Tennisarm

Letzte Aktualisierung am 14. Oktober 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Der Tennisarm (Epicondylitis) bzw. Tennis-Ellenbogen ist ein Schmerzsyndrom und eine der häufigsten und typischen Krankheitsbilder des Tennisspielers. Plötzlich starke Schmerzen im Ellenbogen sind charakteristisch für den sogenannten Tennisarm.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Tennisarm?

Starke Schmerzen im Ellenbogen sind typisch für den Tennisarm.

Der Tennisarm, der in der Medizin als Epicondylitis bezeichnet wird, tritt meist nach einseitiger Belastung des betreffenden Armes auf. Die Ursache für die Erkrankung ist häufig in alltäglichen Aktivitäten (z.B. Haus- oder Gartenarbeit) zu finden.

Anatomisch betrachtet hat der Tennisarm oder Tennisellenbogen seinen Ursprung im Bereich der äußeren Ansätze des Oberarmknochens (Humerus) sowie in der Hand- und Fingermuskulatur. Medizinisch exakt wird in diesem Zusammenhang von einer Sehnenansatzentzündung der Unterarmstreckmuskulatur gesprochen.

Ursachen

Die Ursachen für einen Tennisarm sind vor allem in einer unkontrollierten und übermäßigen Beanspruchung des Schlagarmes zurückzuführen. Dabei kommt es am Ursprung der Unterarmstreckmuskulatur an der Außenseite des Ellenbogens zu einer langwierigen und zugleich belastungsabhängigen Schmerzen, die auf den gesamten Unterarm ausstrahlen.

Weitere Ursachen dieser entzündlichen Überlastung sind oftmals die Folge einer falschen Schlag- und Grifftechnik. Oftmals treten Probleme nach einem Wechsel des Tennisschlägers, der Schlagtechnik oder einer längeren Belastungspause auf, da somit eine intensive und zugleich ungewohnte Belastung auf den Körper zukommt. Weiterhin kann ein verkrampftes Halten des Schlägers sowie ein zu hoher Krafteinsatz während des Schlages Ursache für den Tennisarm sein.

Insbesondere die Schlagtechnik spielt eine entscheidende Rolle. Oftmals wird die Schlagbewegung technisch falsch ausgeführt. Hauptfehler sind falsches und zu starkes oder zu abgehacktes ausschwingen der Schlagbewegung, die letztlich eine Sehnenansatzentzündung der Unterarmstreckmuskulatur forcieren. Auch der häufig angewandte Top-spin-Schlag ist eine Ursache des Tennisarms, da diese Schlagtechnik oft zu locker aus dem Handgelenk geschlagen wird.

Zugleich kann die falsche Grifftechnik bzw. ebenso die falsche Griffstärke den Schlagarm unnötig belasten. Ebenso ist oftmals eine zu harte Bespannung der Grund eines Tennisarms. Die kinetische Energie wird dabei ungebremst direkt auf den oberen Ansatz der Unterarmstreckmuskulatur des äußeren Ellenbogenknochens übertragen. Die Folge ist, dass das Gewebe in dieser Zone geschädigt wird.

Symptome und Verlauf

Typische Anzeichen eines Tennisarms ist der Druckschmerz am Ansatz der unteren Streckmuskulatur an der Außenseite des Ellenbogengelenks.

Die Symptome des Tennisarms sind mit Schmerzen verbunden, die sich zunehmend verfestigen. Treten die Symptome anfangs nach einer stärkeren Belastung im Training oder im Tennismatch auf, können sie später bereits während des Einspielens bzw. bereits nach den ersten Schlägen zustande kommen. Schließlich wird bei jeder körperlichen Belastung der entsprechend belasteten Bereiche eine Beeinträchtigung der Leistung in Verbindung mit Schmerzen auftreten.

Die klinische Symptomatik weist einen starken lokalen Druckschmerz am Ansatz der unteren Streckmuskulatur der Außenseite am Ellenbogengelenk auf. Weiter ist ein starker lokaler Schmerz während des Anspannens der Unterarmstreckmuskulatur zu spüren, die z.B. beim zugreifen des Tennisschlägers erfolgen kann.

Gleichermaßen ist die Schulterregion betroffen. Besonders die Muskel-Sehnen-Ansätze sowie die Schleimbeutel reagieren nach einer Belastung schmerzempfindlich. Eine Überlastungsreaktion kann ebenso als Sehnenscheidenentzündung im Bereich des Handgelenks vorkommen. Die Folge ist ein Schmerz während der Handgelenksbewegung sowie eine gelegentlich Schwellung im Handgelenk.

