Angioödem

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. Oktober 2016
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Ein Angioödem, auch Quincke-Ödem genannt, bezeichnet eine plötzliche, nicht juckende, schmerzlose Schwellung von Haut, Schleimhaut und angrenzendem Gewebe. Die Schwellung ist das Ergebnis einer kurzfristigen erhöhten Durchlässigkeit der Gefäßwände.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Angioödem?

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Das Angioödem entsteht durch Flüssigkeitsaustritt aus den Blutgefäßen, da dessen Permeabilität (Durchlässigkeit) erhöht ist. Oft ist es vergesellschaftet mit einer sogenannten Urtikaria, die sich durch das Auftreten juckender Quaddeln äußert.

Jedoch kommt das Angioödem auch ohne Urtikaria vor. In diesem Fall entwickelt es sich oft viel langsamer. Ein Angioödem kann lebensbedrohliche Formen annehmen, wobei es zu Erstickungsanfällen und gar zum Erstickungstod kommen kann. Es gibt sowohl erworbene als auch erblich bedingte Formen des Angioödems.

Ursachen

Ein Angioödem ist keine einheitliche Erkrankung und kann durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden. Es äußert sich zwar einheitlich durch Schwellungen infolge von Wasserübertritt aus durchlässigen Blutgefäßen in Haut und Schleimhäute der verschiedensten Organe. Wenn das Angioödem mit einer Urtikaria vergesellschaftet ist, deutet das auf eine allergische Reaktion hin. In diesem Fall bildet sich in verstärktem Maße Histamin, welches sowohl Entzündungsreaktionen initiiert als auch gleichzeitig die Permeabilität der Blutgefäße erhöht.

Es entstehen brennende, juckende Quaddeln, die äußerlich sichtbar sind und gleichzeitig Schwellungen von Schleimhäuten, die in mehreren Organen auftreten können. Tritt ein Quincke-Ödem ohne Beteiligung einer Urtikaria auf, liegt immer ein nicht allergisches Angioödem vor, welches durch das Eiweiß Bradykinin vermittelt wird. Auch Bradykinin erhöht die Durchlässigkeit der Blutgefäße und führt bei ungebremster Aktivität zu Ödemen. Die Bildung von Bradykinin wird durch unterschiedliche Reize angeregt und dient zur Erweiterung der Blutgefäße. Außerdem ist es ein Schmerzmediator.

Liegt zum Beispiel ein Mangel des Bradykinin inhibierenden Enzyms C1-INH vor oder funktioniert es nicht richtig, kann Bradykinin seine Wirkung ungebremst entfalten und Ödeme erzeugen. Diese Form des Angioödems ist erblich bedingt und wird als Hereditäres Angioödem (HAE) bezeichnet. Das Enzym C1-INH kann auch durch Autoimmunreaktionen zerstört werden. Auch Medikamente, wie ACE-Hemmer können die Aktivität von Bradykinin erhöhen und ein Angioödem hervorrufen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Angioödems:

Das Angioödem äußert sich durch plötzlich auftretende Schwellungen der Schleimhäute, der Atemorgane, der Haut und des Magen-/Darmkanals. Oft sind diese Schwellungen vergesellschaftet mit juckenden Quaddeln auf der Haut. Zuweilen schwellen die Schleimhäute der Atemorgane so stark an, dass es zu lebensgefährlichen Erstickungsanfällen kommen kann.

Beim Hereditären Angioödem kann teilweise auch die Zunge so stark anschwellen, dass sie nicht mehr in den Mund passt. Ödeme im Magen-/Darmkanal führen zu starken Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der unterschiedlichen Formen des Angioödems ist das gemeinsame Auftreten mit einer Urtikaria beziehungsweise dessen Fehlen.

Diagnose

Angioödeme werden hauptsächlich durch Augenschein diagnostiziert. Differenzialdiagnostisch muss dann die Ursache ermittelt werden. Dazu erhebt der Arzt zunächst eine Anamnese der Krankengeschichte. Dann folgen körperliche Untersuchungen, wobei die sichtbaren Haut- und Schleimhautveränderungen auf bestimmte Merkmale untersucht werden und bei Verdauungsstörungen der Bauchbereich abgetastet und abgehört wird.

Durch bildgebende Verfahren, wie Ultraschall, MRT und CT kann man Schwellungen im Brustbereich, Nacken und Bauch feststellen. Blutuntersuchungen klären die Funktionalität bestimmter Enzyme ab, wie beispielsweise das Bradykinin inhibierenden C1-INH. Diese Verfahren sind deshalb sehr wichtig, weil sie das Histamin vermittelte von dem Bradykinin vermittelten Angioödem unterscheiden und damit die Grundlage der Therapie festlegen.

Behandlung und Therapie

Für die Behandlung von Angioödemen ist es entscheidend, ob sie durch eine erhöhte Histamin- oder Bradykininaktivität hervorgerufen werden. Bei dem allergisch bedingten Histamin vermittelten Angioödem werden Antihistaminika, Kortison oder Adrenalin verwendet. Kortison dämpft die Immunreaktionen ab und kann dadurch gegen Allergien eingesetzt werden.

Antihistaminika hemmen konkret das entzündungsfördernde und Blutgefäß erweiternde Histamin. Bei Bradykinin vermittelten Angioödemen helfen Kortison und Antihistaminika nichts. Hier muss genau ermittelt werden, welcher enzymatische Prozess die Bradykininaktivität erhöht. Besteht ein Mangel an C1-INH oder funktioniert es nicht richtig, hilft im Notfall diesen Wirkstoff zu spritzen.

Auch Medikamente, welche die Rezeptoren für Bradykinin deaktivieren, werden eingesetzt. Diese Behandlungen sind dringend indiziert, wenn durch ein Angioödem lebensbedrohende akute Erstickungsanfälle, schwerste Magen-/Darmstörungen oder andere schwere Funktionseinschränkungen hervorgerufen werden.



Vorbeugung

Einem Angioödem vorzubeugen ist sehr schwierig, weil keine einheitlichen Ursachen vorliegen. Bei der allergisch bedingten von Histamin abhängigen Form sollten, wenn bekannt, die auslösenden Allergene gemieden werden. Des Weiteren sollten die auslösenden Faktoren ermittelt werden. Festgestellt hat man als Auslöser emotionalen Stress, Wärme- und Kälteexposition, Östrogen haltige Medikamente und verschiedene Medikamente.

Allgemeine Empfehlungen können nicht gegeben werden. Sind jedoch die Auslöser bekannt, können durch dessen Meiden die Zahl der Anfälle reduziert werden. Das Risiko des Auftretens eines Angioödems bleibt jedoch immer bestehen.

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