Schmerzen in der Leiste

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 22. April 2017
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Bei Schmerzen in der Leiste denken die meisten Menschen spontan an einen Leistenbruch. Die Ursachen sind jedoch vielfältig. Auch Verletzungen an der Wirbelsäule oder Harnsteine können Schmerzen in der Leiste auslösen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Schmerzen in der Leiste?

Schmerzen in der Leiste treten im Übergangsbereich zwischen Oberschenkel und Bauch auf. Auf beiden Körperseiten befindet sich ein rund fünf Zentimeter langer Leistenkanal. Er verbindet die Schamgegend mit der Bauchhöhle.

Der Leistenkanal verläuft in der vorderen Bauchwand. Er beherbergt mehrere wichtige Gefäße und Nervenbahnen. Muskeln, Bänder und Bindegewebe schützen die Leiste. Schmerzen in der Leiste ergeben sich aus zu großem Druck, der auf den Leistenkanal einwirkt. Der Druck entsteht in der Regel durch das Bauchfell und die inneren Organe im Bauchbereich. Sie können sich infolge einer körperlichen Belastung in Richtung Leistenkanal verschieben.

Wenn das Gewebe dieses Kanals an bestimmten Stellen weich ist, bildet sich eine sogenannte Bruchpforte. Die Organe dringen in die Leiste ein und stauchen die innenliegenden Gefäße zusammen. Dadurch entstehen die Schmerzen in der Leiste.

Ursachen

Die Schmerzen in der Leiste stellen sich wohlmöglich ein, nachdem man sich verhoben hat. Oder man hat Sport getrieben und klagt anschließend über Schmerzen in der Leiste. Ebenso kann ein Leistenbruch während einer Geburt auftreten. Einen Sonderfall stellt die weiche Leiste dar, mit der insbesondere Sportler zu kämpfen haben. Die Rückseite des Leistenkanals besteht ausschließlich aus Bindegewebe, das unter ständiger Belastung Schaden nehmen kann.

Bei der Leistenzerrung handelt es sich um eine Überdehnung der Muskeln oder Sehnen rund um die Leiste. Schmerzen in der Leiste können auch nach Brüchen des Oberschenkelhalses oder der unteren Wirbel auftreten. Schmerzen in der Leiste, die sich bereits im Ruhezustand zeigen und sich während des Gehens noch verschlimmern, sind ein Anzeichen für eine Entzündung des Hüftgelenks.

Darüber hinaus können die Schmerzen in der Leiste auf Gefäßerkrankungen innerhalb des Leistenkanals hindeuten: Blutgerinnsel, Krampfadern, Entzündungen der Lymphknoten. Zudem sind Harnwegsinfektionen oder Harnsteine eine mögliche Ursache. Schließlich kann eine Blinddarmentzündung oder ein Geschwür im Darm Schmerzen in der Leiste hervorrufen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Schmerzen in der Leiste können vielfache Ursachen haben. In den folgenden Fällen sollte dabei ein Arzt aufgesucht werden. So deutet eine Vorwölbung im Bereich der Leiste, welche in der Regel zurückgeschoben werden kann, auf einen Leistenbruch hin. Diese Bruchpforte im Leistenbereich verheilt nicht von selbst, sondern wird im Laufe der Zeit unter entsprechenden Komplikationen größer. Eine Operation ist demnach in der Regel unumgänglich. Wichtig ist zudem, dass ein Leistenbruch nicht zwangsläufig Schmerzen in der Leiste verursacht. Sollten die Leistenschmerzen stärker ausfallen, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, da es sich um einen eingeklemmten Leistenbruch und damit einen Notfall handeln kann.

Im Falle von dumpfen Leistenschmerzen, welche länger als einige Tage andauern oder wiederholend auftreten, ist ebenso ein Arztbesuch ratsam. In der Folge kann dann abgeklärt werden, ob es sich um ein Hüftleiden oder Harnsteine handelt.

