Ohrenschmerzen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Juli 2017
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Unter Ohrenschmerzen versteht man alle Arten von Schmerzen, die sowohl im äußeren Ohr als auch im Mittel- und Innenohr auftreten können. Selbst Schmerzen der Ohrmuschel zählen im weitesten Sinne zu den Ohrenschmerzen. Meist sind entzündliche Ohrenerkrankungen (Mittelohrentzündung, Gehörgangsentzündung), aber auch Beschwerden der Zahn-Kieferregion Auslöser von Ohrenschmerzen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Ohrenschmerzen?

Die Ohren sind von zahlreichen Nervenverbindungen durchzogen, die auf Reize oft mit starken Schmerzempfindungen reagieren.

Das Ausmaß und der Verlauf von Ohrenschmerzen ist vielfältig. Diese können völlig unerwartet als stechend oder dumpfer Schmerz auftreten. Es kann nur ein Ohr oder beide Ohren betroffen sein. Die Beschwerden können in Ruhe, bei Berührung oder beim Kauen auftreten.

Häufig werden die Ohrenschmerzen von diversen Begleiterscheinungen wie Schwindel, einem Fremdkörpergefühl im Ohr oder einem verminderten Hörvermögen begleitet. Ebenso sind Geräusche im Ohr keine Seltenheit.

Eher selten wiederum ist es, dass Blut oder andere Flüssigkeit aus dem Ohr austritt - spätestens jetzt sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Häufig gehen Ohrenschmerzen mit einer Verminderung des Hörvermögens, Störungen des Gleichgewichtssinns und Ohrgeräuschen (Tinnitus) einher. Besonders häufig sind Kinder von Ohrenschmerzen betroffen. Die Beschwerden treten verstärkt in der Nacht auf.

Ursachen

Die Ursachen für Ohrenschmerzen sind äußerst vielfältig. Schmerzt das äußere Ohr, kann es beispielsweise sein, dass der Gehörgang zugeschwollen ist. Diese Schwellung drückt dann auf den Gehörgangsknochen und verursacht die unangenehmen Ohrenschmerzen.

Zudem kann nicht mehr abfließende Entzündungsflüssigkeit bzw. Eiter im Mittelohr durch den steigenden Druck Ohrenschmerzen hervorrufen.

Die Mittelohrentzündung oder die Gehörgangsentzündung sind eine der häufigsten Ursachen für Ohrenschmerzen - oft treten diese im Rahmen einer Erkältung auf.

Auch eine übermäßige Ohrhygiene, also das übertriebene Reinigen mit einem Wattestäbchen kann Ohrenschmerzen hervorrufen. Andererseits kann auch ein verschlossener Gehörgang, bedingt durch Fremdkörper (z.B. Ohrenschmalz) zu derartigen Beschwerden führen.

Auch Erkrankungen der Zähne und des Kiefergelenks (z.B. Zähneknirschen) können sich auf die Ohren übertragen und Ohrenschmerzen verursachen. Eher seltener lassen sich Ohrenschmerzen durch gestörte Nervenfunktionen erklären.

Eine weitere Ursache für Ohrenschmerzen werden vor allem Taucher, Schwimmer oder allgemein Wassersportler kennen: das eindringende Wasser (Wasser im Ohr) verursacht recht häufig Ohrenschmerzen. Zudem können Veränderungen des Luftdrucks (Flug, Tauchen), äußere Gewalteinwirkung (Schlag auf die Ohrregion) oder eine Verletzung des Trommelfells entsprechende Schmerzen verursachen.

Häufig ist eine Mittelohrentzündung (Otitis media) der Grund für die Ohrenschmerzen.

Wann zum Arzt?

Wer unter starken Ohrenschmerzen leidet, der muss nicht sofort einen Arzt aufsuchen. In der Regel liegt bei Schmerzen im Ohr eine Entzündung vor, die sich im Innenohr befindet. Bevor ein Arzt aufgesucht wird, kann der Betroffene natürliche Maßnahmen zur Heilung und Besserung ergreifen. Dazu zählen entzündungslindernde Wirkstoffe, die jedoch nicht länger als drei Tage eingenommen werden sollten. Wenn nach diesen drei Tagen keine Besserung erkennbar ist, sollte definitiv ein Arzt aufgesucht werden.

