Muskelzittern

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 15. Dezember 2016
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Muskelzittern sind nicht bewusst gesteuerte Bewegungen einzelner Muskeln, die meist plötzlich auftreten. Sie können auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, sodass die Diagnose oft umfangreiche Untersuchungen notwendig macht. In der weitaus überwiegenden Mehrheit der Fälle stellt sich das Muskelzucken als harmlos und nicht pathogen heraus, sodass keine gezielte Behandlung notwendig wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Muskelzucken?

Der Term Muskelzittern ist ein Sammelbegriff. Hierunter werden unterschiedliche ungesteuerte Bewegungen der Muskulatur bezeichnet, die meist unerwartet einsetzen und verschiedene Bereiche des Körpers umfassen können. Die Intensität der Zuckungen ist nicht bei allen Betroffenen gleich, sondern durchaus unterschiedlich und von diversen Variablen abhängig. In akuten Fällen kommt es zu einer vollständigen Verkrampfung der Muskulatur. Der gesamte Körper kann dann plötzlich erstarren.

Solche stark sichtbaren Muskelzuckungen werden in der Fachwelt als Myoklonien bezeichnet. Sie können das Symptom einer schwerwiegenden Krankheit wie Epilepsie sein, was jedoch nicht zwingend ist. Myoklonien gehen wegen ihrer starken Ausprägung mit einem nicht zu unterschätzenden Verletzungsrisiko für die Betroffenen einher, sodass Vorsichtsmaßnahmen zu treffen sind. Solche Muskelzuckungen, die gezielt verstärkt oder ausgelöst werden können, werden als Aktionsmyoklonus bezeichnet.

Geringfügige Zuckungen der Muskulatur äußern sich hingegen meist durch ein leichtes Zittern, das häufig erst bei genauerem Hinsehen bemerkbar wird. Diese Art von Muskelzucken wird in der medizinischen Fachsprache als [Faszikulation]] bezeichnet. Unabhängig von der Intensität können Muskelzuckungen arhythmisch oder rhythmisch ausfallen. Letztere werden in Wissenschaft, Forschung und Praxis als Tremor bezeichnet und können an Gesichtsmuskulatur, Armen, Beinen oder Rumpf auftreten.

Ursachen

Muskelzittern kann zahlreiche Ursachen haben, wobei nicht nur somatische Erkrankungen, sondern auch Psychosomatosen in Betracht zu ziehen sind. Zu den häufigsten somatischen Ursachen, die eine Zuckung der Muskeln verursachen, zählen Epilepsien. Hierbei kommt es zu spontanen Krampfanfällen, die nicht von adäquaten äußeren Umständen (z. B. Stromschlag) herrühren. Neurologisch werden Epilepsien durch synchrone Entladungen von Neuronengruppen im Gehirn ausgelöst.

Als Ursache kommt aber auch eine Multiple Sklerose (MS) in Betracht. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die zu einem Angriff der dortigen Markscheiden führt. Die exakten Gründe, die zu dieser Erkrankung führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Eine weitere denkbare neurologische Erkrankung, die zum Entstehen von Muskelzuckungen führt, ist eine Amyothrophe Lateralsklerose (ALS). Diese ist durch eine irreversible Degeneration der menschlichen Neuronen geprägt und führt zur Unbeweglichkeit der einzelnen Muskeln.

Weitere Ursachen können Gehirnblutungen oder –entzündungen sowie orthopädische Erkrankungen, die zu einer Reizung der Nerven führen, sein. In Betracht zu ziehen sind aber auch Durchblutungsstörungen. Hier kommt es zu einer lokalen Unterversorgung der Nerven, was zum Entstehen der Muskelzuckungen führt. Derartige Durchblutungsstörungen gehen meist mit Gefühlsstörungen, Missempfindungen und ähnlichen Parästhesien einher.

Daneben können aber auch Fieberkrämpfe, Morbus Wilson, die Creuzfeldt-Jakob-Krankheit, Diabetes mellitur oder Parkinson zum Entstehen von Muskelzuckungen führen. Darüber hinaus stellen auch psychische Erkrankungen eine potenzielle Ursache für Muskelzucken dar. Diese sind dann Psychosomatosen und auf keine adäquate körperliche Ursache zurückzuführen. Häufig werden Depressionen, Angstzustände, Burnout oder Stress diagnostiziert.

