Kieferschmerzen beim Kauen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 30. November 2016
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Die vielfältigen Ursachen für Kieferschmerzen beim Kauen sind frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln, um die dargestellten Folgeerkrankungen zu vermeiden. Vorbeugend kommen Maßnahmen zur Stressreduzierung sowie sportliche Aktivitäten und Massagen zur Lockerung der Muskulatur in Betracht. Wichtig ist, dass ein qualifiziertes Spezialistenteam in Diagnose und Behandlung eingebunden ist, damit die Komplexität diagnostisch und therapeutisch abgedeckt wird. Die Mitarbeit der Patienten ist meistens eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Therapieverlauf.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Kieferschmerzen beim Kauen?

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Medikamente gegen: Schmerzen

Die Symptomatik ist so vielseitig, dass eine genaue Definition kaum möglich erscheint. Auf jeden Fall beruht die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) oder Myoarthropathie (gemeinsames Auftreten von Kaumuskelschmerzen und Kiefergelenkschmerzen) verbunden mit einem Kaumuskelschmerz (Myalgie bzw. Myopathie) und / oder einem Kiefergelenksschmerz (Arthralgie bzw. Arthropathie) einerseits auf dem schmerzhaften Unvermögen, feste Nahrung zu kauen, Sprache zu artikulieren oder andererseits einfach nur eine entspannte Kiefer- und Gesichtsstellung einzunehmen.

Eine Fehlfunktion in einem Teilbereich des in Gänze zu sehenden craniomandibulären Systems kann zu Fehlfunktionen in anderen Teilkomponenten des komplexen Systems führen. Auswirkungen auf andere Körperregionen sind nicht auszuschließen. Das Schmerzgedächtnis der Betroffenen ist ein weiterer Punkt, der bei allen Therapien zu berücksichtigen ist.

Ursachen

Schmerzen beim Kauen und im Gesicht auftreten, können von Nervenendungen der Gesichts- und Nackenmuskulatur, dem Mittelohr, den Schleimhäuten der Nasennebenhöhlen aber auch den Zähnen und dem Kiefergelenk über sensible Nervenendungen an den Hirnstamm geleitet werden und den spinalen Kern des Trigeminusnervs erreichen. Die Schmerzen werden dezentral empfunden. Ist der Schmerz leitende Nerv entzündet, liegt eine Neuritis bzw. eine Neuralgie vor.

Ein atypischer Schmerz liegt vor, wenn weder anatomische Veränderungen noch eine Neuritis oder Neuralgie diagnostiziert werden. Eine Kieferblockade ist als weitere Ursache auszuschließen. Wird mit einer MRT-Untersuchung festgestellt, dass der Diskus im Kiefergelenk bei geschlossenem Mund nicht auf dem Gelenkkopf des Unterkiefers liegt, kann die Diskusluxation für die Schmerzen verantwortlich sein.

Ist die Knorpelscheibe verrutscht, liegt eine Diskusverlagerung mit Reposition als mögliche Ursache für die Schmerzen beim Kauen oder für andere Symptome vor. Eine Diskusverlagerung ohne Reposition führt zu Mundöffnungsblockaden ohne Kiefergelenksknacken und macht das Kauen unmöglich. Bei zu später Behandlung kann es zu Adhäsionen (Verwachsungen) kommen.

Liegt der Schmerz direkt im Kiefergelenk, kann von einer akuten Entzündung durch frei gewordene Eiweißstoffe aus dem geschädigten Knorpel, Knochen oder Bindegewebe ausgegangen werden, die nicht nur die Innenschicht der Gelenkkapsel, sondern auch die gesunden Knochen und Knorpelbereiche angreifen, was zu einer Synovitis oder Kapsulitis führen kann. Eine zu späte oder ausbleibende Behandlung kann zu Gelenkarthrose im Kiefergelenk führen. Die Gelenkflüssigkeit ist häufig vermehrt, was als Kiefergelenkerguss bezeichnet wird.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Eine effektive und zielführende Diagnostik dieser komplexen Funktionsstörung beginnt für eine optimale Behandlung mit einem spezialisierten Team von Fachärzten unterschiedlicher Fachrichtungen. Zu einem solchen Team gehören nicht nur die Spezialisten für CMD-Problematiken sowie Kieferorthopäden und Prothetiker, sondern auch Neurologen, Psychologen und Physiotherapeuten.

