Flüssigkeit im Ohr

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. April 2017
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Flüssigkeit im Ohr kann durch viele Gründe auftreten. Meistens spricht man aber von Flüssigkeit im Ohr, wenn sich diese aus körpereigenen Substanzen bildet. Und das ist zum Beispiel bei einer Ohrinfektion der Fall: In der Medizin nennt man diese Erkrankung Otitis media.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Flüssigkeit im Ohr?

Flüssigkeit im Ohr tritt meist als Folge einer Infektion des Mittelohrs auf. Bei dieser bildet sich hinter dem Trommelfell eine Entzündung, die damit einhergeht, dass sich der betroffene Bereich mit Flüssigkeit füllt. Der Fachbegriff für diesen Vorgang und für diese Art der Erkrankung ist Otitis media und Babys und Kleinkinder sind häufiger betroffen als Erwachsene, da ihre Ohr- und Rachenanatomie noch nicht komplett ausgebildet ist.

Flüssigkeit im Ohr sollte man als Patient niemals selbstständig entfernen, außer diese fließt selbstständig ab. Oft heilt die zugrunde liegende Entzündung nämlich binnen weniger Tage von selbst ab und die Flüssigkeit im Ohr wird abgesondert oder abgebaut. Ist dies nicht der Fall, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Ursachen

Eine Infektion des Mittelohrs, durch die sich Flüssigkeit im Ohr bildet, wird meist durch Bakterien oder Viren verursacht. Diese gelangen in der Regel über die Nase oder über den Mund in den Körper und sorgen im Bereich des Trommelfells für eine Entzündung. Da meistens Kinder von den bakteriellen oder viralen Erregern einer Mittelohrentzündung betroffen sind, können sich diese an Orten an denen sich viele Kinder gemeinsam aufhalten (etwa in Kitas) schneller ausbreiten.

Unter Umständen kann eine Mittelohrentzündung aber auch durch Fremdflüssigkeiten (etwa verschmutztes Wasser nach dem Schwimmen) oder durch eine Unterkühlung des Trommelfells oder des Ohrs (der sprichwörtliche Zug am Ohr) entstehen. Ebenso können Infektionen der umliegenden Atemwege, Allergien oder andere Schadstoffe, die über die Luft in das Ohr gelangen, zu einer Infektion des Mittelohrs führen. Letzteres wird häufig durch passives Rauchen begünstigt.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Flüssigkeit im Ohr kann eine sehr lästige und belastende Angelegenheit sein. In vielen Fällen ist Flüssigkeit im Ohr allerdings eine harmlose Sache und bedarf nicht unbedingt einer ärztlichen Behandlung. Wichtig ist auf jeden Fall zu unterscheiden, ob es sich um Wasser oder ein vom Körper selbst gebildetes Sekret handelt.

Ist es Wasser, das nach dem Baden, Duschen oder Schwimmen im Ohr verbleibt, fließt das Wasser in der Regel wieder von selbst ab. Oft wird das Wasser von zu viel Ohrenschmalz am Abfließen gehindert. In diesem Fall kann man vorsichtig mit einem Wattestäbchen versuchen, den gebildeten Pfropf zu lösen. Wenn das Wasser über einen längeren Zeitraum nicht abfließt, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, da es sonst zu Infektionen und Entzündungen im Innenohr oder im schlimmsten Fall des Trommelfells kommen kann. Über das Wasser können nämlich verschiedenste Erreger wie Viren, Bakterien oder Pilze in den Gehörgang transportiert werden.

Handelt es sich um kein extern zugeführtes Wasser, sondern um eine Flüssigkeitsbildung des Körpers selbst, so ist dies meist ein Zeichen für eine Entzündung des äußeren oder inneren Gehörgangs. Wenn zusätzlich zur Flüssigkeit im Ohr auch noch Jucken und Schmerzen des Ohres hinzutreten, sollte allenfalls ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose und Verlauf

Vor fast jeder Diagnose stehen die Symptome einer Erkrankung. Das ist auch bei Flüssigkeit im Ohr der Fall. Typische Symptome einer Infektion, die Flüssigkeit im Ohr verursacht, sind beispielsweise ein Flüssigkeitsaustritt aus dem Ohr, aber auch ein hörbares Rauschen. Das Rauschen ist übrigens eines der deutlichsten Zeichen dafür, dass sich Flüssigkeit im Ohr befindet. Teilweise kann eine Entzündung nämlich auch ohne eine Flüssigkeitsbildung verlaufen. Kinder und Kleinkinder ziehen, kratzen oder fassen sich hingegen in den ersten Tagen der Entzündung oft an das betroffene Ohr.

