Hoher Ruhepuls

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der hohe Ruhepuls gilt als eigenständiges, behandlungsbedürftiges Krankheitsbild. Denn eine Ruhetachykardie stellt offensichtlich auch für ansonsten gesunde Menschen ein ernsthaftes Risiko dar. Selbst gut durchtrainierte Menschen weisen aufgrund eines erhöhten Ruhepulses ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein hoher Ruhepuls?

Die normale Herzfrequenz in Ruhe beträgt nach internationaler Definition für einen Erwachsenen 60 bis 80 Schläge pro Minute. Wie schnell das Herz also schlägt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, bei trainierten Personen sind auch Ruhepulse von bis 40 Schlägen pro Minute als normal anzusehen. Ein hoher Ruhepuls darf nicht mit einem Belastungspuls durch Sport oder körperliche Arbeit verwechselt werden, denn unter solchen Bedingungen sind Frequenzsteigerungen ganz normal.

Von einer Tachykardie, einem erhöhten Ruhepuls, sprechen Ärzte dann, wenn die Schlagfrequenz 100 oder mehr Herzschläge pro Minute beträgt. Dies kann ganz verschiedene Ursachen haben, ein stetig erhöhter Ruhepuls sollte aber immer diagnostisch abgeklärt werden. Andererseits bedeutet ein hoher Ruhepuls nicht zwangsläufig das Vorliegen einer Krankheit.

Ursachen

Ein permanent zu hoher Ruhepuls kann deshalb so gefährlich sein, weil ein direkter Zusammenhang zwischen Pulshöhe und Sterberisiko in einer dänischen Studie mit 2798 Männern nachgewiesen wurde. Bestimmte pathologische Zustände können vorübergehend eine Tachykardie verursachen. Der Puls ist beispielsweise typischerweise reversibel erhöht bei Fieber. Bei Schilddrüsenüberfunktion, Hyperthyreose und bestimmten Formen der Herzinsuffizienz kann der Puls auch dauerhaft erhöht sein.

Ebenfalls können unterschiedliche Medikamente zu anhaltenden Tachykardien führen, darunter sogenannte Wehenhemmer. Falls Medikamente die Ursache für einen zu hohen Puls sind, dann wird der Puls nach Absetzen des Medikamentes bald wieder normal hoch sein. Auch ein zu niedriger Puls, Bradykardie, ist grundsätzlich abklärungsbedürftig. In Abhängigkeit vom Ausmaß einer Herzrhythmusstörung kann die Schlagfolge des Herzens unterschiedlich ausgeprägt sein.

Es wird unterschieden zwischen subjektiv empfundenem Herzklopfen, auch Palpitation genannt, sowie Herzflattern mit Schlägen über 200 pro Minute, Vorhofflimmern und Herzkammerflimmern. Diese schlimmste Art eines viel zu hohen Ruhepulses ist lebensbedrohlich und intensivmedizinpflichtig. Genau genommen ist bei Herzkammerflimmern ein Puls wegen der schnellen, unregelmäßigen Schlagfolge nicht mehr tastbar.

Dauerhafter Konsum erhöhter Mengen an Koffein, Nikotin oder Energiedrinks führen ebenfalls zu einem hohen Ruhepuls. Kann keine direkte Ursache gefunden werden, sprechen Mediziner von einem essentiellen hohen Ruhepuls.

Typische Krankheiten

Wann zum Arzt?

Eine normale Ruheherzfrequenz für Erwachsene liegt zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute. Wenn dieser Wert erhöht ist, kann dies unter Umständen auf ein gesundheitliches Problem hinweisen.

Um die Herzfrequenz zu messen, überprüft man den Puls. Dazu legt man den Zeigefinger und den dritten Finger seitlich an der Luftröhre auf den Hals. Um den Puls am Handgelenk zu überprüfen, legt man zwei Finger zwischen den Knochen und die Sehne über die Arteria radialis, die sich auf der Daumenseite des Handgelenks befindet. Wenn der Puls gefühlt wird, zählen zählt man die Anzahl der Schläge in 15 Sekunden. Nun multipliziert man diese Zahl mit vier, um die Schläge pro Minute zu berechnen.

Zu beachten ist, dass viele Faktoren die Herzfrequenz beeinflussen können, darunter Alter, Fitness- und Aktivitätsniveaus, Raucher/Nichtraucher, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hoher Cholesterinspiegel oder Diabetes, Lufttemperatur Körperhaltung (z. B. stehend oder liegend), Emotionen, Körpergröße und Medikamente.

