Hitzewallungen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. April 2017
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Als Hitzewallungen bezeichnet man plötzliche und ohne erkennbare äußere Ursache auftretende starke Wärmegefühle, oft einhergehend mit Schweißausbrüchen und roter Gesichtsfarbe. Hitzewallungen können in sehr unterschiedlichen Abständen auftreten. Die Häufigkeit der Wallungen reicht von wenigen Malen pro Woche bis hin zu einem fast stündlich wiederkehrenden Auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Hitzewallungen?

Hitzewallungen und Schweißausbrüche gehören zu den häufigsten Beschwerden einer Frau in den Wechseljahren. Mehr als 90 Prozent aller Frauen sind aufgrund hormoneller Veränderungen in diesem Lebensabschnitt von Hitzewallungen betroffen.

Als Hitzewallungen bezeichnet man ein plötzlich auftretendes Wärmegefühl, das sich meist von der Hals- Brustregion intervallartig ausbreitet.

Infolge der erhöhten Herzfrequenz und Blutzirkulation im Körper wird häufig das Gesicht und das Dekolletee rot, was die Situation für die Betroffenen zusätzlich erschwert. Diese wellenartigen Wärmeschübe dauern in der Regel zwischen 2 und 3 Minuten und gehen meist nahtlos in einen Schweißausbruch über.

Ursachen

Hitzewallungen gehören zu den typischen Symptomen, an denen Frauen während des Klimakteriums, also in den Wechseljahren, leiden.

Die Wechseljahre umfassen den Zeitraum zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr. In dieser Zeit stellt sich der Hormonhaushalt der Frau komplett um und der Körper muss sich mit den neuen Gegebenheiten auseinandersetzen. Das kann zu entsprechenden körperlichen oder psychischen Reaktionen führen.

Ein geringer Teil der Frauen leidet weder unter Hitzewallungen noch anderen spürbaren Symptomen, andere haben nur mit leichten Beschwerden zu kämpfen. Rund ein Drittel der Frauen leidet massiv unter Wechseljahresbeschwerden wie unregelmäßigen Blutungen, Herzklopfen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Hitzewallungen.

Die genaue Ursache für die Hitzewallungen ist noch nicht bekannt: Man vermutet plötzliche Östrogenschwankungen. Der durch die Wechseljahre schwankende Östrogenspiegel sinkt von einem Moment auf den anderen extrem ab, der Organismus reagiert mit Östrogenentzug und das Temperaturzentrum im Gehirn wird gereizt. Aufgrund der entstehenden Kettenreaktion kommt es zu Hitzewallungen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Nicht jede Hitzewallung ist ein Grund, zum Arzt zu gehen. Treten Hitzewallungen aber gehäuft und mit ungewöhnlicher Heftigkeit auf, sollte der Betroffene die möglichen Gründe dafür hinterfragen. Möglich ist das durch eine aufmerksame Selbstbeobachtung. Es sollte festgestellt werden, wann die Hitzewallungen auftreten und ob weitere Symptome vorliegen, die die Hitzewallungen begleiten.

Es ist nicht ratsam, allein wegen sporadisch auftretender Hitzewallungen zum Arzt zu gehen. Treten aber Begleitsymptome auf, die Anlass zur Sorge geben, ist der Gang zum Arzt ratsam. Druck im Oberbauch und weißliche Stühle könnten beispielsweise auf eine akute Leberstörung hinweisen. Diese kann sich jedoch auch ohne weitere Begleitsymptome bemerkbar machen. Nach einigen Tagen, in denen der Betroffene vorwiegend Gemüsegerichte verzehrt, sollte sich diese Störung aber legen.

Problematisch ist, dass Hitzewallungen ein unspezifisches Symptom darstellen. Sie können demnach bei vielen Funktionsstörungen auftreten. Hitzewallungen treten als Begleitsymptom von Panikattacken, bei Diabetes Typ 2, bei einem verdorbenen Magen, bei Problemen mit der Darmflora, als typisches Begleitsymptom der Wechseljahre oder anderer hormonell bedingter Störungen auf.

