Missempfindungen im Gesicht

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 25. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Missempfindungen im Gesicht können sehr seltsam sein. Bei Sensibilitätsstörungen werden äußerliche Reize nicht mehr oder auf eine veränderte Art wahrgenommen. Sie können den gesamten Körper betreffen und somit ebenfalls im Gesicht auftreten. Zu den Missempfindungen gehören unterschiedliche Symptome wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Missempfindungen?

Für die Wahrnehmung von Reizen sind Nerven, Sensoren und Rezeptoren verantwortlich. Diese erkennen den äußeren Druck und leiten die Information schließlich ans Gehirn weiter. Kommt es zu Missempfindungen, so liegt das Problem meistens bei den Nerven. Betroffene verspüren ein Kribbeln, ohne dass ein äußerlicher Reiz vorliegt oder die Haut fühlt sich taub an, die physisch existierenden Reize werden nicht erkannt.

Das Gehirn verarbeitet die durch die Sinnesorgane aufgenommenen Reize, sodass die betroffene Person sie spürt. Dabei werden die eventuellen Reize in unterschiedliche Klassen unterteilt. Hierbei handelt es sich um mechanische Reize, Temperatur- und Schmerzempfinden, sowie Bewegungs- und Lageempfinden. Erste Anzeichen für eine Missempfindung im Gesicht ist das Auftreten von Jucken, Kribbeln und Brennen. Wärme- und Kältemissempfindungen lassen den Eindruck erscheinen, dass die betroffene Körperstelle ungewöhnliche Wärme oder Kälte wahrnimmt. Besonders im Gesicht ist Vorsicht gewährt, wenn Sensibitätsstörungen auftreten. Taubheitsgefühlen können einen Schlaganfall vorwarnen.

Ursachen

Da die Nerven für Empfindungen verantwortlich sind, liegt der Ursprung von Missempfindungen meistens auch bei ihnen. Tritt ein Kribbeln auf, handelt es sich um einen Reiz, welcher nicht äußerlich erfolgt, sondern von geschädigten Nerven. Die Leitbahnen arbeiten überdurchschnittlich hoch und leiten Reize zum Gehirn, die physisch nicht existieren, wodurch das Kribbeln entsteht. Bei Taubheitsgefühlen hingegen liegt eine Unteraktivität der Nerven vor. Obwohl physische Reize entstehen, werden diese von den Sinnesorganen nicht wahrgenommen und zum Gehirn gebracht, wodurch betroffene Menschen die Empfindungen nicht erkennen.

Ein Taubheitsgefühl stellt sich ein. Missempfindungen der Nerven lassen sich meistens auf beschädigte Teile des betroffenen Nervs zurückführen. Häufig wird eine Störung dann verursacht, wenn der Nerv eingeklemmt wird und nicht mehr über genügend Platz verfügt. Im Gesicht können die Störungen jedoch auch von Verbrennungen oder Unterkühlungen kommen. Tumore am Gleichgewichts- und Gehörnerv begünstigen Sensibilitätsstörungen genauso wie bestimmte Krankheiten. Zu diesen gehört Multiple Sklerose.

Sind bestimmte Nerven schwer beschädigt, so kann eine gesamte Gesichtshälfte einer Lähmung unterliegen. Meistens handelt es sich dann um eine Fazialisparese, die Lähmung des Gesichtsnervs. Verletzungen an der Hals-Wirbelsäule können ebenfalls zu Missempfindungen im Gesicht führen, nicht immer kann die Schädigung im unmittelbaren Ort der Sensibilitätsstörung lokalisiert werden.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Missempfindungen im Gesicht treten häufig nach kosmetischen Eingriffen auf. In einigen Fällen sind gezielt Maßnahmen der Verjüngung ergriffen worden, die zu den Missempfindungen führen. Es handelt sich hierbei um Nebenwirkungen des Eingriffs. Ein Arztbesuch ist nicht notwendig, da sich die Beschwerden allmählich zurückbilden. Bei einigen kosmetischen Produkten kommt es zu Missempfindungen im Gesicht aufgrund einer Unverträglichkeit. Es ist ein Arzt aufzusuchen und ein Allergietest durchzuführen. Die auslösenden Substanzen werden darüber ermittelt und sollten künftig vermieden werden.

