Hodentorsion

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Juli 2015
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Bei einer Hodentorsion (Hodenstieldrehung) verdrehen sich Hoden und Samenstrang partiell oder total, teilweise auch mehrfach um die eigene Längsachse. Hierbei handelt es sich um einen urologischen Notfall, da die Blutzufuhr zum Hoden abgeschnitten wird, wodurch dieser absterben kann. Die Hodentorsion tritt besonders häufig im ersten Lebensjahr oder in der Pubertät auf, kann jedoch auch andere Altersgruppen betreffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hodentorsion (Hodenstieldrehung)?

Die Hodentorsion ist eine akute Drehung des Hodens um den Samenstrang, wodurch es zu einer unmittelbaren Verminderung oder vollständigen Unterbrechung der Hodendurchblutung kommt. Der Hodensack füllt sich im weiteren Verlauf mit Blut, die Arterien werden zugedrückt und eine Versorgung des Hodens mit Sauerstoff und Nährstoffen ist nicht mehr möglich.

Je nach Ausmaß der Durchblutungsstörung kann der Hoden innerhalb von sechs bis acht Stunden irreversibel geschädigt werden, wenn keine rechtzeitige Behandlung erfolgt. Bei einem Komplettverschluss des venösen Abflusses infolge einer Hodentorsion kommt es zur hämorrhagischen Infarzierung und zur Nekrose von Hodengewebe.

Ursachen

Ursache für eine Hodentorsion ist eine angeborene übermäßige Beweglichkeit des Hodens innerhalb der Hodenhülle und seiner Aufhängung. Besonders anfällig für eine Hodentorsion sind Hoden, bei denen der Abstieg in den Hodensack nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erfolgte, wie z. B. beim Hodenhochstand.

Auch die sogenannte Bell-clapper-Anomalie, bei welcher der Hoden eher horizontal als vertikal im Hodensack liegt, kann einer Hodentorsion Vorschub leisten. Bei entsprechender Veranlagung kommt eine Hodentorsion zum Teil schon bei ganz gewöhnlichen Bewegungen vor. Das Krankheitsbild tritt in 50 Prozent der Fälle nachts im Schlaf auf. Auch während der sportlichen Betätigung oder durch Sportunfälle kann es zu einer Hodentorsion kommen.

Symptome und Verlauf

Typische Smptome von Hodentorsion:

Bei einer Hodentorsion unterscheidet sich die Ausprägung der Symptome je nach Alter des Betroffenen. Tritt die Verdrehung des Hodens bereits vor der Geburt auf, so ist sie zumeist nicht mit Schmerzen verbunden. Der Hoden ist jedoch hart und verfärbt. Sind Säuglinge oder Kleinkinder betroffen, so kommt es zu diffusen Bauchschmerzen.

Die Kinder verweigern oft die Nahrung und sind unruhig. In einigen Fällen kommt es zum Erbrechen. Zumeist ist der Hoden geschwollen und verfärbt sich durch den Blutstau in den Venen bläulich. Seltener ist der Hodensack leer, während in der Leiste eine Schwellung sichtbar ist.

Bei Heranwachsenden ist das Leitsymptom für eine Hodentorsion ein plötzlich auftretender, extrem starker Schmerz in einer Hälfte des Hodensacks, der bis in die Leiste und in den Unterbauch ausstrahlen kann. Der Hoden steht hoch, schwillt an und ist gerötet oder blau verfärbt. Begleitend können bei einer Hodentorsion Schocksymptome wie Schweißausbruch, Übelkeit, Erbrechen und Tachykardie auftreten.

