Krankengymnastik

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. Dezember 2018
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Krankengymnastik dient dazu, Beeinträchtigungen des menschlichen Bewegungsapparats zu behandeln. Sie ist auch als Physiotherapie bekannt. Die Therapie wird in der Regel von einem Arzt verordnet bzw. verschrieben. Geeignet ist die Krankengymnastik für jedes Lebensalter.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Krankengymnastik (Physiotherpie)?

Physiotherapie mit dem Gymnastik- bzw. Physioband. Die Krankengymnastik beinhaltet aktive und passive Therapieformen.

Bei der Krankengymnastik handelt es sich eigentlich um die Physiotherapie. Bis 1994 war in Deutschland die Bezeichnung Krankengymnastik für diese Behandlungsform gebräuchlich. In diesem Jahr kam es zur Anpassung an den internationalen Sprachgebrauch. Außerdem erfolgte eine Nivellierung der Berufsgesetze. So nennen sich Krankengymnasten seither Physiotherapeuten.

Im Alltag wird jedoch oft nach wie vor der Begriff Krankengymnastik benutzt. Zur Anwendung kommt die Krankengymnastik in sämtlichen medizinischen Fachbereichen und dient zur Therapie, Nachsorge und Prävention zahlreicher Beschwerden und Erkrankungen. Schwerpunkt der Krankengymnastik bzw. Physiotherapie bildet die Funktion- und Bewegungsfähigkeit des menschlichen Körpers, die durch Erkrankungen, ständige Fehlbelastungen oder angeborene Beeinträchtigungen in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Ziele und Funktion

Wichtigste Ziele der Krankengymnastik sind der Erhalt, die Verbesserung oder die Wiederherstellung der menschlichen Bewegungs- und Funktionsfähigkeiten. Zu diesem Zweck werden vom Krankengymnasten und dem Patienten individuelle Nah- und Fernziele festgelegt. Dabei spielen die Beschwerden sowie das Lebensalter der Betroffenen eine erhebliche Rolle.

So gilt es zum Beispiel nach einer Bandscheibenoperation eine Linderung der Schmerzen sowie eine Steigerung der Rückenmuskelkräfte zu erreichen. Durch dieses Vorgehen erhält die Wirbelsäule wieder mehr Stabilität. Darüber hinaus lässt sich einem Rückfall vorbeugen. Auf lange Sicht soll gewährleistet werden, dass der Patient seinen Beruf weiterhin ausüben und sich problemlos bewegen kann.

Im Falle eines Schlaganfalls dient die Krankengymnastik zur Verbesserung von Muskelkraft, Gleichgewichtssinn und Koordination. Auf diese Weise erhält der Patient die Möglichkeit, seinem Alltag möglichst selbstständig nachzugehen. Ältere Patienten können ihre Pflegebedürftigkeit oft länger aufschieben. Auch bei chronischen neurologischen Erkrankungen ist die Physiotherapie von Bedeutung. Zum Beispiel lassen sich durch Massagen oder passive Bewegungen muskuläre Verspannungen und schmerzhafte Beschwerden lindern. Übungen für das Gleichgewicht oder eine Gangschulung sorgen dafür, dass die Bewegungsbeeinträchtigungen gestoppt werden.

Nah- und Fernziele

Nahziele der Krankengymnastik sind das Regulieren der Muskelspannung, das Lindern von Schmerzen, die Verbesserung von Kraft, Koordination, Ausdauer und Beweglichkeit, das Ausgleichen von fehlenden Bewegungsfunktionen im Falle einer Behinderung, das Schulen einer gesunden Körperhaltung sowie das Fördern der Atemfunktionen. Zu den Fernzielen gehören das Heilen von Erkrankungen, das Aufhalten des Krankheitsverlaufs und das Verhindern oder Vermindern einer Pflegebedürftigkeit.

