Hidradenitis suppurativa

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Hidradenitis suppurativa, auch bekannt unter dem Begriff Acne inversa, ist eine Hautkrankheit mit beulenartig aussehenden Entzündungen von Talgdrüsen und Terminalhaarfollikel. Vor allem die Achseln, Perianal- und Perigenitalregion und die Leistengegend sind von Hidradenitis suppurativa betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hidradenitis suppurativa?

Mitte des 19. Jahrhunderts fand Hidradenitis suppurativa erstmals eine Beschreibung der Symptome, für deren Entstehung apokrine Schweißdrüsen verantwortlich schienen, Schweißdrüsenabzess. Aus dieser Diagnose leitet sich der heutige Name ab. In Deutschland sind vermutlich zwischen 225.000 und 3,1 Millionen Menschen betroffen, jedoch ist die Diagnosestellung nicht einfach.

Möglicherweise ist die Dunkelziffer weitaus höher. Der Erstausbruch erfolgt in der Pubertät bis im späteren Lebensabschnitt. Zwischen 20 bis 40 Jahren steigt die Häufigkeit an und dürfte mit dem ansteigenden Androgenspiegel zusammenhängen. Frauen erkranken häufiger als Männer. Ein Ausbruch nach den Wechseljahren ist eher selten. Männer weisen perianale Krankheitsstellen von Hidradenitis suppurativa auf.

Ursachen

Das Gründe für das Auftreten von Hidradenitis suppurativa sind nicht geklärt. Vermutlich begünstigen Faktoren wie Rauchen oder Übergewicht, das zu mehr Feuchtigkeit auf der Haut führt. Zu enge Kleidung kann die Hautzellen beschädigen, aber auch eine bestehende Zuckerkrankheit, die das Immunsystem schwächt, begünstigt unter Umständen den Ausbruch oder den Krankheitsverlauf von Hidradenitis suppurativa.

Eine vermehrte Talgproduktion durch männliche Hormone führt zur größeren Verstopfung der Talgdrüsenausführungsgänge. Vor allem Erreger wie Staphylococcus aureus, Streptokokken und Escherichia coli beeinflussen den Schweregrad von Hidradenitis suppurativa deutlich. In vielen Fällen liegt ein genetisches Risiko vor. Meist leiden bereits mehrere Familienmitglieder unter Hidradenitis suppurativa.

Wann zum Arzt?

Schwellungen der Lymphknoten, die nicht aufgrund einer Erkältung oder Grippe auftreten, gelten als besorgniserregend. Sie sollten medizinisch untersucht werden lassen, wenn sie über mehrere Tage oder Wochen vorhanden sind. Breiten sie sich aus oder schmerzen sie, ist ein Arztbesuch schnellstmöglich durchzuführen. Die Einnahme eines Schmerzmedikamentes ist nur nach Rücksprache und Absicherung durch einen Arzt vorzunehmen.

Kommt es zu Fieber oder Kopfschmerzen, wird ein Arzt benötigt. Eine erhöhte Körpertemperatur weist auf eine Erkrankung hin, der nachgegangen werden sollte. Nehmen die Kopfschmerzen an Intensität oder Umfang zu, ist ein Arztbesuch notwendig. Treten Schlafstörungen ein, kommt es zu Störungen der Konzentration oder Aufmerksamkeit, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Entstehen Schwellungen, bilden sich Geschwüre oder Abszesse, muss ein Arzt konsultiert werden.

Hautunreinheiten oder Auffälligkeiten des Hautbildes sind untersuchen und behandeln zu lassen. Bei emotionalen oder psychischen Problemen, die über eine längere Zeit anhalten, sollte ein Arzt die Ursachen abklären. Stimmungsschwankungen, depressive Zustände, Auffälligkeiten des Verhaltens, der Verlust des Wohlbefindens oder der Lebensfreude sind mit einem Arzt zu besprechen. Können die beruflichen oder familiären Verpflichtungen nicht mehr erfüllt werden, wird ein Arzt benötigt. Bei einer allgemeinen Schwäche, einem starken Leistungsabfall und Antriebslosigkeit wird eine ärztliche Unterstützung benötigt.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Hidradenitis suppurativa:

Bei der Hidradenitis suppurativa füllen sich die Talgdrüsen stärker mit Hornmaterial, das die Talgdrüse durch die Verhornungsstörung nicht abführen kann. Das führt in weiterer Folge zu bakteriellen Infektionen, bei denen sich die Talgdrüse entzündet und Eiter ansammelt. Irgendwann zerreißt die Talgdrüsenzyste, die Entzündung setzt sich im Gewebe fort und befällt die Schweißdrüsen.

Dann entstehen Geschwüre, Abszesse und später auch Fisteln bei der Hidradenitis suppurativa. Die Sekrete, die die apokrinen Schweißdrüsen, Duftdrüsen, produzieren bilden einen alkalischen pH-Wert, der mit der Feuchtigkeit und Hautfeuchtigkeit von rund 37° Celsius das Wachstum der Bakterien noch zusätzlich fördert. Die entzündlichen Prozesse werden oft durch schmerzhafte Lymphknotenschwellungen, Fieber und Kopfschmerz begleitet.