Die Missempfindungen im Gesicht sind häufig durch Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden verursacht. Halten die Beschwerden über einen längeren Zeitraum von mehreren Tagen oder Wochen an, sollte ein Arzt konsultiert werden, damit weitere Untersuchungen Aufschluss über die Ursache geben kann. Es besteht aufgrund der Missempfindungen ein erhöhtes Risiko, unter Verbrennungen bei einer direkten Sonneneinstrahlung zu leiden. Die Nutzung von UV-Schutz ist nach der Rücksprache mit einem Arzt notwendig.

Breiten sich die Missempfindungen im Gesicht weiter über den gesamten Kopf oder Hals aus, ist schnellst möglich ein Arzt aufzusuchen. Es liegt eine Erkrankung vor, die behandelt werden muss. Treten weitere Beschwerden auf oder stellen sich Funktionsstörungen ein, ist ebenfalls ein Arztbesuch notwendig. Zu ihnen gehören Schmerzen, Störungen des Bewusstseins, der Verlust des Seh- oder Hörvermögens sowie Herzrasen.

Diagnose und Verlauf

Bei der Diagnose helfen bereits die klassischen Anzeichen wie Kribbeln und das komplette oder teilweise Fehlen von Empfindungen. Vor der körperlichen beziehungsweise neurologischen Untersuchung geben Fragen einen ersten Verdacht. Der Patient muss erläutern können, seit wann die Missempfindungen existieren und ob sie das Sprachvermögen einschränken. Zudem sollte geklärt werden, wann genau die Störungen auftreten.

Anschließend untersucht der Arzt die Ausprägung der vorliegenden Missempfindung. Dies geschieht oft durch die Nadel-Stichprobe, bei welcher mehrere Nadelstiche in die Haut gesetzt werden, um zu kontrollieren, wie weit das Schmerzempfinden ausgeprägt ist. Die Feststellung einer Senisbilitätstörung, wie sie durch mechanische Tests leicht zu klären ist, reicht für die gesamte Diagnose jedoch nicht aus. Je nachdem, welcher Verdacht vorliegt, folgen Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen, Allergietests oder verschiedene Tomographien.

Komplikationen

In der Regel treten die Missempfindungen im Gesicht nur temporär auf verschwinden wieder von alleine. In solchen Fällen muss kein Arzt aufgesucht werden, eine Behandlung ist ebenso nicht notwendig. Sollten die Missempfindungen im Gesicht allerdings über einen längeren Zeitraum auftreten, so muss zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Normalerweise führen diese Missempfindungen zu einem Kribbeln und zu einer Rote im Gesicht. Es kommt auch relativ oft vor, dass durch die Missempfindungen im Gesicht Sprachstörungen auftreten. Diese kommen vor allem nach Behandlungen im Gesicht oder an den Zähnen vor, falls Schmerzen durch eine Spritze gelindert werden mussten. Hier sind bestimmte Regionen angeschwollen und fühlen sich komisch an, weswegen es zu Sprachstörungen kommt.

Neben den Missempfindungen im Gesicht können auch Schmerzen im Gesicht und in der Nackenmuskulatur auftreten. Bei diesen Symptomen ist eine Behandlung durch einen Arzt ratsam, um Folgeschäden und andere Verletzungen zu vermeiden. Die Missempfindungen im Gesicht können auch als Folge eines Schlaganfalls auftreten. Eine Behandlung ist in diesem Fall nur sehr eingeschränkt möglich.

Behandlung und Therapie

Die Therapie kann erst erfolgen, wenn die Ursache der Störung bekannt ist. Dann muss ebendiese behandelt werden, damit auch die Missempfindungen verschwinden. Ein eingeklemmter oder gereizter Nerv benötigt selten einer bewussten Therapie im Gesicht. Meistens handelt es sich hierbei um ein vorübergehendes Symptom, das ohne spezielle Therapie von alleine verschwindet. Dann braucht der Nerv lediglich Zeit, um sich zu beruhigen und selbst zu regenerieren.

