Magen-Darm-Infekt

Letzte Aktualisierung am 20. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Ein Magen-Darm-Infekt ist eine akute Entzündung des Magen-Darm-Traktes die meist durch Viren oder Bakterien verursacht wird. Die Erreger werden häufig durch unzureichende Hygienemaßnahmen (Reinigung der Hände) und eine falsche Lebensmittelerarbeitung (Salmonellen) übertragen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Magen-Darm-Infekt?

Starke Bauchschmerzen und Übelkeit sind bei einem Magen-Darm-Infekt typische Symptome.

Bei einem Magen-Darm-Infekt handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Verdauungsapparat hervorgerufen durch Viren oder Bakterien. Magen-Darm-Infektionen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Mit einer richtigen Grippe, der Influenza, hat sie jedoch nichts gemeinsam, wie ihre Bezeichnung irrig vermuten lassen könnte.

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz unterliegt der Magen-Darm-Infekt der Meldepflicht, wenn sie eine Person betrifft, die in der Lebensmittel verarbeitenden Branche tätig ist, beziehungsweise in Küchen, Großküchen oder Gastronomie arbeitet.

Ursachen

Ein Magen-Darm-Infekt kann verschieden Ursachen haben. So kann sie durch virale oder bakterielle Erreger, Parasiten, Toxine oder auch durch physikalische Ursachen bedingt sein.

Häufigste Ursache des Magen-Darm-Infektes sind Infektionskrankheiten durch Viren (zum Beispiel Rotaviren oder Noroviren), Bakterien (zum Beispiel Chambylobacter, Salmonellen) oder auch Protozoen (Amöben, Giardien).

In den meisten Fällen verursachen die Erreger die Zerstörung der Schleimhaut. Aufgenommene Nahrung können von Magen und Darm nicht mehr verdaut werden und die Nahrung bindet im Körper Wasser. Dadurch wird der Stuhlgang dünnflüssig.

Aber auch Giftstoffe können einen Magen-Darm-Infekt auslösen. Wenn sich beispielsweise in verdorbenen Lebensmitteln Bakteriengifte anreichern, können das Toxine (Gifte bestimmter Staphylokokken) nach dem Aufnehmen dieser Speisen zu einer Schleimhautentzündung führen, woraus die Lebensmittelvergiftung resultiert.

Aber auch Medikamente können zu einem toxisch bedingten Magen-Darm-Infekt führen. Ebenfalls als Ursache vom Magen-Darm-Infekt in Betracht kommen physikalische Ursachen wie ionisierende Strahlen (zum Beispiel Röntgenstrahlen oder radioaktive Strahlen). Häufig ist dies eine Folge von Strahlungsbehandlungen bei Krebserkrankungen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Magen-Darm-Infekts:

Häufigste Begleiterscheinungen des Magen-Darm-Infekt sind Erbrechen, Übelkeit und Durchfall. In diesem Zusammenhang treten Magenschmerzen, Bauchschmerzen sowie Appetitlosigkeit auf, die oft mit Fieber und einer allgemeinen Schwäche verbunden sind. Anhaltender Durchfall und Erbrechen können im weiteren Verlauf zu einem starkem Flüssigkeitsverlust im Körper führen.

Noroviren schädigen die fingerförmigen Aufwerfungen der Magenschleimhaut (Zotten). Starker Durchfall und Erbrechen sind typische Symptome einer Norovirus-Infektion.

Wann zum Arzt?

Wenn weitere Symptome zu den typischen Magen-Darm-Beschwerden hinzukommen, muss ein Arzt aufgesucht werden. So deuten Fieber, Schüttelfrost oder Blut bzw. Schleim im Stuhl auf Komplikationen hin, die ärztlich abgeklärt werden müssen. Auch häufiges Erbrechen sowie körperliches Unwohlsein sind Gründe für einen Besuch beim Hausarzt. Wenn die Beschwerden nach der Einnahme von Medikamenten auftreten, muss der zuständige Arzt oder die Apotheke informiert werden. Begleitend dazu ist ein Arztbesuch angezeigt.

Personen, die kürzlich aus einem Land mit niedrigen hygienischen Standards zurückgekehrt sind, müssen bei einer Magen-Darm-Erkrankung den Hausarzt konsultieren. Womöglich liegen Parasiten zugrunde, die diagnostiziert und medikamentös behandelt werden müssen. Andernfalls kann es zu hohem Fieber, Anämie und sogar Organschäden kommen. Der Mediziner kann anhand einer Stuhlprobe feststellen, welche Erkrankungen vorliegen und eine entsprechende Behandlung einleiten. Womöglich besteht auch akute Ansteckungsgefahr oder die Erkrankung muss bei den Behörden gemeldet werden.

Es ist also immer sinnvoll, mit einem Magen-Darm-Infekt, der schwer verläuft oder mit ungewöhnlichen Symptomen verbunden ist, zum Arzt zu gehen. Neben dem Hausarzt kann der Gastroenterologe oder ein Internist konsultiert werden. Ein schwerer Magen-Darm-Infekt sollte ärztlich überwacht werden. Bei Komplikationen können dann sofort die nötigen Maßnahmen ergriffen werden.

Diagnose

Bei dem Verdacht auf eine Magen-Darm-Grippe wird der Hausarzt die vorliegenden Symptome klären. Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber treten für gewöhnlich bei einer Infektion auf, ebenso wie Übelkeit und Erbrechen. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Krankheiten. Auch bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder einer Blinddarmentzündung können ähnliche Symptome wie bei einer Gastroenteritis auftreten. Nach der Befragung des Patienten kann der Arzt bei der anschließenden körperlichen Untersuchung feststellen, ob ein Flüssigkeitsmangel (Dehydration) vorliegt.

