Knochenbruch

Letzte Aktualisierung am 14. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Knochen sind sehr komplexe Gebilde, die zwar sehr belastbar und widerstandsfähig sind, unter extremen Einwirkungen jedoch erstaunlicherweise leicht brechen können. Unabhängig vom Alter und der körperlichen Konstitution der Betroffenen heilt ein Knochenbruch schneller oder langsamer ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Knochenbruch?

Bei einem gebrochenen Arm kann ein Gips helfen, den Arm ruhig zu halten, damit das Zusammenwachsen der Knochen ohne Komplikationen stattfinden kann.

Ein Knochenbruch wird auch als Fraktur bezeichnet und kann an allen Zonen des Körpers dort auftreten, wo sich Knochen befinden. Darüber hinaus können Röhrenknochen oder platte Knochen wie beispielsweise die Rippen- oder Schädelknochen ebenso einem Knochenbruch unterliegen. Bei einigen speziellen Krankheiten tritt ein Knochenbruch schon bei der Einwirkung minimalster mechanischer Kräfte auf.

Hinter einem Knochenbruch verbirgt sich eine Fraktur. Das heißt, dass der Knochenbruch auf einer partiellen oder kompletten Durchtrennung es Knochens basiert. Der Knochen ist somit in seiner Kontinuität beeinträchtigt.

Ursachen

Die meisten Ursachen, die zu einem Knochenbruch führen, liegen in verschiedenen Auslösern, die sowohl mit als auch ohne Anwendung von Gewalt auftreten. Bei einer erhöhten Einwirkung von Gewalt können die Strukturen des Knochens der plötzlichen oder langsamen Beanspruchung nicht mehr Stand halten, sodass es zum Knochenbruch kommt.

Die mechanischen Kräfte treffen entweder direkt oder indirekt auf den Knochen oder wirken mehrmals ein. Dies sind Vorgänge, bei denen Schläge oder Stürze, eine Hebelwirkung oder sogenannte Mikrotraumen zum Knochenbruch führen. Die Mikrotraumen werden auch als Ermüdungsbrüche bezeichnet.

Ein Knochenbruch kann auch ohne Gewalt entstehen. Knochenstrukturen, die unvollkommen ausgeprägt sind oder durch eine Vorschädigung eine Instabilität aufweisen, brechen schneller. Weitere Ursachen für einen Knochenbruch sind Erkrankungen wie Osteoporose, Tumore der Knochen, die Osteomalazie und spontane Brüche. Darüber hinaus können Metastasen anderswo lokalisierter Krebsgeschwüre ebenfalls die Knochensubstanz infiltrieren und diese für einen Knochenbruch angreifbarer machen.

Verschiedene Arten von Knochenbruch (Frakturen).

Symptome und Verlauf

Der Verlauf beim Knochenbruch hängt davon ab, wie umfangreich der Bruch ist, welcher Knochen betroffen ist und ob es sich um eine offene oder geschlossene Fraktur handelt. Darüber hinaus gibt es die als sicher und unsicher bezeichneten Anzeichen, die beim Knochenbruch ähnlich von Entzündungssymptomen sind. Beim Knochenbruch treten ein Schmerz, eine begrenzte Rötung und Schwellung, ein Bluterguss (nicht immer), eine zunehmende Erwärmung und eine nur begrenzte Bewegungsfähigkeit auf.

Sichere diagnostische Hinweise auf einen Knochenbruch sind eine sogenannte Achsenfehlstellung, bei welcher der Knochen nicht in die anatomisch vorgegebene Richtung zeigt, eine offene Wunde mit sichtbaren Bruchstücken, Zwischenräume innerhalb eines Knochens und eine Abstufung in der Form des Knochens. Fachärzte hören zudem knackende oder knirschende Geräusche am Bruch, sehen bei der Röntgendiagnostik einen Spalt und erkennen eine unnatürliche Beweglichkeit bei einem Knochenbruch. Einzelne Anzeichen für einen Knochenbruch können in Kombination vorhanden sein oder komplett fehlen.