Vor allem harmlose Muskelzuckungen werden durch Mangelerscheinungen wie Magnesiummangel, Kälte bzw. Unterkühlung oder Unterzuckerung ausgelöst. Hier sind die Zuckungen bloß vorübergehend und nicht dauerhaft. Allerdings können auch stimulierende Substanzen wie etwa Koffein zu Muskelzuckungen verschiedener Intensitäten führen, sodass auch das als Ursache zu berücksichtigen ist. Weitere nicht unbedingt durch Krankheiten ausgelöste Zuckungen der Muskeln können auf Entzugserscheinungen nach langjährigem Substanzmissbrauch (z. B. Alkohol, Drogen, Zigaretten) oder unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen sein.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose muss aufgrund der Vielzahl von in Betracht kommenden Ursachen besonders differenziert ablaufen. Es wird deshalb der Weg einer Differenzialdiagnostik einzuschlagen sein. Der behandelnde Arzt wird zu Beginn der Untersuchung fragen, wie häufig und unter welchen Umständen das Muskelzucken auftritt. Diese Fragen sind ehrlich zu beantworten, um die Diagnose nicht unnötig zu erschweren. Auch Vorerkrankungen sind im Rahmen der Anamnese anzugeben.

Im Anschluss an die Anamnese sowie die erste Befragung folgt eine umfassende körperliche Untersuchung. Bei Bedarf kann auch eine neurologische Untersuchung, die eventuelle Schädigungen der Nerven identifizieren bzw. ausschließen soll, angezeigt sein. Außerdem werden die Reflexe überprüft. Zu den gängigsten Untersuchungsmethoden gehören eine Elektroneurografie (ENG), bei der ein elektrischer Impuls einen Nervenreiz verursachen soll, eine Elektromyografie (EMG) sowie eine Elektroenzephalografie (EEG), bei der die Hirnaktivität gemessen wird.

Zudem können auch Computertomografien (CT), Kernspin- bzw. Magnetresonanztomographien (MRT), Liquoruntersuchungen sowie Biopsien (Gewebeproben) durchgeführt werden. Auch die Abgabe von Urin- und Blutproben kann notwendig sein. Sofern keine somatischen Ursachen aufgefunden werden und der Verdacht einer Psychosomatose besteht kommen auch psychologische und psychiatrische Untersuchungen in Betracht.

Behandlung und Therapie

Muskelzittern wird unterschiedlich behandelt. Maßgeblich ist die identifizierte Erkrankung, die die Zuckungen auslöst. Potenziell denkbar sind aber stets Entspannungstherapien. Diese sind vor allem dann angezeigt, wenn die Zuckungen mit Stress oder ungesunden Lebensumständen in Verbindung gebracht werden können. Daneben ist aber auch an eine medikamentöse Behandlung zu denken. Hierbei kommt es allerdings in besonderem Maße auf die Grunderkrankung an.

So werden etwa zur Behandlung des Tourette-Syndroms Neuroleptika (Psychopharmaka) verschrieben, welche auf das Zentralnervensystem (ZNS) einwirken. Eine Epilepsie wird hingegen mit Wirkstoffen wie Valproinsäure, Carbamazepin oder Clonazepam behandelt. Sofern sich die Muskelzuckungen als Nebenwirkungen herausstellen, müssen die eingenommenen Medikamente abgesetzt werden. Insbesondere bei starken Muskelzuckungen ist auch an die Durchführung einer Operation zu denken. Diese muss allerdings aufgrund der hohen Risiken immer ultima ratio bleiben. Psychosomatosen werden ausschließlich von Psychiatern, Psychotherapeuten oder Fachärzten für Psychosomatik behandelt.



Vorbeugung

Muskelzuckungen lassen sich nur vorbeugen, wenn sie auf den eigenen Lebensstil zurückzuführen sind. Das gilt etwa bei einem Mangel an Magnesium. Dann ist die Zufuhr an Vitaminen entsprechend zu erhöhen. Stressbedingten Zuckungen kann mit Entspannung begegnet werden. Auch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Sport sind hilfreich.

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