Müdigkeit nach dem Essen

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 14. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Müdigkeit nach dem Essen entsteht durch die vermehrte Durchblutung der Verdauungsorgane und die damit verbundene mangelhafte Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Abhängig von der Art der verzehrten Speisen ist die Müdigkeit nach der Nahrungsaufnahme stärker oder schwächer ausgeprägt. Das wirksamste Mittel zur Bekämpfung der Müdigkeit nach dem Essen ist die zusätzlich Sauerstoffzufuhr durch Frischluft und Bewegung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Als Müdigkeit nach dem Essen wird der Zustand des Sauerstoffverlustes im Gehirn bezeichnet, der sich nach der Einnahme von Mahlzeiten einstellt. Das Müdigkeitsgefühl hat mit dem vermehrten Energiebedarf der Verdauungsorgane zu tun und tritt daher nur nach der Nahrungszufuhr auf, in den meisten Fällen mittags oder abends. Dies unterscheidet die Müdigkeit nach dem Essen von chronischer Müdigkeit, die zum Beispiel durch Schlafmangel hervorgerufen wird, oder Erschöpfungszuständen, die unmittelbar nach anstrengender körperlicher Aktivität entstehen.

Ursachen

Um eine optimale Funktion der Verdauung zu gewährleisten, werden nach einer Mahlzeit Magen und Darm stärker durchblutet, wodurch Blut von anderen Organen des Körpers abgezogen wird. Die Ursachen für die Müdigkeit nach dem Essen liegen an der erhöhten Tätigkeit von Magen und Darm. Nach Mahlzeiten, die viel Kohlenhydrate oder Zucker enthalten, besteht außerdem die Gefahr einer Unterzuckerung durch vermehrte Insulin-Produktion. Insulin fördert die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in die Zellen.

Geht dieser Vorgang zu schnell vonstatten, ist kurzfristig zu wenig Zucker und zu viel Insulin im Blut vorhanden. Das Gehirn, das auf den Zuckerspiegel im Blut als Energiequelle angewiesen ist, wird nicht ausreichend versorgt und ist daher vorübergehend in seiner Leistung eingeschränkt. Eine weitere Rolle bei Müdigkeit nach dem Essen spielt das leicht schlaffördernde Serotonin, welches im Gehirn aus Tryptophan gebildet wird, das vor allem in Käse, Fleisch, Eiern und Hülsenfrüchten enthalten ist.

Wann zum Arzt?

Bei einer Müdigkeit nach dem Essen muss in der Regel kein Arzt konsultiert werden. Bei diesem Symptom handelt es sich um ein gewöhnliches Symptom, welches vor allem nach dem Essen von fettigen und schwer verdaulichen Lebensmitteln eintritt. Der Körper benötigt relativ viel Energie, um diese Lebensmittel zu verdauen, weswegen sich der Mensch nach dem Essen müde und erschöpft fühlt. Diese Müdigkeit vergeht innerhalb von ungefähr 30 Minuten. Ihr kann mit Kaffee und anderen Getränken entgegengewirkt werden.

Eine Müdigkeit nach dem Essen tritt bei allen Menschen auf. Daher ist der Besuch beim Arzt nicht notwendig, solange sich die Müdigkeit in Grenzen hält und nach einer kurzen Zeit wieder verschwindet. Sollte die Müdigkeit sehr stark sein und lange anhalten, so sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dies kann auch Probleme mit der Verdauung oder der Schilddrüse hindeuten. Ebenso ist ein Arzt dann zu konsultieren, wenn die Müdigkeit auch bei leichten Produkten wie Salat oder bei Früchten auftritt. Nach dem Verzehr dieser Lebensmittel sollte in der Regel keine Müdigkeit zu spüren sein.

