ein Arztbesuch erfolgen, sobald die Beschwerden über mehrere Stunden anhalten.

Es droht eine emotionale Überforderung des Kindes, wenn trotz der starken Schmerzen keine Hilfemaßnahmen eingeleitet werden. Die Schmerzen der Coxitis fugax werden als deutlich intensiver und stechender erlebt als normale Wachstumsbeschwerden und daher sollte ein Kontrollbesuch bei einem Arzt erfolgen.

Breiten sich die Schmerzen über die Hüfte weiter in die Oberschenkel und das Knie aus, muss ein Arzt aufgesucht werden. Halten die Beschwerden über mehrere Tage an, ist es ebenfalls notwendig, ärztliche Untersuchungen vorzunehmen. Es liegen in diesen Fällen weitere Erkrankungen vor, die behandelt werden müssen. Fieber, Panikattacken oder auffallende Verhaltensänderungen sind Gründe zur Sorge und sollten von einem Arzt abgeklärt werden. Das starke Schmerzerleben kann zu einer Änderung des Verhaltens führen. Zeigt das Kind erhöhte Angst oder verändert es zwanghaft alltägliche Abläufe, muss ein Arzt konsultiert werden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Coxitis fugax:

Eine Coxitis fugax tritt meist aus heiterem Himmel in Erscheinung. Plötzlich empfindet das Kind entweder morgens beim Aufstehen oder auch im Tagesverlauf sehr starke Schmerzen im Hüftgelenk, die oft in das Knie ausstrahlen. Manchmal treten die Schmerzen auch nur im Oberschenkel oder nur im Knie auf. Meist müssen die Kinder hinken, um die Hüfte möglichst zu schonen.

In seltenen Fällen ist das Gehen überhaupt nicht mehr möglich. Oft ist nur ein Hüftgelenk betroffen. In einigen Fällen treten die Beschwerden jedoch auch in beiden Hüftgelenken auf. In 85 Prozent der Fälle wird das betroffene Bein dauerhaft gestreckt, angespreizt oder in Drehung gehalten. Die Coxitis fugax ist zwar eine sehr heftig verlaufende, aber harmlose Erkrankung, da sie sehr schnell und meist ohne Schäden von alleine ausheilt.

Diagnose

Zur Diagnostik einer Coxitis fugax geben die typischen Symptome bereits einen starken Hinweis auf diese Erkrankung. Ansonsten werden hauptsächlich bildgebende Verfahren, wie beispielsweise Ultraschall, eingesetzt. In nahezu allen Fällen ist hier ein kräftiger Gelenkerguss deutlich zu sehen. Des Weiteren können auch Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden. Diese sind jedoch nicht so ergiebig wie die Sonografie, da sie selten Auffälligkeiten des Hüftgelenkes zeigen. Die Röntgenaufnahmen sind jedoch notwendig, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Bei den bildgebenden Verfahren kann jedoch nicht unterschieden werden, ob ein normaler Gelenkerguss oder eine bakterielle Gelenkentzündung vorliegt. Differenzialdiagnostisch sollten daher auch noch Laboruntersuchungen durchgeführt und Hinweise auf eventuelle Lymphknotenschwellungen, Entzündungsreaktionen oder Fieber beachtet werden. So sollte die Coxitis fugax differenzialdiagnostisch gegen die bakterielle Coxitis, die Epiphyseolysis capitis femoris oder den Morbus Perthes abgegrenzt werden.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es durch die Coxitis fugax zu keinen bleibenden Schäden oder starken Komplikationen, da die Krankheit schon nach einigen Tagen wieder von allein verschwindet. Kinder leiden dabei an starken Schmerzen in der Hüfte, welche auch zu Gangstörungen führen. Dabei können die Schmerzen entweder als Ruheschmerzen oder in Form von Druckschmerzen auftreten. Durch die Schmerzen kommt es auch zu Einschränkungen in der Bewegung und der Mobilität. Auch ein gewöhnliches Gehen, Laufen und Spielen ist durch die Erkrankung in der Regel nicht mehr möglich. Nicht selten leiden die Kinder an psychischen Beschwerden aufgrund der starken Schmerzen und der plötzlichen Einschränkungen in der Bewegung. Komplikationen treten in der Regel nicht auf, wenn das Kind geschont wird. Dabei wirkt sich vor allem Bettruhe positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Schmerzmittel sollten bei Kindern nur eingeschränkt verwendet werden, da diese dem Magen Schaden zufügen können. In schwerwiegenden Fällen ist das Kind für einen kurzen Zeitraum auf Gehhilfen angewiesen. Weitere Einschränkungen oder Folgeschäden treten allerdings nicht auf und die Lebenserwartung wird durch die Coxitis fugax nicht eingeschränkt.

Behandlung und Therapie

Die Coxitis fugax wird hauptsächlich symptomatisch behandelt, weil sie von alleine und ohne Schäden ausheilt. Dazu verabreicht man unter anderem die Schmerzmittel Paracetamol oder Ibuprofen sowie die entzündungshemmenden Medikamente Naproxen oder Indometacin.

Von großer Wichtigkeit ist jedoch die Entlastung des betroffenen Beines. So können Kinder ab fünf Jahren bereits Gehstützen verwenden, um das belastete Bein abzurollen. Bei jüngeren Kindern kann eine Entlastung nur durch Bettruhe erreicht werden. Des Weiteren kann die Hüfte auch durch eine Extension des Beins entlastet werden, wobei es in der Hüfte gestreckt und ein leichter Zug im Hüftgelenk ausgeübt wird.

Bei etwa 50 Prozent der Kinder klingen die Symptome nach ungefähr einer Woche ab. Bei den Anderen dauert es zwei Wochen oder länger. Die Beschwerdefreiheit ist noch vor der Ausheilung des Gelenkergusses erreicht. Bei etwa fünf bis zwanzig Prozent der Kinder kann es später noch einmal zum Hüftschnupfen kommen.

Bisher wurden jedoch keine Langzeitschäden festgestellt. Trotzdem wird eine Nachuntersuchung nach drei bis sechs Monaten empfohlen, um eine eventuelle Hüftnekrose durch eine übersehende Begleiterkrankung auszuschließen.

Das kann unter Umständen eine bakterielle Arthritis oder eine rheumatische Form der Hüftentzündung sein. Besonders wenn in diesem Zusammenhang der Heilungsprozess der Coxitis fugax länger als zwei Wochen dauert, ist Vorsicht geboten.



Vorbeugung

Die gezielte Vorbeugung einer Coxitis fugax ist nicht möglich, da die Ursachen der Erkrankung weitgehend unbekannt sind. Lediglich einer Schmerzverstärkung kann man durch die Entlastung der Beine vorbeugen. Bei einem ungewöhnlich langen Verlauf der Erkrankung sollten jedoch auch andere Erkrankungen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden, um Langzeitschäden zu verhindern. Für präventive Maßnahmen gegenüber der reinen Coxitis fugax besteht jedoch auch keine Notwendigkeit, weil sie keine körperlichen Auswirkungen hat.

Bücher über Hüftschmerzen

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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