Obwohl es einen weiten Bereich von normalen Wertem gibt, kann eine ungewöhnlich hohe oder niedrige Herzfrequenz auf ein zugrunde liegendes, gesundheitliches Problem hinweisen. Der Arzt sollte konsultiert werden, wenn die Ruheherzfrequenz konstant über 100 Schlägen pro Minute liegt (Tachykardie) oder wenn man kein ausgebildeter Sportler ist und die Ruheherzfrequenz unter 60 Schlägen pro Minute liegt (Bradykardie) - insbesondere, wenn andere Anzeichen oder Symptome auftauchen wie Ohnmacht, Schwindel oder Atemnot.

Diagnose

Viele verschiedene Einflussfaktoren können den Ruhepuls beeinflussen, beispielsweise das Wetter, die Tageszeit, Hormone, Infektionen, Stress oder übermäßiges Training. Zur genauen Diagnostik hat sich gezeigt, dass eine Pulsmessung direkt morgens nach dem Erwachen besonders aussagekräftig im Hinblick auf eine Verdachtsdiagnose eines ständig zu hohen Pulses darstellt. Bei jeder Veränderung der Pulsqualität oder Anzahl der Herzschläge pro Minute unter oder über die Norm handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung.

Eine kardiologische Diagnostik umfasst neben der genauen Anamnese über Lebensgewohnheiten, Medikamenteneinnahmen oder Genussmittelmissbrauch auch stets eine Herzauskultation sowie ein Elektrokardiogramm in Ruhe und bei Belastung. Bei begründetem Verdacht auf einen dauerhaft zu hohen Puls kann der Arzt auch ein 24-Stunden-EKG empfehlen. Dadurch lässt sich ein zu hoher Puls schnell und sicher diagnostizieren. Bei Verdacht auf Herzinsuffizienz als Ursache für einen zu hohen Ruhepuls schließen sich bestimmte Blutuntersuchungen, Brain Natriuretic Peptid, als Marker für das Ausmaß einer Schädigung des Herzmuskels an.

Behandlung und Therapie

Eine kausale, also ursachenbezogene Therapie eines zu hohen Ruhepulses kann nur dann erfolgen, wenn die genaue Ursache bekannt ist. In den meisten Fällen kann die Ursache durch Herzuntersuchungen mit erweiterter Diagnostik beim Kardiologen geklärt werden.

Weil bestimmte herzschädigende Gewohnheiten in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen abgelegt werden können, wird sich der Arzt zunächst darauf beschränken, den zu hohen Ruhepuls medikamentös zu senken, um den Herzmuskel zu entlasten. Insbesondere dann, wenn gleichzeitig ein zu hoher Blutdruck besteht, werden in der Regel sogenannte Betarezeptorenblocker verordnet. Ein kardioselektiver Betablocker heftet sich an die Herzmuskelzellen und blockiert dort die Rezeptoren für Adrenalin. Dadurch sinkt der Stresslevel des Herzens sofort und die Herzarbeit kann wieder ökonomischer erfolgen.

Der Blutdruck wird durch die Einnahme von Betablockern ebenfalls sinken. Es handelt sich um eine erste, symptomatische Therapie, um den Herzmuskel kurzfristig zu entlasten. Langfristig muss die Ursache festgestellt und als Risikofaktor ausgeschaltet werden. Dies kann nur mit dem erklärten Willen und der aktiven Mithilfe des Patienten erfolgen.


Vorbeugung

Die überwiegende Zahl der Fälle von zu hohem Ruhepuls resultiert auf herzschädigenden Lebens- und Verhaltensweisen. Der erhöhte Puls ist Ausdruck einer Mehrbelastung des Herzens durch Vasokonstriktion der Blutgefäße wie sie durch Rauchen, erhöhtem Blutfettspiegel, unkontrolliertem Training oder Medikamentenmissbrauch verursacht wird. Das Sterberisiko ist um so höher, je höher die Herzfrequenz in Ruhe ist.

Sobald die Pulsfrequenz durch Reduzierung oder Ausschalten der Risikofaktoren gesenkt wird, sinkt auch das Sterberisiko. Bei mehreren Risikofaktoren und Übergewicht potenziert sich das Risiko für einen plötzlichen Herztod durch zu hohen Ruhepuls aufgrund einer kardialen Überlastung. Zur Vorbeugung können Patienten auch an einer Koronarsportgruppe teilnehmen, wie dies auch in der Nachsorge von Myokardinfarkten üblich ist.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin, Gerd Herold, 1. Auflage, 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004
  • Kindermann, W., et al.: Sportkardiologie. Steinkopff, Darmstadt 2007
  • Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek K, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag 2009

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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