Ohrenschmerzen beim Baby

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. April 2017
Sie sind hier: Gesundpedia.deSymptome Ohrenschmerzen beim Baby

Ohrenschmerzen beim Baby sind in den ersten Lebensjahren nicht selten. Die Ursachen können vielfältig sein. Aufgrund des Risikos schwerwiegender Folgeerkrankungen sollte zeitnah ein Arzt konsultiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Ohrenschmerzen beim Baby?

Vor allem Babys und Kleinkinder klagen in den ersten Lebensjahren gehäuft über Ohrenschmerzen. Diese Schmerzen können im Inneren des Ohres, am äußeren Ohr oder an der Ohrmuschel auftreten. Dabei kann es sich lediglich um eine Verstopfung handeln oder um eine Infektion verschiedenen Schweregrades. In einigen Fällen befinden sich Blut oder andere Flüssigkeit im Ohr. Diese kann auch austreten. Bei Babys liegt meist eine Entzündung des Mittelohres vor.

Der Ohrenschmerz ist oft sehr stark. Schmerzmittel helfen in diesem Bereich nur bedingt und sollten im Säuglingsalter generell nur zögerlich eingesetzt werden. Daher ist umgehend der Kinderarzt bzw. ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Wird eine Entzündung des Ohres nicht behandelt, droht Hörverlust meist einhergehend mit einer Verzögerung der Sprachentwicklung.

Ursachen

Zwei Drittel aller Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren haben mindestens einmal Ohrenschmerzen. Dies liegt in den kürzeren Verbindungsgängen von Nasen- und Rachenraum zum Mittelohr begründet. Aufgrund dieser anatomischen Besonderheit können Viren und Bakterien bei Babys und Kleinkindern schneller eindringen und sich vermehren. Diese Tatsache begründet weiterhin, dass Kinder jener Altersgruppe gehäuft an Mittelohrentzündungen erkranken.

Ebenso können Fremdkörper im Gehörgang eine Ursache für Ohrenschmerzen sein. Babys und Kleinkinder erkunden ihre Umgebung mit allen Sinnen und stecken sich gerne kleine Dinge in Körperöffnungen. Weiterhin können Entzündungen von Kieferbereich sowie der Ohrspeicheldrüse ausstrahlen. Meist fassen sich Babys immer wieder ans Ohr und bohren mit dem Finger im Gehörgang. Zudem sind sie unruhig, weinerlich oder schreien. Ihren Schmerz können Säuglinge nicht anders vermitteln.

Auf einen Fremdkörper im Ohr können weitere Symptome wie Mundatmung, eine näselnde Sprache, Nasenbluten oder andere Sekretbildung sowie ein Ausfluss dieser Flüssigkeiten hindeuten.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Ohrenschmerzen beim Baby müssen nicht immer zwingend sofort von einem Arzt behandelt werden. Bei ersten Symptomen können auch sehr gut Hausmittel und eigene Medikamente verwendet werden. Entzündungshemmende Wirkstoffe hemmen die vorliegende Entzündung und lindern zudem auch effektiv die Schmerzen. Zu den besagten Wirkstoffen zählen Antibiotika oder auch Kamille, die in das Ohr geträufelt werden kann. Wärme ist außerdem auch ein wichtiger Faktor, der zu einer schnellen Genesung beitragen kann.

Wenn jedoch nach drei Tagen keine Besserung eintritt, sollte definitiv ein Arzt aufgesucht werden. Tritt Eiter aus dem Gehörgang aus, so muss dies ebenfalls von einem Fachmann untersucht werden. In so einem Fall liegt eine starke Entzündung vor, die dringend mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden muss. Verschreibungspflichtige Antibiotika verhindern die Bildung von Eiter und hemmen die Entzündung.

Das gleiche gilt, wenn Blut aus dem Gehörgang fliest. Auch das muss dringend von einem Arzt untersucht werden, denn ansonsten besteht die Gefahr innerer Verletzungen. Um schwere Folgeschäden ausschließen zu können, sollte in so einem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Ein eitriger Ausfluss oder Blut sind erste Anzeichen, bei denen man sofort ärztlichen Rat suchen sollte.

Diagnose und Verlauf

Zunächst führt der Kinderarzt eine ausführliche Befragung der Eltern durch. In dieser sogenannten Anamnese werden das Schmerzverhalten und die Symptome besprochen. Danach beginnt der Arzt mit der Untersuchung des Ohres. Dies erfolgt beginnend von der Ohrmuschel bis hin zum inneren Ohr. Auch der Nasen- und Rachenraum wird bei der Untersuchung mit einbezogen.

