Fieberkrämpfe

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 4. Mai 2016
Gesundpedia.deSymptome Fieberkrämpfe

Bei Fieberkrämpfen handelt es sich um Krampfanfälle, die kleine Kinder im Rahmen von fiebrigen Infektionen erleiden. In den meisten Fällen enden die Anfälle von selbst oder können mit einem krampflösenden Mittel gestoppt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Fieberkrämpfe?

Fieberkrämpfe bezeichnen Krampfanfälle bei Babys oder Kleinkindern, die an einem fiebrigen Infekt erkrankt sind. Die Anfälle entstehen in der Regel ab einer Körpertemperatur von 38 Grad Celsius und sind nicht durch eine Entzündung im Bereich des Zentralnervensystems verursacht.

Zwei Typen von Fieberkrämpfen sind zu unterscheiden: die einfache Form mit einer Anfallsdauer unter 15 Minuten und einer Beteiligung des ganzen Körpers sowie die komplexe und damit kontrollbedürftige Form, die oft länger als 15 Minuten dauert, nur Körperteile erfasst und eine Wiederholungstendenz aufweist.

Betroffene Kinder erleiden ihre Fieberkrämpfe am häufigsten im zweiten Lebensjahr. Einfache Fieberkrämpfe sind in der Regel harmlos, bei komplizierten Formen oder erhöhter Krampfneigung wird in vielen Fällen im Rahmen einer weiterführenden Diagnostik nach einer eventuellen Ursache der Fieberkrämpfe gesucht.

Ursachen

Die genauen Ursachen von Fieberkrämpfen sind noch nicht endgültig erforscht. Als Mitverursacher der Anfälle gelten die verschiedenen Erkrankungen, auf deren Grundlage das Kind Fieber von 38 Grad Celsius oder mehr bekommt. Typisch sind Atemwegsinfekte, die Mittelohrentzündung, das Dreitagefieber oder eine Infektion der Verdauungsorgane.

Eine familiäre Disposition, also bereits erfolgte Fieberkrämpfe bei anderen Familienmitgliedern, wird ebenfalls als Entstehungsursache diskutiert. In einem von drei Fällen erleidet ein Kind später einen weiteren Anfall. Untersuchungen zeigten, dass es für die Wiederholung von Fieberkrämpfen bestimmte Faktoren gibt.

Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn ein Kind oft, aber eher über einen kurzen Zeitraum Fieber hat oder beim initialen Krampfanfall noch keine 18 Monate alt war. Auch mehrere Anfälle beim ersten auslösenden Fieber sowie bereits bestehende Störungen im Bereich des Zentralnervensystems können auf eine erhöhte Anfallsbereitschaft im Hinblick auf Fieberkrämpfe hinweisen.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Da Fieberkrämpfe beim Erscheinen des Arztes oft schon vorüber sind, wird die Diagnose meist anhand der Anfallsschilderung durch die Eltern gestellt. Bei einem einfachen Krampfanfall schließt sich oft nur die Diagnose und Behandlung der Grunderkrankung, die das Fieber ausgelöst hat, an. Der Verdacht auf komplizierte Fieberkrämpfe kann durch die Messung der Gehirnaktivität im Rahmen eines Elektroenzephalogramms (EEG), das nach dem Anfall durchgeführt wird, widerlegt oder bestätigt werden.

Bei auffälligem EEG – in der Regel auch bei einem Krampfanfall im ersten Lebensjahr – schließen sich Blutuntersuchungen und in vielen Fällen auch eine Lumbalpunktion an, um das Nervenwasser des Kindes auf Erreger, beispielsweise einer Gehirnhautentzündung, zu untersuchen. Fieberkrämpfe verlaufen in dem meisten Fällen harmlos und beenden sich ohne medizinische Intervention selbst.

Die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung beträgt etwa 30 Prozent. Bei komplizierten Fieberkrämpfen müssen eine erhöhte Krampfneigung sowie eine (bei etwa vier Prozent der Patienten im späteren Verlauf auftretende) Epilepsie in Betracht gezogen werden.

Behandlung

Vor allem harmlose Fieberkrämpfe terminieren sich nach kurzer Zeit selbst, sodass die Erste Hilfe im Wesentlichen darin besteht, das Kind zu beruhigen und während des Krampfanfalls vor Verletzungen zu schützen – jedoch ohne es massiv festzuhalten. Im Anschluss erfolgen klassische Therapien gegen das Fieber wie Zäpfchen oder Wadenwickel sowie das Zuführen von Flüssigkeit.

Bei einer Anfallsdauer von mehr als zwei Minuten sollten Fieberkrämpfe mit Antiepileptika (zum Beispiel Diazepam-Zäpfchen) unterbrochen werden. Ein Notarzt ist zu verständigen, wenn der Krampfanfall nach fünf, maximal acht Minuten immer noch nicht beendet ist oder sich wiederholt. Bei bekannter Neigung zu Fieberkrämpfen kann der Kinderarzt auch eine Anfallsprophylaxe vorschlagen, bei der dem fiebernden Kind ab 38 bis 38,5 Grad Celsius Diazepam in Zäpfchenform gegeben wird.

Werden als Ursache für einen Krampfanfall eine Gehirnhautentzündung oder eine andere Krankheit festgestellt, richtet sich die Behandlung auf die Beseitigung beziehungsweise Linderung der Grunderkrankung. Ergibt sich im Laufe der Kontrollen nach komplizierten Fieberkrämpfen eine Epilepsie als auslösende Ursache, wird ebenfalls eine entsprechende Therapie eingeleitet – zum einen, um die Epilepsie frühzeitig zu behandeln, zum anderen, um bei fieberhaften Infektionen die Wahrscheinlichkeit von weiteren Fieberkämpfen bestmöglich zu reduzieren.



Vorbeugung

Eine primäre Vorbeugung von Fieberkrämpfen ist in der Regel nicht möglich – es sei denn, es wurde bereits im Vorfeld eine die Anfälle auslösende Ursache wie beispielsweise eine Epilepsie diagnostiziert. Bei erhöhter Auftrittswahrscheinlichkeit von Fieberkrämpfen – zum Beispiel bei Anfallshäufung in der Familie oder wenn das Kind schon in einem sehr jungen Alter einen Krampfanfall hatte – sollten bei einer fieberhaften Erkrankung zur Prophylaxe eines Anfalls grundsätzlich Maßnahmen zur Fiebersenkung (Zäpfchen, Wadenwickel) ergriffen werden. Bei hoher Krampfneigung kann der Kinderarzt auch ein Medikament zur Vorbeugung von Fieberkrämpfen verschreiben.

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