Stecken Krankheiten wie Multiple Sklerose, Tumore oder ein Schlaganfall hinter den Symptomen, müssen die Grunderkrankungen bzw. die Symptome entsprechend medikamentös behandelt werden. Auch Gesichtsschmerzen verbergen tiefere Erkrankungen, die zur Linderung der Missempfindungen einer Therapie bedürfen. Zu diesen gehört eine fachgerechte Behandlung von Dysfunktionen der Kaumuskulatur sowie des Kiefers, Nasennebenhöhlenentzündungen oder von Verspannungen der Nackenmuskulatur. Insbesondere bei einem Bandscheibenvorfall oder Rückenblockaden helfen Physiotherapie (Krankengymnastik) und Bewegungstherapien.

Gesichtsschmerzen können ebenfalls dann entstehen, wenn der Hirnnerv einem Druck ausgesetzt ist. Dies geschieht durch Erkrankungen innerhalb des Schädels, die vom jeweiligen Spezialisten behandelt werden müssen. Ein Beispiel hier ist die Existenz eines Hirntumors, der je nach seiner Schwere durch eine alleinige Strahlentherapie oder eine vorangegangene Operation minimiert werden sollte.

Ist ein Vitaminmangel, wie beispielsweise der von Vitamin B12 für Missempfindungen verantwortlich, muss dieser ausgeglichen werden. Das gelingt durch die Supplementierung des Vitamins, entweder über Tabletten oder über Injektionen. Herpesinfektionen, welche die Empfindungen im Gesicht in Form von Gürtel- und Gesichtsrose beeinflussen können, müssen gelindert werden. Bei Herpes handelt es sich um einen Virus, der in bestimmten menschlichen Zellen überlebt und nicht geheilt werden kann. Es ist lediglich möglich, eventuelle Ausbrüche zu kontrollieren.


Aussicht und Prognose

Die Ursachen für Missempfindungen im Gesicht können sehr unterschiedlich sein, sodass der weitere Verlauf dieser Beschwerde in den meisten Fällen sehr stark von der zugrundeliegenden Krankheit abhängig ist. In den meisten Fällen sind allerdings die Nerven, die zum Gesicht führen geschädigt, sodass die Missempfindungen dauerhaft auftreten. Ob es dabei zu einem positiven Krankheitsverlauf kommen wird, kann leider nicht garantiert werden. In vielen Fällen - insbesondere bei gereizten oder eingeklemmten Nerven - verschwinden die Missempfindungen wieder von selbst.

Nicht selten sind die Nerven jedoch irreversibel geschädigt, sodass Betroffene in der Regel unter einer deutlich verringerten Lebensqualität leiden. Dies ist vor allem bei einem Schlaganfall oder bei Tumoren der Fall. Weiterhin können die Missempfindungen im Gesicht auch mit Sprachstörungen oder Schluckbeschwerden einhergehen, sodass der Betroffene an Schwierigkeiten bei der Einnahme von Nahrung und Flüssigkeit leidet oder sich nicht mehr mit anderen Menschen verständigen kann. Körperliche Bewegung, der Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie Sport (z.B. Kraft- und Ausdauertraining) helfen die allgemeine Durchblutung zu steigern und damit die Symptome zu lindern.

Vorbeugung

Bei der Vorbeugung von Missempfindungen hilft ein gesunder Lebensstil mit einer Kombination aus genügend Vitaminen und Mineralstoffen sowie regelmäßiger Bewegung. Die Flüssigkeitszufuhr sollte den individuellen Begebenheiten angepasst sein und übermäßiger psychischer Stress vermieden werden.

Regelmäßige ärztliche Kontrollen des Kiefers können dazu beitragen, eventuelle Dysfunktionen oder Einschränkungen frühzeitig zu erkennen. Wenn möglich sollte die Übertragung des Herpesvirus auf Menschen, die ihn noch nicht in sich tragen, vermieden werden. Übertragen wird dieser beispielsweise über Körperflüssigkeiten wie Speichel.

Quellen

  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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