Ausfluss aus dem Ohr

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. März 2017
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Neben harmlosen Ursachen, wie einer Überproduktion der Ohrenschmalzdrüsen können ernsthafte Erkrankungen oder Verletzungen für den Ausfluss aus dem Ohr verantwortlich sein. Einen ersten Hinweis auf die Ursache geben die Farbe und der Geruch des Ausflusses.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ausfluss aus dem Ohr?

Bei Ausfluss aus dem Ohr (auch Ohrlaufen oder Otorrhö) handelt es sich um Flüssigkeit, die aus einem oder beiden Ohren austritt. Die Konsistenz, Farbe und Geruch können variieren und geben erste Hinweise auf die Ursache des Ausflusses aus dem Ohr.

Die möglichen Gründe lassen sich im Mittelohr, im äußeren Gehörgang oder im Schädel finden. Die Behandlungs- und Untersuchungsmöglichkeiten ergeben sich daraus, was den Ausfluss aus dem Ohr verursacht. Zusammen mit weiteren Beschwerden erhält der Arzt ein klares Bild und kann die passende Behandlung auswählen, sodass Folgeschäden in der Regel vermieden werden können.

Ursachen

Am häufigsten wird Ausfluss aus dem Ohr durch Entzündungen des Mittelohrs oder des äußeren Gehörgangs verursacht. Ist nur der äußere Gehörgang von der Entzündung betroffen, sind es meist Hautreaktionen auf Schmuck, Hörgeräte oder Pflegeprodukte. Das Sekret wird in diesem Fall nur im äußeren Ohr gebildet.

Eine weitere Ursache für den Ausfluss aus dem Ohr kann eine mechanische Verletzung des Gehörgangs oder des Trommelfells sein. In diesen Fällen sind meist Stürze oder Schläge verantwortlich für die Beschwerden. Aber auch die unvorsichtige Verwendung von Wattestäbchen zur Ohrenreinigung kann zu Verletzungen führen.

Schwerwiegende Verletzungen des Schädelbasisbruches können ebenfalls Ausfluss aus dem Ohr verursachen. Weiterhin können Fehlbildungen des Trommelfells, die angeboren sind oder infolge chronischer Entzündungen entstanden sind, zum Ausfluss aus dem Ohr führen. Wesentlich seltenere Ursachen für Ausfluss aus dem Ohr können Tumore des Mittelohrs oder des Gehörgangs sein.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Sobald der Ausfluss aus dem Ohr einen chronischen Verlauf einnimmt oder als stark belästigend erlebt wird, ist ein Arzt zu konsultieren. In einer geringen Menge ist der Ausfluss normal und ein natürlicher Vorgang. Dafür bedarf es keinen Besuch bei einem Arzt.

Tritt er in der Form auf, dass er innerhalb weniger Stunden von selbst aus dem Ohr läuft, muss ein Arzt nähere Untersuchungen einleiten und die Ursache finden. Ändert sich die Farbe des Ausflusses oder wird der Geruch als unangenehm wahrgenommen, ist ebenfalls ein Arzt aufzusuchen. Ein stechender oder beißender Geruch weist auf weitere Erkrankungen im Innenohr hin.

Ein Arztbesuch ist ebenfalls notwendig, wenn sich die Konsistenz des Ausflusses auffallend verändert. Unter normalen Bedingungen ist er cremig, so dass er sich leicht entfernen lässt. Wird er dünnflüssig oder ist extrem hart, sind die Symptome von einem Mediziner abzuklären.

Treten weitere Beschwerden wie Ohrenschmerzen, Kopfschmerzen oder eine Beeinträchtigung des Hörvermögens auf, sind die Symptome einem Arzt vorzustellen. Schwellungen, starker Juckreiz oder Rötungen sind zusätzliche Hinweise, dass eine Erkrankung vorliegt, die von einem Arzt untersucht werden muss. In sehr seltenen Fällen kommt es zu Schwindel, Übelkeit oder Abgeschlagenheit. Hier kann nur ein Arzt durch medizinische Tests herausfinden, was dem Betroffenen fehlt.

