Leistenzerrung

Letzte Aktualisierung am 28. Januar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Leistenzerrung, Adduktorenzerrung oder Leistendehnung bezeichnet eine Verletzung der Adduktoren an der Innenseite der Oberschenkel. Häufig tritt diese Muskelüberdehnung als Folge einer plötzlichen Fehl- bzw. Überbelastung im Sport auf. Vor allem Sportarten, die von schnellen Richtungswechseln (z.B. Fußball) geprägt sind, treten diese Verletzungen auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Leistenzerrung?

Bei einer Leistentzerrung sind die Sehnen der Adduktoren verletzt. Plötzlich auftretende Schmerzen an der Oberschenkel-Innenseite oder ein Druckschmerz in der Schambeinregion sind typische Symptome einer Leistenzerrung.

Bei einer Leistenzerrung handelt es sich um eine Zerrung verschiedener Muskeln und Sehnen im Bereich der Adduktoren (Innenseite der Oberschenkelmuskulatur). Diese Verletzung wird meist durch eine Überdehnung bzw. Überbeanspruchung der Muskulatur beim Sport verursacht.

Diese typische Sportverletzung tritt insbesondere beim Fußball, ebenso aber etwa auch beim Hürdensprint oder Skilaufen auf. Eine Leistenzerrung äußert sich oft durch ziehende Schmerzen, Druckgefühl und Krämpfe der betroffenen Region.

Ursachen

Verletzungen wie die Leistenzerrung treten überwiegend bei Sportarten mit einer ausgeprägten Seitwärtsbewegung der Beine auf.

Dabei werden die Adduktoren oftmals über ihre Belastbarkeit hinaus gedehnt und das Muskelgewebe entsprechend gezerrt.

Insbesondere ein plötzliches und unkontrolliertes Spreizen der Beine (wie zum Beispiel bei einer Grätsche beim Fußball) führt zu Überdehnungen oder sogar Zerrungen des Muskelgewebes.

Zudem können lange Ausdauerbelastungen (z.B. Marathon) zu einer Überbeanspruchung der Adduktoren führen.

Vereinzelt sind es aber auch angeborene Fehlfunktionen und Fehlstellungen des Hüftgelenks sowie eine falsche Lauftechnik oder unsauber ausgeführte Gymnastikübungen, die eine Leistenzerrung verursachen.

Konkret kann der Arzt eine Leistenzerrung mittels Röntgenuntersuchungen und Beckenübersichtsaufnahmen diagnostizieren. Dabei kann der Facharzt auch den Schweregrad der Verletzung sowie eine eventuelle Hüftgelenksfehlstellung feststellen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Leistenzerrung:

  • ziehende Schmerzen und Druckgefühl in der Leistenregion

Abhängig vom Ausmaß der Leistenzerrung lässt sich die Verletzung in drei verschiedene Schweregrade unterteilen.

Leistzerrung 1. Grades

Bei einer Leistenzerrung ersten Grades (Überdehnung) treten die Schmerzen während oder nach dem Sport auf, begleitet von Krämpfen oder Spannungen im inneren Oberschenkelbereich. Trotz der leichteren Schmerzen ist jedoch sogar Lauftraining noch möglich.

Leistenzerrung 2. Grades

Bei Verletzungen zweiten Grades (Zerrung) treten starke Schmerzen auch bei Belastungen wie Gehen oder Laufen auf. Eine solche Zerrung geht oft einher mit Muskelfaserrissen.

Leistenzerrung 3. Grades

Die Adduktorenverletzung dritten Grades beschreibt eine ausgeprägte Zerrung mit Muskelfaserrissen, die sich in stechenden Schmerzen äußert. Bei einer solchen Verletzung wird das Laufen und Gehen aufgrund von Schmerzen stark eingeschränkt. Eine Leistenzerrung kann Einblutungen verursachen, somit entsteht in der Leistengegend oftmals ein Hämatom (blauer Fleck).

Der Verdacht auf eine Leistenzerrung liegt nahe, wenn beim Laufen Krämpfe oder Engegefühl auftreten. Drehbewegungen mit den Beinen sind in diesem Fall außerdem mit Schmerzen verbunden, ebenso das Abspreizen der Beine, welches nur eingeschränkt möglich ist.

Bei schwereren Fällen sind in der Leistengegend zudem Hämatome und Schwellungen zu sehen. Ausgeprägte Leistenzerrungen machen sich auch beim Gehen durch Schmerzen bemerkbar, während bei leichteren Leistenzerrungen die Beschwerden nur unter Belastung auftreten.

Diagnose

Der Arzt, normalerweise ein Orthopäde oder Sportmediziner, stellt die Diagnose im Normalfall nach einer umfassenden körperlichen Untersuchung. Durch ein Gespräch mit dem Patienten, indem die Umstände der Beschwerden geklärt werden, und eine Prüfung von Leisten- und Oberschenkel-Funktion kann bereits eine erste Verdachtsdiagnose gestellt werden. Ultraschall-, Röntgen- oder Kernspin-Untersuchung festigen die Vermutung und geben Aufschluss über die Schwere der Zerrung und etwaige Begleitschäden. Eine umfassende Untersuchung via Kernspintomographie gibt außerdem Informationen zur Ursache preis und kann dem Arzt beispielsweise aufzeigen, ob ein Beckenschiefstand oder eine Hüftgelenkfehlstellung vorliegt.