Anwendungsgebiete

Die Krankengymnastik wird von zahlreichen medizinischen Fachgebieten genutzt. Dabei handelt es sich u. a. um die Orthopädie bei degenerativen Gelenkerkrankungen, die Neurologie zur Behandlung von Schlaganfällen, die Chirurgie, um Knochenbrüche oder Operationsfolgen zu therapieren, die Innere Medizin zur Nachbehandlung eines Herzinfarkts oder einer Lungenentzündung sowie die Gynäkologie, um eine Rückbildungsgymnastik im Anschluss an eine Schwangerschaft durchzuführen oder ein Beckenbodentraining im Falle einer Inkontinenz vorzunehmen. Die Kinderheilkunde (Pädiatrie) setzt auf die Krankengymnastik, um Haltungsschäden, die angeboren oder erworben sind, entgegenzuwirken.

Typische Krankheitsbilder, die eine Krankengymnastik (Physiotherapie) notwendig machen:

Prävention

Ebenfalls zu den Tätigkeitsfeldern der Physiotherapie zählt die Prävention. Dazu gehört vor allem der Ausgleich von Haltungsschwächen. Diese kommen häufig durch eine unzureichende Förderung der Muskeln zustande, wodurch sich wiederum Muskeldysbalancen bilden. Dadurch steigt wiederum die Gefahr von Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen an. Durch eine spezielle Rückenschule im Rahmen der Krankengymnastik erlernt der Anwender eine geeignete Körperposition, was auf längere Sicht Beschwerden entgegenwirkt.

Aktive und passive Therapieformen

Unterteilt wird die Physiotherapie in aktive und passive Behandlungen. Als aktive Behandlungen gelten Maßnahmen, an denen der Patient selbst Anteil hat. Dazu zählen die Atemtherapie und die Bewegungstherapie. Unter die passiven Maßnahmen fallen die Elektrotherapie, in deren Rahmen Behandlungen mit elektrischem Strom vorgenommen werden, die Massage, die u. a. die Lymphmassage, Bindegewebsmassage oder Reflexzonenmassage beinhaltet, die Balneotherapie mit Inhalationen von Heilgasen, Bädern und Trinkkuren, die Thermotherapie, bei der gezielt Wärme- und Kältereize zur Anwendung gelangen, die Heliotherapie mit Sonnenlichtbestrahlung sowie die Hydrotherapie, bei der Wasser in Form von Kompressen, Waschungen, Bädern und Güssen eingesetzt wird. Ebenfalls zur Kategorie der Krankengymnastik zählen Verfahren wie die Manualtherapie, die Vojta-Methode, die Bobath-Methode, die manuelle Lymphdrainage, die propriozeptive neuromuskuläre Fazillation (PNF) und die Krankengymnastik nach McKenzy.

Wie findet man einen guten Physiotherapeuten?

Im Vorfeld der Krankengymnastik ist es sehr wichtig, auch den richtigen Therapeuten zu finden, um den Erfolg der Behandlung zu gewährleisten. Bei der Auswahl des geeigneten Krankengymnasten gilt es, auf bestimmte Kriterien zu achten, die auf seine Qualität hinweisen. Dazu gehört, dass der Therapeut sich bei der ersten Sitzung genügend Zeit für einen ausführlichen Befund nimmt. Außerdem bespricht er zusammen mit dem Patienten und dem behandelnden Arzt den Ablauf der Behandlung. Dabei kann er dem Patienten auch Übungen aufgeben, die dieser dann in Eigenregie in den heimischen vier Wänden vornimmt.

Stellt sich nach mehreren Sitzungen heraus, dass sich die Beschwerden nicht bessern oder sich sogar verschlechtern, kann es sinnvoll sein, sich nach einem anderen Krankengymnasten umzusehen, weil zumeist etwas falsch läuft. Als negative Eigenschaften eines Physiotherapeuten gelten lange Wartezeiten, eine schlechte Organisation, spontane Terminänderungen, kurze Therapiesitzungen, der Verzicht auf einem Befund zu Therapiebeginn, eine mangelhafte Aufklärung des Patienten über die Behandlungsmaßnahmen sowie das Anwenden von Behandlungen, die keine Zulassung haben.

Im Rahmen der Krankengymnastik muss der Patient damit rechnen, dass aufgrund der verstärkten Muskelbelastung leichte Beschwerden wie ein Muskelkater, Müdigkeit oder Erschöpfung auftreten. Diese Symptome gelten jedoch nicht als bedenklich.

