Prostatakrebs


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 11. Oktober 2018

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen und betrifft ausschließlich Männer. Er ist in Deutschland für knapp drei Prozent aller Todesfälle bei Männern verantwortlich. Prostatakarzinome gehören eher zu den langsam wachsenden Tumoren. Bei einer rechtzeitigen Diagnose bestehen sehr gute Überlebenschancen. Daher kommt der Früherkennung sowie der zeitigen Behandlung eine gewichtige Bedeutung zu.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Prostatakrebs (Prostatakarzinom)?

Stadien der Tumorausdehnung (Klassifikation): T1 unauffälliger, nicht tastbar - T2 tastbarer Tumor, innerhalb der Prostata - T3 Durchbruch der Prostatakapsel - T4 Ausbreitung in umliegendes Gewebe (Samenblase, Harnblase, Rektum)

Ein Prostatakarzinom ist ein bösartiger Tumor, welcher sich im Drüsengewebe der Vorsteherdrüse (Prostata) bildet und unbehandelt auf das gesamte Organ übergreifen kann. Die Prostata gehört zu den Geschlechtsdrüsen und bildet hierbei das Sekret, welches einen Großteil des Ejakulats ausmacht. Das Organ ist ungefähr so groß wie eine Kastanie und ummantelt einen Teil der Harnröhre knapp unterhalb der Blase.

Im Fall einer Metastasierung in das umliegende Gewebe und einer Verteilung über Lymph- und Blutgefäße können Tochtergeschwülste auch auf Lymphknoten, Knochen oder andere Organe übergreifen.

Das Prostatakarzinom ist für circa zehn Prozent aller an Krebs gestorbenen Männer verantwortlich. Es handelt sich bei der Gruppe der über 50-jährigen um den zweithäufigsten Tumor. Die Gefährlichkeit hängt vor allem damit zusammen, dass Prostatakrebs meist vorerst symptomlos ist und entsprechend erst erkannt wird, wenn Metastasen bzw. Tochtergeschwulste in anderen Körperteilen auftreten. Allerdings kann ein solcher Tumor auch zeitlebens symptomlos bleiben.

Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, die in Abhängigkeit von Art und Ausdehnung des Tumors individuell auf den Patienten abgestimmt werden muss.

Ursachen

Die genauen Ursachen, die zu einem Karzinom in der Prostata führen, sind nicht bekannt. Wie bei allen anderen Tumoren, muss ein Zusammenspiel aus Risikofaktoren, Veranlagung und auch Schäden im Erbgut der beteiligten Zellen betrachtet werden.

Auffällig ist, dass das Risiko mit dem Alter rasant ansteigt. Das mittlere Alter der Betroffenen bei der Diagnosestellung beträgt 71 Jahre. Entsprechend scheint das Alter ein wesentlicher Faktor für die Entstehung eines Prostatakarzinoms zu sein. Es gibt allerdings auch Fälle bei Zwanzigjährigen, die jedoch sehr viel seltener sind.

Weiterhin spielt die Genetik eine wesentliche Rolle: So kommt das Prostatakarzinom nicht selten gehäuft in Familien vor. Männer, deren Bruder oder Vater an Prostatakrebs litt, gelten als doppelt risikobelastet.

Als gesicherter Einfluss bei der Entstehung gilt die Testosteronproduktion: kastrierte Männer entwickeln somit niemals ein Prostatakarzinom, Männer mit höherem Testosteronspiegel haben hingegen ein erhöhtes Risiko.

Die entarteten Zellen in der Prostata benötigen Androgene, um überhaupt zum Wachstum und zur Teilung zu gelangen.

Auch das Sonnenlicht scheint ein Risikofaktor zu sein. So lässt sich beobachten, dass Prostatakrebs in nördlichen Breitengraden häufiger ist als in südlichen. Diskutiert wird Vitamin-D-Mangel als Risikofaktor. Insgesamt lässt sich sagen, dass eine Vielzahl von Faktoren ursächlich für den Tumor sein kann, aber es noch keine gesicherte Erkenntnis über die Hautpfaktoren gibt.