Die Ultraschall-Untersuchung dient dazu, Form und Struktur des betroffenen Körperbereichs genau zu untersuchen. Dadurch können sowohl größere Zerrungen als auch kleine Verletzungen zuverlässig festgestellt werden. Um dem Schweregrad der Leistenzerrung zu ermitteln, muss der Mediziner den Patienten in der Regel auch auf einen Muskelfaserriss hin untersuchen.

Ob eine Zerrung mit oder ohne Muskelfaserriss vorliegt, hat entscheidenden Einfluss auf die Therapie und Prognose des Patienten. Darum werden meist weitere Untersuchungsmethoden hinzugezogen, um den Schaden in allen Details feststellen zu können. Im Patientengespräch wird unter anderem geklärt, seit wann die Beschwerden auftreten und wie intensiv etwaige Schmerzen und Funktionsstörungen ausfallen. Anhand dieser Informationen kann der Arzt eine eindeutige Diagnose stellen und den Patienten gegebenenfalls an einen Facharzt verweisen.

Komplikationen

Eine ärztliche Behandlung vorausgesetzt, heilt eine Leistenzerrung meistens ohne größere weitere Beschwerden aus. In den ersten Tagen können die meist starken Schmerzen jedoch Probleme wie Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen hervorrufen. Die Erkrankung kann außerdem mit Schwellungen und Blutergüssen einhergehen, die ihrerseits mit einer Reihe von Komplikationen verbunden sind. Die Beweglichkeit des Betroffenen ist durch eine Leistenzerrung sehr stark eingeschränkt.

Damit einhergehend ist auch die Lebensqualität reduziert, wodurch sich gerade bei chronischen Beschwerden Komplikationen wie zum Beispiel depressive Verstimmungen ergeben können. Die Leistenzerrung kann außerdem Krämpfe und damit starke Schmerzen hervorrufen. Plötzliche Krämpfe sind mit einem erhöhten Unfallrisiko verbunden. Die Behandlung einer Leistenzerrung ruft meist keine Komplikationen hervor.

Allenfalls kann es durch die verordneten Schmerzmittel und Entzündungshemmer zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen kommen. Im Falle eines operativen Eingriffs können Blutungen, Infektionen und Wundheilstörungen nicht ausgeschlossen werden. Eine unsachgemäße Selbstbehandlung der Zerrung kann zu einer Verzögerung der Genesung führen. Im schlimmsten Fall nehmen die Beschwerden zu.

Behandlung und Therapie

Abhängig von der Schwere der Leistenzerrung kann der Heilungsprozess unterschiedlich lang andauern. Bei Verletzungen ersten Grades tritt bereits nach bis zu zehn Tagen eine Besserung ein, bei denen zweiten Grades nach bis zu sechs Wochen.

Bei Verletzungen dritten Grades kann die Heilung bis zu zehn Wochen andauern, bei ausgeprägten Leistenzerrungen ist eine Operation mit einer anschließenden Rehabilitationsphase von bis zu drei Monaten mitunter unausweichlich. Wichtig für den Heilungsprozess ist, sämtliche sportliche Aktivitäten unmittelbar nach dem Zuziehen der Verletzung zu unterlassen.

Insbesondere Dehnungsübungen und Übungen, die eine Spreizung der Beine beinhalten, führen nur zu einer Verschlimmerungen der Beschwerden und der Ursache.

Als hilfreich erweisen sich dagegen Kühlung durch Eiskompressen, da diese schmerzlindernd wirken und die Einblutung ins Gewebe stoppen. Dies wiederum entlastet den Druck auf die Adduktoren.

Im Falle einer akuten Verletzung kann es zudem helfen, die Beine hochzulegen, um die Oberschenkelmuskulatur zu entspannen.

Im weiteren Heilungsprozess werden Leistenzerrungen meist mit Reizstrom, Salben- und Kompressionsverbände, Lymphdrainagen und krankengymnastischen Übungen behandelt.

Nach der Regeneration ist es wichtig, die sportlichen Aktivitäten nur langsam anzugehen und über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen zur Vollbelastung zu steigern.

Einer Leistenzerrung kann vorgebeugt werden, indem die Adduktoren regelmäßig beim Aufwärmen gedehnt werden. Hilfreich können zudem Wärme- oder Kompressionshosen sein.



Bücher über Sportverletzungen

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Barbara kommentierte am 01.01.2018 um 19:42 Uhr

Seit drei Tagen nach jeweils 6 km schnellerem Gehen empfinde ich einen ziehenden Schmerz in der rechten Leistengegend. Der Schmerz dehnt sich in die rechte Hüfte aus, zudem ein Ziehen im Steißbein. Nach Ruhehaltung folgt schwieriges Aufstehen und Auftreten, Hinken, Einseitigkeit. Dadurch sind meine Schwachstellen HWS und LWS auch gleich wieder in akute Mitleidenschaft gezogen. Könnten Sie mir einen Tipp geben, was das nun wieder bedeuten soll?