Lichen ruber planus (Knötchenflechte)

Letzte Aktualisierung am 17. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Lichen ruber planus (Knötchenflechte), ist eine entzündlich und schubweise verlaufende chronische Hauterkrankung. Ein Auftreten im mittleren Lebensalter ist typisch. Die Krankheit weist eine Selbstheilungstendenz auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lichen ruber planus (Knötchenflechte)?

Die Knötchenflechte kann nicht nur die Haut, sondern auch die Schleimhaut befallen. Bei einem Schleimhautbefall lautet die medizinische Diagnose des Hautarztes Lichen ruber mucosae. Die Knötchenflechte befällt bevorzugt bestimmte Hautareale.

Bei einem Schleimhautbefall sind besonders die inneren Wangen, die Genitalien sowie die Schleimhäute von Eichel oder Scheideneingang betroffen. Auf der Haut zeigt sich Lichen ruber planus durch rötlich-blassblaue Knötchen, sogenannte Papeln. Typischerweise sind die Handgelenke, die Unterschenkel und die Knöchelregion der Füße betroffen. Der papulöse Ausschlag kann sich bei fulminanten Verläufen aber auch auf die gesamte Körperhaut ausbreiten.

Ursachen

Bei Lichen ruber planus und Lichen ruber mucosae handelt es sich um Hauteffloreszenzen, deren genaue Ursachen bis heute weitgehend im Dunkeln liegen. Es konnte keine Beteiligung von bestimmten Krankheitserregern an den entzündlichen Prozessen an Haut oder Schleimhaut nachgewiesen werden. Aufgrund von Juckreiz werden die Papeln von den Betroffenen häufig aufgekratzt. In der Folge kommt es durch die Keimeinschleppung zu sogenannten Superinfektionen, die zu einer Verschlimmerung des Krankheitsbildes führen können.

Es wird vermutet, dass es sich bei der Knötchenflechte um eine sogenannte Autoimmunerkrankung handelt. Aufgrund von noch nicht genau verstandener immunologischer Mechanismen werden im Blut Antikörper gegen körpereigene Strukturen in Haut und Schleimhäuten gebildet. Die dadurch hervorgerufene lokale Entzündungsreaktion wird von der Immunabwehr auf zellulärer und humoraler Basis bekämpft. Autoimmunerkrankungen neigen zur Chronifizierung und gelten als nur eingeschränkt therapierbar.

Symptome und Verlauf

Entzündlich veränderte Knötchen an Haut und Schleimhäuten mit Juckreiz sind das Leitsymptom des Lichen ruber planus. Bei zu später Behandlung bildet die Krankheit auf der Hautoberfläche eine netzartige, weißliche Zeichnung, die sogenannten Wickham-Streifen. Durch Kratzeffekte können sich die Papeln auf noch gesunder Haut ausbreiten. Sind die Schleimhäute betroffen, so kommt es zu Läsionen mit deutlich ausgeprägter netzartiger Zeichnung.

Die befallen Stellen an der Wangenschleimhaut oder im Genitalbereich sind im Krankheitsverlauf oft sehr schmerzhaft. Symptomarme Verläufe sind bei der Knötchenflechte die Ausnahme. Beide Geschlechter können von der Knötchenflechte gleichermaßen betroffen sein. Die Papeln können eine Größe von etwa 2 bis 12 Millimeter erreichen und gelten dermatologisch als vieleckig.

Die Vieleckigkeit kann auch bei kleineren Knötchen gut mit einer Vergrößerungslupe erkannt werden. Tritt der Lichen ruber planus an der Kopfhaut auf, so kann es zum kreisrunden Haarausfall kommen. Im weiteren Verlauf können größere haarlose Bezirke entstehen, die eine Tendenz zur Vernarbung aufweisen. Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt etwa 5 Jahre. Bei vielen Betroffenen bilden sich die entzündlichen Veränderungen innerhalb von 8 bis 18 Monaten nach Krankheitsausbruch spontan auch ohne Behandlung zurück.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose kann bereits vom Hausarzt gestellt werden. Die endgültige Diagnose eines Lichen ruber planus sollte bei einem Dermatologen erfolgen. Dieser stellt die Diagnose anhand äußerer Symptome wie Papeln und Wickham-Streifen. Der Hautarzt wird auch eine Lupe zu Hilfe nehmen, um die Diagnose zu erhärten. Die Diagnose kann auch feingeweblich gesichert werden.

