Ohrenschmerzen beim Baby

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. November 2016
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Ohrenschmerzen beim Baby sind in den ersten Lebensjahren nicht selten. Die Ursachen können vielfältig sein. Aufgrund des Risikos schwerwiegender Folgeerkrankungen sollte zeitnah ein Arzt konsultiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Ohrenschmerzen beim Baby?

Vor allem Babys und Kleinkinder klagen in den ersten Lebensjahren gehäuft über Ohrenschmerzen. Diese Schmerzen können im Inneren des Ohres, am äußeren Ohr oder an der Ohrmuschel auftreten. Dabei kann es sich lediglich um eine Verstopfung handeln oder um eine Infektion verschiedenen Schweregrades. In einigen Fällen befinden sich Blut oder andere Flüssigkeit im Ohr. Diese kann auch austreten. Bei Babys liegt meist eine Entzündung des Mittelohres vor.

Der Ohrenschmerz ist oft sehr stark. Schmerzmittel helfen in diesem Bereich nur bedingt und sollten im Säuglingsalter generell nur zögerlich eingesetzt werden. Daher ist umgehend der Kinderarzt bzw. ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Wird eine Entzündung des Ohres nicht behandelt, droht Hörverlust meist einhergehend mit einer Verzögerung der Sprachentwicklung.

Ursachen

Zwei Drittel aller Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren haben mindestens einmal Ohrenschmerzen. Dies liegt in den kürzeren Verbindungsgängen von Nasen- und Rachenraum zum Mittelohr begründet. Aufgrund dieser anatomischen Besonderheit können Viren und Bakterien bei Babys und Kleinkindern schneller eindringen und sich vermehren. Diese Tatsache begründet weiterhin, dass Kinder jener Altersgruppe gehäuft an Mittelohrentzündungen erkranken.

Ebenso können Fremdkörper im Gehörgang eine Ursache für Ohrenschmerzen sein. Babys und Kleinkinder erkunden ihre Umgebung mit allen Sinnen und stecken sich gerne kleine Dinge in Körperöffnungen. Weiterhin können Entzündungen von Kieferbereich sowie der Ohrspeicheldrüse ausstrahlen. Meist fassen sich Babys immer wieder ans Ohr und bohren mit dem Finger im Gehörgang. Zudem sind sie unruhig, weinerlich oder schreien. Ihren Schmerz können Säuglinge nicht anders vermitteln.

Auf einen Fremdkörper im Ohr können weitere Symptome wie Mundatmung, eine näselnde Sprache, Nasenbluten oder andere Sekretbildung sowie ein Ausfluss dieser Flüssigkeiten hindeuten.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Zunächst führt der Kinderarzt eine ausführliche Befragung der Eltern durch. In dieser sogenannten Anamnese werden das Schmerzverhalten und die Symptome besprochen. Danach beginnt der Arzt mit der Untersuchung des Ohres. Dies erfolgt beginnend von der Ohrmuschel bis hin zum inneren Ohr. Auch der Nasen- und Rachenraum wird bei der Untersuchung mit einbezogen.

Üblicherweise wird bei Ohrschmerzen auch ein Hörtest durchgeführt. Dieser ist bei Babys und Kleinkindern nicht möglich. Jedoch kann auch in diesem Alter ein Bluttest unternommen werden. So lässt sich anhand der Entzündungsparameter feststellen, ob eine bakterielle oder virale Erkrankung vorliegt. Bei Babys und Kleinkindern ist die Mittelohrentzündung die häufigste Erkrankung.

Zumeist nimmt sie einen komplikationsfreien Verlauf und heilt innerhalb von zwei Wochen aus. Bei einer rechtzeitigen Behandlung klingen die Symptome bereits nach wenigen Tagen ab. Zum Teil reißt das Trommelfell ein und gibt so dem Druck im Innenohr nach. Im Anschluss tritt die Flüssigkeit aus und läuft ab. Dadurch kommt es zu einer sofortigen Besserung der Beschwerden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Ohrenschmerzen bei Babys und Kleinkindern richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Sollte ein Kleinteil im Gehörgang ursächlich für die Schmerzen sein, wird dieses durch einen Arzt entfernt. Der vermehrt auftretenden Mittelohrentzündung wird in den meisten Fällen durch eine sofortige Antibiotikabehandlung entgegnet. Oft ist alleine der Verdacht auf eine bakterielle Infektion für den Kinderarzt/die Kinderärztin ausschlaggebend. Grund hierfür ist – vor allem bei Kindern unter zwei Jahren – das Risiko einer Ausbreitung der Bakterien im gesamten Körper.

Sollte eine virale Infektion – meist im Zusammenhang mit einem grippalen Infekt – die Ursache sein, muss der Körper diese selbst bekämpfen. Die Gabe von abschwellenden Nasentropfen ist unabdingbar. Ohrentropfen helfen hingegen nicht, da diese das Trommelfell nicht passieren können und somit keine Wirkung im Innenohr erzeugen. Weiterhin werden Schmerzmittel in altersgerechter Dosierung verordnet. Auch bei zu hohem Fieber verschreibt der behandelnde Kinderarzt Fieber senkende Präparate.

Auch Wärmeanwendungen mit Hilfe einer Rotlichtlampe können eine Besserung der Beschwerden ermöglichen. Sollte die Nasenatmung dauerhaft behindert sein und dies nicht behandelt werden, kann eine chronische Entzündung des Mittelohres entstehen. In der Folge entstehen öfter Schwerhörigkeit oder Ohrrauschen, welche operativ behoben werden müssen. Auch wenn sich das Trommelfell vorwölbt, muss dieses unter Vollnarkose geöffnet werden (Parazentese).



Vorbeugung

Einer Mittelohrentzündung, welche durch Viren und vor allem Bakterien verursacht wird, kann kaum prophylaktisch entgegnet werden. Wichtig ist eine zeitnahe Untersuchung und Behandlung durch den Kinderarzt. Bei Kindern mit einer erhöhten Empfindlichkeit der Ohren ist es immer günstig, die Ohren mit Stirnbändern oder Mützen vor äußeren Einflüssen zu schützen.

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