Hitzewallungen allein verraten einem Mediziner nicht, was sie verursacht hat. Erst die beobachteten Begleitsymptome können wichtige Hinweise geben. Gibt es jedoch Anlass, an eine Schilddrüsenüberfunktion, Allergie, medikamentöse Nebenwirkungen oder ein Tumorgeschehen zu denken, ist der Arztbesuch unvermeidlich.

Symptome und Verlauf

Hitzewallungen sind in der Regel durch plötzlich auftretende unbehagliche Wärme- bzw. Hitzegefühle gekennzeichnet. Meist verlaufen diese Hitzewellen schubweise ausgehend von der Brustregion in Richtung Kopf. Aufgrund der höheren Pumpleistung des Herzens klagen Betroffene über ein unangenehmes Herzklopfen und eine rote Gesichtsfarbe.

Nach einer Hitzewallung folgt häufig ein Schweißausbruch, bei dem die Betroffenen das Gefühl verspüren in ihrem Schweiß regelrecht 'zu zerfließen'. Die Hitzewallungen verlaufen meist etwa 2-3 Minuten und können in Extremfällen sich täglich mehr als 20-mal wiederholen.

Diagnose

Hitzewallungen sind meist eine Begleiterscheinung von Hormonumstellungen. Dabei breitet sich Hitze, meist über Brust und Rücken, schnell im ganzen Körper aus. In der Regel dauern diese Zustände nur eine kurze Zeit, es können jedoch auch längere Hitzewallungen auftreten. Die Abstände variieren zwischen wenigen Minuten bis einigen Tagen.

Bei Frauen ab ca. 45 Jahren sind die Hitzewallungen wahrscheinlich Begleiterscheinungen der Wechseljahre. Um zu überprüfen, ob man in den Wechseljahren ist, kann eine Temperaturkurve erstellt werden, bei der über ein tägliches Messen der Körpertemperatur der Verlauf des Zyklus dokumentiert werden kann. Hormonpräparate wie die Pille verfälschen dieses Ergebnis. Ein Bluttest beim Arzt gibt ebenfalls Aufschluss darüber, ob das Klimakterium eingesetzt hat. Da dies ein schleichender Prozess ist, sind die Testergebnisse oft nicht eindeutig. Es empfiehlt sich daher, den Test mehrfach durchzuführen.

Mit einem Fortschreiten der Wechseljahre klingen die Hitzewallungen bei den meisten Frauen ab, mit deren Ende nach einigen Jahren verschwinden auch die Symptome endgültig.

Komplikationen

In den Wechseljahren sind ein natürlicher Prozess und im Allgemeinen keine Komplikationen zu erwarten. Der Körper muss sich erst langsam an die Hormonumstellung gewöhnen und reagiert erst einmal empfindlich auf den Östrogenentzug im Körper. Wenn die Hitzewallungen allerdings durch eine unerkannte Diabetes, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Krebserkrankung verursacht werden, kann es zu ernsthaften Komplikationen kommen. Deshalb ist es wichtig, vor einer Diagnose grundsätzlich die Ursachen zu untersuchen, besonders dann, wenn noch zusätzliche Symptome wie z. B. Gewichtsschwankungen auftreten und die Lebensqualität und Belastbarkeit der Betroffenen durch die Beschwerden stark beeinträchtigt wird.

Eine umfangreiche Diagnose sollte auch dann erfolgen, wenn die Beschwerden in keinem erkennbaren Zusammenhang mit vergleichsweise harmlosen Wechseljahresbeschwerden stehen, um eventuelle andere Grunderkrankungen auszuschließen. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann beispielsweise eine thyreotoxische Krise mit Benommenheit und Schwindel auslösen, in schweren Fällen ein Koma bis hin zum Tod. Im Rahmen einer Diabeteserkrankung können Komplikationen wie Erblinden, Nervenstörungen und Nierenversagen auftreten. Eine genaue Untersuchung sollte auch erfolgen, wenn Hitzewallungen im Zusammenhang mit einer Einnahme von Medikamenten auftreten. Dann muss ggf. das Medikament anders dosiert werden.