Klassische Anzeichen dafür sind ausgetrocknete Schleimhäute, stehende Hautfalten und eingesunkene Augen. Ein Flüssigkeitsmangel muss insbesondere bei Kindern sofort behandelt werden, weil er lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Hat die Befragung des Patienten allerdings ergeben, dass auch Blut im Stuhl vorhanden ist oder vor kurzem ein Auslandsaufenthalt vorgelegen hat, müssen die Erreger für die Infektion genauer bestimmt werden, um die geeignete Therapie zu finden. Auslösend für eine Magen-Darm-Infektion sind Viren, Bakterien, Amöben als auch Cholerabakterien.

Die Untersuchung des Stuhls weist vorhandene Erreger wie Viren und Bakterien nach. Mit dem Lichtmikroskop wird ein Befall von Amöben oder Cholerabakterien festgestellt. Je nach Schwere des Krankheitsverlaufs ist eine Blutuntersuchung und eine Urinuntersuchung erforderlich. Im extremen Fall kann eine Ultraschalluntersuchung oder eine Endoskopie helfen, die Schwere der Erkrankung genauer einzuschätzen und die nötige Therapie anzupassen.

Komplikationen

Eine Magen-Darm-Grippe schränkt zwar die Lebensqualität ein, ist im Normalfall aber nicht gesundheitsgefährdend. Komplikationen können auftreten, wenn der Infekt nicht oder nur unzureichend behandelt wird oder der Patient Begleiterkrankungen wie ein geschwächtes Immunsystem hat.

Die häufigste Komplikationen einer Gastroenteritis ist Dehydration. Infolge der vermehrten Flüssigkeitsausscheidung trocknet der Körper aus und verliert wichtige Mineralstoffe und Vitamine. Dies kann zu Schwindel, Bewusstseinsstörungen und Krämpfen führen. Bei Kindern, älteren Menschen und Schwangeren kann ein anhaltender Flüssigkeitsmangel lebensbedrohliche Folgen haben.

Ein Magen-Darm-Infekt kann zu einer Einstülpung des Darms führen. Dies bedingt einen Darmverschluss mit heftigen Krämpfen, Unwohlsein und Fieber. Wird der Darmverschluss nicht umgehend behandelt, droht ein Darmdurchbruch mit einer lebensgefährlichen Blutvergiftung.

Bestimmte Erreger wie die Shigellen oder Entamoeba histolytica können ebenfalls zu einer Darmperforation führen. Dabei gelangen Krankheitserreger in die Bauchhöhle und rufen eine Entzündung des Bauchfells hervor.

Selten kann eine Gastroenteritis ein toxisches Megakolon auslösen. Dabei handelt es sich um eine Entzündung des Dickdarms, die zur Vergrößerung der Darmwände führt. Die Folge sind Krämpfe und Darmdurchbruch. Auch hier droht unter Umständen eine Sepsis.

Bestimmte Gastroenteritis-Erreger wie EHEC und Shigellen können die Nieren schädigen und das hämolytisch-urämische Syndrom auslösen, bei dem es zu einer Schädigung der Blutgefäße und akutem Nierenversagen kommt.

Behandlung und Therapie

Eine Behandlung des Magen-Darm-Infektes im Sinne der Ursachenbeseitigung ist in den meisten Fällen nicht möglich. Vielmehr beschränkt sich diese auf symptomatische Maßnahmen, also dem Ersatz von verlorenen Flüssigkeiten und Salzen. Dabei werden standardisierte Lösungen mit einem Gemisch aus Traubenzucker und Salz genutzt.

Wenn dies nicht zum Erfolg führt und die Austrocknung droht, was besonders bei Kindern oft der Fall ist, müssen Infusionen erfolgen. Außerdem muss die Erholung der durch den Magen-Darm-Infekt angegriffenen oder zerstörten Schleimhaut mit einem vorsichtigen Kostaufbau gefördert werden. Dies geschieht mit leicht verdaulichen Kohlenhydraten (Weißbrot, Salzstangen oder Zwieback).

Möglicherweise können Probiotika die Dauer des Durchfalls um bis zu 24 Stunden verkürzen. Bei einem Magen-Darm-Infekt können auch unterstützend Medikamente verabreicht werden, welche eine Hemmung des Erbrechens bewirken, die Darmtätigkeit ändern oder lähmen. Dabei sind aber die jeweiligen Nebenwirkungen zu beachten. Es sollte hier eine Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen.

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Vorbeugung

Wichtigste Prophylaxe eines Magen-Darm-Infekts ist die Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln, wie das Händewaschen vor dem Essen oder nach dem Gang zur Toilette. Erhöhte hygienische Vorgaben im Umgang mit kranken Menschen sowie in Krankenhäusern sind entsprechend zu beachten und zu befolgen.

Vorbeugende Maßnahmen bezüglich der Nahrung sind nur möglich, wenn man diese selbst zubereitet und auf ordentliches Säubern von Obst und Gemüse achtet und Fisch und Fleisch gut durchgart. In gastronomischen Einrichtungen kann man dies natürlich nur bedingt beeinflussen.

In einigen Fällen kann einer Magen-Darm-Grippe durch eine Impfung vorgebeugt werden. Beispielsweise gibt es seit dem Jahr 2006 die Möglichkeit, sich gegen Rotaviren impfen zu lassen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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