Beifuß-Allergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Juni 2017
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Beifuß gilt als aggressivstes Allergen unter den heimischen Kräutern. Eine Kreuzallergie mit der Ambrosiapflanze ist sehr häufig zu beobachten. Der Prick-Test gibt Aufschluss über den Grad der Beifuß- oder Beifuß-Ambrosia-Allergie. Die Behandlung erfolgt entweder mit entzündungshemmenden Salben, einem Antihistaminika oder in schweren Fällen mit Cortison. Die beste Vorbeugung ist der Aufenthalt in der freien Natur bereits als Kleinkind, damit das Immunsystem ausreichend stimuliert wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Beifuß-Allergie?

Beifuß (lat. Artemisia-Vulgaris), ein Korbblütler, der auch Gewürzbeifuß, Gänsekraut oder auch Wilder Wermut genannt wird, hat seine Hauptblütezeit von Mitte Juli bis ungefähr Mitte August. Vorher und nachher ist jeweils ein schwacher Anstieg bzw. ein langsamer Rückgang der Pollenbelastung festzustellen. Ende September endet der Pollenflug dieser Kräuterart. Sie gehört zu den häufigsten Auslösern für eine Pollenallergie und den Heuschnupfen. Der Beifuß gilt bezüglich seiner Allergene als besonders aggressiv.

Ursachen

Das Allergen der Beifußpflanze ist stärker als die Allergene von anderen heimischen Pflanzen in unseren Breitengraden. Weil die Allergene so massiv in ihrer Wirkung sind, reicht bereits die Konfrontation mit einer ganz geringen allergenen Dosis.

Die Ursache für die Gefahr von Kreuzallergien besteht darin, dass das Küchenkraut Beifuß mit vielen der anderen Kräuter und Gemüsesorten verwandt ist und deshalb die Eiweißstoffe identisch sind. Ursächlich sind deswegen vor allem die Kamille, der Kren sowie die Gemüsesorten Sellerie, Fenchel, Paprika, Kartoffel, Karotten und Tomaten hoch allergen in diesem Zusammenhang. Dies gilt auch für die Gewürze Oregano, Kümmel, Curry, Pfeffer und Anis sowie Koriander. Eine allergische Reaktion mit diesen Kräutern, Gemüsesorten und Gewürzen entsteht bereits durch den Kontakt.

Wann zum Arzt?

Bei der Beifuß-Allergie muss in der Regel kein Arzt aufgesucht werden. Da es sich beim Allergen nicht um einen Stoff oder um ein Lebensmittel handelt, das besonders oft verzehrt wird, kann der Patient in der Regel auf die Pflanze verzichten. Durch den Verzicht auf Beifuß wird auch die Beifuß-Allergie eingeschränkt und tritt dabei nicht mehr auf. Sollte es ohne Kontakt zu Beifuß zu keinen besonderen Komplikationen kommen, so ist keine ärztliche Behandlung notwendig.

Ein Arzt kann dann aufgesucht werden, wenn die Beifuß-Allergie nicht vermieden werden kann und der Betroffene mit Beifuß oft in Kontakt kommt. Dabei können dem Patienten Allergene verabreicht werden, damit der Körper auf Beifuß nicht mehr durch eine allergische Reaktion regiert. Der Besuch beim Arzt ist auch dann zu empfehlen, wenn die Symptome der Beifuß-Allergie nicht von alleine nach einer kurzen Zeit verschwinden und lange anhalten. Dazu gehören vor allem starke Rötungen und ein Juckreiz. Auch die Atemwege sind von der Beifuß-Allergie betroffen. In diesen Fällen sollte ein Arzt um Rat gefragt werden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome:

Auch wenn Beifuß in der Küche als leckeres Gewürz oder Gemüse beliebt ist, fürchten Allergiker dieses Kraut wie kaum ein anderes. Nicht zu unrecht, wenn man bedenkt, dass die Allergene vom Beifuß stärker sind als die von anderen heimischen Pflanzen.

