Leistenschmerzen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 16. April 2015
Gesundpedia.deSymptome Leistenschmerzen

Leistenschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Die Behandlung von Leistenbrüchen zählt in Deutschland zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Aufgrund anatomischer Gegebenheiten sind Männer etwa acht- bis neunmal häufiger von Leistenschmerzen betroffen als Frauen. Neben Leistenbrüchen gibt es zahlreiche andere Ursachen für Leistenschmerzen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Leistenschmerzen?

Schmerzen in der Leiste (Leistenschmerzen) können vielfache Ursachen haben, die über Reizungen, Entzündungen, und eingeklemmte Nerven bis zu einem Leistenbruch reichen. Als Leiste wird umgangssprachlich der Bereich unten seitlich am Bauch bezeichnet. Dieser Bereich grenzt an die Beckenkämme, die obere Grenze bilden die beiden Darmbeinkämme.

Unmittelbar unter der Leiste beginnen die Oberschenkel. Durch die Leistengegend ziehen sich verschiedene Sehnen und Bänder, die die Muskulatur in Logen unterteilen, außerdem Lymphknoten und eine ausgedehnte Gefäß- und Nervenversorgung.

Ursachen

Wahrscheinlich die bekannteste Ursache für Leistenschmerzen ist der Leistenbruch, in der Fachsprache "Hernie". Anders als es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag, handelt es sich nicht um einen Knochenbruch, sondern um den Einbruch von Eingeweiden in den sogenannten Leistenkanal.

Es handelt sich um einen vier bis fünf Zentimeter langen Spalt, der schräg am unteren Ende der Bauchwand entlang verläuft. Inneres Gewebe und Bauchorgane, die normalerweise von einer schützenden Schicht aus Bindegewebe, Sehnen und Muskeln umgeben sind, können sich nach außen stülpen, bis sie direkt unter der Haut liegen. Dort werden sie nicht mehr durchblutet und können absterben.

Eine weitere häufige Ursache von Leistenschmerzen sind Verdickungen der Lymphknoten. Sie schwellen an, wenn sie stark beansprucht werden. Auch Entzündungen, Infektionen oder rheumatische Erkrankungen können eine Verdickung der Lymphknoten hervorrufen. Die sogenannte "Sportlerleiste" ist auf Überbelastungen und Verletzungen von Muskeln und Sehnen in der Leistengegend zurückzuführen, die vor allem nach intensiver sportlicher Betätigung auftreten.

Auch die umliegenden Gelenke können Leistenschmerzen auslösen, zum Beispiel durch Fehlstellungen der Knie und Füße, Arthrose oder Verschleißerscheinungen an der Lendenwirbelsäule. Harnsteine, Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule, verschiedenste Entzündungen und Erkrankungen der Hoden können ebenfalls starke Leistenschmerzen nach sich ziehen. Manche Frauen verspüren während ihrer Periode ein Ziehen in der Leistengegend.

Diagnose und Verlauf

Bei starken Schmerzen in der Leistengegend sollte man so schnell wie möglich zum Arzt gehen, da es sich um eine möglicherweise lebensgefährliche Erkrankung handeln kann. Zunächst werden das genau Beschwerdebild und die Krankheitsgeschichte abgeklärt.

Gefäßpulse an Handgelenken und Beinen werden abgeprüft, der Blutdruck gemessen, Lungen und Herz abgehört, Bauch- und Leistengegend abgetastet. So kann der Arzt Leistenbrüche und Hodenerkrankungen oft schnell erkennen. Weitere Diagnosemittel sind Ultraschalluntersuchungen, Analysen der Blut- und Urinwerte, Röntgenaufnahmen und Gewebeproben. Es wird bei jedem Patienten individuell entschieden, welche diagnostischn Maßnahmen durchgeführt werden müssen.