Auch wenn eine eitrige Flüssigkeit aus dem Innenohr austritt, sollte man sich in ärztliche Behandlung begeben. In so einem Fall liegt eine drastische Entzündung vor, die mit verschreibungspflichtigen Medikamenten versorgt werden muss. Bleibt eine solche Entzündung unbehandelt, so drohen schwere Folgeschäden. Auch eine Blutvergiftung kann durch eine solche Mittelohrentzündung hervorgerufen werden. Im Normalfall werden Entzündungen mit Hilfe von Antibiotika behandelt. Auf diese Weise wird die Entzündung gelindert und die Produktion von Eiter gestoppt.

Falls die Ohrenschmerzen durch äußere Gewalteinwirkung entstanden sind, so sollte ebenfalls auf eine ärztliche Untersuchung zurückgegriffen werden. Nur dann können innere Verletzungen ausgeschlossen werden. Generell gilt: Wer länger als drei Tage starke Schmerzen im Ohr verspürt, sollte dieses Krankheitsbild von einem Arzt untersuchen lassen. Nur so können ernstzunehmende Entzündungen und Folgeschäden vermieden werden.

Diagnose und Verlauf

Grundsätzlich weisen Schmerzen im oder am Ohr auf eine Ohrerkrankung hin. Häufiger Grund für Schmerzen sind eine Gehörgangsentzündung oder eine Mittelohrentzündung. Auch im Kiefer-Zahnbereich oder im Nasen-Rachen-Raum können die Ursachen für Ohrenschmerzen liegen.

Eine genaue Diagnose bei Ohrenschmerzen kann nur ein Facharzt stellen. Der erste Weg bei Ohrenschmerzen sollte den Patienten somit zu einem HNO-Arzt führen. Als erstes wird der Facharzt den Patienten befragen, seit wann und in welcher Intensität die Ohrenschmerzen auftreten. Vielleicht sind diese nicht kontinuierlich, sondern nur zeitweilig vorhanden. Dies kann dem Arzt wichtige Aufschlüsse über den Grund der Ohrenschmerzen geben. Neben der Anamnese wird der Facharzt den äußeren Gehörgang, die Ohrmuschel und das Trommelfell untersuchen. Dies kann beispielsweise durch eine Ohrenspiegelung (Otoskopie) geschehen.

Mithilfe einer Tubenfunktionsprüfung kann der Arzt die Durchgängigkeit der Ohrtrompete genauer definieren. Im Rahmen von verschiedenen Hörtests lässt sich zudem feststellen, ob die Ohrenschmerzen mit Schwerhörigkeit einhergehen. Auch eine Röntgenuntersuchung kann vom Facharzt angeordnet werden, um hinter die Ursache der Ohrenschmerzen zukommen.

Wenn all diese Untersuchungen keinen Befund ergeben, wird der Arzt nach weiteren möglichen Grunderkrankungen für die Ohrenschmerzen suchen. Möglicherweise stecken beispielsweise Erkrankungen des Zahnapparates hinter den Ohrenschmerzen.

Komplikationen

Ohrenschmerzen müssen nicht unbedingt zu medizinischen Komplikationen führen. In den meisten Fällen hängen sie mit einer Erkältung, einem starken Luftzug oder einer zu starken Belastung der Ohren zusammen. Ein Arzt muss nur in wenigen Fällen aufgesucht werden. Das Ohr kann sich bei Ohrenschmerzen auch entzünden. Erste Anzeichen für eine Entzündung sind sehr starken Schmerzen, die ungewöhnlich lange andauern. Da das Ohr ein sehr leicht verletzlicher Apparat ist, sollte der Betroffene in diesem Fall unbedingt einen Arzt aufsuchen. Hier kann es zum Beispiel zu einer Mittelohrentzündung kommen. Diese ist zwar gesundheitlich nicht besonders gefährlich und kann gut geheilt werden, stellt aber eine unangenehme Belastung für die betroffene Person dar.

Bei gewöhnlichen Ohrenschmerzen muss kein Doktor aufgesucht werden. Diese vergehen oft nach einigen Tagen oder auch dann, wenn die Erkältung geheilt ist. Oft verspüren Menschen neben den Ohrenschmerzen selbst auch einen unangenehmen Druck auf einem der beiden Ohren. Dieser Druck verschwindet ebenso mit der Zeit. Oft führen Ohrenschmerzen zu Stress und Schlaflosigkeit, da aus diesen Schmerzen häufig auch Kopfschmerzen entstehen. Bei temporären Schmerzen können Schmerzmittel die Symptome lindern. Diese sollten nie auf Dauer eingenommen werden. Besteht der Schmerz in den Ohren länger, so muss ein Arzt um Rat gefragt werden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Ohrenschmerzen ist abhängig von der diagnostizierten Ursache.

