Hämolyse


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 13. November 2018

Hämolyse bezeichnet den abnormalen Zerfall von roten Blutkörperchen. Zerfallsstoffe können zu Nierenversagen und anderen schwerwiegenden Symptomen führen. Hämolyse wird oft durch die Infektion mit Escherichia coli Bakterien hervorgerufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hämolyse?

Hämolyse resultiert aus dem abnormalen und frühzeitigen Zerfall von roten Blutzellen. Wenn dieser Zerfall beginnt, fangen die zerstörten roten Blutzellen an, die Filtersysteme in den Nieren zu verstopfen, was wiederum zu lebensgefährlichem Nierenversagen führen kann.

Die meisten Fälle von Hämolyse kommen bei Kindern vor, die zwei bis 14 Tage an Durchfall leiden, der häufig blutig ist, und sich mit einem bestimmten Escherichia coli Bakterium angesteckt haben. Auch Erwachsene können an Hämolyse erkranken. Sowohl durch eine E. coli Infektion, bestimmte Medikation, andere Infektionen, oder durch unbekannte Ursachen. Auch wenn Hämolyse schwerwiegend ist, kann sie durch eine frühzeitige Behandlung vollständig kuriert werden.

Ursachen

Hämolyse kann eine Vielzahl von Ursachen haben, doch die verbreitetste Ursache, vor allem bei Kindern, ist eine Infektion mit einer bestimmten Art von E. coli Bakterien. Insbesondere die Art O157:H7. E. coli Bakterien bezeichnen eine Form von Bakterien, die im menschlichen Verdauungssystem zu finden sind. Die meisten sind ungefährlich, doch einige führen zu ernsthaften Infektionen über die Nahrungsaufnahme.

Die Bakterien sind eventuell in verdorbenem Fleisch oder Fleischprodukten und in Seen oder Schwimmbecken, die mit Fäkalien verunreinigt wurden, enthalten. Die meisten Menschen, die sich mit E. coli Bakterien infizieren, erleiden keine Hämolyse. Es existiert auch die Möglichkeit Hämolyse durch andere Bakterien zu bekommen.

Für Erwachsene ist die Erkrankung an Hämolyse sehr viel wahrscheinlicher durch Quinine, Chemotherapie-Medikamente, oder solche, die das Immunsystem unterdrücken. Auch Schwangerschaft oder HIV-Infektionen können zu Hämolyse führen. Genetische Prädisposition ist ebenfalls eine Möglichkeit für den Ausbruch von Hämolyse.

Wann zum Arzt?

Wenn Abgeschlagenheit, Blässe und Symptome der Gelbsucht bemerkt werden, liegt womöglich eine Hämolyse vor. Weitere Warnzeichen, die einer sofortigen Abklärung durch den Hausarzt oder einen Facharzt für innere Medizin bedürfen: Schüttelfrost, Bauchschmerzen, Kreislaufkollaps und Kopfschmerzen. Mitunter kommt es außerdem zur Bildung von Gallensteinen und einer Milzvergrößerung, die ihrerseits mit Komplikationen verbunden ist. Wer diese Symptome bemerkt, sollte umgehend ärztlichen Rat einholen. Spätestens wenn Thrombosen oder Anzeichen von Nierenversagen (z.B. geringes Wasserlassen, Atemnot, Wassereinlagerungen) bemerkt werden, muss ein Arzt konsultiert werden.

Sollte es zum Kreislaufversagen kommen, muss der Notarzt alarmiert werden. Unbehandelt endet eine Hämolyse unweigerlich im Tod des Patienten. Wird die Erkrankung zu spät behandelt, ist mit einer verringerten Lebenserwartung zu rechnen. Deshalb sollte bei ersten Anzeichen einer hämolytischen Anämie mit einem Mediziner gesprochen werden. Menschen, die kürzlich eine schwere Infektion oder Autoimmunerkrankung überstanden haben, sind besonders anfällig für eine Hämolyse. Es empfiehlt sich, regelmäßig Rücksprache mit dem zuständigen Arzt zu halten und bei genannten Symptomen die nächstgelegene Klinik aufzusuchen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Hämolyse:

Anzeichen und Symptome von Hämolyse sind blutiger Durchfall oder Erbrechen. Auch Magenschmerzen und eine bleiche Gesichtsfarbe, sowie auffällige Schwäche oder Fieber, wenn auch nicht besonders hoch. Blut im Urin oder unerklärliche blaue Flecken, sowie Blutungen aus Nase und Mund.

Bei Betroffenen von Hämolyse kann auch zeitweise eine Verwirrung einsetzen, oder das Anschwellen der Gliedmaßen oder anderen Teilen des Körpers. Es sollte sofort ein Arzt alarmiert werden, wenn ein Kind unerklärliche blaue Flecken hat, blutigen Durchfall, stark verringerte Urin-Ausscheidung oder angeschwollene Gliedmaßen aufweist.