Der Tennisarm hat bei entsprechender Ruhigstellung sowie bei unterstützenden konservativen Therapiemaßnahmen in den meisten Fällen eine sehr gute Prognose. Um eine Chronifizierung der Entzündung und der damit verbundenen Schmerzsymptomatik vorzubeugen, ist ein rasches Einleiten der Behandlung sowie die konsequente Schonung nötig. Eine Operation ist in der Regel nur bei chronischem Verlauf indiziert, kann aber die Symptome des Tennisarms nicht immer zuverlässig bessern.

Wann zum Arzt?

Bei einem Tennisarm sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Es kommt bei dieser Erkrankung nicht zu einer Selbstheilung und bei einer weiteren Belastung häufig zu starken Schmerzen und zu dauerhaften Fehlstellungen. Aus diesem Grund sollte der Tennisarm immer von einem Arzt untersucht und behandelt werden.

Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an seinem Arm an starken Schmerzen leidet. Diese Schmerzen können in Form von Druckschmerzen oder Belastungsschmerzen auftreten. Allerdings weisen häufig auch Ruheschmerzen auf den Tennisarm hin und sollten daher untersucht werden. Ebenso kann dabei ein Kribbeln in der Hand auf die Erkrankung hindeuten. Sollte die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt werden, so kommt es nicht selten auch zu einem Kraftverlust im betroffenen Arm. Die Patienten nehmen dabei eine Schonhaltung ein und leiden an starken Verspannungen, sodass sich die Schmerzen auch in benachbarte Regionen ausbreiten können.

In der Regel kann der Tennisarm von einem Allgemeinarzt diagnostiziert werden. Die weitere Behandlung erfolgt jedoch durch andere Ärzte und richtet sich dabei häufig nach der genauen Ausprägung der Beschwerden.

Diagnose

Die umgangssprachlich als Tennisarm bezeichnete entzündliche und meist sehr schmerzhafte Sehnenerkrankung des Ellenbogens (Epicondylitis humeri radialis) kann vom Arzt meist schon durch die Schilderung der typischen Beschwerden sowie die körperliche Untersuchung des Patienten erkannt werden. Bei der Anamnese erhärten einseitige Belastungen in Sport und Beruf den Verdacht auf einen Tennisarm, bei der Untersuchung des Ellenbogens reagieren die entzündeten Sehnenansätze mit einem bis in die Hand einschießenden Druckschmerz.

Klassisch sind weiterhin Schmerzen im äußeren Ellenbogenbereich – etwa bei der Unterarmdrehung oder wenn der Betroffene versuchen soll, sein Handgelenk gegen einen Widerstand zu strecken. Vor allem bei untypischen Beschwerden oder dem Ausbleiben einer Besserung trotz Schonung und therapeutischer Maßnahmen müssen ähnliche Krankheitsbilder im Rahmen einer weiterführenden Diagnostik ausgeschlossen werden. Mit einer Blutuntersuchung kann die rheumatoide Arthritis erkannt werden, während konventionelles Röntgen arthrotische Veränderungen zeigt, die ähnliche Beschwerden wie der Tennisarm machen können.

Komplikationen

Ein Tennisarm kann auch ohne Behandlung von selbst ausheilen, in vielen Fällen entwickelt sich daraus aber eine chronische Entzündung mit zunehmenden Schmerzen. In der Folge verlieren die Muskeln von Hand und Fingern an Kraft, selbst alltägliche Tätigkeiten können nur noch eingeschränkt ausgeführt werden. Wie jede Operation birgt auch die chirurgische Versorgung des Tennisarms gewisse Risiken.

Mögliche Komplikationen sind beispielsweise Infektionen im Operationsgebiet: Oberflächliche Entzündungen sind in der Regel gut mit Antibiotika zu behandeln, tiefergehende oder sehr ausgedehnte Entzündungen machen in manchen Fällen eine Nachoperation erforderlich. Vorübergehend können durch eine Nervenquetschung bedingte Lähmungserscheinungen der Finger auftreten, die von selbst abheilen. Eine vollständige Durchtrennung eines Nervs zieht im schlimmsten Fall eine weitere Operation nach sich, bei der zur Erhaltung der Beweglichkeit ein Nerv vom Fuß des Patienten in den Arm transplantiert werden muss.

Als weitere Komplikationen können sich Wundheilungsstörungen oder Blutergüsse entwickeln, auch eine überschießende Narbenbildung ist möglich. Wird das operierte Ellenbogengelenk nach Beendigung der Ruhigstellung nicht ausreichend bewegt, treten gelegentlich Bewegungsstörungen auf. Eine krankengymnastische Therapie, die möglichst frühzeitig einsetzt, kann derartige Komplikationen weitgehend verhindern. In seltenen Fällen bleiben auch nach einer Operation deutliche Beschwerden bestehen, bei einem Teil der Patienten kommt es zu einem schmerzhaften Rückfall.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung des Tennisarms richtet sich nach dem Ausmaß des Beschwerdebildes. Meist wird anfangs innerhalb der ersten Tage eine entzündungshemmende Behandlung favorisiert, die mit Eiskühlungen, diversen Salben sowie entsprechenden Medikamenten Anwendung findet. Ist die Behandlung erfolgreich, wird muss die durch die Pausierung geschwächte Armmuskulatur systematisch wieder aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang ist eine ausreichende Spielpause einzuhalten, um nicht erneut in eine Überlastungsreaktion zu provozieren.

