Bildgebende Verfahren

Letzte Aktualisierung am 21. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bildgebende Verfahren (Bildgebende Diagnostik) zählen zu den wichtigsten Diagnosemethoden der Medizin. Sie umfassen u. a. die Röntgenuntersuchung, die Ultraschalluntersuchung, die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Bildgebende Verfahren?

Unter bildgebenden Verfahren werden apparative Diagnosemethoden verstanden, bei denen ein Befund auf visuelle Weise erfolgt. Sie tragen auch die Bezeichnungen Bildgebung oder Bildgebende Diagnostik. Die Verfahren der medizinischen Bildgebung gelangen in beinahe sämtlichen Fachbereichen zur Anwendung und gelten als unverzichtbar, um krankhafte Veränderungen des Gewebes darstellen zu können. Dabei kommen sowohl zweidimensionale als auch dreidimensionale Bilddaten von Körperstrukturen oder Organen zur Anwendung.

Bildgebende Verfahren sind mittlerweile zur Diagnostik vieler Krankheiten unerlässlich.

Verantwortlich für den Erfolg der bildgebenden Verfahren sind die Medizingeräte, die auch als Modalitäten bekannt sind. Eingestuft werden die Modalitäten als Medizinprodukte. In der Medizintechnik stellen sie einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.

Die bildgebenden Verfahren greifen auf unterschiedliche Methoden zurück. Dazu gehören vor allem Strahlen, die in der Lage sind, den Körper zu durchdringen. Darüber hinaus gibt es Kontraste, die durch Wechselwirkungen innerhalb des Gewebes entstehen.

Wann kommen bildgebende Verfahren zur Anwendung?

Wichtig sind bildgebende Verfahren nicht nur zur Diagnostik von Beschwerden und Erkrankungen, sondern auch als Begleitung von therapeutischen Maßnahmen. Zu den ältesten Methoden der Bildgebung gehört das Röntgen, dessen Entdeckung 1895 in Deutschland stattfand. Durch die Röntgenstrahlung lassen sich bis in die heutige Zeit unterschiedliche Erkrankungen feststellen. Bei einigen Röntgenverfahren erfolgt außerdem die Gabe von Kontrastmitteln, deren Anreicherung in den Organen erfolgt. Mithilfe von speziellen Kameras werden entsprechende Strukturen sichtbar gemacht.

Zu den Anwendungsgebieten der bildgebenden Diagnostik zählen in erster Linie Diagnostik und sekundäre Prävention. Letztere setzt in einem frühen Stadium von Krankheiten ein, wodurch sich eine frühzeitige Behandlung ermöglichen lässt, die sich wiederum positiv auf die Behandlung auswirkt. Die sekundäre Prävention kann das Voranschreiten von bestimmten Erkrankungen verhindern oder sie verlangsamen. Von besonderer Bedeutung sind bildgebende Verfahren für das Erkennen von schweren Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Krebs.

Sinnvoll sind Verfahren der medizinischen Bildgebung zudem für therapeutische Zwecke wie das Durchführen einer Operation. So ist der Chirurg durch den Einsatz eines bildgebenden Verfahrens imstande, im Falle einer Krebserkrankung einen Tumor vollständig zu entfernen. Ebenso ist das korrekte Einsetzen eines Stents bei Herzerkrankungen möglich. Dank der Bildgebung lässt sich das Risiko von Komplikationen verringern und der Patient wird weniger belastet.

Weitere wichtige Indikationen für bildgebende Diagnostik sind Erkrankungen an den Lungen wie eine Lungenentzündung oder Lungenkrebs, Schilddrüsenerkrankungen, Bänderverletzungen, Knochenbrüche, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Verkalkungen, Osteoporose (Knochenschwund), Veränderungen an den Gelenken, ein Darmverschluss, Erkrankungen im Bauchraum wie Organveränderungen oder Ödeme (Wasseransammlungen), Beeinträchtigungen der Wirbelsäule wie Verletzungen, Bandscheibenvorfälle oder Knochentumore, Erkrankungen der Sexualorgane, Gefäßerkrankungen, Augenkrankheiten oder Beeinträchtigungen von Gesicht und Nase. Einige Verfahren wie die Ultraschalluntersuchung eignen sich auch zur Schwangerschaftsdiagnostik, um die Entwicklung des ungeborenen Kindes zu beurteilen sowie zur Untersuchung von Säuglingen.