Diagnose und Verlauf

Nachdem der Arzt die ersten Informationen über die Beschaffenheit des Ausfluss aus dem Ohr sowie der weiteren Symptome gesammelt hat, kann er meist viele Ursachen ausschließen. Dabei ist es für den Arzt auch von Bedeutung, ob die Beschwerden akut, chronisch oder immer wiederkehrend sind. Daraus ergeben sich auch gegebenenfalls die weiteren Untersuchungen.

Entzündungen des äußeren Gehörgangs infolge einer Hautreaktion, werden oft auch von Juckreiz, Schwellungen und Rötungen begleitet und können vom Arzt am einfachsten durch Begutachtung des Ohres festgestellt werden. Bei akuten, bakteriellen Entzündungen ist der Ausfluss aus dem Ohr meist grünlich und übelriechend.

Wird eine Mittelohrentzündung nicht behandelt, kann sich die Entzündung auf den umliegenden Knochen ausbreiten. Ist der Ausfluss aus dem Ohr blutig, wird der Arzt eine Verletzung ausschließen müssen. Chronischer Ausfluss aus dem Ohr kann wiederum ein Hinweis auf mögliche Fehlbildungen des Ohres sein, die von Hörminderung begleitet werden.

Komplikationen

Ein Ausfluss aus dem Ohr wird als unangenehm und lästig empfunden. Scham und eine permanente Kontrolle können einsetzen. Da sich dahinter eine Ohrenentzündung verbergen kann, ist mit Beeinträchtigungen des Hörens zu rechnen. Die Schwerhörigkeit kann zu zwischenmenschlichen und sozialen Problemen führen. Missverständnisse und Konflikte können auftreten. Trocknet der Ausfluss im Bereich des äußeren oder mittleren Ohres ein, können ebenfalls aufgenommene Schwingungen der Umwelt nicht mehr ausreichend weitergeleitet werden.

Damit ist das Hören vermindert und kann zu Problemen im Alltag, beispielsweise im Straßenverkehr führen. Der Betroffene leidet meist unter weiteren Symptomen wie Druck im Ohr, Unwohlsein, Schwindel oder Fieber. Es folgen Probleme der Konzentration oder Störungen des Bewusstseins. Ist der Ausfluss aus dem Ohr mit einem unangenehmen Geruch verbunden, können Gefühle wie Abneigung gegen sich selbst oder Ekel aufkommen. Der Ausfluss kann im Ohr ein kribbelndes Gefühl auslösen. Das Bedürfnis, sich zu jucken steigt an. Bei der Linderung des Juckreizes durch Kratzen besteht die Gefahr, tief ins Ohr einzudringen und dieses zu beschädigen. Liegen Ohrenschmerzen oder eine Entzündung vor, kommt es meist zu einer Gabe von Medikamenten. Diese haben Nebenwirkungen, die berücksichtigt werden sollten. Oftmals führen sie zu Magen- oder Darmproblemen. Schmerzmittel können eine Abhängigkeit bewirken und müssen richtig dosiert werden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlungsmöglichkeiten des Ausflusses aus dem Ohr sind wie die Ursachen vielfältig und reichen von lokalen bis operativen Behandlungen. Bei blutigem Ausfluss aus dem Ohr sollte eine Behandlung zeitig erfolgen. Schnelles Handeln ist wichtig, um bleibende Schäden wie Hörminderung zu vermeiden. Gleiches gilt für grünlichen, eitrigen Ausfluss aus dem Ohr, besonders wenn noch Schmerzen und Fieber hinzukommen. Auch chronische Beschwerden, die nicht besser werden, sollten unbedingt von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt abgeklärt werden.