Üblicherweise wird bei Ohrschmerzen auch ein Hörtest durchgeführt. Dieser ist bei Babys und Kleinkindern nicht möglich. Jedoch kann auch in diesem Alter ein Bluttest unternommen werden. So lässt sich anhand der Entzündungsparameter feststellen, ob eine bakterielle oder virale Erkrankung vorliegt. Bei Babys und Kleinkindern ist die Mittelohrentzündung die häufigste Erkrankung.

Zumeist nimmt sie einen komplikationsfreien Verlauf und heilt innerhalb von zwei Wochen aus. Bei einer rechtzeitigen Behandlung klingen die Symptome bereits nach wenigen Tagen ab. Zum Teil reißt das Trommelfell ein und gibt so dem Druck im Innenohr nach. Im Anschluss tritt die Flüssigkeit aus und läuft ab. Dadurch kommt es zu einer sofortigen Besserung der Beschwerden.

Komplikationen

Ohrenschmerzen beim Baby können verschiedene Komplikationen hervorrufen. Natürlich sind Ohrenschmerzen eine sehr unangenehme Angelegenheit. Es beginnt in vielen Fällen mit einem Jucken, das sich im späteren Verlauf zu einem stechenden Schmerz entwickelt. Bleibt ein solches Krankheitsbild unbehandelt, so besteht die Gefahr auf eine akute Verschlimmerung der Entzündung. In vielen Fällen ist die Bildung von Eiter keine Seltenheit. Die Entzündung breitet sich im Innenohr aus und es tritt eine eitrige Flüssigkeit aus dem Ohr heraus.

Um weitere Folgeschäden zu vermeiden, solle das Kind unmittelbar in ärztliche Behandlung gegeben werden. Wenn eine solche Entzündung des Mittelohres von Anfang an fachgerecht versorgt wird, ist mit einem harmlosen Verlauf dieser Krankheit zu rechnen. Bereits nach zwei bis drei Tagen ist so eine deutliche Besserung möglich. Werden die Ohrenschmerzen durch eine äußere Verletzung hervorgerufen, so kann es zum einer Blutung aus dem Trommelfell kommen. Auch in so einem Fall ist dringend ein Arzt aufzusuchen, denn die Blutung kann durch ein beschädigtes Trommelfell entstanden sein. Weitere Komplikationen die auftreten können sind eingeschränktes Sehvermögen, Fieber oder auch ein allgemeines Unwohlsein.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Ohrenschmerzen bei Babys und Kleinkindern richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Sollte ein Kleinteil im Gehörgang ursächlich für die Schmerzen sein, wird dieses durch einen Arzt entfernt. Der vermehrt auftretenden Mittelohrentzündung wird in den meisten Fällen durch eine sofortige Antibiotikabehandlung entgegnet. Oft ist alleine der Verdacht auf eine bakterielle Infektion für den Kinderarzt/die Kinderärztin ausschlaggebend. Grund hierfür ist – vor allem bei Kindern unter zwei Jahren – das Risiko einer Ausbreitung der Bakterien im gesamten Körper.

Sollte eine virale Infektion – meist im Zusammenhang mit einem grippalen Infekt – die Ursache sein, muss der Körper diese selbst bekämpfen. Die Gabe von abschwellenden Nasentropfen ist unabdingbar. Ohrentropfen helfen hingegen nicht, da diese das Trommelfell nicht passieren können und somit keine Wirkung im Innenohr erzeugen. Weiterhin werden Schmerzmittel in altersgerechter Dosierung verordnet. Auch bei zu hohem Fieber verschreibt der behandelnde Kinderarzt Fieber senkende Präparate.

Auch Wärmeanwendungen mit Hilfe einer Rotlichtlampe können eine Besserung der Beschwerden ermöglichen. Sollte die Nasenatmung dauerhaft behindert sein und dies nicht behandelt werden, kann eine chronische Entzündung des Mittelohres entstehen. In der Folge entstehen öfter Schwerhörigkeit oder Ohrrauschen, welche operativ behoben werden müssen. Auch wenn sich das Trommelfell vorwölbt, muss dieses unter Vollnarkose geöffnet werden (Parazentese).



Vorbeugung

Einer Mittelohrentzündung, welche durch Viren und vor allem Bakterien verursacht wird, kann kaum prophylaktisch entgegnet werden. Wichtig ist eine zeitnahe Untersuchung und Behandlung durch den Kinderarzt. Bei Kindern mit einer erhöhten Empfindlichkeit der Ohren ist es immer günstig, die Ohren mit Stirnbändern oder Mützen vor äußeren Einflüssen zu schützen.

Bücher über Ohrenkrankheiten

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Schellenberg, I. et al.: Kinderkrankheiten von A-Z: Wo Naturheilverfahren wirken - wann Schulmedizin nötig ist, 2. Auflage, TRIAS, 2012
  • Stauber, M., Weyerstahl, T.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2014
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Ohrenschmerzen beim Baby?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?