Gefühlsstörungen im Gesicht

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 2. November 2016
Gesundpedia.deSymptome Gefühlsstörungen im Gesicht

Gefühlsstörungen sind durch veränderte Wahrnehmungen von Temperatur-, Schmerz-, Berührungs- oder Vibrationsreizen gekennzeichnet. Alle Körperoberflächen können davon betroffen sein. Gefühlsstörungen im Gesicht deuten oft auf bestimmte Erkrankungen hin. Allerdings können sie auch eine harmlose Ursache haben und schnell wieder verschwinden. Bei plötzlich auftretenden Missempfindungen im Gesicht sollte jedoch unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Gefühlsstörungen im Gesicht?

Gefühlsstörungen werden oft auch als Sensibilitätsstörungen bezeichnet. Sie äußern sich als Wahrnehmensveränderungen bei bestimmten Reizen, die durch das periphere Nervensystem vermittelt werden. Diese Missempfindungen können am ganzen Körper auftreten, unter anderem auch im Gesicht. Bei den Sensibilitätsstörungen werden Wärme-, Kälte-, Berührungs-, Vibrations- oder Schmerzreize anders wahrgenommen als bei einer normalen Reizweiterleitung. Es treten sogenannte Parästhesien (Kribbeln, Ameisenlaufen) und Taubheitsgefühle auf.

Durch vielfältige Ursachen können die Nervenimpulse vom Gehirn nicht mehr richtig übertragen werden. So kommt es zuweilen zu einer übersteigerten Reizweiterleitung. In anderen Fällen ist die Reizweiterleitung verringert oder fällt ganz aus. Allein von den Missempfindungen bereits auf eine bestimmte Ursache zu schließen, ist in den meisten Fällen nicht möglich. Allerdings kann die Lokalisation der Empfindungsstörungen wichtige Hinweise auf mögliche auslösende Erkrankungen geben. Manchmal sind direkt am Ort der Parästhesien die entsprechenden Nerven betroffen. In anderen Fällen liegt die Ursache in einer übergeordneten Schaltstelle des Gehirns, des Rückenmarks oder des Hormonsystems.

Ursachen

Allgemein werden Empfindungsstörungen durch Störungen der Signalweiterleitung innerhalb des peripheren Nervensystems hervorgerufen. Die Ursachen für diese Weiterleitungsstörungen sind allerdings vielfältig. So kann eine direkte Störung der Nervenfunktion, eine Durchblutungsstörung oder eine hormonelle Fehlregulation vorliegen. Direkte Nervenfunktionsstörungen entwickeln sich unter anderem aus Nervenentzündungen, Abklemmungen von Nerven, Nervenzerstörung durch äußere Einflüsse wie Hitze oder Kälte, Infektionen des Nervensystems oder auch Fehlregulation im Rahmen von somatoformen Störungen.

Bei Durchblutungsstörungen werden die entsprechenden Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt und können daher ihre Funktionen nicht mehr richtig erfüllen. Auch hormonelle Fehlregulationen, die sich auf die Reizweiterleitung durch Neurotransmitter auswirken, können zu Missempfindungen führen. Wie bei allen anderen Sensibilitätsstörungen gibt es auch für die Gefühlsstörungen im Gesicht mehrere Ursachen. Bei plötzlich auftretenden Parästhesien und Taubheitsgefühlen kann es sich um einen Schlaganfall handeln, besonders wenn dazu noch halbseitige Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen kommen.

Allerdings muss nicht immer ein Schlaganfall vorliegen. Auch plötzlich auftretende Migräneanfälle deuten sich durch Missempfindungen im Gesicht an. In manchen Fällen werden diese Gefühlsstörungen im Gesicht auch durch Hirntumoren hervorgerufen, wenn der Tumor aus Platzgründen wichtige Nerven verdrängt. Schnell einsetzendes Missempfinden im Gesicht entwickelt sich zuweilen auch bei Hirnhautentzündungen oder sonstigen Infektionen mit Abszessbildung im Hirnbereich.

Taubheitsgefühle im Gesicht treten manchmal auch bei einer multiplen Sklerose auf. Die multiple Sklerose gilt als Erkrankung mit vielen verschiedenen Symptomen, die bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt sein können. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei welcher die Hüllschicht der Nervenfasern angegriffen wird. Somit kann die Nervenfunktion an vielen unterschiedlichen Stellen des Körpers lahmgelegt werden.