Erwachsene klagen häufig über Schmerzen, über Hörstörungen und über Druck im Ohr. Hinzukommen können zudem Fieber, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit oder Erbrechen. Treten schwerwiegende Symptome auf, oder bildet sich die Flüssigkeit im Ohr nicht nach kurzer Zeit von selbst zurück, sollte man unbedingt so schnell wie möglich einen Facharzt aufsuchen. Dieser wird einige Untersuchungen durchführen. Dadurch findet er heraus, wie schwer die Entzündung des Mittelohrs ist, wie viel Flüssigkeit sich im Ohr befindet und ob ein Hörverlust vorliegt.

Komplikationen

Als häufige Begleiterscheinung bei Erkältungen im Kindesalter führt Flüssigkeit im Ohr selten zu Komplikationen. Wenn die Ohrenbeschwerden jedoch länger als drei Monate dauern, kommt es zu Veränderungen in der Schleimhaut. Es bilden sich sogenannte Becherzellen, die ständig Schleim produzieren. Dadurch entsteht bei andauernder Flüssigkeit im Ohr ein schleimiges Sekret, welches die Grundlage für Infektionen im Ohr bildet.

Es kann sich eine eitrige Mittelohrentzündung entwickeln. In einigen Fällen kommt es auch zu weiteren Komplikationen. Bei einer chronischen Verlaufsform kann die Sprachentwicklung des Kindes verzögert sein, weil es schlechter hört. Schwerwiegender ist jedoch eine noch nach Jahren mögliche Zerstörung der Gehörknöchelchen. Im Trommelfell kann sich außerdem auch ein Loch bilden. In diesen Fällen handelt es sich um einen Notfall. Um die Hörfähigkeit zu erhalten, müssen die Gehörknöchelchen durch Implantate ersetzt werden.

Eine Entzündung bei Flüssigkeit im Ohr kann sich ausbreiten. Dabei kommt es unter Umständen zu einer Entzündung des Innenohrs (Labyrinthitis), zu einer Hirnhautentzündung oder einer Mastoiditis. Eine Labyrinthitis kann zu späterer Schwerhörigkeit führen. Bei einer Mastoiditis kommt es im Schläfenbein hinter den Ohrmuscheln zur Knocheneinschmelzung. Eine sehr schwere Komplikation ist die Bildung eines Cholesteatoms. Hierbei handelt es sich um eine chronische Knochenvereiterung im Mittelohr. Diese entsteht durch das Eindringen von Plattenepithel durch ein Loch im Trommelfell aus dem äußeren Gehörgang ins Mittelohr.

Behandlung und Therapie

Die meisten Infektionen des Ohrs klingen nach kurzer Zeit wieder von selbst ab. Ist das nicht der Fall, muss die Infektion, die der Flüssigkeit im Ohr zugrunde liegt, von einem Facharzt begutachtet und behandelt werden. Das kann beispielsweise durch die Verabreichung von Antibiotika geschehen.

Handelt es sich aber zum Beispiel um gewöhnliche Flüssigkeit im Ohr (etwa nach dem Schwimmengehen) oder befindet sich Flüssigkeit ohne negative Symptome seit längerer Zeit im Ohr, sollte man ebenfalls einen Arzt aufsuchen. So kann dieser die Flüssigkeit im Ohr absaugen und klären, warum sich diese gebildet hat und ob eine weitere Therapie vonnöten ist.

Oft lässt sich die Infektion des Ohrs mittels einer medikamentösen Behandlung therapieren und die Flüssigkeit im Ohr bildet sich zurück oder fließt ab. Ist dies nicht der Fall oder treten immer wieder Infektionen und Flüssigkeitsbildungen im Ohr auf, kann es jedoch unter Umständen notwendig werden, einen operativen Eingriff durchzuführen.

Dieser könnte zum Beispiel aus dem Einsatz eines Röhrchens zur Belüftung bestehen. Dieses Röhrchen soll dafür sogen, dass die Flüssigkeit im Ohr ablaufen kann. Es könnte jedoch auch notwendig sein, die Polypen zu entfernen, wenn diese sich entzündet haben und die Ursache der Entzündung und der Flüssigkeitsbildung im Ohr sind.



Vorbeugung

Der Bildung von Flüssigkeit im Ohr kann man nur bedingt entgegenwirken. Denn hier hängt es stark von den Ursachen ab, die der eventuellen Entzündung zugrunde liegen. Neigt man aber zum Beispiel aus chronischen Gründen oder aus anderen Gründen verstärkt zu Infektionen des Mittelohrs, sollte man gemeinsam mit dem behandelnden Arzt nach Möglichkeiten suchen, um das Risiko auf eine Infektion und auf eine Bildung von Flüssigkeit im Ohr zu senken.

Bücher über Erkrankungen im Ohr

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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