Makrohämaturie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 17. April 2017
Sie sind hier: Gesundpedia.deSymptome Makrohämaturie

Färbt sich der Urin plötzlich rot bis rostbraun so spricht man von einer Makrohämaturie, also einer Blutbeimengung im Urin. Sie stellt immer einen ernst zu nehmenden Warnhinweis dar und sollte in jedem Falle durch einen Facharzt abgeklärt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Makrohämaturie?

Bei einer Makrohämaturie ist das Blut im Urin mit bloßem Auge sichtbar, anders als bei einer Mikrohämaturie. Geringe, nicht sichtbare Blutmengen können bei einem gesunden Menschen zwar durchaus im Urin vorkommen, jedoch stellen größere und vor allem sichtbare Mengen immer ein ernstzunehmendes Symptom einer möglichen Erkrankung dar.

Da eine Makrohämaturie oft schmerzlos verläuft, gerade bei Tumorerkrankungen, sollte sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden und stets medizinisch abgeklärt werden.

Ursachen

Es gibt eine ganze Bandbreite an möglichen Ursachen für eine Makrohämaturie. Gerade bei jungen Menschen ist eine nicht ausreichend nachweisbare Ursache relativ häufig. Meist hören die Blutungen nach kurzer Zeit wieder von allein auf.

Bei Menschen ab 50 kann sich dahinter jedoch eine schwerwiegendere Erkrankung verbergen. Eine der gravierendsten ist eine Tumorerkrankung im Bereich der Nieren, der Blase oder auch der Prostata. Die geläufigsten Ursachen sind Verletzungen oder Entzündungen der ableitenden Harnwege oder der Nieren. Sie gehen meist mit starken Schmerzen einher. Weitere Ursachen können Nieren- oder Blasensteine, Polypen oder Fremdkörper sein.

In einigen Fällen können auch Medikamente sowie eine Störung der Blutgerinnung eine Makrohämaturie verursachen. Die zugrunde liegende Erkrankung beziehungsweise die Blutungsquelle kann nur ein Facharzt hinreichend klären. Da eine Makrohämaturie nicht unbedingt mit Schmerzen einhergehen muss, gilt die schmerzlose Form meist in erster Linie als krebsverdächtig, bis diese Erkrankung ausgeschlossen werden kann und eine andere Ursache gefunden wurde.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Blut im Urin kann nach schweren körperlichen Aktivitäten auftreten. Sportliche Trainingseinheiten können ebenfalls zu einer Überbelastung des Körpers führen und damit ein Platzen von kleineren Blutgefäßen im Unterleib verursachen. In diesen Fällen bildet sich das Blut im Urin in den meisten Fällen innerhalb kurzer Zeit zurück. Der Körper ist zu schonen. Ein Arztbesuch ist in diesen Situationen nur notwendig, wenn das Blut im Urin noch am Folgetag auftritt.

Bei einer Makrohämaturie kommt es häufig spontan und ohne einen ersichtlichen Grund zu Blut im Urin. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, da Verletzungen der inneren Organe vorliegen können. Treten weitere Beschwerden wie Schmerzen im Unterleib, ein Druckgefühl oder Schwellungen auf, ist ein Arzt zu konsultieren. Nimmt das Blut im Urin kontinuierlich zu, wird ein Arzt benötigt, der weitere Untersuchungen durchführt. Kommt es zu Beschwerden beim Wasserlassen oder einer auffälligen Veränderung der Urinmenge, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Treten weitere Symptome wie Schwindel, Bewusstseinsstörungen oder ein erhöhter Blutdruck auf, ist ebenfalls ein Arztbesuch notwendig. Der Verlust der Blutmenge ist so groß, dass es zu einer Belastung des gesamten Organismus kommt. Menschen, die an einer Blutgerinnungsstörung leiden, sollten schnellst möglich einen Arzt aufsuchen, sobald sich eine Makrohämaturie einstellt.