Diagnose und Verlauf

Das Verdauungssystem ist direkt nach einer Mahlzeit erheblich mit der Verarbeitung der Nahrung beschäftigt und benötigt dafür einen Großteil der vorhandenen Energiereserven. Die Verdauungsorgane müssen für die Zerlegung des Nahrungsbreis und der Aufnahme der Nährstoffe durch den Dünndarm besser durchblutet werden, wodurch das Blut in anderen Regionen des Körpers fehlt. Da normalerweise das Gehirn zu den am besten durchbluteten Regionen des Körpers gehört, wird der Verlust hier am meisten spürbar.

Die verminderte Durchblutung des Gehirns und damit auch die geringere Zufuhr an Sauerstoff äußern sich durch Müdigkeit, Motivationsschwierigkeiten und mangelnde Konzentrationsfähigkeit. Je nach Zusammensetzung der Mahlzeit benötigt der Körper mehr Energie, um sie zu verdauen. „Schweres“ Essen, das viel Zucker, weißes Mehl oder Fett enthält, ist schwieriger zu verdauen und äußert sich in stärkerer Müdigkeit, als vitaminreiches Essen, wie Gemüse oder Salat.

Behandlung und Therapie

Die beste Behandlung von Müdigkeit nach dem Essen ist, schon im Vorfeld leichte Nahrung wie Soja, Salat und Gemüse, schwerer Nahrung, wie Fleisch und Kohlenhydraten vorzuziehen. Stellt sich nach der Mahlzeit dennoch ein Energietief ein, hilft in erster Linie, das Gehirn zusätzlich mit Sauerstoff zu versorgen. Die beste Methode für eine erhöhte Sauerstoffzufuhr ist Bewegung an der frischen Luft. Unter freiem Himmel und vor allem in unmittelbarer Umgebung von Bäumen ist der Sauerstoffgehalt der Luft höher als in geschlossenen Räumen.

Moderate körperliche Aktivität, die zu einer leichten Erhöhung des Pulses führt, fördert zusätzlich die Durchblutung und damit den Transport von Sauerstoff ins Gehirn. Mäßige Bewegung, wie zum Beispiel ein Spaziergang, massieren durch sanfte Muskelkontraktion die inneren Organe und unterstützen den Verdauungsprozess. Ist Bewegung an der frischen Luft nicht möglich, erhöhen offene Fenster den Sauerstoffgehalt im Raum und einige Kniebeugen die Durchblutung des Körpers.

Vor allem in Büros immer öfter angewendet wird der so genannte Power Nap. Dieser kurze Mittagsschlaf dauert nur 15 bis 20 Minuten und hilft durch kurzfristige Entspannung ohne Tiefschlafphase, die Müdigkeit zu überwinden. Zu den Snacks, die die Müdigkeit nach dem Essen am effektivsten vertreiben zählen, Goji-Beeren, Walnüsse oder Birnen. Kaffee hilft durch das adrenalinfördernde Koffein lediglich bei der ersten Tasse, die zweite Tasse erzielt durch die „Überdosis“ Koffein den gegenteiligen Effekt und ermüdet den Körper wieder.


Vorbeugung

Der Müdigkeit nach dem Essen kann bereits am Vortag durch frühes Zubettgehen vorgebeugt werden. Medizinischen Untersuchungen zufolge ist der Mensch nach sieben Stunden Schlaf am besten ausgeruht und Geist und Körper am leistungsfähigsten. Dies variiert jedoch von Mensch zu Mensch und manche fühlen sich schon nach 6 Stunden Schlaf topfit, während andere auch nach 8 Stunden noch nicht am Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sind.

Wichtig ist vor allem, dass regelmäßig ausreichend geschlafen wird, dann verzeiht der Körper auch gelegentliche Ausrutscher. Die beste Vorbeugung gegen Müdigkeit nach dem Essen ist die richtige Wahl der Mahlzeit. Der Verzehr von leichten, vitaminreichen Speisen wie Gemüse, Salat oder Obst minimiert das Risiko, nach dem Essen schläfrig zu werden. Schwer verdauliche Speisen wie Fleisch, Wurst und Kohlenhydrate hingegen entziehen dem Körper durch den anstrengenden Verdauungsprozess Energie.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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Letzte Aktualisierung am: 14. November 2021

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