Verstopfung (Obstipation)

Letzte Aktualisierung am 15. Mai 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Verstopfung, die im Lateinischen auch als Obstipation bezeichnet wird, ist eine Fehlfunktion des Darmes, der sich nur erschwert oder sehr selten entleert. Bei Darmentleerungen weniger als 3-mal wöchentlich über einen längeren Zeitraum (2-3 Monate) spricht der Mediziner von einer Verstopfung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Verstopfung?

Unzureichende Bewegung und zu wenig Wasser führen häufig zu Verstopfungen. Bauchschmerzen, Schwindel und Übelkeit sind typische Symptome einer Verstopfung.

Im Zusammenhang von einer Verstopfung wird der Normalwert der Darmentleerung betrachtet. Dabei wird von einer normalen Darmentleerung mindestens dreimal in einer Woche ausgegangen. Der Darminhalt wird während seiner bis zu dreißig Stunden dauernden Passage durch die einzelnen Darmabschnitte von allen für den Körper wichtigen Stoffen getrennt und als unverwertbarer Rest aus dem After ausgeschieden.

Ein verstärkter Entzug von Wasser während eines stark verlängerten Aufenthaltes im Darm macht den Stuhl bei Verstopfung trocken und verhindert eine regelmäßige Entleerung des Darms. Bekannt ist die Verstopfung als Störung der Darmfunktion schon aus historischen Zeiten.

Ursachen

Die Ursachen für Verstopfung sind vielfältig. Bewegungsmangel und eine ballaststoffarme Nahrung werden häufig als Gründe für Verstopfung angesehen.

Medizinische Erklärungen für die Fehlfunktion sprechen auch von einer mangelnden Peristaltik nach Operationen, von Verwachsungen im Bauchinneren, von Stoffwechselstörungen, von einer zu geringen Aufnahme von Flüssigkeit, von Kaliummangel oder von einer besonderen Art des Reizdarmes.

Sehr oft wird falsche Ernährung als Grund für die Verstopfung angesehen. Bei Beschwerden, die sich häufiger bemerkbar machen, sollte unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden.

Wenn die Darmentleerung oft mehr als vier Tage oder länger auf sich warten lässt, spricht man schon von einer chronischen Obstipation. Es droht eine allgemeine Verschlechterung des

Gesundheitszustandes mit starken Schmerzen, Vergiftungserscheinungen des Körpers und Schock. Lässt sich die Darmentleerung nicht mit Hausmitteln herbeiführen, muss der Arzt helfen. Um eine Behandlung mit operativen Methoden zu verhindern, sollte man frühzeitig auf die Symptome der Verstopfung reagieren. Heftige Schmerzen, ein sich hart anfühlender Bauch und Schock sind schon Zeichen für eine akute Darmverstopfung.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Verstopfung:

Die Verstopfung kann sich durch verschiedene Symptome äußern. Anfänglich ist ein Völlegefühl sowie ein allgemeines Unwohlsein zu verzeichnen. Weiterhin ist der Bauch aufgebläht und der Stuhlgang schmerzhaft und schwierig.

Während des Stuhlgangs werden zudem in der Regel unter großer Pressanstrengung kleine und harte Kotportionen ausgeschieden. Die Betroffenen haben oft das Gefühl, dass der Darm nicht entleert ist. Neben diesen Symptomen können zudem Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie Appetitlosigkeit und ein permanentes Druckgefühlt auftreten.

Eine kurzzeitige Verstopfung ist in der Regel unbedenklich. Geht die Verstopfung allerdings mit Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, ungewöhnlicher Gewichtsabnahme oder starken Bauchschmerzen einher, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da die Gefahr eines lebensbedrohlichen Darmverschlusses besteht.

Wann zum Arzt?

Verstopfung (Obstipation) ist ein Beschwerdebild, das relativ häufig vorkommt und den Gang zum Arzt in der Regel nicht sofort erfordert. Es können erst einige Tage Hausmittel wie die Einnahme von Flohsamenschalen in Verbindung mit einer ausreichender Trinkmenge eingesetzt werden. Wenn dies nicht hilft, kann auch Milchzucker eine andere pflanzliche Abführhilfe versucht werden, eher der Besuch beim Arzt ansteht.

Sofort zum Arzt heißt es dagegen für Patienten, die starke Schmerzen, unter Umständen mit Übelkeit und Erbrechen, haben. Hier gilt es, durch den Arztbesuch einen Darmverschluss mit seinen mitunter lebensgefährlichen Komplikationen auszuschließen beziehungsweise zeitnah zu behandeln. Auch Krebspatienten, die einen Tumor im Magen-Darm-Trakt in ihrer Geschichte haben, lassen eine ungewöhnliche Verstopfung lieber rasch durch den behandelnden Arzt abklären. Das gilt auch für Schwangere, die aus Angst vor Fehl- oder Frühgeburt kein Abführmittel zu sich nehmen möchten.

Wenn die Verstopfung mit Fieber oder hart angespannten Bauch einhergeht, ist der Arztbesuch ebenfalls ratsam. Diese Begleitsymptome können darauf hindeuten, dass es sich nicht um eine ernährungsbedingte Verstopfung ohne Krankheitswert handelt. Auch chronische Verstopfung macht den Gang zum Arzt ratsam, insbesondere dann, wenn starkes Pressen beim Stuhlgang Hämorrhoiden vergrößert oder eine blutende Analfissur verursacht hat. Hier ist eine gezielte Ernährungsumstellung ebenso wichtig wie die Behandlung der Symptomatik durch den Arzt.