Wie läuft eine Therapiesitzung ab?

Wie viele Behandlungen die Krankengymnastik umfasst und welcher Art sie sind, richtet sich nach Ursache und Form der Erkrankung. Zu Beginn der Physiotherapie befasst sich der Krankengymnast mit der Anamnese des Patienten. Nach dem Gespräch findet eine gründliche körperliche Untersuchung statt. Dabei überprüft der Therapeut Bewegungsfähigkeiten und die Kraft der Muskeln. Außerdem stellt er die genaue Position der schmerzhaften Beschwerden fest. Anschließend wird ein krankengymnastischer Behandlungsplan festgelegt. Mit dem Patienten bespricht er die Individualziele.

Bei den krankengymnastischen Übungen kann es sich um aktive, passive oder assistierte Therapieformen handeln, was sich nach dem jeweiligen Behandlungsplan richtet. Im Falle einer passiven Übung werden die Gelenke des Patienten vom Krankengymnasten bewegt. Dabei braucht der Patient mit seinen Muskeln nicht mitzuarbeiten. Mit diesem Verfahren lässt sich eine Verbesserung von Beweglichkeit und Durchblutung erzielen. Des Weiteren ist das Vermeiden von Versteifungen möglich.

Von einer assistierten krankengymnastischen Übung ist die Rede, wenn der Patient selbst Muskelkraft benutzt. Der Krankengymnast oder ein Spezialgerät unterstützen die Bewegungen allerdings. Bei einer Übung im Wasser kann auch dieses als Hilfskraft Verwendung finden.

Aktive krankengymnastische Übungen werden vom Patienten ohne jegliche Hilfestellungen durchgeführt. Der Krankengymnast kümmert sich lediglich um die Kontrolle und nimmt bei Bedarf Korrekturen vor. Zu den aktiven Übungen gehören zudem das Arbeiten gegen den Widerstand von Wasser, Geräten oder Muskelkraft. Wenn möglich, kann der Patient diese Übungen der Krankengymnastik auch zuhause ausführen.


Wer übernimmt die Kosten?

Die Kostenübernahme für die Krankengymnastik durch die gesetzliche Krankenversicherung gilt nur für Behandlungsformen, die im Vertrag zwischen Ärzten und Krankenkassen enthalten sind. Dabei erfolgt die Orientierung an der Heilmittelrichtlinie, die im Heilmittelkatalog festgelegt ist. Zu den physiotherapeutischen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen zählen die allgemeine Krankengymnastik, die Bindegewebsmassage, die klassische Massage sowie weitere Massageverfahren, die manuelle Therapie, die Elektrotherapie, die manuelle Lymphdrainage, die Wärme- und Kältetherapie, die Atemtherapie, die Therapie nach Vojta, die Bobath-Methode, die propriozeptive neuromuskuläre Fazillation sowie die gerätegestützte Krankengymnastik. Dabei muss der Patient eine Zuzahlung von 10 Prozent entrichten.

Darüber hinaus ist es möglich, die Krankengymnastik auch ohne eine ärztliche Verordnung zu nutzen, wodurch eine eigenständige Bezahlung erfolgt. Bei einigen Verfahren wie der Wirbelsäulengymnastik oder der Rückenschule] ist auch eine Bezuschussung durch die Krankenversicherung möglich.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Ob die Krankengymnastik mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden ist, hängt oft vom ausführenden Therapeuten ab. Gibt er auf Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen Acht, verringert dies die Komplikationsgefahr beträchtlich. Bei übergewichtigen Patienten besteht die Gefahr, dass ihre Gelenke durch nicht für sie geeignete Trainingsverfahren überlastet werden. Vorsicht ist zudem bei akuten entzündlichen Beschwerden sowie Erkrankungen geboten, durch die die Funktionen von Herz und Kreislauf beeinträchtigt werden. Gleiches gilt für schwere Überfunktionen der Schilddrüse oder Bluthochdruck.

Quellen

  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Berg, F.: Physiotherapie für alle Körpersysteme. Thieme Verlag. Stuttgart 2016.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 10. Dezember 2018

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