Weiterhin werden zur Behandlung sogenannte Tennisarmbandagen getragen, die die Ansatzregion der Unterarmstreckmuskulatur entlasten. Folgend kann das Tragen einer Oberarmgipsschiene die Entlastung und Beruhigung forcieren. Parallel ist ein Versuch zu unternehmen, die teilweise verkürzt sowie verkrampfte Unterarmstreckmuskulatur durch Stretching und Dehnen zu lockern.

Ist nach den bisherigen Behandlungen nach ungefähr sechs Monaten immer noch keine Verbesserung oder gar eine Verschlechterung der Symptomatik des Tennisarms zu spüren, kann nach den individuellen Beschwerden eine Operation in Betracht gezogen werden. Die Operation kann ambulant erfolgen, wenn keine Nebenwirkungen bzw. Nebenerkrankungen diagnostiziert werden.

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Aussicht und Prognose

Vorausgesetzt, der Patient hält sich konsequent an den Therapieplan des behandelnden Arztes, ist die Prognose beim Tennisarm recht gut. Die Behandlung nimmt jedoch meist viele Monate in Anspruch, in denen der Betroffene Beeinträchtigungen in Kauf nehmen muss. Nicht nur bei Belastung kommt es oftmals zu Schmerzen, sondern auch bei alltäglichen Bewegungen.

In vielen Fällen heilt der Tennisarm mithilfe von Physiotherapie und/oder Infiltrationstherapie vollständig aus. Auch Medikamente kommen als Begleittherapie zum Einsatz. Grundsätzlich gilt: Je früher die Behandlung eines Tennisarms eingeleitet wird, umso größer sind die Erfolgsaussichten, und auch das Risiko für einen chronischen Krankheitsverlauf wird deutlich reduziert.

Bei etwa 80 Prozent aller Patienten mit Tennisarm klingen die Schmerzen und Beeinträchtigungen innerhalb von zwölf Monaten vollständig ab. Zeigt die konservative Therapie auch nach mehreren Monaten keinerlei Erfolg, raten viele Ärzte zu einem operativen Eingriff. Nur vereinzelt führt auch die Operation zu keiner dauerhaften Linderung der Beschwerden. Die Schmerzen werden chronisch und die Betroffenen müssen dauerhaft mit Schmerzen und Einschränkungen rechnen.

Vorbeugung

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist ein ausgleichendes sowie ganzheitliches Training, dass die im Tennis permanent einseitige Muskelbelastung kompensiert und die Ausdauerfähigkeit und Kondition verbessert. Diese ist wichtig, da eine unsaubere Schlagtechnik, die den Tennisarm forciert, oftmals durch ein zu frühes oder zu spätes Schlagen des Balles entsteht.

Ein gezieltes Krafttraining verstärkt die Muskulatur und führt zur Festigung des Knochens, des Arms, des Rumpfes sowie der Schulter und gleicht die einseitige Belastung des Tennissports aus.

Elementar zur Vermeidung des Tennisarms ist in Verbindung mit dem Training bzw. dem Tennisspiel das richtige Aufwärmen. Sind die entsprechenden Muskelgruppen erwärmt, ist dies eine entscheidende Verletzungsprophylaxe.

Insbesondere das Anwenden bzw. Erlernen der richtigen Technik ist elementar. Oft führt ein zu großer Krafteinsatz beim Schlag, die falsche Rückhandtechnik sowie das falsche umgreifen zwischen Rück- und Vorhandgriff zum Tennisarm.

In diesem Zusammenhang spielt die Griffstärke eine wesentliche Rolle. Diese sollte als Orientierungshilfe so breit sein, dass die den Schlägergriff umfassenden Fingerspitzen die Hand annähernd berühren.

Durch eine entsprechende Tennisausrüstung mit einem individuell angepassten Tennisschläger und einer richtigen Bespannung, wird dem Tennisarm zusätzlich vorgebeugt. Zugleich fangen Vibrationsstopper die Schwingungen, die beim Schlagen des Balles auftreten, ab und fördern ebenso die Prävention.

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Karola kommentierte am 26.12.2014

Mir tut seit ca. 4 Wochen mein linker Ellenbogen weh. Vorerst dachte ich es wäre ein Muskelkater, aber es wird nicht besser. Er ist nicht rot und auch nicht geschwollen, aber wenn ich etwas heben möchte oder eine Drehung mache, tut es weh. Könnte es ein Tennisellenbogen sein?