Boutonneuse-Fieber (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 21. Juni 2017
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Die Krankheit Boutonneuse-Fieber ist wegen ihres Hauptverbreitungsgebiets auch als Mittelmeer-Zeckenfleckfieber bekannt. Die Krankheit verläuft glücklicherweise zumeist vergleichsweise glimpflich, dennoch sollte man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Boutonneuse-Fieber?

Das Boutonneuse-Fieber zählt zur Gruppe der Infektionskrankheiten und ähnelt anderen Zeckenbissfiebern, insbesondere dem Afrikanischen Zeckenbissfieber. Oft haben die betroffenen Patienten die Vermutung, es mit einem grippalen Infekt zu tun zu haben.

Das Fieber kommt nicht nur am Mittelmeer vor, sondern auch in Indien und der Schwarzmeerregion sowie in Ost- und Südafrika. Das französische Wort „boutonneuse“ (=„fleckig“) im Krankheitsnamen weist auf Fleck-Symptome des Botonneuse-Fiebers hin. Bei Nichtbehandlung sterben mehr als fünf Prozent der an Boutonneuse-Fieber erkrankten Menschen.

Ursachen

Verantwortlich für das Boutonneuse-Fieber (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber) ist die durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragene Bakterien-Art der Rickettsien. Die eigentliche „Heimat“ der Rickettsien ist das Blut von Hunden sowie von Ratten und anderen Nagern.

Zecken verschiedener Arten nehmen die Rickettsien beim Abzapfen dieses Tierblutes auf. Wenn die Zecken (vor allem der Gemeine Holzbock und die Braune Hundezecke) danach Menschen anstechen, übertragen sie dabei Rickettsien als Infektionserreger auf den Menschen.

Die Zecken beißen sich zunächst in der Haut fest und verursachen dabei eine winzige Wunde. Dann zapfen sie Blut ab und erbrechen zum Schluss ihren Mageninhalt, inklusive dort eingelagerter Rickettsien, in die Wunde. Von dort finden die Bakterien ihren Weg ins Köperinnere. Mit infizierten Zecken befallene Hunde sind mittelbar ursächlich für die seltenen in Mitteleuropa auftretenden Fälle von Boutonneuse-Fieber.

Wann zum Arzt?

Die Frage, wann nach einem Zeckenbiss ein Arzt aufzusuchen ist, erfordert eine umfassende Risikoabwägung. Es sind sämtliche Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und objektiv zu bewerten. Hierzu sollten alle Belange sorgfältig ermittelt werden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, nach einem Zeckenbiss den eigenen Körper zu beobachten. Dabei hat sich die Observation nicht ausschließlich auf die Bissstelle zu beschränken, sondern muss den gesamten Organismus miteinbeziehen.

So ist ein Arztbesuch dringend angezeigt, wenn sich erste Symptome des Boutonneuse-Fiebers (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber) zeigen. Das gilt vor allem bei Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschlägen oder Schwellungen der Lymphknoten. In diesen Fällen ist ein zügiges Handeln geboten, da ein frühzeitiger Therapiebeginn die Komplikationswahrscheinlichkeit senkt und die Erfolgsaussichten einer Behandlung erheblich steigert. Langzeitschäden können so vermieden werden.

Kommt es an der Bissstelle nur zu leichten Rötungen, ist ein Arztbesuch noch nicht zwingend angezeigt. Es ist sinnvoll, die Stelle und den gesamten Körper kurzzeitig weiterhin eigenständig zu beobachten. Sofern es auch nach der Beobachtung zu keiner Verbesserung kommt, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Um Langzeitschäden zu vermeiden, ist es sinnvoll im Zweifel den Arztbesuch zu wählen. Dabei ist der Hausarzt stets der richtige Ansprechpartner. Die Konsultation eines Arztes ist hingegen verzichtbar, wenn es auch nach mehreren Tagen zu keinerlei Symptomen oder sonstigen körperlichen Veränderungen kommt.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Boutonneuse-Fiebers:

Ein typischer, allerdings nicht in jedem Fall auftretender, Hinweis auf Boutonneuse-Fieber sind kleine schwärzliche oder bläuliche Geschwüre an der Zecken-Einstichstelle, die später oft mit geschwollenen Lymphknoten und rötlich-fleckigen Hautausschlägen in diesem Bereich einhergehen.

Manchmal kommen auch Bindehautentzündungen sowie Übelkeit mit Erbrechen hinzu. Die Krankheit selbst hat in der Regel eher harmlos wirkende Symptome, die denen eines grippalen Infekts ähneln. Fünf bis neun Tagen nach der Infizierung durch die Zecke leiden die betroffenen Menschen unter meist nur mäßig hohem Fieber und haben zwei bis vierzehn Tage lang, in der Regel ertragbare, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Kopfweh.

In den nicht seltenen leichteren Fällen bemerken die infizierten Personen wegen des milden Verlaufs nicht einmal, dass sie an Boutonneuse-Fieber erkrankt sind.