Allergische Reaktionen zeigen sich vor allem auf der Haut in Form von Rötungen, Pusteln und Ekzemen (bes. bei Neurodermitis) sowie als Nesselsucht (Urticaria). Kommt es zu einem längeren Verlauf verdickt sich die Haut (med. licheninfiziert). Auch die Bildung von Knötchen, Bläschen und Krusten ist möglich.

Weil das Beifußgewächs mit vielen anderen Kräutern verwandt ist, kann es schnell zu Kreuzallergien kommen. Das bedeutet, dass im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln Symptome wie bei anderen Pollenallergien auftreten können. Weitere symptomatische Anzeichen sind geschwollene und tränende Augen sowie im weiteren Verlauf der mehr oder weniger starke Schnupfen. Tritt dieser mit einer Bindehautentzündung zusammen auf, ist die Rede von einer Rhinokonjunktivitis.

Auch der Heuschnupfen (Pollinosis) kann durch eine Allergie auf Beifuß, evtl. auch in Verbindung mit Ambrosia, ausgelöst werden. Ob der Schnupfen durch die Ambrosia oder den Beifuß ausgelöst wird, kann klinisch nicht unterschieden werden. Auf beide Pflanzen wird oral allergisch reagiert. Etwa 25 % der Betroffenen klagen auch über Reizungen der unteren Atemwege und Atemnot bis hin zu Asthmaanfällen. Die asthmatischen Symptome, die in ein allergisches Asthma mit massiven Symptomen übergehen können, werden durch beide Pollen als Früh- oder Spätreaktion ausgelöst. Es wird eine mehr oder weniger starke allergische Sofortreaktion vom Typ I inklusive der Bildung von Ig E-Antikörpern ausgelöst, sobald die Schleimhäute mit den Pollen in Berührung kommen.

Diagnose

Eine umfangreiche Anamnese sollte einer Sensibilisierung immer vorausgehen. Eine sichere Methode, um eine Beifußallergie oder auch Ambrosiaallergie zu bestätigen oder auszuschließen bietet der Prick-Test. Dabei wird die Haut mit dem Allergen des Beifußgewächses beträufelt. Bis zu eventuellen allergischen Anzeichen dauert es nur wenige Minuten.

Vielfach ist auch der sogenannte Beifuß-Ambrosia-Komplex mit im Spiel. Die Ambrosiapflanze besitzt die höchste Kreuzaktivität zum gemeinen Beifuß. Deshalb kann nicht isoliert von einem Ambrosiaproblem gesprochen werden. Vielmehr ist auch diagnostisch die wechselseitige Beeinflussung von beiden Sensibilisierungsformen im Ambrosia-Beifuß-Kokmplex zu berücksichtigen.

Weiterhin ist wichtig zu wissen, dass sich die Pollensaison von Beifuß und Ambrosia überschneidet. Deshalb sollte mit einem Nasen- oder Konjunktivaltest die Aktualität einer bereits diagnostizierten Sensibilisierung überprüft werden. Ist eine spezifische Immuntherapie angedacht, werden diese beiden Testverfahren als dringend erforderlich angesehen.

Komplikationen

In den meisten Fällen führt die Beifuß-Allergie nicht zu besonderen Komplikationen oder Beschwerden. Dies ist natürlich nur solange der Fall, wenn der Betroffen keinen Beifuß direkt einnimmt. Wird dieser vermieden, so treten keine Beschwerden auf und es kommt nicht zu einer verringerten Lebenserwartung. In den meisten Fällen kommt es durch die Beifuß-Allergie bei Kontakt mit Beifuß zu einer verstopften Nase und zu Schuppen. Auch die Augen können dabei tränen oder geschwollen sein. Nicht selten breitet sich auf der gesamten Haut ein unangenehmer Juckreiz aus, der die Lebensqualität des Betroffenen in der Regel verringert.