Anwendungsbereiche

  • Schwangerschaftsdiagnostik

Welche bildgebenden Verfahren gibt es?

Es gibt zahlreiche unterschiedliche bildgebende Verfahren:

Röntgenuntersuchung

Zu den ältesten Methoden zählt die Röntgenuntersuchung. Dabei gelangen Röntgenstrahlen zum Einsatz, bei denen es sich um elektromagnetische Wellen handelt, die sich vom Auge des Menschen nicht wahrnehmen lassen. Sie verfügen über die Eigenschaft, Gewebe zu durchdringen. Je nach Gewebedichte werden die Röntgenstrahlen in unterschiedlicher Intensität abgeschwächt, was eine Darstellung als Fotofilm ermöglicht. Die Strahlung, die vom Gewebe absorbiert wird, sowie die nicht absorbierte Strahlung führen zu unterschiedlichen Schattierungen auf dem Röntgenbild. Diese haben eine weiße oder schwarze Färbung. Während Knochen hell erscheinen, weisen die Lungen eine schwarze Färbung auf. Durch Röntgenkontrastuntersuchungen können außerdem Hohlräume dargestellt werden.

Computertomographie (CT)

Auf der Basis von Röntgenstrahlen funktioniert auch die Computertomographie (CT), in deren Rahmen die Körperregion, die untersucht wird, von schmalen Röntgenstrahlen aus mehreren Richtungen durchdrungen wird. Der Röntgenstrahl wird durch die durchstrahlten Gewebe abgeschwächt. Diesen Vorgang erfassen Detektoren. Mithilfe von mathematischen Verfahren werden aus den Schwächungsstufen Dichten ermittelt sowie Bilder in Graustufen rekonstruiert. Auf diese Weise lassen sich Gewebe und Strukturen präzise wiedergeben. Ebenso ist das Erzeugen von dreidimensionalen Bildern möglich.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Zu den modernsten bildgebenden Verfahren gehört die Magnetresonanztomographie (MRT), die auch als Kernspintomographie bekannt ist. Diese Schichtbilduntersuchung fertigt Schnittbilder an, über die sich Aufschlüsse über Beschaffenheit und Ausmaß bestimmter Strukturen erhalten lassen. Röntgenstrahlen gelangen dabei nicht zur Anwendung.

Ein offenes MRT-Gerät für Patienten mit Platzangst (Klaustrophobie).

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Eine der gebräuchlichsten bildgebenden Untersuchungsmethoden ist die Sonographie (Ultraschalluntersuchung). Bei diesem Verfahren werden die Körperstrukturen und Gewebe von Schallwellen visuell dargestellt. Zu einer Strahlenbelastung kommt es dabei nicht.

Szintigraphie

Ein nuklearmedizinisches bildgebendes Verfahren stellt die Szintigraphie dar. Mit dieser Methode werden Stoffwechselvorgänge durch schwach radioaktive Stoffe, auch Radionuklide genannt, sichtbar gemacht. Dadurch erhält der Arzt die Gelegenheit, Funktion und Durchblutung verschiedener Gewebe zu beurteilen.

Weitere bildgebende Verfahren sind:

  • die Thermographie,
  • die Spektographie sowie

Was muss der Patient im Vorfeld beachten?

Bei einigen bildgebenden Diagnosemethoden sind im Vorfeld bestimmte Kriterien zu beachten. So sollten zu einer Röntgenuntersuchung der Röntgenpass sowie frühere Röntgenaufnahmen mitgebracht werden.

