Hypoproteinämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. September 2017
Gesundpedia.deKrankheitenHypoproteinämie

Bei der typischen Hypoproteinämie kommt es im Blutplasma zu einer Verringerung der Eiweißkonzentration. Es handelt sich dabei nicht um eine eigenständige Krankheit, da sie in der Regel eine Folge anderer Störungen ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hypoproteinämie?

Die Konzentrationen an Proteinen im Blutplasma liegen bei einer Hypoproteinämie unter 6 g/dl (alte Einheit für den Hämoglobinwert – neue Einheit: mmol/l). Der Proteingehalt eines Erwachsenen liegt im Normalfall zwischen 6,1 bis 8,1 g/dl. Die häufigste Form ist die Hypalbuminämie. Dabei liegen sehr geringe Konzentrationen an Albumin vor. Nur in seltenen Fällen sind die so genannten Immunglobuline geringer.

Ein Mangel an Albuminen führt in der Regel zu Ödemen sowie erhöhten Bilirubin-, Fettsäure- und Hormonkonzentrationen im Blut. Liegt ein Mangel an Immunglobulinen vor, dann kommt es zu einer Schwächung der Immungabwehr. Die Hypoproteinämie wird in der Medizin nicht als eigenständige Krankheit definiert, sondern ist vielmehr ein Symptom von speziellen Grunderkrankungen oder funktionellen Störungen.

Ursachen

Es gibt in der Medizin für die Entstehung einer Hypoproteinämie vier mögliche Ursachen. Diese sind Mangelernährung, Malabsorption, ein hoher Eiweißverlust sowie eine Störung der Eiweißsynthese. Verschiedene Erkrankungen können dabei zu einer Verringerung der Absorption der Proteine im Darm (Malabsorption) führen. Hierzu zählen unter anderem Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. Zöliakie), Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel, Mukoviszidose und chronische Erkrankungen des Darms.

Zu einer Mangelernährung kommt es bei Magersucht (Anorexia nervosa), Hunger oder auch bei Tumoren, die sich im Magen-Darm-Trakt befinden. Es gibt außerdem bestimmte Erkrankungen, die einen Verlust von Eiweiß verursachen. Dazu gehören vor allem Erkrankungen der Nieren (z. B. nephrotisches Syndrom), die hohe Proteinverluste zur Folge haben. Auch großflächige Verbrennungen sowie Dermatosen tragen dazu bei, dass der Körper viel Eiweiß verliert.

Die Leberzirrhose und das Antikörpermangelsyndrom gehören zu den Erkrankungen, bei denen eine Störung der Eiweißsynthese vorliegt. All diese Erkrankungen und Erscheinungen führen in der Regel zu einer Hypoproteinämie.

Wann zum Arzt?

Eine Hypoproteinämie muss von einem Arzt behandelt werden. In der Regel können verschiedene Grunderkrankungen zu dieser Beschwerde führen, sodass eine Untersuchung und Diagnose der Grunderkrankung auf jeden Fall notwendig ist. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn der Betroffene über einen längeren Zeitraum an einem niedrigen Blutdruck leidet. Dabei kann es zu einer Müdigkeit oder zu starken Schwindelgefühlen kommen. Ödeme können dabei auf die Hypoproteinämie hindeuten und sollten untersucht werden.

Weiterhin kann auch die Belastbarkeit des Betroffenen durch die Krankheit deutlich absinken. Sollte der Patient häufig an Infekten oder Entzündungen leiden, die ohne einen besonderen Grund auftreten, so ist ebenso die Untersuchung durch einen Arzt sehr ratsam. Die Diagnose dieser Krankheit kann in der Regel durch den Allgemeinarzt erfolgen. Die weitere Behandlung richtet sich allerdings stark nach der Grunderkrankung und wird daher von einem Facharzt durchgeführt. Eventuell sind dabei operative Eingriffe notwendig, um die Beschwerden vollständig zu lindern. Bei einer frühzeitigen Diagnose steigt dabei die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Heilung.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Hypoproteinämie:

Zu den typischen Symptomen einer Hypoproteinämie gehören Ödeme, Pleuraerguss, Aszites sowie niedriger Blutdruck (Hypotonie). Da die Hypoproteinämie oft Folge von lebensbedrohlichen Krankheiten ist, kann es oft zu einem dramatischen Krankheitsverlauf kommen. Liegt ein Immunglobulinmangel vor, dann kann es aufgrund gefährlicher Infektionen zu einer Schwächung des Immunsystems kommen. Allerdings liegt in den meisten Fällen ein Albuminmangel vor, wodurch es zu Ödemen kommt.