Diagnose

Die Symptome beim Boutonneuse-Fieber reichen wegen ihrer Verwechselbarkeit mit den Symptomen anderer Krankheiten nicht eindeutig für eine klare Diagnose aus. Auch sind sie oft so unausgeprägt und uneindeutig, dass sie für eine Diagnose nicht genügen. Der Arzt wird nach der Befragung des Patienten wegen des Zeckenbisses und dessen Umstände Boutonneuse-Fieber für möglich halten.

Eine ab der zweiten Woche nach dem Zeckenbiss gezielt durchgeführte ärztliche Blutanalyse kann dann den Nachweis gegen die Rickettsien gebildeter Antikörper erbringen. Dieser Nachweis kann auch durch das Anlegen einer Bakterienkultur erbracht werden. Den Rickettsien selbst ist zumeist nur in Speziallabors auf die Spur zu kommen. Besonders günstig wäre es, wenn der Patient die Übertragung des Boutonneuse-Fiebers ursächliche Zecke zur Analyse mitbringen könnte.

Komplikationen

In den meisten Fällen verläuft das Boutonneuse-Fieber ohne besondere Komplikationen oder schwerwiegende Beschwerden und es kommt meist auch zu einem positiven Krankheitsverlauf. Der Betroffene leidet durch das Fieber an einem starken Ausschlag auf der Haut, welcher mit Juckreiz und auch mit roten Flecken verbunden ist. Es kommt ebenso zu einer starken Übelkeit mit Erbrechen und Durchfall. Das Fieber ist relativ hoch und führt zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Gliederschmerzen und Kopfschmerzen. Die Lebensqualität des Patienten wird durch das Boutonneuse-Fieber kurzzeitig erheblich verringert und eingeschränkt.

Körperliche Belastungen oder sportliche Aktivitäten sind während der Krankheit in der Regel nicht möglich oder nur schwer auszuführen. Weiterhin kann es auch zu einer Entzündung der Bindehaut kommen. Die Behandlung des Boutonneuse-Fiebers findet für gewöhnlich mit Hilfe von Antibiotika statt und führt nicht zu weiteren Komplikationen oder zu besonderen Beschwerden. Weiterhin können auch Schmerzmittel verabreicht werden, um die Symptome zu lindern. Nach einer kurzen Zeit klingen die Symptome ab und es kommt zu einem positiven Krankheitsverlauf. Komplikationen können dann entstehen, wenn das Boutonneuse-Fieber nicht umgehend behandelt wird oder wenn sich der Patient auch während der Erkrankung ausruht und dem Körper nicht genügend Möglichkeiten zur Entspannung gibt.

Behandlung und Therapie

Die übliche Behandlung von Boutonneuse-Fieber (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber) ist die Verabreichung von Antibiotika. Gute Erfolge bei der Bekämpfung von Boutonneuse-Fieber sind zum Beispiel mit Doxycyclin und Ciprofloxacin gemacht worden. Bei Vorliegen bestimmter Umstände hat sich auch Chloramphenicol bewährt. In der Regel tritt nach Gabe dieser Antibiotika in kurzer Zeit eine Besserung ein. Sollten die Symptome nicht in erwünschter Weise abklingen, muss die Diagnose noch einmal überprüft werden.

Der an Boutonneuse-Fieber erkrankte Patient erhält zur Linderung seiner Schmerzen Schmerzmittel. Gegebenenfalls werden ihm auch Medikamente zur Senkung des Fiebers verabreicht. In den meisten Fällen wird der behandelnde Arzt eine stationäre Behandlung für überflüssig halten. Allerdings sollte die Erkrankung trotz ihres meist milden Verlaufs vom Patienten ernst genommen werden. Er sollte sich möglichst schonen.

Bei Risikopatienten, insbesondere bei Allergikern, wird der Arzt aber zur Vorsicht auf die Einweisung in ein Krankenhaus bestehen. Vor allem ungewöhnlich hohes Fieber und ständige Übelkeit wären Gründe zur Krankenhausbehandlung. Auch Hinweise auf Meninigitis-Symptome oder Nierenprobleme im Zusammenhang mit an Boutonneuse-Fieber erkrankten Patienten machen ständige klinische Beobachtung erforderlich.



Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Boutonneuse-Fieber (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber) gibt es keine Schutzimpfung. Einziger Schutz bleibt die Maßnahme, sich in den betreffenden Regionen, in denen mit Zecken zu rechnen ist, vorsichtig zu verhalten.

Zeckengefahr besteht vor allem in waldigen Gebieten und in Buschlandschaften. Dort sollte man festes Schuhwerk, lange Hosen und langärmelige Kleidung tragen, um den Zecken keine Angriffsfläche zu bieten. Gesicht und Hände sind mit Repellentien einzureiben. Regelmäßige Kontrolle, ob Zeckenbisse vorliegen, ist ebenfalls zu empfehlen.

Zecken, die gerade begonnen haben, sich an der Haut festzubeißen, können bei einigem Geschick entfernt werden, bevor sie ihren infektiösen Mageninhalt abgegeben haben. Vorhandene Hunde sollten vor engem Kontakt mit Menschen auf Zecken untersucht werden, um das Risiko zu vermeiden, die Boutonneuse-Fieber übertragenden Milbentiere an die Haut zu bekommen.

Bücher über Boutonneuse-Fieber

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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