Die Diagnose beginnt mit spezifischen Fragen zur Komplexität und Intensität der bestehenden Symptomatik. So wird zum Beispiel erfragt, ob eine Kieferklemme besteht oder die Mundöffnung temporär oder konstant schmerzhaft ist. Auch die Fragen, ob es zum “Knacken“ im Gelenk kommt, wenn der Mund bewegt wird, oder ob nächtliches Zähneknirschen vorliegt, gehören zur Diagnoseerhebung. Weiterhin sind die Fragen, ob die Kiefergelenksbewegungen manchmal blockiert sind oder tagsüber ein Aufeinanderpressen der Zähne beobachtet wird, im Rahmen einer Anamnese zu klären. Dies gilt auch für die Frage, ob Schmerzen im Schläfen- und Wangenbereich vorliegen.

Im weiteren Verlauf kann es zu Nervenschmerzen und Kopfschmerzen bis hin zu Ohrenschmerzen und Auswirkungen auf die Vorverdauung der Speisen im Mund mit weiterführenden Auswirkungen auf die Verdauung im Magen-Darm-Trakt kommen. Je nach Ursache für die Schmerzen beim Kauen kann eine Synovitis, Kapsulitis oder Gelenkarthrose entstehen.

Behandlung und Therapie

Der Therapieansatz wird sich in den meisten Fällen zunächst auf die konservativen Methoden konzentrieren. Eine Schienentherapie steht am Anfang. Je nach Diagnose wird eine Aufbissschiene = Oklusionsschiene, eine Relaxionsschiene oder eine Stabilisationsschiene entsprechend den anatomischen Bedingungen angefertigt. Auch eine Dekompressionsschiene oder Vertikalisationsschiene bzw. Repositionsschiene kann verordnet werden, wenn eine Erfordernis vorliegt.

Die Einstellung dieser Schienen für den Ober- oder Unterkiefer erfolgt entsprechend der therapeutischen Notwendigkeit. Schmerzt hauptsächlich die Kaumuskulatur, ist Physiotherapie angesagt. Mit ihr kann auch die geschrumpfte Gelenkkapsel gedehnt werden. Der Nacken, die Schultermuskulatur und die körperliche Symmetrie stehen im Blickfeld des Therapeuten.

Zur Anwendung kommen:

  • Wärme- oder Kälteanwendungen
  • Massagen

Zähneknirschen als Ursache für Schmerzen beim Kauen kann auf Stress beruhen. Entspannungsübungen, Biofeedback, Muskelentspannung und autogenes Training sind diesbezüglich eine adäquate Therapie. Die medikamentöse Versorgung erfolgt meistens mit einem entzündungshemmenden Präparat, einem nichtsteroidalen Antirheumatikum. Sind die Schmerzen und / oder Probleme durch fehlende Zähne verursacht, ist eine Prothese als Zahnersatz anzufertigen, damit die Kiefergelenke wieder entlastet werden.

Eine arthroskopische Operation ist beispielsweise bei einer Adhäsion (Verwachsung) durch Kieferblockaden auch nach Monaten oder Jahren erfolgreich möglich. Entzündliche Adhäsionen bei einer Diskusverlagerung ohne Reposition werden arthroskopisch-chirurgisch mit einer Mikroschere durchtrennt. Eine offene Kiefergelenkoperation ist lt. Meinung führender Kieferchirurgen und CMD-Spezialisten meist nicht erforderlich. Dadurch sinkt die Gefahr einer Beschädigung des Gesichtsnervs erheblich. Auch kommt es zu keiner Verletzung der Gesichtshaut und der darunter befindlichen Gewebeschichten. Lange Krankenhausaufenthalte erübrigen sich.

Bestätigt sich mittels Arthroskopie eine Synovitis bzw. Kapsulitis oder auch ein Gelenkerguss, wird nach erfolgloser konservativer Versorgung mit einer Schiene und entzündungshemmenden Medikamenten operativ im minimalinvasiven Verfahren behandelt, damit kein chronisches Schmerzbild entsteht.



Vorbeugung

Wer ständig unter Strom steht, kaum Zeit findet, einmal abzuschalten und sich am besten auch noch für alles verantwortlich fühlt, sollte unbedingt einen Gang zurückzuschalten. Yoga, autogenes Training oder einfach alles, was Spaß macht, sind geeignete Mittel, um Stress als Auslöser zu vermeiden. Treten bereits die ersten Symptome auf, kann eine Schmerztherapie helfen, um das Schmerzgedächtnis zu überlisten.

Sehr bewährt hat sich die Muskelentspannung nach Jacobson, bei der mit gezielten Übungen die Kiefermuskulatur gelockert wird. Wer eine Anfälligkeit für die genannten Problematiken bei sich feststellt, verzichtet besser auf Kaugummikauen, weil die Gelenke damit überfordert sind. Patienten mit Zahnprothesen sollten darauf achten, dass die Ober- und Unterkieferzähne in allen Bewegungsabläufen auf Dauer richtig aufeinanderstoßen. Ist dies nicht (mehr) der Fall, sollte eine Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

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