In manchen Fällen kann der Arzt auch ein Aufklärungsgespräch führen und dabei einige Fragen stellen. Handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung im Magen-Darm-Bereich, an der Galle oder den Nieren, muss der Patient nüchtern erscheinen. Bei manchen Kontrastmitteln ist es erforderlich, sie bereits zuhause einzunehmen. Wird der Darm kontrolliert, ist die Einnahme eines Abführmittels zu seiner Entleerung notwendig.

Findet eine Computertomographie der Verdauungsregion statt, empfiehlt es sich, am Vortag keine blähenden Lebensmittel zu verzehren. Mitunter muss der Patient auf nüchternen Magen erscheinen.

Vor manchen bildgebenden Diagnoseverfahren wie einer Röntgenuntersuchung oder Magnetresonanztomographie werden elektromagnetische Gegenstände abgelegt. Dabei kann es sich um Prothesen, Geldstücke, Schmuck oder Haarspangen handeln. Außerdem ist der Arzt über eventuelle metallhaltige Implantate in Kenntnis zu setzen. Wer einen Herzschrittmacher trägt, darf keine Kernspintomographie durchführen.

Ablauf und Durchführung

Je nachdem, welches bildgebende Verfahren zum Einsatz kommt, legt der Patient Kleidung und Schmuckstücke ab. Seine Körperposition hängt davon ab, welcher Bereich untersucht werden soll. Beim Röntgen wird der jeweilige Körperbereich so lange korrigiert, bis er die passende Position für die Aufnahmen gefunden hat. Einige Sekunden lang darf sich der Patient nicht bewegen. Müssen mehrere Aufnahmen angefertigt werden, wird oft eine andere Körperposition ausgewählt. Mitunter muss beim Anfertigen der Aufnahmen die Luft angehalten werden. Handelt es sich um eine digitale Röntgenverarbeitung, erscheint das Bild schon kurze Zeit später auf dem Monitor.

Im Falle einer Computertomographie nimmt der Patient Platz auf einem CT-Tisch. Dabei ist es wichtig, dass er sich nicht bewegt und sich entspannt. Anschließend wird der Körperbereich, der untersucht werden soll, im CT-Gerät platziert. Durch eine Gegensprechanlage ist Kontakt mit dem Untersuchungspersonal möglich. Die Dauer der Computertomographie kann bis zu 15 Minuten beanspruchen, was von der jeweiligen Fragestellung abhängt.

Bei der Magnetresonanztomographie wird der Patient in eine ein Meter lange Röhre geschoben. Da einige Patienten Angst vor dieser Prozedur haben, erhalten sie zuvor ein Beruhigungsmittel. Weil das Untersuchungsgerät laute Geräusche verursacht, legt der Patient einen Ohrenschutz an. Gelegentlich kommen auch offene Geräte zum Einsatz, die keine Röhre haben. In manchen Fällen wird über die Vene ein Kontrastmittel gespritzt. Die Kernspintomographie nimmt gewöhnlich 20 bis 30 Minuten in Anspruch.

Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung, die von der Haut ausgeht, bringt der Arzt etwas Gel auf die Haut und den Schallkopf auf, damit sich keine Luft dazwischen einlagern kann. Komplikationen sind durch eine Sonographie nicht zu befürchten.

Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Liegt eine medizinische Indikation für das Durchführen von bildgebenden Diagnostiken vor, werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. In einigen Bereichen wie der Krebsfrüherkennung kann es sich bei einer Ultraschalluntersuchung um eine IGel-Leistung handeln, sodass ohne einen konkreten Verdacht eine individuelle Leistung besteht. Wünscht der Patient das bildgebende Verfahren selbst, muss er auch die Kosten tragen. Diese fallen je nach Verfahren unterschiedlich aus.

Risiken, Gefahren und Nebenwirkungen

Risiken bei einem bildgebenden Verfahren bestehen vor allem durch die radiologischen Strahlen, deren Dosis jedoch relativ gering ist. Werden jedoch radiologische Untersuchungen in kurzen Zeitabständen vorgenommen, kann dies zu gesundheitlichen Schäden führen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


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