Bakterielle Entzündungen werden von dem Arzt mit Antibiotika behandelt. Die Dauer der Einnahme, sowie die Möglichkeit einer lokalen Behandlung hängen von der Ursache und dem Fortschritt der Entzündung ab. Bei chronischen Entzündungen sollte ein Hörtest durchgeführt werden, um eine Minderung der Hörleistung auszuschließen.

Ist die Entzündung des äußeren Gehörgangs für den Ausfluss aus dem Ohr verantwortlich, bringen Salben bereits Linderung. Der Kontakt mit dem Auslöser der Hautreaktion sollte fortan gemieden werden. Fehlbildungen des Ohres werden in vielen Fällen operativ behandelt. Oft wird dadurch sogar eine Verbesserung der Hörleistung erzielt.

Ist ein Schädelbasisbruch für den Ausfluss aus dem Ohr verantwortlich, besteht die Therapie in erster Linie in der Behandlung des Bruchs. Diese richtet sich nach Schwere und Art der Verletzung. Bei Kindern kann Ausfluss aus dem Ohr ohne Symptome wie Fieber und Abgeschlagenheit auf einen Fremdkörper im Ohr hinweisen. Hier reicht oft die Entfernung des Fremdkörpers aus.



Aussicht und Prognose

Bei Ausfluss aus dem Ohr ist der Verlauf der Erkrankung abhängig von der Ursache. Liegt eine Entzündung vor, so kommt es meist zu einer dauerhaften Beseitigung der Beschwerden, sobald der Heilungsprozess vollständig abgeschlossen ist. Dies ist ebenfalls bei einer bakteriellen Infektion gegeben. Die Gabe von Medikamenten erzielt bei diesen Erkrankungen sehr gute und anhaltende Ergebnisse.

Bei einem chronischen Verlauf treten die Beschwerden in regelmäßigen Zeitabständen oft über Jahre auf. Es besteht die Gefahr, dass innerhalb eines wiederkehrenden Ausflusses aus dem Ohr andere Ursachen nicht weiter verfolgt werden. Dies kann zu einer Ausbreitung und deutlichen Verschlechterung des gewohnten Gesundheitszustandes führen.

In schweren Fällen besteht eine Zunahme des Ausflusses und es kommt zu weiteren Symptomen. Hierzu zählen Schmerzen, Abgeschlagenheit oder Müdigkeit. Es kann zu einer Einschränkung oder dem Verlust der Hörtätigkeit kommen.

Basiert der Ausfluss aus dem Ohr auf einer angeborenen Fehlbildung, so kann diese in einigen Fällen durch einen operativen Eingriff korrigiert werden. Der Ausfluss aus dem Ohr wird dann gestoppt. Ist ein operativer Eingriff nicht möglich, wird der Patient lernen, mit dem Symptom lebenslang umzugehen.

Ist der Ausfluss aus dem Ohr mit Blut angereichert, besteht sofortiger Handlungsbedarf. Ist ursächlich ein Tumor verantwortlich, so ist eine Prognose individuell zu halten.

Vorbeugung

Aufgrund der vielfältigen Ursachen für den Ausfluss aus dem Ohr können keine allgemeinen Empfehlungen zur Vorbeugung gegeben werden. Um Verletzungen des äußeren Gehörganges zu vermeiden, sollte auf die Reinigung der Ohren mit Wattestäbchen verzichtet werden. Auch sollten Pflegeprodukte sparsam angewendet werden.

Bei wiederkehrenden oder chronischen Entzündungen sollte die Hörleistung in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, damit in diesem Zusammenhang dauerhafte Schädigungen ausgeschlossen werden können.

Schließlich sollten Stürze und Unfälle abgeklärt werden, um Möglichkeiten diverser Folgeschäden zu begegnen. Diese Maßnahmen können helfen, sodass Ausfluss aus dem Ohr gar nicht erst auftritt.

Bücher über Ohrenerkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Braun, J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

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