Hodenkrebs

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. Dezember 2018
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Hodenkrebs bezeichnet einen auftretenden Tumor in den Testikeln. Er tritt ausschließlich bei Männern auf und ist insgesamt als selten zu bezeichnen. Auffällig ist, dass er bei jungen Männern gehäuft vorkommt. Hodenkrebs gilt als sehr gut therapierbar und führt fast nie zu Todesfällen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hodenkrebs?

Beim Hodenkrebs handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung von einem oder beiden Hoden. Es wird dabei solange von Hodenkrebs gesprochen, wie sich der Tumor im oder am Hoden feststellen lässt. Ferner betrifft Hodenkrebs daher auch den Hodensack, die Samenleiter und die Nebenhoden. Er ist in der Altersgruppe der Männer zwischen 20 und 40 das häufigste Karzinom und kann von den Betroffenen in den meisten Fällen durch ein Betasten des Hodens festgestellt werden.

Jährlich erkrankt in Deutschland etwa einer aus 10.000 Männern an Hodenkrebs (diagnostiziert) und circa 150 bereits erkrankte Männer sterben an ihm oder den Komplikationen. Die Mortalitätsrate liegt im kleinen einstelligen Bereich.

Ursachen

Die Ursachen eines Hodenkarzinoms liegen, wie bei allen Tumoren, den jeweiligen Gebewetypen zugrunde. So handelt es sich in den allermeisten Fällen um entartete Zellen im oder am Hoden selbst. In den allerseltensten Fällen sind Metastasen anderer Tumore die Ursache. Es handelt sich hierbei allerdings um ein sehr selten auftretendes Ereignis.

In 95 Prozent der Fälle entarten dabei die Keimzellen des Hodens. Damit aus einer entarteten Zelle ein Tumor wird, muss diese unkontrolliertes Wachstum zeigen. Es handelt sich bei Krebs um eine Zellwucherung, die eine Zerstörung und Aufzehrung des umliegenden Gewebes bewirken kann. Dabei gibt es verschiedene Risikofaktoren, die oftmals auf genetisch bedingte Mitursachen beim Hodenkarzinom verweisen. Hodenkrebs tritt familiär gehäuft auf. Zudem haben Männer, die bereits in einem Hoden Krebs hatten, ein erhöhtes Risiko für ein abermaliges Auftreten eines Karzinoms im gesunden Hoden.

Ebenfalls ein erheblicher Risikofaktor ist der Hodenhochstand, der das Erkrankungsrisiko circa verzehnfacht. Auch ein operativ im Kindesalter korrigierter Hodenhochstand geht mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass besonders hoch gewachsene Männer (ab 195cm Körpergröße) ein erhöhtes Erkrankungsrisiko aufweisen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Hodenkrebs:

Die Symptome können variieren. Meist zeigt sich schon früh eine schmerzlose bis schmerzhafte Verhärtung am Hoden. Schwellungen und Schmerzen können ebenso auftreten. Auch augenscheinliche Entzündungen, inklusive Flüssigkeitsansammlungen und Verfärbungen, deuten auf Hodenkrebs hin, insofern Antibiotika keine Besserung schaffen.

Ein Tumor im Hoden kann zudem zu einem unangenehmen Zuggefühl führen, das sich mitunter bis in die Leistengegend auswirkt. Auch ein entsprechendes Schweregefühl kann auftreten. In seltenen Fällen verspüren Männer eine Überempfindlichkeit an mindestens einer ihrer beiden Brustwarzen aufgrund des Karzinoms.

Ein fortgeschrittener Hodenkrebs kann hingegen auch zu Schmerzen im unteren Lendenbereich und im Bauchraum führen. Letzteres ist auf ein Anschwellen der Lymphknoten zurückzuführen. Insgesamt ist das Hauptsymptom, eine Schwellung und Verhärtung des Hodens, allerdings leicht auszumachen.

Wann zum Arzt?

Jede Veränderung des Hodens, die nicht durch einen unmittelbar stattgefundenden Unfall oder ähnliches erklärbar ist, muss durch einen Arzt abgeklärt werden. Dabei sollte jeder Mann im Rahmen der Früherkerkennung von Hodenkrebs gelegentlich seine Hoden abtasten und Auffälligkeiten schnell medizinisch abklären lassen.

Während ein Gang zum Hausarzt eine erste Anlaufstelle sein kann, empfiehlt sich der Gang zum Urologen. In Deutschland kommt dabei etwa ein Hodenkrebsfall im Jahr auf einen Urologen. Mitunter führt dies dazu, dass eine zweite Meinung eingeholt werden muss, weil die Routine in Untersuchung und Behandlung fehlt. Da ein Hodentumor, wie alle Tumore, mit zunehmender Nichtbeachtung immer mehr zu einem Metastasenrisiko wird, ist ein schneller Gang zum Arzt angezeigt.

Diagnose

Die Diagnose von Hodenkrebs ist als simpel zu bezeichnen: Häufig genügen ein Abtasten sowie das verwenden von Ultraschall dazu, einen Tumorverdacht zu bestätigen. Ferner muss kontrolliert werden, ob es sich um einen bösartigen Tumor handelt oder nicht. Der Hoden wird hierfür freigelegt und begutachtet. Lässt sich nicht sofort feststellen, um was für eine Art von Wuchs es sich handelt, wird eine Gewebeprobe entnommen.