Symptome und Verlauf

Mögliche Anzeichen von Prostatakrebs:

  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Erektionsprobleme
  • Häufiger Harndrang

Das Prostatakarzinom bleibt oftmals über Jahre symptomlos. Bei älteren Männern bedeutet dies auch oftmals, dass sie an etwas anderem sterben, ehe der Tumor wirkliche Schäden anrichtet. Die Prostata vergrößert sich im Verlauf der Erkrankung aufgrund des Tumorgewebes weiter und beengt schließlich die Harnröhre. Es kommt meist zu Problemen beim Wasserlassen. Der Harnstrahl ist schwach, es kommt zu einem Nachtröpfeln und einem häufigeren Harndrang. Zudem tritt bei einigen Männern das Problem auf, dass sie sehr lange brauchen, um überhaupt Wasser lassen zu können. Es kann zu Erektionsproblemen kommen, weil das Karzinom auf Nerven drückt.

Zudem kommt es im späteren Verlauf auch gelegentlich zu Blut im Urin oder Ejakulat. In späten Stadien kommt es zur Streuung von Tumoren, wobei meist zuerst Becken und Wirbelsäule sowie die lokalen Lymphknoten betroffen sind. Es kommt zu Knochenschmerzen, Frakturen und Schäden am Rückenmark. Unbehandelt nimmt Prostatakebs immer einen tödlichen Verlauf.

Wann zum Arzt?

Sind bereits spürbare Symptome aufgetreten, ist es meist schon zu spät. In der Regel sind bereits Metastasen vorhanden und die Behandlung hat nur eine geringe Erfolgsaussicht. Entsprechend ist jede Veränderung beim Wasserlassen oder bezüglich der Erektionsfähigkeit ein guter Grund, den Arzt aufzusuchen. Zudem muss bei Männern ab 40 zwischen einem Prostatakarzinom und einer gutartigen Prostatavergrößerung (betrifft fast alle Männer) unterschieden werden. Die Anfangssymptome sind die gleichen.

Vorsorgeuntersuchungen ab dem 50. Lebensjahr werden standardmäßig angeraten und sollten aufgrund der Häufig der Krebsfälle im Alter auch in Anspruch genommen werden. Männer mit einer Häufung an Prostatakrebsfällen in der Familie können diese Vorsorgeuntersuchungen auch früher in Anspruch nehmen. Auch dann, wenn etwa geschwollene Lymphknoten im Beckenbereich auffallen, sollte ein Arzt konsultiert werden. Eine selbst gespürte Veränderung der Prostata oder auch Blut im Urin oder Ejakulat sind ebenfalls Gründe, schnell einen Urologen aufzusuchen.

Diagnose

Der erste Teil der Diagnosestellung besteht in der händischen Untersuchung per Rektum. Mittels eines Tastbefundes können fortgeschrittene Tumoren und auch Tumoren in der hinteren Region des Organs sicher festgestellt werden. Allerdings kommt es auch zu Krebs im vorderen Bereich der Prostata, der so unerkannt bleiben kann. Zur genaueren Untersuchung kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Der Ultraschall erkennt Tumoren ab zehn Millimetern Durchmesser gut, kleinere nur selten.

Die Magnetresonanztomographie ist ebenfalls bei größeren Tumoren sehr zuverlässig, kann aber an kleinen Tumoren scheitern.

Als weit zuverlässiger hat sich die Positronen-Emissions-Tomographie herausgestellt, die mittels radioaktiver Markierungssubstanz arbeitet.

Labordiagnostisch ist die Abklärung des Wertes des prostataspezifischen Antigens relevant. Hier lässt sich zudem unterscheiden, ob es ein Krebsverdacht vorliegt, die Prostata gutartig vergrößert ist oder alles normal ist.

Gewissheit bringt am Ende aber nur histologischer Befund. Es werden mehrere Gewebeproben mittels Hohlnadel entnommen und anschließend untersucht. Dieses Verfahren steht dann an, wenn ein Verdacht auf Prostatakrebs vorliegt.

Für einen sicheren Befund entnimmt der Arzt mittels Biopsie-Nadel und Ultraschallsonde Gewebeproben aus der Prostata.

Komplikationen

Die Komplikationen bei einem Prostatakarzinom bestehen vor allem in der Metastasierung. Schließlich gelten gestreute Metastasen als kaum therapierbar. Und auch die noch möglichen Therapien sind mit großen Risiken für den Patienten behaftet. Zudem sind Knochenmetastasen kaum chirurgisch zu entfernen. Es kommt gerade in späten Stadien zu Knochenbrüchen an der Wirbelsäule. Schäden an den Nerven führen mitunter zu Lähmungen.

Weiterhin entstehen viele Komplikationen durch das Verschleppen eines Prostatakarzinoms. So kann aus der Harnentleerungsstörung auch ein Harnverhalt werden, der binnen weniger Tage die Nieren schädigen kann, insofern nicht gehandelt wird.

