Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 24. März 2015
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Die Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, insbesondere der Herzklappen. Man unterscheidet zwei Formen, die bakterielle und die rheumatische Endokarditis. Beide Krankheitsformen sind heute glücklicherweise relativ selten. Bei einer Erkrankung muss baldmöglichst behandelt werden, da sie im fortgeschrittenen Stadium lebensbedrohlich ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)?

Eine Endokarditis ist die Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard). Diese dünne und glatte Haut ist die innerste Gewebeschicht der Herzwand. Sie kleidet das Herz (Herzhöhlen) von innen aus und auch die Herzklappen bestehen aus Endokard. Es gibt zwei verschiedene Arten von Herzinnenhautentzündung.

Die bakterielle Endokarditis wird durch eine Infektion mit Bakterien verursacht. Man unterscheidet die aggressive akute bakterielle Endokarditis und die wesentlich milder verlaufende subakute Variante. Die zweite Art der Erkrankung ist die postinfektiöse oder rheumatische Endokarditis, die in Folge von rheumatischem Fieber auftreten kann.

Ursachen

Die Ursache der bakteriellen Endokarditis ist eine Infektion mit Bakterien, die entweder von außen ins Blutsystem eingebracht werden oder aus Entzündungsherden im Körper stammen. Dabei kann es sich um sehr kleine unbemerkt ablaufende Entzündungen an Organen handeln, wie beispielsweise in den Harnwegen oder im Magen-Darm-Trakt.

Wenn die Bakterien von außen in den Körper gelangen, so geschieht das meist durch medizinische Eingriffe. Speziell bei Herzoperationen besteht die Gefahr für eine bakterielle Endokarditis.

Über zentrale Venenkatheter, aber auch beim Injizieren von Drogen können ebenfalls Bakterien in den Blutkreislauf gelangen. Die Keime befinden sich auf der Haut, wo sie völlig harmlos sind. Erst im Blut lösen sie Entzündungen aus.

Die rheumatische Endokarditis kann in Folge von rheumatischem Fieber entstehen, welches sich als Komplikation nach einer Mandel- oder Rachenentzündung entwickeln kann. Rheumatisches Fieber ist eine Autoimmunerkrankung, bei welcher sich Antikörper, die sich ursprünglich zur Abwehr der Bakterien gebildet haben, nun gegen körpereigene Zellen, wie beispielsweise die Herzmuskelzellen, richten.

Symptome und Verlauf

Die Endokarditis beginnt meist mit Fieber und allgemeinen Krankheitszeichen, wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen und Appetitlosigkeit. Die subakute Form der bakteriellen Endokarditis zeigt wesentlich schwächere Beschwerden als die aggressive akute bakterielle Endokarditis. Sie tritt sehr plötzlich auf, mit heftigen Symptomen, während die subakute Form eher schleichend beginnt.

Die rheumatische Endokarditis betrifft meist Kinder und Jugendliche und verläuft anfangs häufig unerkannt. Im weiteren Verlauf einer Herzinnenhautentzündung entstehen veränderte oder neue zusätzliche Herzgeräusche. Wird die Endokarditis nicht erkannt, so kann es zu Embolien (Gefäßverschlüsse durch einen Blutpfropf), zu einem Abszess (Eiteransammlung) im Herzen oder zur Zerstörung der Herzklappen kommen und damit zu einem lebensbedrohlichen Zustand.

Diagnose

Die Diagnose einer Endokarditis wird zunächst durch die Erfassung der Krankheitsgeschichte eingeleitet. Dabei ist darauf zu achten, ob eine Vorerkrankung oder ob Defekte der Herzklappen und des Herzens bereits bekannt sind. Darauf folgen eine genaue körperliche Untersuchung und das Abhören der Herzgeräusche.

Liegt eine Endokarditis vor, so wird der Arzt die veränderten Herzgeräusche deutlich hören können. Mit einer Blutuntersuchung kann die Diagnose abgesichert werden. Dazu wird eine Blutprobe auf eventuell vorhandene Entzündungsmarker untersucht und eine sogenannte Blutkultur angelegt. Bei dieser verbleibt die Blutprobe über mehrere Tage in einem Wärmeschrank. Sind Bakterien vorhanden, so werden sie sich unter diesen Bedingungen vermehren und sind dann identifizierbar.

Bei einer rheumatischen Endokarditis sind zusätzlich noch die Antikörper im Blut nachweisbar. Auch mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) sowie durch ein EKG (Elektrokardiographie) lässt sich der Verdacht auf Endokarditis bestätigen.

Behandlung und Therapie

Die Endokarditis wird zunächst mit Antibiotika in hoher Dosierung behandelt. In der Regel erfolgt dies über eine Infusion im Krankenhaus. Wichtig ist dabei, dass vorher der Krankheitserreger bestimmt wurde, denn um die beste Wirkung zu erzielen, muss das Antibiotikum auf die vorliegenden Bakterien abgestimmt werden.

Häufig wird auch eine Mischung mehrerer Antibiotika verabreicht. Man muss auf alle Fälle möglichst früh mit der Behandlung beginnen, damit das Herz und die Klappen nicht zu stark geschädigt werden. Während der antibiotischen Behandlung muss Bettruhe eingehalten werden, um den Körper zu schonen. Die Therapie dauert meist vier bis sechs Wochen.

Wird die Endokarditis erst spät diagnostiziert und hat sie bereits Schäden an den Herzklappen verursacht, so ist eine Operation meist unumgänglich. Bei diesem Eingriff wird entweder die beschädigte Herzklappe repariert oder sie wird entfernt und durch eine künstliche (aus Kunststoff oder Metall) oder biologische (aus tierischem oder menschlichem Material) ersetzt.

Früher musste diese Operation immer am offenen Herzen durchgeführt werden, aber heute ist es auch möglich Herzklappen mittels eines Katheters in das Herz einzubringen. Dabei wird die neue Herzklappe zusammengefaltet über den Katheter ins Herz geschoben und über der alten Klappe aufgespannt. Dort überlagert sie dann die defekte Klappe und übernimmt deren Aufgabe. Dieser Eingriff ist wesentlich schonender für den Patienten als die früher bei Endokarditis übliche offene Herzoperation.

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Vorbeugung

Gegen Endokarditis kann man bedingt vorbeugen. Sollte man zur Risikogruppe gehören, das heißt sollten bereits Herz- oder Herzklappenerkrankungen bekannt sein, so empfiehlt es sich, vor operativen Eingriffen, besonders im Mund- und Rachenraum, vorbeugend Antibiotika einzunehmen, um eine Endokarditis zu vermeiden.

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