Adipositas bei Kindern

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 6. Dezember 2016
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Adipositas steht für eine krankhafte Zunahme des Körpergewichts mit multifaktoriellen Ursachen wie falscher Ernährung und einem Mangel an Bewegung. Die Krankheit stellt eines der Hauptgesundheitsprobleme dieses Jahrhunderts dar, da sie zu gravierenden physischen und psychischen Problemen führt. Die Therapie erfolgt multidisziplinär und setzt den Beitrag des Kindes sowie des Umfelds voraus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Adipositas?

Adipositas bezeichnet einen krankhaft erhöhten Körperfettanteil mit möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigung. Sie kommt zustande, wenn der Körper über längere Zeit mehr Energie aufnimmt als er abbaut. Für die Messung des Körperfettanteils hat sich der BMI als objektives Maß etabliert. Bei Kindern werden allerdings nicht dieselben Werte wie bei Erwachsenen, sondern alters- und geschlechtsspezifische BMI-Perzentilen verwendet.

Ursachen

Die Ursachen für kindliche Adipositas sind multifaktoriell. Die genetische Disposition ist zwar vorhanden, aber nur in geringem Maß ausschlaggebend. Weitaus umfangreicher wirken sich veränderte Lebensbedingungen in Bezug auf Ernährung und Bewegung aus.

Viele Kinder konsumieren zu viele zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke. Diese werden nicht nur zu den Hauptmahlzeiten, sondern auch zu mehreren über den Tag verteilten Zwischenmahlzeiten konsumiert. Die Lebensmittelindustrie unterstützt diesen Prozess insofern, als dass Produkten übermäßig viel Zucker und Fett als Geschmacksträger und –verstärker beigefügt wird. Die erhöhte Aufnahme von tierischem Eiweiß, wie es beispielsweise in Wurst und Milchprodukten vorkommt, fördert die Gewichtszunahme zusätzlich.

Vor allem Milcheiweiß verstärkt die Bildung eines insulinähnlichen Wachstumsfaktors im Körper, der für die Fettspeicherung und die Bildung neuer Fettzellen verantwortlich ist. Die zweite wichtige Ursache für Adipositas im Kindesalter entsteht durch einen Mangel an Bewegung, unter anderem ausgelöst durch den übermäßigen Konsum digitaler Medien. Die Eltern haben einen besonderen Einfluss auf das Ess- und Bewegungsverhalten ihrer Kinder. Oftmals pflegen auch sie einen adipositasfördernden Lebensstil, welcher an die Kinder weitergegeben wird.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Adipositas:

Kinder mit Adipositas entwickeln häufig Bluthochdruck. Der Zucker- und Fettstoffwechsel verändert sich, sodass es bereits in sehr jungem Alter zu Insulinresistenz und in weiterer Folge zu Diabetes mellitus Typ II kommen kann. Diese Entwicklung wird durch Entzündungsreaktionen begünstigt, die aufgrund der Adipositas im Fettgewebe ablaufen. Darüber hinaus besteht ein höheres Risiko für Störungen des Herz-Kreislauf-Systems. Der kindliche Bewegungsapparat leidet ebenfalls unter der Gewichtsbelastung, die Gelenkbeschwerden und Fehlstellungen nach sich ziehen kann. Diese Folgeschäden treten bei Kindern wesentlich seltener auf als bei Erwachsenen, äußern sich im Extremfall aber umso drastischer.

Kommt es zu keiner Umstellung der Lebensgewohnheiten, leiden adipöse Kinder im Erwachsenenalter unter zusätzlichen Erkrankungen. Darüber hinaus ist die Krankheits- und Sterberate deutlich höher als bei normalgewichtigen Gleichaltrigen. Wenn sich Adipositas zu einer Fettsucht entwickelt, ist eine Umstellung der Essgewohnheiten sehr schwierig bis unmöglich. Um dies zu verhindern, sind ein rasches Erkennen und Behandeln der Problematik vonnöten. Zusätzlich zu den körperlichen Symptomen ist die Adipositas von psychischen Begleiterscheinungen geprägt. Das von den Medien verkörperte Idealbild sowie Diskriminierung seitens des Umfelds führen zu mangelndem Selbstwertgefühl, sozialer Isolation und Depressionen.

Diagnose

Die Diagnosestellung erfolgt zuerst über einen Sichtbefund. Eltern oder anderen Personen im Umfeld des Kindes fällt die Gewichtszunahme auf, woraufhin eine umfangreiche Diagnose durch den behandelnden Arzt erfolgt. Die Bestimmung des BMI erlaubt eine Einstufung des Schweregrades der Adipositas. Zusätzlich erlaubt eine Messung der Hautfaltendicke Rückschlüsse auf den Körperfettanteil. Ultraschalluntersuchungen geben ebenfalls darüber Aufschluss, sind aber in den wenigsten Fällen erforderlich. Anhand von Markern im Körper kann der Entzündungsgrad des Fettgewebes bestimmt werden, welcher das Fortschreiten der Adipositas anzeigt.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Adipositas erfolgt in einem multiprofessionellen Team. Ärzte behandeln die medizinischen Aspekte der Krankheit, während Diätologen einen Ernährungsplan erstellen und mit dem Kind ein normales, selbstkontrolliertes Essverhalten üben. Dieses zielt auf eine Reduktion von Kalorien sowie stark fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln ab.

Da Zwischenmahlzeiten oft ungesund ausfallen, werden diese weggelassen. Zuckerhaltige Getränke und Limonaden werden durch Leitungs- oder Mineralwasser ersetzt. Am Ende der Intervention soll das Kind gesunde und ungesunde Lebensmittel voneinander trennen und mit Unterstützung der Eltern eine ausgewogene Ernährung einhalten können.

Sportlich sollte eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining erfolgen, um Gewicht, BMI und Taillenumfang zu reduzieren. Krafttraining beeinflusst die Fettverteilung positiv, reduziert das subkutane sowie das Gesamtfettgewebe und senkt dadurch das Körpergewicht. Ausdauersport verbessert die Reaktion des Körpers auf Insulin, sodass es zu keiner Resistenz oder Diabetes mellitus Typ II kommt.

Das Ernährungs- und Bewegungskonzept muss auf Dauer angewendet werden. Vorübergehende Änderungen der Gewohnheiten wirken sich zwar kurzfristig aus, führen aber auf lange Sicht zu keiner Verbesserung der Adipositas. Für einen optimalen Behandlungserfolg müssen Eltern, Geschwister und Freunde des Kindes aktiv in die Therapie eingebunden werden. Nur mit Unterstützung des Umfelds kann das Kind seine Gewohnheiten ändern und eine dauerhafte Gewichtsreduktion erreichen.



Vorbeugung

Die beste Vorbeugung bei Adipositas im Kindesalter ist die Vermittlung eines gesunden Lebensstils durch die Eltern. Kinder sind für eine ausgewogene Ernährung grundsätzlich offen, jedoch müssen sie diese von Geburt an erlernen und vorgelebt bekommen. Gemeinsamer Sport mit Freunden oder im Sportverein sorgt für Spaß an der Bewegung und ersetzt zumindest zeitweise die Beschäftigung mit digitalen Medien. Das rechtzeitige Erkennen und Minimieren von Risikofaktoren beugt einer Vielzahl an physischen und psychischen Begleiterscheinungen und Folgeerkrankungen vor.

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