Gefühlsstörungen im Gesicht können auch durch Verbrennungen oder Erfrierungen an den Gesichtsnerven entstehen. Andere Ursachen sind unter anderem Herpesinfektionen, Allergien, Verletzungen von Gesichtsnerven, Unterfunktion der Nebenschilddrüsen und Tumoren am Gleichgewichts- oder Hörnerv. Auch Durchblutungsstörungen im Rahmen des Raynaudsyndroms können neben Missempfindungen in Händen und Füßen auch zu Gefühlsstörungen an Ohren und Nase führen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Diese Vielfalt der möglichen Ursachen macht es dem Arzt oftmals nicht ganz einfach, die richtige Diagnose zu stellen. Allerdings gibt es typische Anzeichen beim Auftreten eines Schlaganfalls. Neben den Gefühlsstörungen im Gesicht treten meist auch halbseitige Lähmungserscheinungen auf. Das Sprechen ist oft erschwert. In diesen Fällen kann schnell die Verdachtsdiagnose Schlaganfall gestellt werden. Weitere Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren bestätigen die Diagnose meist. Wenn der betroffene Patient an Migräneanfällen leidet, kann bei plötzlichem Missempfinden im Gesicht selbstverständlich schnell auf Anzeichen eines nächsten Anfalls geschlossen werden.

Bei multipler Sklerose tritt manchmal eine Gefühlsstörung im Gesicht auf. Das ist nicht immer der Fall. Wenn jedoch ein Missempfinden im Gesicht hinzukommt, kann ein Zusammenhang mit dieser Erkrankung hergestellt werden. Bei unklaren Ursachen muss die zugrunde liegende Erkrankung durch Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren ermittelt werden. In vielen Fällen ist jedoch hier die Ursache im Gesichts- oder Kopfbereich lokalisiert. So sollten nach Verletzungen von Gesichtsnerven, Tumore im Kopfbereich oder Infektionen gesucht werden. Werden auch hier keine Ursachen gefunden, kann noch die Aktivität der Nebenschilddrüsen untersucht werden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Gefühlsstörungen im Gesicht richtet sich selbstverständlich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Wenn ein Schlaganfall diagnostiziert wird, muss schnell gehandelt werden. Die Vitalfunktionen des Körpers zur Versorgung mit Sauerstoff und der Aufrechterhaltung des normalen Blutdrucks, des Blutzuckers und der Körpertemperatur müssen gewährleistet werden. Je nach Schwere der Störung werden dann Maßnahmen wie Thrombolyse (Auflösung des Blutgerinnsels), Katheterintervention oder Operation durchgeführt. Migräneanfälle werden medikamentös behandelt. Zur Linderung der Symptome tragen Schmerzmittel auf Basis von Nichtopioid-Analgetika und nichtsteroidalen Antirheumatika bei.

Eine multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung und bedarf deshalb einer Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten. Symptomatisch müssen hartnäckige Sprech- und Schluckstörungen durch logopädische Maßnahmen behandelt werden. Eventuell ist bei ausgeprägten Schluckstörungen eine parenterale Ernährung notwendig. Gesichtsnervenlähmungen werden nach ihrer Ursache behandelt. Bei Nervenverletzungen kann der beschädigte Nerv eventuell im Rahmen einer Operation wieder hergestellt werden.

Nerven verdrängende Tumoren müssen unabhängig von ihrer Malignität chirurgisch entfernt werden, um die betroffenen Nerven zu entlasten. Idiopathische Nervenlähmungen (Nervenlähmungen mit unbekannter Ursache) können oft erfolgreich mit Kortison und krankengymnastischen Übungen des Gesichtes behandelt werden. Nervenlähmungen durch Ohrenentzündung oder Borreliose verschwinden nur durch Behandlung der Grundkrankheit.



Vorbeugung

Die Vorbeugung vor Gefühlsstörungen im Gesicht ist durch eine gesunde Lebensweise möglich. Eine der Hauptursachen dieser Missempfindungen ist der Schlaganfall, der auf eine Arteriosklerose zurückgehen kann.

Ausgewogene Ernährung, viel Bewegung sowie Verzicht auf Alkohol und Rauchen vermindert das Risiko auf Arteriosklerose. Auch für viele andere Ursachen von Missempfindungen im Gesicht gibt es Hinweise, dass eine gesunde Lebensweise das Risiko ihres Auftretens senkt.

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