Bei schwerwiegenden Fällen kommt es dann zu Aszites oder Pleuraerguss. Bei einem Aszites handelt es sich um Wasseransammlungen im Bauchraum zwischen den einzelnen Organen, man spricht von einem Hungerbauch. Der Pleuraerguss bezeichnet die Ansammlung von Wasser in der Lunge. Gerade beim Aszites kann es schnell dazu kommen, dass Bakterien aus dem Darm in den Bauchraum übertreten. Ist das Immunsystem bereits geschwächt, dann können alle Infektionen zum Tod führen.

Wasseransammlungen entstehen in den Blutgefäßen, wenn sich der kolloidosmotische Druck (onkotischer Druck) verringert. Hier sickert durch die Blutgefäße Wasser nach außen. Liegt die Konzentration der kolloidalen Eiweißteilchen im Normbereich, dann könnte der Flüssigkeitsverlust aufgrund ausreichenden onkotischen Drucks verhindert werden. Patienten leiden neben Ödemen außerdem an einem zu niedrigen Blutdruck. Im gleichen Zug kommt es zu einer Erhöhung der Konzentration von Bilirubin, Hormonen und Fettsäuren im Blut. Das liegt vor allem daran, dass die Albumine aufgrund ihres Mangels über eine zu geringe Aufnahmekapazität verfügen.

Diagnose

Sämtliche Symptome der Hypoproteinämie führen zunächst nur zu einer Verdachtsdiagnose. Mit Hilfe einer so genannten Serumproteinelektrophorese wird dann festgestellt, inwieweit eine niedrige Konzentration an Albuminen oder Immunglobulinen vorliegt. Eine Hypoproteinämie tritt jedoch nie isoliert auf, weshalb es von besonderer Bedeutung ist, ihre Ursache zu erkennen und die zu Grunde liegende Erkrankung effektiv zu behandeln.

Komplikationen

In der Regel hängen die Komplikationen und der weitere Verlauf bei dieser Krankheit sehr stark von der Ursache der Krankheit ab, sodass ein allgemeiner Verlauf dabei nicht gegeben werden kann. Die Betroffenen leiden dabei allerdings an Einblutungen und an einem deutlich verringerten Blutdruck. Durch den niedrigen Blutdruck kann es zu Schwindelgefühlen oder zu einem Bewusstseinsverlust kommen. Dabei kann sich der Betroffene bei einem Sturz verletzen. Auch die Konzentration wird durch die Hypoproteinämie deutlich geschwächt, was vor allem bei Kindern zu einer Müdigkeit und einer Abgeschlagenheit führen kann.

Ebenso wird dadurch auch die kindliche Entwicklung erheblich verzögert und eingeschränkt. Sollte die Hypoproteinämie nicht behandelt werden, so kann der Betroffene an dieser Krankheit im schlimmsten Falle versterben. Die Behandlung richtet sich immer nach der Grunderkrankung und führt in der Regel zu einem Erfolg. Komplikationen treten dabei meistens nur dann auf, wenn die Hypoproteinämie erst spät behandelt wird und es schon zu Schäden am Körper gekommen ist. Dadurch kann eventuell auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringert sein.

Behandlung und Therapie

Eine Hypoproteinämie kann immer nur zusammen mit der Grunderkrankung therapiert werden. In der Regel normalisieren sich die Konzentrationen der Proteine im Blut wieder, sobald die Ursache verschwunden ist. Kommt es zu einem Wasseraustritt aus den Blutgefäßen, wird dieser gestoppt, wodurch sich auch die Ödeme zurückbilden. Bei schwereren Fällen mit Aszites erfolgt eine Punktierung durch die Bauchdecke, wodurch der Aszites abgelassen wird.

Dem Patienten werden außerdem Diuretika verordnet, durch die das überschüssige Wasser aus dem Körper entfernt wird. Generell ist jedoch die Behandlung der Grunderkrankung sehr wichtig. Bei Magersucht oder Mangelernährung ist oft eine psychologische Therapie angebracht. Liegt eine Allergie oder Unverträglichkeit (z. B. Zöliakie) vor, dann ist die Ernährung entsprechend zu gestalten.

Sind schwerwiegende Nieren- und Lebererkrankungen ursächlich für die Hypoproteinämie, dann müssen diese entsprechend ihrer Art und Ausprägung behandelt werden. Bei chronischen Erkrankungen ist oft eine auf Dauer angelegte Therapie notwendig. Wichtig ist, dass eine Entfernung der bei einer Hypoproteinämie auftretenden Wasseransammlungen in Bauch und Lunge durch Punktierung erfolgt.



Vorbeugung

Eine wirkliche Vorbeugung einer Hypoproteinämie ist nicht möglich, denn die ursächlichen Grunderkrankungen können sehr vielfältig sein. Somit gelten sämtliche vorbeugende Maßnahmen immer nur für die entsprechenden Grunderkrankungen. Sobald jedoch die Grunderkrankung bekannt ist, sollte eine Behandlung als vorbeugende Maßnahme erfolgen.

Bücher über Hypoproteinämie

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Hypoproteinämie?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?