Sakroiliitis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 2. Juli 2016
Gesundpedia.deSymptome Sakroiliitis

Bei der Sakroiliitis handelt es sich um eine äußerst schmerzhafte Entzündung des Iliosakralgelenks. Dieses befindet sich im Kreuz, zwischen dem Kreuz- und Darmbein. Im Vergleich zu den anderen Gelenken hat es einen sehr kleinen Bewegungsradius. Lagebedingt ist es zudem einer großen Belastung ausgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Sakroiliitis?

Bei der Sakroiliitis ist das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk entzündet. Während das Darmbein ein Teil des Beckens ist, handelt es sich beim Kreuzbein um einen unteren Teil der Wirbelsäule. Das Iliosakralgelenk ist der Ort, wo sich das Becken und die unteren Wirbelsäule verbinden. Die Entzündung kann beispielsweise zu Schmerzen im unteren Rücken sowie am Gesäß führen. Zum Teil kann sich dies sogar auf ein oder beide Beine ausweiten. Die Schmerzen werden durch verschiedene Tätigkeiten wie ein langes Stehen oder ein Treppensteigen noch verstärkt. Die Sakroiliitis kann in verschiedene Stufen eingeteilt werden:

  • Stufe 1: Es liegen verdächtige Veränderungen vor.
  • Stufe 2: Umschriebene Erosionen, bei einer normalen Gelenkspaltweite und/oder subchondrale Sklerosierungen,
  • Stufe 3: Deutliche Erosionen sowie Gelenkspalterweiterung und/oder -verschmälerung, Ankyloseknospen können bereits vorliegen
  • Stufe 4: Knöcherne Versteifung (Ankylose)

Die Sakroiliitis ist gewöhnlich keine eigenständige Krankheit, sondern resultiert meist aus einer anderen Grunderkrankung.

Ursachen

Die Sakroiliitis kommt nur extrem selten als allein stehende Erkrankung vor. In der Regel handelt es sich um eine Folgeerkrankung bzw. Komplikation einer bestehenden Grunderkrankung. Dazu gehören:

Krankheiten, die mit der Sakroiliitis einhergehen, sind häufig verschiedene rheumatische Erkrankungen. Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind oftmals der Auslöser für eine Sakroiliitis. Welche Faktoren letzten Endes vorliegen müssen, dass sich eine Sakroiliitis entwickelt, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, allerdings liegt auch eine genetische Disposition vor.

Entzündung der Iliosakralgelenke (Sakroiliitis).

Symptome und Verlauf

Die Schmerzen treten bei der Sakroiliitis am häufigsten im Gesäß und unteren Rücken auf. Teilweise kann die Entzündung zudem Auswirkungen auf die Leiste, Beine und Füße haben. Die Schmerzen können akut, aber auch chronisch sein. Zunächst einmal werden sie von vielen Betroffenen allgemein als Rückenschmerzen bezeichnet, allerdings zeigen sich bei einem genaueren Nachfragen sowie Untersuchungen feine, aber deutliche Unterschiede. Aufgrund dieser Verallgemeinerung könnte nach aktuellen Studien bei rund 20 Prozent aller chronischen Rückenschmerzen tatsächlich Sakroiliitis der Auslöser sein. Die Schmerzen können bei der Sacroiliitis durch folgendes verstärkt werden:

  • Längeres Stehen
  • Auf einem Bein ist mehr Gewicht verlagert als auf dem anderen
  • Laufen, insbesondere unter großen Schritten
  • Treppensteigen

Die Sakroiliitis kann außerdem eine Rötung und Schwellung in diesem Bereich des Körpers verursachen. Viele Patienten haben auch Sitzbeschwerden, die oftmals zu einer einseitigen Sitzhaltung führen. Die Sakroiliitis zählt zu den chronisch-progredienten Entzündungen. Dies bedeutet, dass die Entzündung nicht mehr gänzlich zu heilen ist. Im Laufe der Zeit nimmt die Erkrankung an Schwere eher zu. Durch eine konsequente Physiotherapie kann heutzutage eine Schwerbehinderung jedoch meist verhindert werden.

Diagnose

Um die Sakroiliitis zu diagnostizieren, spielen die Entstehungsgeschichte der Beschwerden (Anamnese), die Symptome, die Lokalisation der Schmerzen und wohin sie ausstrahlen sowie die Einschränkungen für den Patienten eine entscheidende Rolle. In der körperlichen Untersuchung wird die Schmerzverteilung überprüft und eingegrenzt. Beim so genannten Provokationstest übt der Mediziner durch bestimmte Bewegungen Belastungen auf das Gelenk aus, die bei einer Erkrankung typische Schmerzen auslösen oder verstärken. Dies gilt als wichtiger Hinweis.