Außerdem führen fast alle Behandlungsmethoden zu einem Komplikationsrisiko, wie etwa Folgeschäden durch Bestrahlung oder Chemotherapie. Das Komplikationsrisiko wird umso höher, desto später der Tumor gefunden wird. Ein Prostatakarzinom, welches noch keine Metastasen gestreut hat, gilt hingegen als komplikationsarm.

Behandlung und Therapie

Es gibt eine Reihe von Behandlungs- und Therapieansätzen, die vom aktiven Beobachten bis hin zu chirurgischen Maßnahmen reichen. Dabei ist das aktive Beobachten das Mittel der Wahl, wenn das Karzinom im Anfangsstadium (und ohne Metastasen) ist und der Patient schon sehr betagt ist. Es kann bei sehr alten Patienten sinnvoller sein, auf Eingriffe zu verzichten und solange abzuwarten, bis das Prostatakarzinom wirklich gefährlich wird - oder es zum Ableben des Patienten kommt.

Bei jüngeren Patienten sollte hingegen umgehend gehandelt werden. Allerdings hat sich vor allem ein operatives Verfahren etabliert, das immer dann effektiv ist, wenn der Prostatakrebs noch lokal begrenzt ist: Die radikale Prostatektomie. Es werden die Prostata, die Samenbläschen und die umliegenden Lymphknoten komplett entnommen, was bei einem nicht gestreuten Tumor die Heilung des Patienten bedeutet.

Alternativ kann auch die Strahlentherapie angewandt werden, wobei hier bei lokalen Tumoren auch die Brachytherapie (das radioaktive Material wird direkt in das Gewebe verbracht) zum Zuge kommt. Zudem kann eine Strahlentherapie auch bei vorhandenen Metastasen noch sinnvoll sein.

Als Alternative zur Zellzerstörung mittels Strahlung gilt intensiver Ultraschall, welcher sehr fokussiert zu einer Erhitzung des Gewebes und somit zum Niedergang desselben führen kann. Hierbei ist nur eine Sitzung notwendig, während bei Bestrahlungen mehrere Durchgänge nötig sind.

Eine Hormontherapie besteht in einer (vorübergehenden) chemischen Kastration, was das Wachsen des Tumors behindern soll. An letzter Stelle stehen schließlich die Chemotherapie (nur bei Metastasen) und die Palliativmedizin (wenn keine Heilung mehr zu erwarten ist).

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Aussicht und Prognose

Die Prognose ist bei einem frühzeitig erkanntem Prostatakarzinom als sehr gut zu bewerten. Über 90 Prozent aller Männer überleben die Erkrankung, wenn die sie im Frühstadium diagnostiziert wird. Allerdings verhält es sich so, dass auch ein vernichteter oder operierter Tumor wieder auftreten kann. Bei bestrahlten Tumoren ist dies häufig der Fall, solange die Prostata noch vorhanden ist. Die Fünfjahresüberlebensrate beträgt bei lokalen Tumoren um die neunzig Prozent.

Insgesamt gelten Therapien im Anfangsstadium als sehr effektiv. Anders ist dies, wenn die Metastasierung schon vorangeschritten ist und ein Vernichten des Prostatakrebses selbst nicht mehr ausreicht. Es werden weitere Therapien notwendig, wobei die Überlebensrate circa 30 Prozent beträgt. Diese Prognose bezieht sich auf das Adenokarzinom der Prostata. Beim selteneren neuroendokrinen Karzinom ist die Prognose ungünstiger.

Vorbeugung

Es werden verschiedene Vorbegungsmaßnahmen diskutiert. Die Vorsorgeuntersuchung ist wohl die wichtigste, wenngleich sie nicht vor dem Prostatakrebs schütz, aber eine zeitige Behandlung ermöglicht. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass Ejakulationen vor dem Tumor schützen. Wie dies zusammenhängt, wird noch diskutiert. Ebenso zeigt sich, dass Männer, die viel pflanzliche Kost und weniger Fleisch zu sich nehmen, ein geringeres Erkrankungsrisiko aufweisen. Weiterhin scheinen sich ein gesundes Gewicht und der Verzicht auf Giftstoffe (insbesondere Nikotin) positiv auf die Zellgesundheit sowie das Erbgut der Prostata auszuwirken.

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hof H, Dörries R. Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage(2009)
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007


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