Strahlentherapie


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 7. Dezember 2018

Im Rahmen einer Strahlentherapie kommen zellzerstörende ionisierende Strahlen zur Anwendung. Sie dient oftmals zur Behandlung von Krebskrankheiten. Die Strahlentherapie ist auch als Radiotherapie oder Bestrahlung bekannt. Zu ihren häufigsten Einsatzgebieten gehören Krebstumore. So zählt die Bestrahlung neben Chemotherapie und operativen Eingriffen zu den Grundpfeilern der Krebsbehandlung. Sie lässt sich aber auch gegen andere Erkrankungen einsetzen.

Inhaltsverzeichnis

Welche Bestrahlungsverfahren gibt es?

Linearbeschleuniger für den medizinischen Einsatz in der Strahlentherapie.

In der Medizin wird zwischen mehreren Strahlentherapieformen unterschieden. So gibt es die äußere und die innere Bestrahlung. Die innere Radiotherapie wird auch als Brachytherapie bezeichnet. Dabei gelangt die Quelle der ionisierenden Strahlen in den Körper des Patienten. Auf diese Weise kann sie entweder in Tumornähe oder unmittelbar im Tumor selbst wirken. Erfolgt eine äußere Strahlentherapie, befindet sich die Strahlenquelle außerhalb des Körpers. Die Bestrahlung wird mit einem externen Gerät vorgenommen.

Eine weitere Unterteilung der Radiotherapie erfolgt nach der Energie, die in ihr enthalten ist. Dazu gehören die Weichstrahlung mit maximal 100 kV, die Hartstrahlung mit mehr als 100 kV, sowie die Megavolttherapie, die es auf über 1000 kV bringt. Während Hart- und Weichstrahlung bei oberflächlichen Tumoren zur Anwendung kommt, eignet sich die Megavolttherapie für tiefergelegene Tumore.

Bei einer Krebserkrankung bilden die ionisierenden Strahlen von Teilchen die Grundlage für die Strahlentherapie. Sie üben einen schädlichen Effekt auf lebende Zellen aus, wovon auch das Gewebe betroffen ist. Dies gilt jedoch nicht nur für die Krebszellen, sondern auch für die gesunden Körperzellen. Die gesunden Zellen weisen jedoch gegenüber den Krebszellen den Vorteil auf, dass sie sich wieder regenerieren können. Dagegen sterben die Krebszellen durch die Bestrahlung ab.

Wie funktioniert die Strahlentherapie?

Die Funktion und Wirkung der Strahlentherapie beruht auf dem Umstand, dass gesunde Körperzellen anders auf die ionisierende Bestrahlung reagieren als Krebszellen. In der Krebstherapie wird dieser Effekt genutzt, um die schwere Erkrankung zu bekämpfen. Die bösartigen Tumore sollen mithilfe des Verfahrens komplett zerstört oder an ihrem Wachstum gehindert werden.

Auch in einem Tumor stellt die Zelle die kleinste funktionstüchtige Einheit dar und muss durch Zellteilung ersetzt werden. Vor dem Teilen der Zelle wird die DNA, die im Zellkern ansässig ist, kopiert. Dadurch entstehen zwei neue Zellen, die über dieselbe DNA verfügen. Die Strahlen, die bei einer Radiotherapie abgegeben werden, bewirken eine Hemmung der Zellteilung, wodurch die Zelle schließlich abstirbt. Gesunde Zellen besitzen die Eigenschaft, kleinere Schäden reparieren zu können, sodass sie sich als widerstandsfähiger gegen die Strahlung erweisen als die Krebszellen. So werden zwar auch die gesunden Zellen beeinträchtigt, können sich jedoch rascher erholen.

Das Ziel der Strahlentherapie besteht darin, den Patienten von seiner Erkrankung zu heilen oder zumindest seine Schmerzen zu lindern. Die heilende Strahlentherapie wird auch als kurative Bestrahlung bezeichnet, während es sich bei der lindernden Strahlenbehandlung um eine palliative Therapie handelt, die das Leben verlängern soll.

Für eine bessere Wirkung wird die Radiotherapie häufig mit anderen Behandlungsverfahren wie Operationen oder der Chemotherapie kombiniert.

Wann wird die Strahlentherapie eingesetzt?

Am häufigsten gelangt die Strahlentherapie bei Lungenkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs zum Einsatz. Der Lungenkrebs zählt zu den tödlichsten Krebserkrankungen. Allein in Deutschland kommt er etwa 52.000 Mal pro Jahr vor. Leidet der Patient unter einem kleinzelligen Bronchialkarzinom, kommt es nicht selten zur Entstehung von Metastasen (Tochtergeschwülsten), sodass sich eine operative Behandlung nicht immer durchführen lässt. Stattdessen erfolgt eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie. Oftmals wird die Strahlentherapie auch prophylaktisch vorgenommen, um Metastasenbildung im Gehirn entgegenzuwirken.

Brustkrebs

Brustkrebs stellt die tödlichste Krebserkrankung bei Frauen dar. In Deutschland leiden ungefähr 70.000 Patientinnen unter dieser Erkrankung. Im Anschluss an eine Operation dient die Radiotherapie zur Zerstörung der restlichen Krebszellen. Sinnvoll kann zudem die Verkleinerung eines Brusttumors vor einer Operation sein. So ermöglicht die Strahlentherapie durch das Verkleinern des Tumors die operative Behandlung erst.