Außerdem wird der Patient noch nach weiteren Tumoren abgesucht, was größtenteils mittels bildgebenden Verfahren geschieht. Besondere Beachtung erfahren hier die Lunge, der Bauchraum und das Herz. Zur Diagnose werden also Ultraschall, Röntgenuntersuchungen, die Kernspintomographie, haptische Verfahren, Blutuntersuchungen und histologische Untersuchungen verwendet. Die Diagnose von Hodenkrebs ist zudem aufgrund der Lage und der schnellen Sichtbarkeit von Entartungen sehr eindeutig.

Komplikationen

Komplikationen sind im Falle von Hodenkrebs selten, aber treten mit zunehmender Dauer einer fehlenden Behandlung eher auf. Sehr selten sind zum Beispiel Hodentumoren, die aktiv an der Hormonproduktion beteiligt sind. Sie können zu Stimmungsschwankungen, Körperschwellungen, Libidoverlust, Haarwuchsveränderung und so weiter führen.

Eine Bildung von Metastasen - also kleinen Krebszellansammlungen, welche sich im Körper ausbreiten, kann vorkommen. Meist verbreiten sich diese über die Lymphknoten im unteren Bauchraum und können so fast den gesamten Körper erreichen. Dadurch können die Beine Anschwellen, der Rücken stark schmerzen und vieles mehr. Es ist hier sehr davon abhängig, wo sich die Metastasen niederlassen. Allerdings sind alle Metastasen als Komplikation zu betrachten. Weiterhin liegt eine Komplikation von Hodenkrebs darin, dass mitunter die Fruchtbarkeit des Mannes verloren geht, vor allem, wenn beide Hoden betroffen sind. Zudem kann es bei fortgeschrittenem Hodenkrebs zu Impotenz kommen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Hodenkrebs ist abhängig davon, wie fortgeschritten das Karzinom ist und welcher Zelltyp primär betroffen ist. So ist bei Karzinomen, die aus den Keimzellen hervorgingen, die Hemikastration das Mittel der Wahl. Der erkrankte Hoden wird hierfür vollständig entfernt. Lässt sich hingegen nur eine Vorstufe von Krebs (im Idealfall auch nicht vom Keimzellengewebe ausgehend) feststellen, kann eine Strahlentherapie genutzt werden.

Die Entfernung eines Hodens ist gefahrlos und birgt keine Nachteile für den Patienten. Das fehlende Organ kann durch ein Implantat optisch kaschiert werden. Die weitere Behandlung richtet sich nach Art und Ausbreitung des Karzinoms. Wurden Metastasen gefunden, müssen auch diese behandelt werden. Das heißt, der Patient muss womöglich noch mehrfach operiert werden. Zudem sind Nachbehandlungen mittels Chemotherapie oder Strahlentherapie in vielen Fällen nötig. So etwa, um eventuell befallene Lymphknoten und das Gewebe um den Hoden herum krebsfrei zu therapieren.

Es gibt einen Standard, welcher anzeigt, bei welcher Krebsstufe welche Art von Verfahren (Menge an Chemotherapiezyklen usw.) gewählt werden sollte. Immer weiter verbreitet sich das Konzept, nach Entfernung des Tumors (und insofern keine anderen Tumoren gefunden wurden), abzuwarten und regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen zu veranlassen. In vielen Fällen erübrigen sich so nach einer Operation und einer weiteren Chemotherapie bereits alle weiteren Eingriffe.

Aussicht und Prognose

Die Prognose ist bei Hodentumoren insgesamt als sehr gut zu bezeichnen. Eine vollständige Heilung kann bei 90 bis 95 Prozent aller Betroffenen erreicht werden. Entscheidend ist, dass der Hodenkrebs sehr schnell behandelt wird. Insgesamt ist die Prognose bei Hodenkarzinomen, die ihren Ursprung in den Keimzellen haben, weit besser als bei anderen Formen, da das Metastasenrisiko geringer ist.

Zudem entscheiden maßgeblich die Metastasen und ihre Streuung über die Prognose. Sind keine vorhanden, kann die Überlebensrate mit 100 Prozent angegeben werden. Metastasen in der Lunge, im Bauchraum oder im Herzen können hingegen zu schlechteren Überlebensraten führen. Einmal erkrankte Männer haben ein erhöhtes Risiko, auch im zweiten Hoden ein Karzinom zu entwickeln.


Vorbeugung

Eine wirklich Maßnahme zur Vorbeugung von Hodenkrebs ist nicht existent. Aufgrund der Vielzahl möglicher Einflussfaktoren auf die Krebszellenbildung, kann allerdings angenommen werden, dass ein gesunder Lebensstil, der ohne Strahlenschäden und Gifte auskommt, förderlich für die Hodengesundheit ist. Hodenhochstand und Leistenhoden sollten operativ korrigiert werden. Dies verringert war nicht das Erkrankungsrisiko, macht aber eine Früherkennung deutlich leichter. Weiterhin ist die beste Form der Vorbeugung eine regelmäßige Vorsorge durch das Abtasten der Hoden.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Braun, J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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Letzte Aktualisierung am: 11. Dezember 2018

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