Diagnose

Die Diagnose beim Knochenbruch stützt sich zunächst auf die Angaben der Betroffenen, soweit diese bei Bewusstsein sind, auf die Palpation, das Tasten durch den Arzt und dessen visuelle Beobachtungen. Sind die Beschwerden und das Ausmaß der Fraktur nicht eindeutig abklärbar um eine zielgerichtete Diagnose in Angriff zu nehmen, helfen verschiedene medizintechnische und überwiegend bildgebende Verfahren. Beim Knochenbruch gehören deshalb die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Computertomografie sowie das Röntgen und andere Technologien zu den klassischen diagnostischen Hilfsmitteln.

Komplikationen

In den meisten Fällen heilt ein Knochenbruch nach sachgerechter Versorgung ohne Folgeschäden ab. Dringt der gebrochene Knochen in angrenzendes Gewebe ein, können vorübergehende oder bleibende Nervenschädigungen, starke Blutungen oder Organschäden die Folge sein. Eine gebrochene Rippe kann etwa die Lunge verletzen und zu lebensbedrohlichen Atemproblemen führen, gebrochene Schädelknochen gehen häufig mit einer schwerwiegenden Verletzung des Gehirns einher. Wird ein massiver Blutverlust durch beschädigte Blutgefäße nicht schnellstens durch Flüssigkeitszufuhr mittels Infusionen ausgeglichen, droht ein Schockzustand mit anschließendem Kreislaufversagen.

Wenn Fetttröpfchen aus dem Fettgewebe infolge eines Knochenbruchs in die Blutbahn gelangen, kann es zu einem als Fettembolie bezeichneten Verschluss von Blutgefäßen kommen. Als weitere Komplikationen können Entzündungen auftreten, bei einer Wundheilungsstörung oder einem Befall mit aggressiven Erregern ist in der Folge das Absterben von Gewebe möglich. Bleibt diese sogenannte Nekrose unbehandelt, können Krankheitserreger in die Blutbahn eindringen und eine Blutvergiftung auslösen, die mitunter tödlich endet.

In einigen Fällen bildet sich nach einem Knochenbruch ein Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) aus: Diese auch als „Morbus Sudeck“ bekannte Erkrankung geht mit Empfindungsstörungen, Bewegungseinschränkungen und starken Schmerzen einher. Von einer Pseudarthrose spricht der Mediziner, wenn eine Knochenfraktur nach sechs Monaten noch nicht ausgeheilt ist und sich an der Bruchstelle ein Scheingelenk gebildet hat.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung beim Knochenbruch verläuft in einzelnen Schritten und stellt dadurch ein komplexes Zusammenspiel verschiedenartiger Abläufe dar, welche von der Kompliziertheit der Fraktur abhängig sind. Die markante Zielstellung beim Knochenbruch lautet eine möglichst rasche und schmerzlose Heilung und Stabilität der betroffenen Bereiche zu erzielen.

Die einzelnen Komponenten der Behandlung beim Knochenbruch setzen sich aus der funktionellen und notfallmäßigen Versorgung, der Ruhigstellung und der sogenannten Extensionstherapie zusammen. Eingeschlossen in diese Konzepte sind sowohl herkömmliche und medikamentöse Maßnahmen sowie mehr oder weniger umfangreiche operative Eingriffe.

Im Laufe der Jahre sind im Rahmen der Behandlung der Knochenbrüche ganz differenzierte Varianten entwickelt und erprobt worden, die aufgrund ihrer Vielfalt in offene und geschlossene Methoden unterteilt werden. Neben dem Anlegen von Verbänden, dem Eingipsen und dem Schienen der Knochenbrüche werden auch exzellente alternative Techniken umgesetzt, die in höchstem Maße kompliziert sind und ein enormes fachliches Wissen erfordern. Diese Verfahren können nur durch Chirurgen vorgenommen werden und entstammen den Wirkungsweisen der Biomechanik.

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Vorbeugung

Ein Knochenbruch kann nicht immer vermieden werden, wenn die entsprechenden Faktoren ungünstig auf den Körper einwirken. Durch eine regelmäßige Bewegung bei Sonnenlicht und Beanspruchung des Knochen- und Haltesystems sowie durch eine Vermeidung von Mangelzuständen von Vitamin D und Calcium ist es jedoch möglich, die Knochen widerstandsfähiger und deren Struktur in gewissem Sinne widerstandsfähig zu machen. Durch die Aufrechterhaltung der Kompaktheit der Knochen kann ein Knochenbruch vorgebeugt werden. Dies gilt ebenso in Bezug auf die Vermeidung von Unfällen durch Stürze oder andere Gewaltfaktoren.

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


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