Diagnose

Um eine Verstopfung zu diagnostizieren, führt der Arzt zuerst ein Gespräch mit dem Patienten, indem er ihn zu seinen Symptomen befragt. Darüber hinaus muss er wissen, wie der Stuhl beschaffen ist. Ob sich Schleim oder Blut darin befindet oder ob andere Auffälligkeiten wie Bauchschmerzen und Blähungen vorliegen. Zudem interessiert den Arzt, ob der Patient in der letzten Zeit zu- oder abgenommen hat, ob Rückenschmerzen vorliegen oder bereits Erkrankungen im Oberbauch festgestellt wurden. Die detaillierte Anamnese bildet dann die Basis für die Diagnose Verstopfung.

Im Rahmen der sich anschließenden körperlichen Untersuchung wird der Arzt mit dem Finger den Enddarm rektal abtasten. Für die weitere Diagnostik können Laboruntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung der Organe im Bauch und eine Darmspiegelung notwendig sein. Auch bildgebende Verfahren wie Computertomografie und MRT können notwendig werden. In der Regel wird der Hausarzt den Patienten mit erhärtetem Verdacht auf Verstopfung zu Fachärzten wie Urologen, Gynäkologen, Proktologen oder Neurologen überweisen.

Komplikationen

Eine Verstopfung kann zu verschiedenen Komplikationen führen, wenn sie in Verbindung mit einer anderen Erkrankung auftritt oder einen schweren Verlauf nimmt. Zunächst besteht die Gefahr, dass die Darmwände verletzt werden. Bei der Ausscheidung kann der verhärtete Kot zu Analfissuren und Hämorrhoiden führen. Außerdem können sich Krämpfe und Schmerzen im Bereich des Magens einstellen. Eine länger andauernde Verstopfung begünstigt Fieber, Schüttelfrost und Herzrasen.

Mit dem Fortschreiten des Leidens erhöht sich die Belastung für den gesamten Körper, insbesondere für den Magen-Darm-Trakt, das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System. Liegt zeitgleich eine Bettlägerigkeit vor, kann die Obstipation zu einem Darmverschluss führen. Dann kann es zu einem Magendurchbruch und weiteren Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung oder einer Blutvergiftung kommen.

Bei chronischer Verstopfung besteht außerdem die Gefahr, dass sich eine Stuhlinkontinenz entwickelt. Eine anorektale Inkontinenz begünstigt Magen-Darm-Infekte und eine Entzündungen im Bereich des Afters. Zudem führt sie zu psychischen Problemen wie sozialen Ängsten und Minderwertigkeitskomplexen.

Wenn die Verstopfung operativ behandelt werden muss, können weitere Komplikationen auftreten. Viele Folgeerscheinungen lassen sich vermeiden, indem die Obstipation frühzeitig ärztlich behandelt wird. Eine medikamentöse Behandlung der Verstopfung ist mit den üblichen Neben- und Wechselwirkungen verbunden. So können Präparate wie Buscopan unter anderem zu einem beschleunigten Herzschlag, anhaltender Mundtrockenheit und Benommenheit führen.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Verstopfung reicht von Hausmitteln bis zur Operation. Leichte Fälle sind mit einfachen Glyzerinzäpfchen aus der Apotheke rasch zu behandeln, dabei wird der Körper nicht mit einer Medikamenteneinnahme belastet.

Die in den After einzuführenden Zäpfchen lösen sich dort auf und erweichen den Stuhl, der dann ausgeschieden wird. Diese Hilfe wird als sehr angenehm empfunden und besser vertragen als ein Klistier, das ebenfalls auf mechanische Weise die Verstopfung mit einer Einspritzung von warmem Wasser in den After auflöst.

Beide Methoden helfen rasch, da wenig Einwirkungszeit nötig ist. Für leichte Fälle von Verstopfung sind auch die in Drogerien und Apotheken erhältlichen Früchtepresswürfel eine gute Lösung. Diese werden zerkaut und mit viel Flüssigkeit eingenommen. Sie quellen im Darm und fördern durch den Gehalt an Sennesblättern und durch die pflanzlichen Ballaststoffe den Stuhlgang.

Eine Tasse Sennesblättertee hat eine sehr wirksame Darmentleerung zur Folge, die genaue Dosierung ist hier zu beachten. Mittel, die man einnehmen muss und die den Darm passieren müssen, benötigen eine längere Wirkungszeit gegen die Verstopfung.

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Vorbeugung

Vorbeugen gegen Verstopfung kann man mit regelmäßiger Bewegung, einer ausgewogenen ballaststoffreichen Ernährung und mit einem geregelten Tagesablauf.

Gute natürliche Mittel gegen eine Verstopfung sind Pflaumen, Pfirsiche und Aprikosen. Diese Früchte helfen zu einer schnellen Darmpassage der Nahrung.

Verstopfung lässt sich auch mit einer ausreichenden Aufnahme von Flüssigkeit verhindern, es ist von Bedeutung, genug Wasser oder Kräutertee über den Tag zu trinken.

Viele Patienten gewöhnen sich die Einnahme von Ballaststoffen in Form von Leinsamen oder Getreideflocken aus der Apotheke gegen Verstopfung an.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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