Prostatakrebs

Im Falle von Prostatakrebs wird die Strahlentherapie vorgenommen, wenn keine Operation aufgrund des schlechten Gesundheitszustands des Patienten mehr möglich ist. Eine Bestrahlung ist auch dann sinnvoll, wenn sich der Krebs bereits auf andere Körperstrukturen ausgebreitet hat.

Bei einer palliativen Anwendung dient die Radiotherapie zur Linderung von Schmerzen. Dabei werden in erster Linie schmerzhafte Knochenmetastasen bestrahlt. Bei ca. 80 Prozent aller Patienten führt die Radiotherapie zur Schmerzlinderung.

Weitere Krankheitsbilder

Neben Krebserkrankungen lassen sich auch gutartige nicht-tumorbedingte Krankheiten mit der Strahlentherapie behandeln. Zu den häufigsten Indikationen gehört die Arthrose. Andere Anwendungsgebiete sind Wirbelkörperhämangiome, Morbus Ledderhose sowie Morbus Dupuytren. Dabei fällt die Bestrahlung ähnlich aus wie bei den Krebserkrankungen.

Anwendungsgebiete

  • Morbus Hodgkin

Was muss der Patient im Vorfeld beachten?

Im Vorfeld einer Strahlentherapie gilt es zu beachten, dass mehrere Voruntersuchungen anstehen, um die passende Behandlung planen zu können. Weil die Ärzte dazu verschiedene Informationen benötigen, sollte der Patient sämtliche relevanten schriftlichen Informationen zur Besprechung mitbringen. Dabei kann es sich um die aktuellen Blutwerte, radiologische Befundberichte oder Arztbriefe handeln. Ebenfalls wichtig sind Aufnahmen von radiologischen Untersuchungen und eine Liste von Arzneimitteln, die der Patient einnimmt. Auf diese Weise lassen sich unnötige Verzögerungen vermeiden.

Darüber hinaus ist es wichtig, sich beim Arzt nach Tätigkeiten zu erkundigen, die während einer Radiotherapie unterbleiben sollten. Von Wichtigkeit sind zudem die Ernährung sowie die Arbeitsfähigkeit. Auch auf mögliche Nebenwirkungen durch die Bestrahlung sollte geachtet werden. So besteht durch die Bestrahlungen langfristig das Risiko von Zweittumoren, die bis zu 15 Jahre später auftreten können.

Vor der Bestrahlung führt der Patient ein Gespräch mit einem Facharzt für Radioonkologie. Der Experte für Nuklearmedizin ist berechtigt, mit radioaktiven Stoffen zu arbeiten. Der Facharzt erklärt dem Patienten die Behandlungsziele und informiert ihn über die möglichen Nebenwirkungen. Dabei kann der Patient auch Fragen stellen. Mithilfe eines Spezialcomputers wird die Bestrahlung exakt geplant. Zumeist findet auch eine Simulation der Strahlentherapie statt, um die optimale Erfassung des Tumors festzustellen.

Ablauf und Durchführung

Wie der Ablauf einer Strahlentherapie aussieht, ist aufgrund der verschiedenen Krebserkrankungen unterschiedlich. Bei den meisten Patienten erfolgt die Bestrahlung ambulant, sodass der Patient im Anschluss wieder nach Hause gehen kann. Normalerweise dauert eine Sitzung 15 bis 45 Minuten. Dabei muss das Bestrahlungsgerät korrekt eingestellt und der Patient richtig gelagert werden. Die Bestrahlung selbst nimmt nur einige Minuten in Anspruch. Das Behandlungspersonal verlässt in diesen Zeitraum das Behandlungszimmer. Über ein Fenster und eine Gegensprechanlage kann der Patient den Arzt jedoch kontaktieren.

Während der Bestrahlung darf sich der Patient nicht bewegen. So kann es schon durch kleine Positionsveränderungen dazu kommen, dass der Tumor von den Strahlen nicht mehr optimal getroffen wird. Außerdem drohen Schäden am gesunden Gewebe. Dies kann vor allem bei der Behandlung eines Gehirntumors ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Der Patient nimmt die Bestrahlung selbst nicht wahr, sodass keinerlei Schmerzen zu befürchten sind. Im Anschluss an die letzte Sitzung wird der Patient noch einmal untersucht. Dabei findet ein ausführliches Abschlussgespräch statt.

Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für eine Strahlentherapie werden sowohl von den privaten als auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sollen besondere Behandlungen zur Anwendung gelangen, wie zum Beispiel eine Hyperthermie bei Prostatakrebs, muss der Patient deren Bezahlung mitunter erst bei seiner Krankenkasse beantragen. Wird die Kostenübernahme abgelehnt, bleibt dem Patienten nicht anderes übrig, als selbst in die Tasche zu greifen.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Eine Strahlentherapie ist häufig mit Nebenwirkungen verbunden. Aufgrund moderner Techniken und besserer Planung kommen jedoch schwere Nebeneffekte kaum noch vor. Meist handelt es sich um vorübergehende Erscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Appetitlosigkeit.

Weitere Nebenwirkungen können Hauterscheinungen wie ein Sonnenbrand, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Haarausfall sowie Beeinträchtigungen der Mund- und Rachenschleimhaut sein.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


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