Ist eine Infektion der Grund für die Ohrenschmerzen, wird diese in der Regel mit Antibiotika behandelt. Bei einer Entzündung der Ohrmuschel können entzündungshemmende Salben äußerlich angewendet werden.

Eine Mittelohrentzündung und Gehörgangsentzündung wird in der Regel mit schmerz- und entzündunglindernden Ohrentropfen behandelt. Zusätzlich werden antibiotische Medikamente verabreicht.

Fremdkörper im Ohr als Auslöser der Ohrenschmerzen wiederum können vom Arzt meist recht leicht entfernt werden.

Verletzungen des Trommelfells (z.B. Trommelfellruptur, heilen in der Regel von selbst wieder. In schweren Fällen der Trommelfellperforation (Loch im Trommelfell) ist ein operativer Eingriff unumgänglich.

Ohrenschmerzen ausgehend vom Zahn-Kieferbereich (z.B. Zähneknirschen) können die Behandlung durch einen Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden erforderlich machen. Zahnmedizinische Anwendungen (z.B. Aufbissschiene) oder verordnete Medikamente können hier für Erleichterung beim Betroffenen sorgen.



Aussicht und Prognose

Ohrenschmerzen sind eine häufige Erkrankung, die in den meisten Fällen durch eine bakterielle Infektion hervorgerufen werden. Einen präzisen Krankheitsverlauf vorherzusagen ist sehr schwer, da die möglichen Komplikationen sehr vielseitig sein können. Wenn Ohrenschmerzen ohne jegliche Behandlung bleiben, dann wird sich die bestehende Entzündung innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlimmern. Unter Umständen kann es sogar zur Bildung von Eiterflüssigkeit kommen, sodass dies ein erstes Anzeichen einer deutlichen Verschlimmerung ist.

Wenn auch dieses Symptom ohne ärztliche und medikamentöse Behandlung bleibt, dann ist sogar die Entstehung eines Abszesses möglich. Dabei handelt es sich um einen Hohlraum der mit Eiter gefüllt ist. Ein Abszess kann sogar eine Blutvergiftung hervorrufen, falls die darin befindlichen Krankheitserreger in den Blutkreislauf gelangen.

Wenn sich die betroffene Person jedoch früh genug in ärztliche Behandlung begibt, dann ist natürlich mit einem deutlich angenehmeren Krankheitsverlauf zu rechnen. Die bestehende Entzündung kann nämlich mit entsprechenden Medikamenten effektiv und schnell gelindert werden. Die Entstehung von Eiterflüssigkeit wird somit im Keim erstickt, sodass die Ohrenschmerzen binnen weniger Tagen verschwinden dürften. Somit gilt: Ohrenschmerzen sollten immer ärztlich und medikamentös versorgt werden. Nur so kann eine schnelle und unkomplizierte Heilung stattfinden.

Vorbeugung

Ohrenschmerzen vorbeugen kann man, indem man laute Geräuschquellen weitestgehend meidet. Diese nämlich können einen Tinnitus verursachen, welcher ebenso zu Ohrenschmerzen führen kann.

Auch bei der Ohrhygiene ist einiges zu beachten. Besonders vorsichtig sollte man mit Wattestäbchen sein und diese keinesfalls zu weit in das Ohr hineinstecken. Für Kleinkinder gibt es im Handel besonders sanfte Ohrstäbchen, die verhindern, dass man zu tief in den Gehörgang gerät.

Auch beim Schwimmen ist einiges zu beachten. Die Ohren sollten immer gründlich getrocknet werden. Vor allem im Winter beim Schwimmen im Hallenbad ist dies immens wichtig, wenn man danach an die kalte Luft geht.

Kalter Wind und Zugluft kann Ohrenschmerzen ebenfalls auslösen - diese sollte man daher immer meiden. Diese Tipps sollten vor allem Eltern beherzigen, denn Kinder zwischen drei und acht Jahren leiden besonders häufig an Ohrenschmerzen.

Bücher über Ohrenkrankheiten

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Stefan kommentierte am 22.11.2016 um 00:05 Uhr

@Brigitte: Ein Flug kann die Beschwerden erheblich verschlimmern und Schäden verursachen. Deshalb bitte vor dem Flug unbedingt einen Arzt konsultieren und auf Flugtauglichkeit untersuchen lassen!!!

Brigitte kommentierte am 21.11.2016 um 06:01 Uhr

Kann ich mit dem Flugzeug fliegen bei Ohrenschmerzen und Ohrenbluten?