Diagnose

Falls der Arzt Hämolyse vermutet, wird es evtl. zu folgenden Tests kommen, um die Diagnose zu bestätigen. Nach einer Blutabnahme wird bei der Probe eine Zählung der Blutzellen durchgeführt, sowohl der roten als auch der weißen. Eine geringe Anzahl von roten Blutzellen und eine Kreatininlevel, der über dem normalen Standard liegt - Kreatinin ist ein Zerfallsprodukt von Kreatin, welches wichtig für die Muskulatur ist - könnte ein Hinweis auf eine Hämolyse sein.

Auch geschädigte rote Blutzellen können in der Blutprobe erkannt werden. In einer Urinprobe kann nach Spuren von Blut gesucht werden; auch ein Anzeichen für Hämolyse. In einer zusätzlichen Stuhlprobe sollten bestimmte Bakterienstämme nachgewiesen werden, um die Diagnose zu stützen.

Komplikationen

Durch die Hämolyse kann es beim Betroffenen zu einer Reihe verschiedener Komplikationen kommen. Im schlimmsten Falle führt diese Krankheit allerdings zum Tode des Patienten, sodass eine frühzeitige Diagnose und Behandlung dieser Krankheit sehr wichtig sind. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einer deutlichen Blässe, Müdigkeit und an einer Abgeschlagenheit. Ebenso nehmen die Betroffenen nicht mehr aktiv am Alltag teil und können die Beschwerden nicht mit Hilfe von ausreichend Schlaf ausgeglichen. Auch eine Gelbsucht tritt durch die Hämolyse auf.

Weiterhin kommt es zu Schüttelfrost und zu Fieber. Die Betroffenen leiden sehr häufig an Bauchschmerzen und auch an Kopfschmerzen, sodass es zu einer erheblichen Verringerung der Lebensqualität beim Patienten kommt. Die Milz des Betroffenen ist bei der Hämolyse in der Regel vergrößert, sodass es zu Schmerzen kommt. Auch Gallensteine können dabei auftreten.

Im weiteren Verlauf treten Thrombosen auf und es kommt zu einer Niereninsuffizienz, die schließlich zum Tode des Betroffenen führt. Bei der Behandlung der Hämolyse treten in der Regel keine Komplikationen auf. Allerdings sind in einigen Fällen auch operative Eingriffe notwendig, um die Beschwerden der Krankheit zu lindern.

Behandlung und Therapie

Hämolyse bedarf einer schnellen und umfangreichen Behandlung im Krankenhaus. So kommt es beginnend wahrscheinlich zu einer Versorgung mit Flüssigkeit und Elektrolyten, die der Körper verloren hat. Jedoch ist hier Vorsicht geboten, da die Nieren geschwächt sind und anders arbeiten als normal. Außerdem ist es vermutlich zu einer deutlichen Reduktion der roten Blutzellen gekommen, diese kann durch eine Transfusion wieder ausgeglichen werden.

Starkes Bluten und die Entstehung blauer Flecken werden durch einen Mangel an Blutplättchen ausgelöst. Auch dieser kann durch eine Transfusion ausgeglichen werden. Das Blutplasma unterstützt die Zirkulation des Blutes im Kreislauf. Wenn es zu stark belastet oder verunreinigt ist, kann es teilweise entfernt und durch Spenderplasma ersetzt werden. Der Zerfall der Blutzellen führt zu einer Überbelastung der Nieren.

Durch eine Dialyse kann einen normalen Stand erneut erreicht werden. Besonders Kinder überstehen die ernsthaften Symptome gut und kurieren vollständig. Bei Erwachsenen kann es zu dauerhaften Nierenschäden kommen, die anschließend durch Medikamente behandelt werden muss. Es existieren Medikamente wie Eculizumab, ein monoklonaler Antikörper, der bei Hämolyse eingesetzt werden kann. Er verhindert den weiteren Zerfall roter Blutkörperchen, ist aber mit ernsthaften Nebenwirkungen verbunden.

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Vorbeugung

Die sinnvollsten vorbeugenden Maßnahmen vor Hämolyse betreffen den Umgang mit Nahrungsmitteln. So sollten Hände, Nahrung und Utensilien, die zur Zubereitung verwendet werden, oft gewaschen werden. Rohe und bereits essbare Nahrung sollten getrennt gelagert werden. Fleisch sollte in Mikrowelle oder Kühlschrank aufgetaut werden, nicht auf dem Küchentisch.

Um sicher zugehen, sollte es gut durchgebraten werden. Obst und Gemüse immer unter laufenden Wasser putzen. Auch in unpasteurisierter Milch, frischem Saft oder Cidre können Bakterien sein, die Hämolyse auslösen können.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart


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