Durch die Hodentorsion kann es zur Abklemmung der Hodenvene kommen. Ist gleichzeitig die Arterie frei, kommt es im Hoden zu einem Blutstau, der eine schmerzhafte Schwellung zur Folge hat. Bei abgeklemmter Arterie ist die Durchblutung des Hodens vermindert. Eine längere Störung der Durchblutung führt mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit zu einer nachhaltigen Schädigung des Hodengewebes. Daraus folgend kann die Spermienbildung gestört sein. Auch kann es sein, dass der Hoden infolge einer Hodentorsion kein männliches Geschlechtshormon (Testosteron) mehr bilden kann. Die Fruchtbarkeit bleibt jedoch erhalten, solange der zweite Hoden intakt ist.

Diagnose

Oft kann eine Hodentorsion bereits aufgrund der typischen Symptome und des Alters des Patienten festgestellt werden. Durch eine manuelle Untersuchung (Abtasten) der Hoden kann der Arzt zumeist schon eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung, die von ähnlichen Beschwerden gekennzeichnet sind, ausschließen. Das Anheben der Hoden wird bei einer Hodentorsion als extrem schmerzhaft empfunden. Zudem fehlt am betroffenen Hoden der Hodenheber-Reflex. Durch diesen würde sich beim Streichen über die Innenseite der Oberschenkel der Hoden nach oben bewegen, was bei einer Hodentorsion nicht geschieht. Meist steht der gedrehte Hoden ohnehin bereits höher und ist relativ unbeweglich. Eine Ultraschalluntersuchung, bei der die Hoden und deren Durchblutung farblich dargestellt werden, kann Aufschluss darüber geben, wie stark die Blutgefäße infolge der Hodentorsion abgeschnürt sind.

Behandlung und Therapie

Zumeist erfolgt bei einer Hodentorsion innerhalb kürzester Zeit eine Operation. Bei diesem Eingriff wird der betroffene Hoden in seine normale Lage zurückgedreht. Ist die Durchblutung wieder gewährleistet, erholt sich der Hoden zumeist recht schnell. Bei einer nur teilweisen Schädigung verbleibt der Hoden im Hodensack. In diesem Fall wird er zur Vorbeugung einer weiteren Hodentorsion mit dem Hodensack vernäht und dadurch seine Beweglichkeit eingeschränkt.

Da für die Entstehung der Hodentorsion oft angeborene Risikofaktoren ursächlich sind, empfiehlt es sich, gleichzeitig oder bei einer späteren Operation den anderen Hoden ebenfalls fixieren zu lassen.

Ist der Hoden infolge der Hodentorsion vollständig geschädigt, wird er entfernt. Im Erwachsenenalter ist später der Einsatz eine Hodenprothese möglich.

Die angeborene anomale Beweglichkeit der Hoden, die als Ursache für eine Hodentorsion gilt, kann nicht beeinflusst werden. Ob bei einem Kind eine atypische Entwicklung der Hodenhüllen oder des Samenstrangs vorliegt, kann ein Kinderarzt feststellen, der gegebenenfalls auch die entsprechende Behandlung einleitet.

Um eine Hodentorsion von vornherein zu vermeiden, sollten Männer bei der Ausübung risikoreicher Sportarten einen Hodenschutz anlegen, auch wenn dieser nicht zwingend vorgeschrieben ist. Da eine Hodentorsion ein akuter Notfall ist, sollte schon bei den ersten Beschwerden ein Arzt aufgesucht werden, um weitreichende Folgeschäden zu vermeiden.

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Vorbeugung

Ein Hodenhochstand kann nicht mit vorbeugenden Maßnahmen vermieden werden. Da die Ursachen wie z.B. Störungen im Hormonhaushalt, verzögerte Entwicklung oder andere anatomische Deformationen nicht beeinflusst werden können, kann der Hodenhochstand nur behandelt werden. Jedoch lassen sich prophylaktische Maßnahmen für evtl. auftretende Folgeschäden ergreifen. Durch frühzeitige Kontrolle der Hoden und einer rechtzeitigen Behandlung des Hodenhochstands kann man Hodentorsionen, Unfruchtbarkeit als auch Hodenkrebs vorbeugen.

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