Letztlich treten Leistenschmerzen häufig auch bei Sportlern auf. Sollten die Leistenschmerzen nicht nach einem Unfallereignis, sondern allmählich auftreten und von dumpfer oder ziehender Natur sein, so ist eine vorübergehende Sportpause oder ein Wechsel auf leistenschonende Ausgleichssportarten ratsam. Wenn die Schmerzen nicht innerhalb von ein bis zwei Wochen zurückgehen oder wiederholt auftreten, so kann ein Arztbesuch abklären, ob es sich um eine sogenannte Sportlerleiste, eine Schambeinentzündung oder nicht doch um eine einfache Leistenzerrung handelt.

Diagnose und Verlauf

Nachdem der Patient dem Arzt die Schmerzen in der Leiste näher beschrieben hat, tastet dieser die Leiste ab. Einen Leistenbruch erkennt der Mediziner durch eine charakteristische Wölbung. Wenn die Lymphknoten entzündet sind, sind sie vergrößert und lassen sich ebenfalls ertasten.

Mithilfe des Ultraschalls kann der Arzt eventuelle Beschädigungen der Gefäße sichtbar machen. Wenn er mutmaßt, dass die Schmerzen in der Leiste aus den Lendenwirbeln herrühren, führt er eine Computertomografie durch. Sollte er ein Geschwür vermuten, untersucht er zunächst die Blutwerte auf spezifische Marker, die eine Tumorerkrankung anzeigen.

Die Diagnose einer weichen Leiste gehört zu den schwierigsten Aufgaben. Sie lässt sich nur erkennen, wenn die Leiste belastet wird. Das ist unter einem Röntgengerät oder in einem CT-Gerät natürlich nicht möglich. Der Arzt diagnostiziert diese Erkrankung, wenn er alle anderen Ursachen für die Schmerzen in der Leiste ausgeschlossen hat.

Behandlung und Therapie

Ein Leistenbruch, der die Schmerzen in der Leiste verursacht, lässt sich meist nur operativ beseitigen. Das gilt insbesondere, wenn sich innere Organe bereits in die Bruchstelle geschoben haben. Denn sie üben nicht nur Druck auf die Gefäße aus und verursachen dadurch Schmerzen in der Leiste. Sie drohen durch die Quetschung selber Schaden zu nehmen.

Auch bei einer weichen Leiste setzt man heute bevorzugt auf eine Operation. Bei jungen Patienten mit gesundem Bindegewebe strafft man die betroffene Stelle mittels einer Naht. Der Heilungsprozess ist nach spätestens zwei Wochen abgeschlossen. Der Körper kann wieder voll belastet werden.

Bei älteren Patienten bringt der Arzt ein Netz aus Kunststoff an. Er klebt oder tackert das Netz an die Stelle, welche die Schmerzen in der Leiste hervorruft. Das Netz verwächst im Laufe der Zeit mit dem Gewebe und sorgt für Halt. Eine Entzündung der Harnwege behandelt der Arzt mit Antibiotika. Gefäßveränderungen, die mit Schmerzen in der Leiste einhergehen, können meist medikamentös geheilt werden.



Vorbeugung

Schmerzen in der Leiste lassen sich durch ein regelmäßiges Training der Bauch- und Rumpfmuskulatur vermeiden. Das richtige Heben und Tragen von schweren Gegenständen ist ebenfalls wichtig, um Schmerzen in der Leiste vorzubeugen.

Man sollte sich niemals bücken und ein Gewicht hochheben. Stattdessen begibt man sich in die Knie und hebt den Gegenstand mit geradem Rücken an. Übergewicht lastet auf dem Leistenkanal.

Eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung reduziert das Gewicht und verhindert gleichzeitig eine Verstopfung. Auch dieses Verdauungsproblem kann auf Dauer Druck auf den Leistenkanal ausüben und Schmerzen in der Leiste auslösen.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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