Harnwegsinfekte bei Kindern

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 27. November 2016
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Harnwegsinfekte bei Kindern zählen zu den häufigsten Erkrankungen bei Kindern. Verursacher der Beschwerden sind Bakterien, Pilze oder Viren.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Harnwegsinfekte bei Kindern?

Von einer Harnwegsinfektion ist die Rede, wenn die Harnwege wie die Nieren, die Harnleiter oder die Harnröhre von Bakterien befallen werden. Diese können schmerzhafte Entzündungen hervorrufen. Bei Kindern sind Harnwegsinfektionen keine Seltenheit. So treten sie bei ungefähr sieben Prozent aller Mädchen und zwei Prozent aller Jungen unter sechs Jahren auf. Bei Säuglingen zeigen sich die Infekte häufiger bei männlichen Babys, danach werden sie vermehrt bei Mädchen registriert.

Ursachen

Verursacher von Harnwegsinfektionen sind in erster Linie Darmbakterien. So lassen sich ca. 75 Prozent aller Harnwegsinfekte bei Kindern auf Escherichia-coli-Bakterien zurückführen. Mitunter kommen aber auch Viren oder Pilze als Ursachen für eine Infektion der Harnwege infrage. Dies geschieht im Rahmen von allgemeinen Infektionen, nach einer Behandlung mit Antibiotika, sowie bei Harnsteinen oder

Blasenentleerungsstörungen. Bei Jungen kann auch eine ausgeprägte Verengung der Vorhaut für das Entstehen einer Harnwegsinfektion verantwortlich sein. Ebenso ist bei Jungen eine Anomalie der ableitenden Harnwege als Ursache im Bereich des Möglichen. Bei Babys und Kleinkindern liegt das Risiko, an einer Harnwegsinfektion zu erkranken, besonders hoch, solange sie noch nicht „trocken“ sind. Bei Mädchen besteht zudem der anatomische Nachteil einer deutlich kürzeren Harnröhre im Vergleich zu Jungen. Dadurch können sich die Keime bei ihnen leichter ansiedeln. Darüber hinaus befindet sich die Harnröhre in der Nähe der Scheide. An diesem Organ kommen zahlreiche Krankheitserreger vor.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Harnwegsinfekten bei Kindern:

Bis zu einem Alter von zwei Jahren sind die Symptome bei einer Harnwegsinfektion eher unspezifisch. So leiden die betroffenen Kinder unter Bauchschmerzen, übel riechendem Urin, Trinkschwäche, Apathie, Erbrechen und Fieber. Später sind die Anzeichen dann eindeutiger und ähneln den Beschwerden von erwachsenen Menschen. Als typische Symptome gelten schmerzhaftes und häufiges Wasserlassen, Schmerzen in der Flanke sowie Fieber. Mitunter können auch unspezifische Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen oder Müdigkeit hinzukommen.

Bei Kindern, die bereits trocken sind, ist ein erneutes Einnässen möglich. Dies gilt als Anzeichen für eine Erkrankung der Harnwege. Bei einer entsprechenden medizinischen Behandlung heilt die Harnwegsinfektion normalerweise ohne Probleme ab. Um weiteren Infektionen entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Erkrankungsursachen herauszufinden. Treten die Harnwegsinfekte wiederholt auf oder werden sie nicht behandelt, besteht die Gefahr von chronischen Schädigungen.

Diagnose

Um eine Harnwegsinfektion zu diagnostizieren, lässt der Arzt in der Regel eine Urinprobe des Kindes entnehmen. Diese wird anschließend analysiert, um den auslösenden Erreger festzustellen. Da eine einzelne Urinprobe verunreinigt sein kann, was zur Verfälschung des Testresultats führt, müssen mehrere Proben erfolgen. Neben einer Urinuntersuchung findet zumeist auch eine Blutuntersuchung statt.

Auf diese Weise lassen sich Veränderungen bei den Entzündungsparametern ermitteln. So steigt die Anzahl der Leukozyten (weißen Blutkörperchen) im Organismus. Auch die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht sich. Bei weiterführenden Untersuchungen können eine Röntgenuntersuchung oder Sonographie (Ultraschalluntersuchung) durchgeführt werden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung einer Harnwegsinfektion bei einem Kind erfolgt normalerweise mithilfe von Antibiotika. Als Mittel der I. Wahl gilt Cephalosporin wie Cefotaxim. Dieses Präparat wird Babys bis zu einem Alter von drei Monaten intravenös verabreicht. Empfohlene orale Antibiotika bei einer Harnwegserkrankung sind Trimethoprim, Amoxicillin, Nitrofurantoin und Cefaclor.

Damit der Arzt das passende Präparat verabreichen kann, muss zunächst durch mehrere Tests das auslösende Bakterium festgestellt werden. Bei Einsatz des richtigen Antibiotikums bessern sich die Beschwerden rasch wieder. Leidet das Kind unter einem Mangel an Flüssigkeit, ist die Zufuhr von Elektrolyten möglich. Diese lassen sich auch in Form einer Infusion verabreichen. Des Weiteren sollte das erkrankte Kind viel Flüssigkeit wie Blasentee erhalten.

Als hilfreich gelten zudem warme Sitzbäder in einer Kamillelösung oder das Auflegen einer Wärmflasche. Ergänzend ist auch die Einnahme von Schmerzmitteln oder krampflösenden Medikamenten sinnvoll. Bei Fieber muss das Kind Bettruhe einhalten. Ansonsten kann es am Alltagsleben teilnehmen. Bis zum Ende der Behandlung, die je nach Schwere der Erkrankung 3 bis 10 Tage dauert, sollte der Urin regelmäßig kontrolliert werden.

Treten die Harnwegsinfektionen häufiger auf, muss eine längere Behandlung mit Antibiotika erfolgen. Die Kontrolldauer liegt bei mindestens einem Jahr. Sind anatomische Ursachen für die ständigen Harnwegsinfekte des Kindes verantwortlich, kann ein operativer Eingriff Abhilfe schaffen.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen bei Babys und Kindern wird eine konsequente Genitalhygiene empfohlen. So dürfen die Darmkeime nicht zur Harnröhrenöffnung gelangen. Beim Wickeln oder Toilettenbesuch ist es daher wichtig, die Säuberung von vorne nach hinten vorzunehmen. Außerdem muss darauf geachtet werden, eine Unterkühlung von Unterleib und Füßen des Kindes zu verhindern. Ansonsten besteht das Risiko einer schlechteren Durchblutung, durch die die Entstehung von Harnwegsinfektionen begünstigt wird.

Ebenfalls von Bedeutung ist eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit, um die Harnwege gut durchzuspülen. Auf diese Weise wird einem Festsetzen der verursachenden Bakterien entgegengewirkt. Als vorbeugend gelten zudem spezielle Tees, die eine harntreibende Wirkung haben. Dazu gehören Goldrute, Brennnessel, Birkenblätter und Bärentraubenblätter.

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