Die unter örtlicher Betäubung entnommenen Knötchen werden im pathologischen Labor histologisch untersucht. Der feingewebliche Befund weist typischerweise eine Hyperkeratose, also eine Verdickung der oberen Hautschicht und eine fokale Granulose auf. Auch spezielle Blutuntersuchungen zum Antikörpernachweis können die Diagnose erhärten. Außerdem wird der Hautarzt einen Lichen ruber planus von anderen Hautkrankheiten mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen versuchen.

^==Komplikationen== Knötchenflechte verlaufen in den meisten Fälle ohne größere Beschwerden. Ernste Komplikationen können auftreten, wenn sich der Juckreiz auf benachbarte Regionen ausbreitet. Dann kann es zu einem starken Unwohlsein kommen, häufig verbunden mit Blutungen infolge des Kratzens und dem Risiko für Infektionen. Im schlimmsten Fall tritt eine bakterielle Superinfektion auf, die immer mit ernsten Komplikationen verbunden ist. Wiederholtes Aufkratzen der Knötchen kann zur Ausbildung von Narben führen. Knötchenflechten werden von den meisten Patienten als ästhetischer Makel empfunden.

Bei länger andauernder Erkrankung kann die Lichen ruber planus zu seelischen Beschwerden führen, die ihrerseits mit Komplikationen verbunden sind. Die medikamentöse Behandlung birgt die üblichen Risiken. So kann es durch den Einsatz von Kortisonsalben zu dünner Haut, Akne und Juckreiz kommen. Bei längerfristiger Einnahme besteht infolge der Schwächung des Immunsystems ein erhöhtes Risiko für Bakterien- oder Pilzinfektionen. Ähnliche Risiken gehen von Antihistaminika und anderen Arzneimitteln aus, die zur Therapie von Knötchenflechten eingesetzt werden. Eine Lichttherapie kann Gereiztheit, trockene Schleimhäute und Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen.

Behandlung und Therapie

Da die Ursache einer Knötchenflechte nicht bekannt ist, kann bis heute leider keine kausale Therapie erfolgen. Die symptomatische Behandlung des Lichen ruber planus richtet sich daher insbesondere auf die Linderung der Krankheitserscheinungen sowie des oft als unerträglich geschilderten Juckreiz. Bei guter Selbstheilungstendenz und geringem Befall ist eine Therapie aber nicht zwangsläufig erforderlich.

Einzeln befallene Hautstellen können mit hoch dosierter Kortisonsalbe behandelt werden. Sogenannte Kortison-Kristalllösungen können bei ausgeprägten Krankheitsverläufen per Spritze verabreicht werden. Auch teerhaltige Salbenzubereitungen haben sich zur topischen Behandlung von Knötchenflechte bewährt. Gegen Juckreiz im Rahmen des Krankheitsbildes verordnet der Arzt Antihistaminika.

Gelkissen, Eiswürfel oder Umschläge mit kaltem Wasser gelten als wirksame Hausmittel gegen Knötchenflechte. Die Einnahme von Kortison oder Vitamin-A-Säure als systemische Behandlung darf nur unter strenger ärztlicher Aufsicht erfolgen. Auch die örtliche Lichttherapie, wie sie beispielsweise auch bei Schuppenflechte angewandt wird, kann bei Knötchenflechte die Abheilung beschleunigen. Nur in seltenen Ausnahmefällen ist der Einsatz von immunsupprimierenden Präparaten mit dem Wirkstoff Ciclosporin gerechtfertigt.

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Vorbeugung

Patienten, die bereits an einer Knötchenflechte leiden, werden angehalten, auch bei Juckreiz möglichst nicht zu kratzen, denn dadurch kann sich die Erkrankung schnell verschlimmern. Eine direkte Vorbeugung ist aufgrund der noch unbekannten Ursachen nicht möglich. Wer bereits erkrankt war, kann ein erneutes Auftreten verhindern, indem die Haut nicht zu stark mechanisch gereizt wird. Im Bereich der Mundschleimhaut sollte auf eine gute Mundhygiene geachtet, Zahnfehlstellungen korrigiert und schlecht sitzende Prothesen korrigiert werden.

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006


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