Typische allgemeine Symptome sind Schmerzen in der Leistengegend und Schwellungen, die oft berührungsempfindlich sind. Beim Husten und im Stehen und können diese Beulen besonders gut sichtbar sein. Auch Rötungen und Erwärmungen der betroffenen Stelle können eintreten. Ein Leistenbruch muss sofort behandelt werden, da die nach außen gestülpten Organe nicht mehr durchblutet werden und absterben können. Das gilt auch für eingeklemmte Nerven und Gefäße.

Behandlung und Therapie

Je nach Ursache unterscheiden sich die Therapiemaßnahmen bei Leistenschmerzen. Ein Leistenbruch erfordert eine operative Behandlung. Dabei wird das verlagerte Bauchraumgewebe wieder in die richtige Position gebracht und die Bruchpforte durch Nähte oder ein Kunststoffnetz geschlossen. Die Nähte und das Netz verwachsen mit dem Gewebe und lösen sich allmählich wieder auf.

Bei Hüftgelenksarthrosen wird oft ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt. Bei Leistenschmerzen, die durch Fehlstellungen ausgelöst werden, muss die korrekte Körperhaltung und Gehweise mit einem Therapeuten trainiert werden. Auch gezielte Dehnungen und Übungen zum Muskelaufbau können bei bestimmten Krankheitsbildern helfen.

Bei Beinlängenunterschieden können orthopödische Schuhe mit einer ausgleichenden Absatzhöhe oder speziellen Einlagesohlen helfen. Mittlerweile können Beinlängenunterschiede auch operativ ausgeglichen werden. Eine Überlastung der Leiste durch Sport erfordert eine Trainingspause. Dazu können Kälte- oder Wärmetherapie, Aquatherapie, spezielle Übungen und entzündungshemmende Medikamente kommen. Auch eine Laser- oder Ultraschallbehandlung kann in Frage kommen.

Entzündungen und Erkrankungen der Lymphknoten können mit Medikamenten, Antibiotika, Ruhigstellung der betroffenen Gegend und eventuell chirurgischen Eingriffen behandelt werden (zum Beispiel bei einem vereiterten Lymphknoten). Bei Hodenerkrankungen wird ein verlagerter Hoden wieder geradegerückt, ist er bereits zu sehr krankhaft verändert worden, muss er entfernt werden.

Bestimmte Schwellungen in der Leistengegend heilen von selbst wieder aus. Ob es sich um ein entsprechendes Krankheitsbild handelt, kann aber nur ein Facharzt feststellen.

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Vorbeugung

Die meisten Vorbeugungsmaßnahmen gegen Leistenschmerzen sind auch für den Rest des Körpers vorteilhaft. Um dauerhaften Druck von der Bauchwand zu nehmen, sollte Übergewicht reduziert, auf Rauchen verzichtet und auf einen aktiven Darm geachtet werden.

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind dafür wichtig. Sportler sollten auf korrekte Bewegungsabläufe achten und sich nicht überlasten. Es ist empfohlen, zumindest zu Beginn mit einem erfahrenen Trainer zu arbeiten.

Das richtige Schuhwerk ist ebenfalls wichtig, um Fehlstellungen zu vermeiden. Schweres Heben sollte so weit es geht vermieden werden. Bei Harnsteinen ist eine Ernährungsumstellung hilfreich, wie genau diese aussehen soll, ist in jedem Fall individuell mit dem Arzt abzuklären.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

fiamma kommentierte am 09.04.2015 um 20:30 Uhr

Habe seit November 2014 Leistenschmerzen. Manchmal so heftig, dass ich nur noch humpeln kann. Ich war bei meinem Hausarzt und nach einer Überweisung hat der Chirurg mit Hilfe eines Ultraschalls eine Vorwölbung festgestellt, aber gemeint,dass es keine Hernie sein. Es könnte von der Wirbelsäule kommen. Nun hatte ich einen Bandscheibenvorfall und werde seit zwei Monaten mit Akupunktur behandelt. Meine Leiste schmerzt nach wie vor! An wen kann ich mich wenden?