Diagnose und Verlauf

Im Fall einer Makrohämaturie ist zuerst der Hausarzt aufzusuchen, welcher gegebenenfalls zum Facharzt der Urologie oder Gynäkologie weiter überweist. Tritt die Makrohämaturie plötzlich und stark auf, einhergehend mit starken Schmerzen, Fieber und schlechtem Allgemeinzustand, ist umgehend der Rettungsdienst zu rufen, da es sich hier um einen Notfall handeln kann.

Im Rahmen der Diagnostik findet in den meisten Fällen zuerst eine Urin- sowie eine Blutuntersuchung statt. So können bestimmte Ursachen wie Entzündungen oder Blutgerinnungsstörungen bereits untermauert beziehungsweise ausgeschlossen werden. Eine Anamnese kann hilfreich sein um mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten sowie Vorerkrankungen der Nieren und der Harnwege abzuklären.

Neben diesen Untersuchungen kann vor allem die Sonografie Aufschluss über die Ursache der Makrohämaturie geben. So können gegebenenfalls Blasen- oder Nierensteine sowie Fremdkörper oder Tumore erkannt werden. Ein weiteres diagnostisches Verfahren ist die Blasenspiegelung. So können Tumore der Blase und der Harnwege erkannt werden, ebenso wie Polypen oder andere krankhafte Veränderungen wie beispielsweise Verletzungen. Auch eine computertomografische Untersuchung der Nieren kann hilfreich bei der Diagnostik der Makrohämaturie sein.

Behandlung

Eine Makrohämaturie selbst ist nur ein Krankheitszeichen. Somit richtet sich die Behandlung nach der Krankheitsursache. Im Falle einer Entzündung werden in der Regel entzündungshemmende Medikamente sowie Antibiotika verschrieben. Je nach Zustand kann eine Überwachung im Krankenhaus erforderlich sein.

Sollten Medikamente die Blutungen verursachen, wird die medikamentöse Einstellung überprüft und geändert. Ebenso werden bei einer möglichen Blutgerinnungsstörung entsprechende Medikamente verschrieben. Harnsteine werden, je nach Entstehungsort mit sogenannten Spasmolytika, also krampflösenden Mitteln behandelt. Dazu wird eine reichliche Flüssigkeitszufuhr empfohlen, um die Steine leichter auszuscheiden.

Sollten die Steine bereits zu groß für eine natürliche Ausscheidung sein, werden sie mittels einer Schlinge oder aber einer Stoßwellenlithotripsie entfernt. Bei Letzterem werden die Steine mit Stoßwellen zertrümmert. Hierbei können allerdings Spätfolgen für die Nieren nicht ausgeschlossen werden.

Sollten Polypen die Ursache für die Makrohämaturie sein, werden diese meist minimalinvasiv entfernt. Schwieriger ist die Behandlung eines Tumors. Gutartige Tumore werden, je nach Lage operativ entfernt. Bei bösartigen Tumoren richtet sich die Behandlung zum einen nach Lage des Tumors, zum anderen nach dem Stadium der Krebserkrankung. Ein einzelner Tumor wird in der Regel chirurgisch entfernt.

Zusätzlich kann eine Strahlentherapie den Behandlungserfolg unterstützen, oder aber als Alternative zu einer Operation eingesetzt werden. Sollte der Tumor bereits Metastasen gebildet haben, gestaltet sich die Behandlung wesentlich schwieriger. Hier wird standardmäßig eine Chemotherapie eingesetzt, zusätzlich zu chirurgischen Eingriffen zur Entfernung des Tumorgewebes.



Vorbeugung

Eine Makrohämaturie selbst kann man selten vorbeugen, da sie lediglich ein Symptom darstellt. Einige Erkrankungen wie beispielsweise Nierenentzündungen oder Harnsteine lassen sich jedoch durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene Ernährung weitestgehend vermeiden.

Auch eine regelmäßige Entleerung der Blase beugt Entzündungen vor, da gefährliche Keime regelmäßig ausgeschwemmt werden. Des Weiteren sorgt eine gute Selbstbeobachtung dafür, frühzeitig mögliche Warnzeichen wahrzunehmen und so schlimmere Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen. Gerade bei Krebserkrankungen ist dies ein wichtiger Indikator.

Bücher über Blut im Urin

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hof H, Dörries R. Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage(2009)
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Makrohämaturie?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?