Hüftdysplasie (Hüftluxation)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. März 2015
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Die Diagnose Hüftdysplasie erhalten etwa zwei bis drei Prozent der Neugeborenen. Dank moderner Diagnosetechniken werden die meisten Fälle frühzeitig erkannt, daher sind die Prognosen gut. Oft helfen schon Spreizwindeln und geeignete Tragetechniken, um die Hüfte des Babys gesund ausreifen zu lassen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hüftdysplasie?

Bei einer Hüftdysplasie oder Hüftgelenkdysplasie ist die Hüftgelenkpfanne fehlgebildet. Die Fehlstellung kann angeboren oder erworben sein. Zusätzlich zur Hüftdysplasie kann in selteneren Fällen eine Hüftluxation entstehen. Dann ist der Hüftkopf ganz oder teilweise aus der Pfanne verschoben.

Bei Neugeborenen sind bei der Geburt die knorpelig angelegten Hüftpfannen noch nicht ausreichend verknöchert. Damit sind sie zu steil und zu flach, um den Hüftkopf stabil halten zu können. Durch das Neugeborenenscreening werden Hüftdysplasien meist früh entdeckt und behandelt, sodass Erwachsene selten betroffen sind.

Ursachen von Hüftdysplasie

Begünstigend für Hüftdysplasien und Hüftluxationen wirken alle Zustände, in denen das Ungeborene wenig Platz im Mutterleib hat. Dazu zählen Mehrlingsschwangerschaften, Fruchtwassermangel (weniger als 200-500 ml), Beckenendlagen bzw. Steißlagen und Bluthochdruck der Mutter. Bei Erstschwangerschaften treten Dysplasien und Luxationen öfter auf als bei weiteren Schwangerschaften.

Durch den Platzmangel und die eingeschränkte Beweglichkeit des Ungeboren verschiebt sich der Hüftkopf in der Hüftgelenkpfanne und drückt gegen den Hüftpfannenrand. Dieser verformt sich – so kommt es zur Luxation. Mädchen sind sechsmal häufiger betroffen als Jungen. Während der Schwangerschaft produziert der mütterliche Körper Hormone, die den Beckenring der Mutter lockern. Diese Hormone wirken auch auf die Hüftgelenkkapsel von weiblichen Föten. Das Hüftgelenk des kindlichen Beckens ist schlaff und anfälliger für eine Luxation.

Eine Neigung zur Hüftdysplasie kann auch erblich bedingt sein. In bestimmten Familien oder Gegenden treten Hüftdysplasien gehäuft auf. In diesen Fällen wird von Dysplasienestern gesprochen.

Symptome und Verlauf von Hüftdysplasie

Typische Symptome einer Hüftdysplasie:

Ein erster Hinweis auf das Bestehen einer Hüftdysplasie ist häufig eine Asymmetrie der Pofalten. Ein Bein scheint kürzer zu sein als das andere. Beim Strampeln kann eine eingeschränkte Beweglichkeit der betroffenen Hüfte festgestellt werden. Ein Bein lässt sich möglicherweise nicht abspreizen. Das Hüftgelenk ist insgesamt instabil. In der Regel ist nur ein Hüftgelenk betroffen. Es kann aber auch zu Dysplasien an beiden Hüftgelenken kommen.

Eine nicht erkannte und unbehandelte Hüftdysplasie führt dazu, dass Kinder Schmerzen haben und später mit dem Gehen beginnen. Eine Hüftseite sinkt leicht ein. Unbehandelt führt eine Hüftdysplasie zu starken Schmerzen im Leisten- und Hüftbereich und Gangstörungen, letztendlich auch zur Hüftgelenksarthrose.

Diagnose von Hüftdysplasie

Liegen Symptome einer Hüftdysplasie vor, kann der untersuchende Arzt mithilfe des Ortolani-Zeichens überprüfen, ob durch Druck nach hinten und anschließendes Abspreizen der Oberschenkel aus der Gelenkpfanne herausgedrückt und wieder hereingehebelt werden kann. Diese Untersuchungsmethode ist umstritten und sollte nicht oft wiederholt werden, da es zu Schäden kommen kann. Der Verdacht auf eine Hüftdysplasie wird in der Regel mittels Sonographie, seltener auch durch Röntgenaufnahmen und Kernspin- oder Computertomographie überprüft.

Behandlung von Hüftdysplasie

Bei den meisten Neugeborenen mit Hüftdysplasie ist keine Operation notwendig. Mithilfe von Spreizwindeln bzw. verschiedenen Techniken des „breit Wickelns“ wird die Hüfte in eine vorteilhafte Stellung gebracht. Für stärker ausgeprägte Symptomatiken kommt eine Abspreizschiene zum Einsatz. In seltenen Fällen ist eine Ruhigstellung durch einen Spreizgips angezeigt.

Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Schwere der Dysplasie und dem Verlauf der Behandlung. Bei normaler motorischer Entwicklung reift die Hüftdysplasie bei Neugeborenen in der Regel innerhalb von zwei Monaten ohne Spätfolgen aus. Zur Überwachung des Therapieverlaufs genügt die Ultraschalluntersuchung beim Kinderarzt. In seltenen Fällen bzw. wenn die Hüftdysplasie nicht im frühen Kindesalter erkannt und behandelt wird, ist eine Operation erforderlich. Hierbei stehen mehrere Operationsverfahren zur Auswahl.

Zur Behandlung Erwachsener wird häufig auch Krankengymnastik eingesetzt. Dabei werden verkürzte Muskeln gedehnt und gelockert sowie Schonhaltungen aufgelöst. Einlegesohlen in orthopädisch angepassten Schuhen helfen, das Hüftgelenk zu entlasten und in der korrekten Position zu stabilisieren. Vom Barfußlaufen auf harten Böden sollte abgesehen werden. Flipflops und alle Schuhe mit harten Sohlen sind ungeeignet. Gegen Schmerzen und um Entzündungen vorzubeugen werden Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Paracetamol verwendet.

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Vorbeugung von Hüftdysplasie

Eine echte Vorbeugung von Hüftdysplasien ist nicht möglich. Eltern von Neugeborenen können aber einiges tun, um die noch unreife Hüfte ihres Babys in ihrer gesunden Entwicklung zu unterstützen. Alle Babys, vor allem aber Kinder mit Hüftdysplasie, sollten die Beine möglichst häufig in die Beugehaltung bringen, die sie im Mutterleib eingenommen haben.

Das Schlafen in Bauchlage ist für ganz kleine Babys also (neben dem Risiko des plötzlichen Kindstods) von Nachteil, denn hierbei wird das Hüftgelenk gestreckt. Förderlich ist dagegen das Tragen in einem Tragetuch. Bei Völkern, in denen die Neugeborenen viel in Tüchern getragen werden, kommt die Hüftdysplasie kaum vor. In Kulturen, die ihre Neugeborenen auf so genannte Wickelbretter wickeln, kommt zur Hüftdysplasie dagegen oft noch eine Hüftluxation.

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