Da die Krankheit auch eine große Belastung für Betroffene bedeutet, sind negative Folgen auch eine mögliche Arbeitslosigkeit aufgrund vermehrter Krankenstandstage, Depressionen und möglicherweise Rückzug aus dem sozialen Leben. Das können mögliche Begleiterscheinungen der Hidradenitis suppurativa sein.

Diagnose

Bei der Diagnose von Hidradenitis suppurativa weist der Betroffene weiche gerötete Knoten auf, die schmerzhaft sind. Die Erscheinungsformen sind vielfältig und reichen von erbsengroßen Knötchen mit einem durchschnittlichen Durchmesser von bis zu einem Zentimeter, der Akne ähnelt. Sie brechen binnen Stunden bis Tagen auf und sondern eitrigen Ausfluss ab. Sie heilen ohne Behandlung ab, können aber ohne ärztliche Kontrolle zu beulengroßen Entzündungsherden, die sich zu Fisteln entwickeln können.

Liegen diese Stellen vor allem am Kopf, den Feuchtgebieten des Körpers, in der Genitalregion, Perinealregion oder der Axila könnte es sich um Hidradenitis suppurativa handeln. Bereits bestehende Fisteln könnten auf umfangreichere Abszesse zurückgeführt werden und lassen auf einen fortgeschrittenen Verlauf schließen, der auch Narbenbildung miteinschließt. Jedoch ist nicht auszuschließen, dass sich die Krankheit auch an untypischen Stellen wie Nacken oder Taille zeigt. Nach jüngsten Erkenntnissen sei der Begriff Acne inversa passender, da nicht die Schweißdrüsen, sondern Talgdrüsen und Terminalhaarfollikel Ausgangspunkt für die Hidradenitis suppurativa sind.

Komplikationen

Durch die Hidradenitis suppurativa leiden die Betroffenen in erster Linie an verschiedenen Beschwerden an der Haut. In vielen Fällen kommt es dabei auch zu psychischen Beschwerden oder zu Minderwertigkeitskomplexen, da sich die Patienten für die Beschwerden schämen und sich mit diesen sehr unwohl fühlen. Die Lymphknoten der Betroffenen schwellen stark an und es kommt nicht selten zu Fieber.

Auch Kopfschmerzen und eine allgemeine Abgeschlagenheit können durch die Hidradenitis suppurativa auftreten und die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verringern. Durch die dauerhaften Beschwerden kommt es nicht selten zu Depressionen und starken psychischen Problemen.

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann es zur Ausbildung von Narben kommen, die nicht in jedem Falle vollständig verheilen. Die Behandlung der Hidradenitis suppurativa erfolgt in der Regel mit Hilfe von Antibiotika und durch eine Diät. Operative Eingriffe sind in den meisten Fällen nicht notwendig. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Hidradenitis suppurativa nicht beeinflusst oder verringert. Auch ein verringerter Nikotinkonsum kann sich sehr positiv auf diese Krankheit auswirken.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Hidradenitis suppurativa bietet mehrere Möglichkeiten an. Eine lokale Anwendung mit antimikrobiellen Lösungen oder auch chirurgische Eingriffe wie zum Beispiel Stichinzisionen. Manche Behandlungen sehen auch die Gabe von Antibiotika vor, doch zeigen sich systemische Isotretinoin-Monotherapien nicht immer als erfolgversprechend. Wegen der aufgezeigten Symptome und der vielfach nicht klärbaren Ursache empfehlen viele eine operative Entfernung aller von der Hidradenitis suppurativa befallenen Hautbereiche.

Mit fortschreitender Erkrankung bedeutet das aber möglicherweise auch größere Wundgrößen sowie eine weitere seelische Belastung aufgrund der privaten und beruflichen Situation. Hidradenitis suppurativa ist für viele Betroffene ein Stigma. Ist die Diagnose in einem frühzeitigen Stadium erfolgt, sind nachhaltige Maßnahmen zur Reduzierung des Übergewichts und auch eine Nikotinkur ratsam.

Neben der Körperreinigung mit Antiseptika empfiehlt sich auch locker sitzende Kleidung, um den Prozess der Hautfeuchtigkeit nicht zu fördern. Zur allgemeinen Unterstützung ist eine niedrig glykämische Diät eine mögliche Verbesserung des Zustands. Aus chirurgischer Sicht bieten sich in sehr schmerzhaften Phasen eine Drainage von Abszessen an oder eine konservative Entfernung besonders hartnäckiger Herde auf erkrankten Hautstellen durch Hidradenitis suppurativa.


Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Hidradenitis suppurativa gibt es kaum Empfehlungen, da ein gewisses genetisches Restrisiko besteht. Ratschläge für gesunde Ernährung und achtsamen Lebensstil, insbesondere der Verzicht auf Zigaretten oder fetthaltige Lebensmittel, sind kein Garant, können aber eine mögliche Vorbeugung vor Hidradenitis suppurativa unterstützen. In Deutschland ist Acne inversa, Hidradenitis suppurativa, eine anerkannte Behinderung.

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021

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