Geschmacksstörung

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei einer Geschmacksstörung (Ageusie) können die fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami in normaler Intensität nicht mehr unterschieden werden. Einer Geschmacksstörung kann eine ernste Grunderkrankung zugrunde liegen und sollte daher von einem Arzt abgeklärt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Geschmacksstörung?

Geschmacksstörungen sind aus medizinischer Sicht Störungen, die das Geschmackempfinden beeinflussen. Verschiedene Erkrankungen sowie Medikamente können Auslöser sein.

Im Gegensatz zur Normogeusie, bei der ein normales Geschmacksempfinden besteht, bezeichnen Mediziner eine Geschmacksstörung als Dysgeusie. Die Ursache dafür liegt daran, dass die gustatorischen Sinneszellen, die sogenannten Schmeckzellen, nicht mehr richtig funktionieren und somit der Geschmackssinn beeinträchtigt ist. Eine Geschmacksstörung tritt auf, die Betroffene als sehr unangenehm empfinden können.

Bei der Dysgeusie unterscheidet man die qualitative und die quantitative Geschmacksstörung. Bei der qualitativen Schmeckstörung nehmen Betroffene den Geschmack anders wahr oder schmecken etwas, obwohl kein konkreter Geschmack vorhanden ist. Bei der quantitativen Geschmacksstörung empfinden Betroffene den Geschmack in einer anderen Intensität als Gesunde. Dabei reicht die Bandbreite von besonders intensivem Schmecken bis zu nicht vorhandenem Geschmackssinn.

Ursachen

Geschmacksstörungen können einerseits angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Ist die Störung durch ein bestimmtes Ereignis aufgekommen, unterscheidet man drei verschiedene Ursachen: epitheliale, nervale oder zentrale Ursache.

Bei der epithelialen Ursache sind die Geschmacksknospen geschädigt. Diese Schädigung kann beispielsweise durch Entzündungen der Mundschleimhaut oder der Zunge auftreten. Doch auch Medikamenteneinnahmen oder virale Infektionskrankheiten können diese Beschwerden hervorrufen.

Eine nervale Ursache tritt in Folge von beschädigten Hirnnerven auf. Grund dafür sind zum einen Nervenentzündungen oder Tumore, aber auch Operationen oder Schädelverletzungen. Bei der zentralen Ursache ist die Geschmacksbahn im zentralen Nervensystem geschädigt. Auslöser solch einer Geschmacksstörung sind Verletzungen des Hirnstamms, Hirntumore oder bestimmte Epilepsieformen. Eine Geschmacksstörung kann auch in Kombination mit einer Geruchsstörung auftreten.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Ein Arzt sollte grundsätzlich konsultiert werden, sobald der Betroffene eine Veränderung des Geschmacksempfindens bemerkt. Darüber hinaus ist ein Arztbesuch ratsam, wenn das eigene Geschmackserleben erheblich von dem anderer Menschen abweicht. Die Ursachen für die veränderte Wahrnehmung müssen abgeklärt werden, damit im Alltag Komplikationen vermieden werden.

Viele Betroffene können mit einer Geschmacksstörung sehr gut ihren Lebensalltag bestreiten. Dennoch ist es wichtig, dass eine ärztliche Untersuchung Klarheit über das Ausmaß der Störung bringt. Anschließend sind die Betroffenen über die Erkrankung umfassend aufzuklären, damit kein Fehlverhalten entsteht.

Kommt es zu Reaktionen einer Unverträglichkeit, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei Durchfall oder Verstopfung, der über mehrere Tage anhält, muss ein Arzt die Ursachen abklären. Durch eine Geschmacksstörung kann es zu einer falschen Nahrungsaufnahme kommen. Da diese zu Störungen der Organtätigkeit innerhalb des Verdauungsprozesses führen kann, ist ein Arztbesuch nötig, sobald Schmerzen, ein Druck- oder Völlegefühl auftreten.

Halten die Beschwerden über mehrere Tage an oder treten sie wiederholt auf, ist ein Arzt zu konsultieren. Kommt es zu Beeinträchtigungen im Alltag, Krämpfen, Kopfschmerzen oder Schwindel, sollten die Symptome untersucht werden. Da bei einer Geschmacksstörung die natürlichen Reaktionen wie Erbrechen oder Ekel bei der Aufnahme von Giftstoffen versagt, ist ein Arzt aufzusuchen, sobald ungewöhnliche körperliche Reaktionen auftreten.

Symptome und Verlauf

Geschmacksstörungen gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Ausprägungen. Viele Betroffene empfinden sie als unangenehm, vor allem wenn sie intensiv bittere, salzige oder metallische Geschmäcker verspüren. Geschmacksstörungen können sowohl nur eine einzelne Geschmacksrichtung als auch das gesamte Spektrum betreffen.

Tritt eine Geschmacksempfindung in völlig veränderter Form auf, spricht man von einer Parageusie. Gibt es Wahrnehmungen ohne entsprechende Reize (wie zum Beispiel Nahrung), bezeichnet man diese Form als Phantogeusie. Beide Dysgeusien zählen zu den qualitativen Störungen. Quantitative Dysgeusien unterteilt man dagegen in Ageusie (vollständiger Ausfall des Geschmackssinns), Hypergeusie (erhöhte Sensibilität des Geschmackssinns) und Hypogeusie (abgeschwächter Geschmackssinn).