Im weiteren Verlauf können unter einer Röntgen- oder CT-Kontrolle Injektionen in das Gelenk durchgeführt werden. Damit ist es möglich, zu testen, ob die Schmerzen für die Wirkdauer des Betäubungsmittels abzuschalten sind, was ebenso ein Hinweis wäre, dass die Sakroiliitis vorliegt. Zu den weiteren diagnostischen Maßnahmen gehören eine Computertomographie des Gelenks sowie die Anfertigung einer Kernspinaufnahme der Wirbelsäule. Damit können andere Erkrankungen ermittelt oder ausgeschlossen werden, die sich zum Beispiel aus der Wirbelsäule ergeben.

Auf dem Röntgenbild lassen sich Veränderungen jedoch erst nach etwa acht Jahren Krankheitsdauer nachweisen, während das MRT eine frühere Diagnose erlaubt. Wurde eine Sakroiliitis diagnostiziert, ohne dass im Vorfeld eine der genannten Grunderkrankungen festgestellt werden konnte, ist eine weiterführende Diagnostik wichtig, um diese zum Teil schwerwiegenden Krankheiten rasch zu therapieren.

Behandlung und Therapie

Die Therapie der Sakroiliitis beläuft sich in erster Linie auf einer konsequenten und fachmännischen Physiotherapie sowie der Linderung der Schmerzen. Der Patient sollte zudem eine Anleitung erhalten, um auch zu Hause regelmäßig Gymnastik durchführen zu können. Für die Behandlung der Schmerzen werden vorwiegend nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) verabreicht. Dazu gehören zum Beispiel Ibuprofen und Diclofenac. Diese Schmerzmittel sollten jedoch nur bei Bedarf und zeitlich begrenzt genommen werden.

Eine weitere Möglichkeit sind Kortikosteroide, die zeitweise eingesetzt werden können. Diese werden oftmals verabreicht, wenn andere Medikamente die Schmerzen nicht lindern. Die Kortikosteroide können ebenso direkt in die Iliosakralgelenke injiziert werden. Weitere entzündungshemmende Medikamente, beispielsweise Sulfasalazin oder Biologicals, werden ebenso im Rahmen der Behandlung einer Sakroiliitis genutzt. Welche Mittel sinnvoll sind, ist auch davon abhängig, aus welcher Erkrankung die Sakroiliitis resultiert.

Bei einer sehr fortgeschrittenen Erkrankung kann eine operative Therapie manchmal die letzte Möglichkeit sein. Dabei müssen jedoch die Vor- und Nachteile genau abgewägt werden. Ist die Entscheidung für einen chirurgischen Eingriff gefallen, kommen eine Aufrichtungs-OP oder ein Gelenkersatz infrage. Vorrangig ist allerdings stets die konservative Behandlung mit einer Schmerzmedikation, einer manuellen und speziellen Physiotherapie und nach Möglichkeit einer Umstellung der vorhandenen Belastungsfaktoren. In einer Schmerzklinik werden noch ergänzende Methoden zur Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt. Dazu gehören unter anderem:

  • Physiotherapie wie Krankengymnastik oder andere Anwendungen
  • Wärme und/oder Kälte
  • Entspannungsverfahren
  • Schmerzbewältigungstraining

Wenn bereits über einen längeren Zeitraum chronische Schmerzen bestehen, muss davon ausgegangen werden, dass mittlerweile der Grad II oder sogar III vorliegt. In diesen Fällen ist eine Behandlung, die nur auf den Körper bezogen ist, oftmals nicht mehr ausreichend, sodass meist zusätzlich noch psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten. Solche Behandlungen sind allerdings ambulant nur selten möglich, denn nur sehr wenige niedergelassene Psychologen verfügen über eine entsprechende Weiterbildung im Bereich spezielle Schmerzpsychotherapie.



Vorbeugung

Abhängig von der Grunderkrankung ist die Sakroiliitis oftmals nicht vorzubeugen. Es ist eine Veränderung oder Vermeidung der Aktivitäten möglich, die zur Entzündung im Iliosakralgelenk und den daraus resultierenden Schmerzen beitragen. Zudem ist die richtige Körperhaltung wichtig. Das Gleiche gilt für eine optimal ausgeführte Technik bei den verschiedenen Sportarten, die ebenso zu einer Sakroiliitis führen können.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Christa kommentierte am 27.09.2016 um 13:17 Uhr

Ich habe eine chronische Sakroiliitis, die sich diesmal unter der linken Gesäßbacke zeigt. Ich kann mich nicht mehr ins Bett legen, da ich beim Aufstehen unerträgliche Schmerzen habe. Ich bin deshalb in einem Schmerztherapie Zentrum. Sämtliche Morphinpräparate zeigen keinerlei Wirkung. Wer hat die gleichen Beschwerden und welche Behandlung war hilfreich?

Angelika Wolfner kommentierte am 21.10.2016 um 18:42 Uhr

Ich wurde vor 2 Jahren am Sakralgelenk operiert. Nach langer Zeit der Behandlung mit Schmerzmitteln, Physiotherapie und Entspannungstechnicken half mir nichts mehr. Wir fanden im Internet einen Arzt der mir helfen konnte. Ich bin heute schmerzfrei. Ich kann wieder meinen Beruf ausüben, Sport machen und vorallem wieder auf einem Stuhl sitzen.