Hantavirus-Infektion

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 21. Januar 2015
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Die Hantavirus-Infektion ist weltweit beheimatet. Die meisten Infektionen sind dabei in Nordeuropa gemeldet. In Mitteleuropa ist allerdings die Dunkelziffer der seit 2001 meldepflichtigen Erkrankung sehr hoch, weil der leichte Verlauf und die Symptome leicht zu Verwechslungen führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hantavirus-Infektion?

Die Hantavirus-Infektion ist eine Erkrankung, die von einem der derzeit 22 bekannten Viren dieser Familie übertragen wird. In Mitteleuropa sind dies hauptsächlich das Puumala- und das Dobravavirus, die von Rötel- und Brandmäusen sowie Wanderratten übertragen werden. Der Wirt erkrankt nicht, sondern ist lediglich Überträger.

Ohne Wirt ist das Hantavirus nicht überlebensfähig, was auch die Forschung im Zusammenhang mit Behandlungsmöglichkeiten sehr kostenintensiv macht. In Südamerika ist auch die Fledermaus als Überträger bekannt. Dass sich einzelne Virustypen auf andere Regionen ausbreiten, kommt praktisch nicht vor. Jedoch mutieren die Viren und bilden neue Stämme.

Ursachen

Die Gefahr, in Europa an einer Hantavirus-Infektion zu erkranken, ist zwar nicht sehr hoch, nimmt aber in den Frühsommermonaten zu. Der Grund liegt in den gehäuften Reinigungsaktionen von wenig genützten Gebäudeteilen, wenn es wärmer wird und der relativ langen Zeitspanne bis zum Ausbruch der Krankheit. Nagetiere sind Überträger der in Mitteleuropa bekannten Hantaviren.

Die Viren gelangen über Kot, Urin und Speichel in Umlauf und sind mehrere Tage lebensfähig. Eine Ansteckung erfolgt am häufigsten über aufgewirbelten Staub. Eher seltener sind Übertragungen des Hantavirus über Bisse oder mittels direkten Kontakts. Ein erhöhtes Risiko besteht auch für Land- und Forstarbeiter. Zudem tragen milde Winter ebenfalls zu einer schnellen Vermehrung der Nagetiere bei, was wiederum zu erhöhten Infektionszahlen führt. In Südamerika sind auch Übertragungen von Mensch zu Mensch bekannt.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Hantavirus-Infektion:

In Europa verläuft die Hantavirus-Infektion häufig unerkannt, weshalb sie auch selten als Solche erkannt wird. Die Symptome ähneln meist einer Erkältung oder einer Grippe. Zudem sind die Ärzte in unseren Breitengraden mit diesem Virus auch nicht so sehr vertraut. Nach einer Inkubationszeit von üblicherweise zwei bis vier Wochen bricht die Erkrankung mit plötzlichem, hohem Fieber aus. Hinzu kommen Kopf- und Gliederschmerzen.

Der schwere Verlauf einer Hantavirus-Infektion mit Fieber, bei dem es auch zu spontanen Blutungen (hämorrhagisches Fieber) kommt, ist bei den in Mitteleuropa bekannten Viren sehr selten. Am ehesten verläuft die Erkrankung mit Grippesymptomen und zusätzlichen Nierenfunktionsstörungen. Die in Asien beheimateten Viren lösen etwas häufiger Nierenversagen aus. In Amerika wiederum sind die Atemwege mehr betroffen und ist hier auch die Sterblichkeit mit 30 % sehr hoch. Verantwortlich dafür sind schwere Verläufe einer Lungenentzündung, bei denen auch das Herz geschwächt wird.

Worauf der unterschiedliche Verlauf mit ein und demselben Virus in unterschiedlichen geografische Gebieten zurückzuführen ist, konnte die Wissenschaft bis dato noch nicht herausfinden. Der auch in Mitteleuropa beheimatete Dobrava-Virus verursacht in Südeuropa zum Beispiel eine fünfmal höhere Sterblichkeit. Wie bei allen Viruserkrankungen sind auch bei einer Hantavirus-Infektion weitere Krankheiten mit ähnlichen Viren möglich. Sehr häufig tritt zusätzlich Hepatitis auf. Möglicherweise ist die Hantavirus-Infektion auch einmalig. Bis dato ist keine erneute Erkrankung dokumentiert und Patienten wahrscheinlich lebenslang immun.

Diagnose

Plötzliches hohes Fieber und die einer Grippe ähnelnden Schmerzen lenken den Verdacht nicht unbedingt auf die recht seltene Hantavirus-Infektion. Zusätzliche Bauch- und Rückenschmerzen sowie Blut im Urin erleichtern die Diagnose, sind aber nach wie vor nicht sicher zuordenbar. Eindeutig feststellen lässt sich die Hantavirus-Infektion nur mittels Blutuntersuchung, die zudem den Virustyp eindeutig identifizieren kann.

Behandlung

Wie bei den meisten Virusinfektionen ist auch die Behandlung einer Hantavirus-Infektion nur symptomatisch möglich. Lediglich die Vermehrung der Viren, die bei den meisten Hantatypen rasant von statten geht, lässt sich eindämmen. Gute Erfahrungen machte man dabei mit dem Medikament Ribavirin, das auch bei HIV-Erkrankungen eingesetzt wird.

Bei den leichten Verläufen der Erkrankung beschränkt sich die Behandlung auf fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente. Die mittleren und schweren Verläufe der Hantavirus-Infektion erfordern hingegen eine intensivmedizinische Betreuung. Treten Nierenfunktionsstörungen hinzu, erfordert dies oftmals eine Dialyse. Die besonders schweren Verläufe einer Hantavirus-Infektion mit hämorrhagischem Fieber können, gerade für Personen mit geschwächtem Immunsystem, lebensbedrohlich sein.

Neben der Nierenfunktionstätigkeit ist auch die Leber beeinträchtigt. Die größten Probleme gibt es allerdings mit der Blutgerinnung, die zu innerlichem Verbluten und Ödemen in der Lunge führen kann. Diese Form der Lungenbeteiligung ist häufig in Südostasien und Amerika anzutreffen.

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Vorbeugung

Eine Impfung gegen die Hantavirus-Infektion ist bis dato nicht auf dem Markt und Vorbeugung kann nur mit der rigorosen Nagetierbekämpfung und Sorgsamkeit bei Risikotätigkeiten stattfinden. Die Reinigung von Dachböden, Kellern oder sonstigen Räumen, die mit Mäusekot verunreinigt sind, führt man sicherheitshalber mit Mundschutz und Handschuhen durch.

Das Einatmen des Hantavirus lässt sich auch verhindern, indem die Böden feucht gewischt anstatt gefegt werden. So bleibt der Staub an den Oberflächen haften und gelangt nicht über die Luft in die Atemwege. Mäusekadaver besprüht man vor der Entsorgung mit Desinfektionsspray. Ist die Arbeit beendet, ist gründliches Händewaschen unbedingt nötig.

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