Behandlung und Therapie

Ist eine Frau in den Wechseljahren von Hitzewallungen betroffen, empfiehlt sich zunächst der Besuch beim Frauenarzt. Bei sehr starken Beschwerden, die den Alltag der Frau wirklich einschränken, sind entsprechende Medikamente angezeigt. Das sind im Allgemeinen pflanzliche Präparate wie Mönchspfeffer (Agnus castus), Traubensilberkerze (Cimifuga racemosa), Wolfstrapp (Lycopus europaeus) oder Rotklee (Trifolium pratense).

Leiden Frauen extrem stark unter Hitzewallungen, dann können Hormone (z.B. Östrogen, Gestagen) zur Therapie eingesetzt werden, um die Beschwerden der Wechseljahre zu lindern. Allerdings wird eine Hormonersatztherapie nur in besonders schweren Fällen empfohlen.

Gelassenheit ist generell eines der besten Mittel, sich durch Hitzewallungen nicht zu sehr beeinträchtigen zu lassen. Massagen, Yoga sowie andere Entspannungs- und Wellnessanwendungen wirken ebenfalls gut gegen Hitzewallungen.



Hausmittel

Die Selbstbehandlung mit Hausmitteln ist bei Hitzewallungen eine schonende Alternative. So können z.B. Heilkräuter oder bestimmte Lebensmittel wie Salbei oder Granatapfel die Beschwerden spürbar lindern.

Eine bewährte Strategie zur Vermeidung von Hitzewallungen ist die Ernährungsumstellung: Eine pflanzenbetonte vollwertige Ernährung ist die empfohlene Ernährungsform. Dies ist die Ernährung, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) propagiert wird. Leichte Zubereitungsformen wie Dünsten oder Dämpfen, der Verzicht auf schwere und fettreiche Speisen sowie auf ein Zuviel an Salz und scharfen Gewürzen sind weitere Schritte in die richtige Richtung. Kaffee und Alkohol begünstigen Hitzewallungen und sollten nur in geringen Mengen genossen werden. Wasser, ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees und vor allem Grüntee sind die besseren Alternativen.

Viele Lebensmittel enthalten die so genannten Phytoöstrogene (hormonähnlich wirkende Pflanzeninhaltsstoffe), die sich gut gegen Hitzewallungen eignen. An erster Stelle wird zumeist das östrogenartig wirkende Soja genannt. Sojaprodukte wie Tofu, Sojasprossen, Sojamilch oder -joghurt können problemlos in den täglichen Speiseplan eingebaut werden.

Gute Phytoöstrogenlieferanten gegen Hitzewallungen sind auch Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen, Broccoli, Blumenkohl, Hafer, Vollkornreis, Datteln, Nüsse und Leinsamen.

Bei Übergewicht ist eine moderate Gewichtsreduktion ebenfalls ein gutes Mittel gegen Hitzewallungen. Dabei heißt es jedoch: Nicht hungern, denn bei zu wenig Kalorien wird der JoJo Effekt aktiviert.

Nur wer sich auch regelmäßig bewegt, wird langfristig Erfolg mit der Gewichtsabnahme haben. Bewegung verhilft außerdem zu Stressabbau, einer weiteren wichtigen Strategie gegen Hitzewallungen.

Wer Hitzewallungen vorbeugen will, richtet sich frühzeitig nach den genannten Tipps. So kann jede Frau den Wechseljahren, möglichst ohne Hitzewallungen, gelassen entgegen sehen.

Bücher über Hitzewallungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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