Die Beschwerden einer Geschmacksstörung können manchmal für wenige Wochen oder Monate auftreten, wenn eine Therapie und Medikamenteneinnahme die Symptome auslöst. Die Beschwerden erscheinen meist schon wenige Stunden oder Tage nach Therapiebeginn, sind jedoch häufig reversibel.

Diagnose

Die Diagnose einer Geschmacksstörung kann ein Arzt stellen, wenn er den Patienten zuvor ausführlich befragt hat. Hierbei klärt er, welche Einschränkungen in welcher Ausprägung seit welchem Zeitpunkt vorliegen. Generell beleuchten Mediziner die Gesundheit des Patienten im Ganzen, bevor sie eine Diagnose stellen. Das weitere diagnostische Verfahren beinhaltet eine Untersuchung von Mund und Rachen und diverse Geschmackstests.

Durch unterschiedliche Geschmacksproben kann der Mediziner die Ausprägung der Geschmacksstörung erkennen. In manchen Fällen kann es noch zu weiteren Untersuchungen kommen. Hierzu zählen neurologische Untersuchungen, mikroskopische Untersuchungen der Mundschleimhaut, Speicheldrüsendiagnostik und apparative Untersuchungen (EEG, MRT, CT). Bei der Diagnose klärt der Mediziner ebenfalls, ob es sich bei der Geschmacksstörung um eine eigenständige Erkrankung oder um die Begleiterscheinung einer anderen Krankheit handelt.

Komplikationen

Durch die Geschmacksstörung wird der Alltag des Betroffenen deutlich eingeschränkt und auch die Lebensqualität es Patienten verringert. Die Betroffenen können dabei verschiedene Geschmacksrichtungen nicht mehr richtig unterscheiden. Die Geschmacksstörung führt selbst nicht zu besonderen oder schwerwiegenden Komplikationen. Der Betroffene kann auch weiterhin Nahrung und Flüssigkeiten aufnehmen und ist bei der Aufnahme nicht gestört. Allerdings kann die ursächliche Krankheit auch zu Diabetes oder zu einer Entzündung im Ohr oder in der Nase führen.

Auch eine Bronchitis kann neben der Geschmacksstörung entstehen und zu schwerwiegenden Beschwerden führen. Weiterhin kann es auch zu Störungen an den inneren Gefäßen kommen, sodass eine vollständige Erblindung auftreten kann. Auch andere Störungen der Sensibilität können neben der Geschmacksstörung im Gesicht auftreten, weswegen die Krankheit auf jeden Fall von einem Arzt untersucht und behandelt werden muss.

Durch Diabetes kann es neben den Sensibilitätsstörungen auch zum Anstreben der Extremitäten kommen. Die Behandlung der Geschmacksstörung wird kausal durchgeführt. Dabei treten zwar keine Komplikationen auf, allerdings kommt es nicht in jedem Falle zu einem positiven Krankheitsverlauf. In den meisten Fällen kann die Störung allerdings durch eine ausreichende Mundhygiene und mit Hilfe von Antibiotika wieder bekämpft werden.

Behandlung und Therapie

Nicht jede Form der Geschmacksstörung ist eindeutig erforscht und behandelbar. Vor allem die qualitativen Dysgeusien sind schwer zu therapieren. In den meisten Fällen sind Geschmacksstörungen jedoch nach weniger als einem Jahr von alleine wieder verschwunden, ohne dass es einer speziellen Behandlung bedarf.

Grundsätzlich richtet sich die Therapie von Geschmacksstörungen nach der jeweiligen Ursache. Ist eine Medikamenteneinnahme der Grund für das Auftreten einer Geschmacksstörung, kann das Mittel in Absprache mit dem Arzt weggelassen oder ein Ersatz dafür gesucht werden. Allein das kann helfen, dass die Beschwerden verschwinden.

Auch die erfolgreiche Behandlung der Grunderkrankung führt häufig dazu, dass sich ebenfalls die Geschmacksstörung verbessert oder sogar vollständig verschwindet. Das kann die Operation eines Tumors sein, nach dessen Entfernung sich die Beschwerden deutlich bessern. Auch die Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung mit Tabletten, lässt in manchen Fällen eine Geschmacksstörung wieder verschwinden.

In manchen Fällen ist eine bakterielle Entzündung, beispielsweise die der Mundschleimhaut, Auslöser einer Dysgeusie. Diese Entzündung lässt sich mit einem Antibiotikamittel behandeln, so dass die Symptome verschwinden.

Erste Erfolge bei einer qualitativen Geschmacksstörung zeigen sich auch bei medikamentösen Behandlungen. Bei einer Dysgeusie durch Nervenschäden setzen Mediziner Alpha-Liponsäre ein. Bei nicht geklärter Ursache verabreichen Ärzte auch Zink beziehungsweise Zinkglukonat.

Ist eine Geschmacksstörung stark ausgeprägt und mit erheblichem Leidensdruck des Patienten verbunden, verschreiben Ärzte in Ausnahmefällen ein lokales Betäubungsmittel, das die starken Beschwerden lindert.


Vorbeugung

Auch bei einer Geschmacksstörung kann eine gesunde Lebensweise dazu beitragen, das Risiko einer Erkrankung zu minimieren. Am Wichtigsten ist es jedoch, die Ursachen im Blick zu haben. Ganz besonders gilt dies bei einer vorliegenden Grunderkrankung, die die Sinnesstörung ausgelöst hat.

Eine regelmäßige Mundhygiene oder die konsequente Einnahme von Tabletten bei einer Schilddrüsenunterfunktion können demnach dazu beitragen, eine erneute Geschmacksstörung zu verhindern.

Quellen

  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021

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