Weiterhin kann es in akuten Fällen auch zu einer Atemnot kommen. In der Regel verschwinden diese Beschwerden relativ schnell, nachdem der Kontakt mit dem Beifuß vermieden wurde. Nur selten kommt es zu schwerwiegenden Asthmaanfällen, die durch einen Arzt behandelt werden müssen. Die Behandlung der Beifuß-Allergie erfolgt in der Regel mit Hilfe von Medikamenten und Therapien. Allerdings kann die Beifuß-Allergie nicht in jedem Fall komplett eingeschränkt werden. In manchen Fällen leiden die Patienten ihr Leben lang an dieser Allergie. Falls der Kontakt zur Pflanze allerdings vermieden wird, kommt es nicht zu weiteren Komplikationen.

Behandlung und Therapie

Wer auf Beifuß allergisch reagiert, sollte die Gewürze Oregano, Curry, Kümmel, Anis, Muskatnuss und Pfeffer sowie Anis und Koriander meiden. Dies gilt auch für den Kren und die Kamille. Die Gemüsesorten Paprika, Karotten, Kartoffeln und Sellerie sowie Tomaten, Karotten und Kartoffeln sollten ebenfalls gemieden werden. Die wirksamste Methode, um eine Beifußpollenallergie zu behandeln, ist die Hyposensensibilisierung. Den Betroffenen werden über einen längeren Zeitraum hinweg aggressive Allergene verabreicht, deren Dosierung sich langsam steigert. Das Ziel besteht darin, dass sich der Organismus an das Allergen gewöhnt.

Zu unterscheiden ist zwischen der seltenen Mono-Sensibilisierung und der häufigen Ko-Sensibilisierung. Diese erfolgen als klinisch stumme bzw. klinisch aktuelle Sensibilisierungen gegen beide Pollenarten. Leiden die Betroffenen wegen der Beifußallergie unter einem allergischen Schnupfen, erfolgt die medikamentöse Behandlung mit Antihistaminika. Hinzu kommt ein Karenzversuch.

Mit einer Mischung aus 50 % Beifußallergen und 50 % Ambrosiaallergen sollte ambulant in der Praxis des behandelnden Arztes (Allergologen) die spezifische Immuntherapie durchgeführt werden. Die Behandlung des allergischen Asthmas durch Beifuß bzw. Ambrosia orientiert sich an den Behandlungsmaßnahmen anderer Pollenasthmaformen. Bei schweren allergischen Reaktionen kann der Arzt auch Cortison verschreiben, damit die Entzündungszeichen umgehend gestoppt werden.

Wichtig ist auch, dass die Schwellenwertbestimmung von Beifuß und Ambrosia durch epidemiologische Studien erfolgt. Diese Studien werden von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst unterstützt. Soll den auslösenden Faktoren zukünftig aus dem Weg gegangen werden, sind beider Pflanzenarten zu meiden. Wer sie im Garten hat, muss beide entfernen.

Damit wenigstens zu Hause einigermaßen Ruhe vor den Pollen herrscht, sollten Pollenschutzgitter an den Fenstern und Türen angebracht werden. Spezielle Staubsauger mit Pollenschutzfilter reinigen perfekt Teppiche, Teppichböden und Polstermöbel von den Pollen. Glatte Böden und die Möbel sollten feucht gereinigt werden. Antistatische Tücher können die Reinigung positiv unterstützen.

Spezielle Raumluftfilter befreien die Räume von umherfliegenden Pollen. Bevor die Nachtruhe beginnt, sollte auf jeden Fall geduscht werden, um die Pollen nicht mit ins Bett zu nehmen.



Vorbeugung

Von Geburt an sollten Kinder auf gar keinen Fall in der freien Natur von Gewächsen jeglicher Art ferngehalten werden. Nur so kann das Immunsystem ausreichend stimuliert werden.

Es ist bewiesen, dass Kinder, die zum Beispiel auf einem Bauernhof aufgewachsen sind, als Heranwachsende oder Erwachsene nicht nur seltener unter einer Beifußallergie leiden, sondern auch anderen Allergenen gegenüber resistenter sind.

Auch in die Vor- und Zubereitung von frischen Kräutern und frischen Gemüsen sollten Kinder so früh wie möglich eingebunden werden. So lernen die Kinder, gesunde Nahrungsmittel meistens ohne allergische Anzeichen kennen und lieben.

Bücher über Allergien

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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